16.07.2026

Uwe Steimle und die Staatsanwaltschaft

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"Lieber 100 Stunden reden als 1 Minute Krieg. Und darum geht's." Uwe Steimle

Transkript 

Der Auslöser der Debatte

Eine Veranstaltung der AfD im Sachsen-Aanhaltischen Desser Rosslau sorgt für Schlagzeahlen in den deutschen Zeitungen. Der Grund? Dort wurde die DDR Nationalhymne gesungen. Es war eine Diskussionsrunde mit AfD Chef Tino Kropaller und dem Sachsen-Aanhaltischen AfD Spitzenkandidaten Ulrich Segmund soweit so normal 8 Wochen vor der Landtagswahl. Aber mit dabei bei dieser Veranstaltung war auch der ostdeutsche Kabarettist Uwe Steimle und der stimmte auf der Bühne zum Abschluss eine Hymne an. Es war aber nicht die deutsche Nationalhymne, also Einigkeit und Recht und Freiheit, sondern es war die Hymne der DDR. Und das klang so. Auferstanden aus Ruinen und der Zukunft zugewand. Lasst uns dir zum Guten dienen. Deutschland einig Vaterlands schnter denkt alte Not gilt es zu zwingen und wir zwingen sie vereint denn es muss uns doch gelingen, dass die Sonne schön wie nie über Deutschland scheint über Deut Deutschland Schein, ich kann nur die Hyne. Das gibt jetzt also große Aufregung in den Medien und wir wollen drüber reden mit Ube Steimle selbst, den ich jetzt hier beim Kontrafunk begrüße. Guten Tag,

Warum Uwe Steimle die DDR-Hymne sang

Herr Steimle. Guten Tag. Hier spricht der deutsche Kabarettist und nicht der Ostdeutsche. Herr Steimle, das Thema der Diskussionsrunde in Desser Roslau war Frieden. Wie kam es denn dazu, dass Sie da die DDR Nationalhymne gesungen haben?

Die Bedeutung des Liedtextes

Also Satire, die sich erklären muss, ist ja schon überflüssig. Bei Satire gilt, wer sich betroffen fühlt, ist gemeint. Und ich mache in meinen Programmen manchmal in Erinnerung auch den Text der Nationalhüne der deutschen demokratischen Republik, der so tagespolitisch und so aktuell ist, weil wir ja immer noch kein einig Vaterland sind. Und ich meine, ich freue mich natürlich riesig, wenn das so ein Echo hervorruft. Vor allening, wenn man sich den Text dann auch noch mal anguckt, weil ich bezoge mich ja vor allem, ich habe das auch noch mal gesagt hinterher, der Text ist hochaktuell und man darf nicht ganz vergessen, hallo, die DDRHne war verboten, also wir durften in dem Land ja die Hymne gar nicht singen und ich war erstaunt, wie Text sicher nach 37 Jahren der gesamte Saal mit da war. Die Leute hatten Tränen in den Augen, weil dieses Vermächtnis, ne, wir sind ja die DDR aus Ruinen auferstanden, es stimmt ja jedes Wort. Und wenn ich noch mal die zweite Strophe in Erinnerung rufen darf, ja, von diesem großartigen Johannes Erbecher, Glück und Frieden sei beschieden, Deutschland unserm Vaterland. Alle Welt sehnt sich nach Friedenreicht den Völkern eure Hand. Wenn wir brüderlich uns einen, schlagen wir des Volkes Feind, lass das Licht des Friedens scheinen, daß nie wieder eine Mutter ihren Sohn beweint. Er singt nicht eine deutsche Mutter. Er singt eine Mutter und dieses Land Deutschland schlittert schon wieder in den nächsten Krieg hinein, weil die Rüstungsindustrie allen voran der Staatshalter von Black Rock, nämlich Friedrich März auf deutschen Boden sozusagen als Kriegskanzler sich schon hervortun willen. Sie wollen die Spuren verwischen, ganz einfach, weil sie pleite sind. Was wir hier erleben, ist Kapitalismus Insolvenzverschleppung. Desterwegen war der Text ganz wichtig, und ich zitiere an der Stelle auch gerne Kurtolski. Es gilt derjenige, der auf den Dreck hinweist, als viel gefährlicher als der den Dreck verursacht. 

Frage: Kanzleramtsminister Thorsten Frei von der CDU findet es, wie er sagte, extrem befremdlich, dass politische Repräsentanten gemeint sind, die anwesenden AfDPiker auf der Bühne bei der DDRHmne mitgesungen hätten. Haben denn Tino Kropaller und Ulrich Siemund überhaupt mitgesungen oder haben die nur die Lippen bewegt? Was war ihr Eindruck? 

Steimle: Erstens weiß ich das nicht, weil ich mich darauf nicht konzentriert habe. Mich ergreift es immer noch jede Minute, wenn ich diese Hymne singe. Ich bin mit der Hymne groß geworden. Und dieses Vermächtnis, wir haben auch noch mal eindeutig gesagt, kann man auch hören, es ging uns um die Präsenz dieses Textes, weil der immer noch so hoch aktuell ist und die Sprache ist das Kleid eines Menschen und da kriegt man natürlich eben dann auch mit, ne, was gemeint ist. Ich weiß nicht, ob die mitgesungen haben. Keine Ahnung. So völlig uninteressant. Der Saal hat mitgesungen und ich bin als Kabarettist geladen und da muss man damit rechnen, dass man auch mal, ich meine was ich alles bin, ich bin ja auch ein Nazi und denn der Nazi die DDR Hymne singt, das stimmt doch alles. Da ist doch die Querfront bestens vereint.

Erinnerung an die DDR und Friedensgedanke

Frage: Sie sind ja einst bekannt geworden mit ihrer Parodie des DDR Staatsratsvorsitzenden Erich Honeker. Jetzt singen Sie öffentlich die DDR Nationalhymne. Die DDR lässt sie irgendwie nicht los, oder? 

Steimle: Nee, geht ja auch nicht. Ich habe dort meine Jugend verbracht. Und ich sag mal mit den Worten von Peter Sodan in Erinnerung formuliert, wir wollen die DDR nicht wieder, ich auch nicht, aber wir wollen sie uns auch nicht nehmen lassen. Und dieses Land DDR, das darf man bitte nicht vergessen, hat nach diesem verheerenden Zweiten Weltkrieg, und so bin ich erzogen worden, das war Staatsdoktrin, Frieden, alles zu tun für den Frieden war Staatsdoktrin und wurde wie Familie, wie Heimat, wie Vaterland. Das war links besetzt. Heute sind dieselben Worte rechts. Und da bin ich als Kabarettist aufgerufen, mal zu fragen, was hier vor sich geht. Ich bin letztenendes ein Seismograf der Zeit. Ich stelle Fragen und wer sich betroffen fühlt, ist gemeint, um noch mal Werner Fink ins Gespräch zu bringen. Und man darf nicht ganz vergessen, ich habe 89, als ich angefangen, ich habe ja nicht Honiger Pur nachgemacht, sondern man musste das zwischen den Zeilen machen. Wir DDRler sind ja gelernt in zwischen den Zeilen zu lesen und zu hören. habe ich einen Hobbyornitologen gemacht und wenn Milke gewonnen hätte, es gab nicht nur die drei Tage des Kontos, sondern auch die drei Tage des Milke, dann würden wir heute nicht miteinander sprechen. Insofern stellt sich die Frage gar nicht, dass ich die DDR wieder haben will, darum geht's nicht. Aber es hat bis heute keine wirkliche Aufarbeitung überhaupt stattgefunden. Z.B., dass dieses kleine Land die gesamten Reparationskosten für den Zweeten Weltkrieg alleine getragen hat. Das waren über 700 Milliarden Demark. Und wenn ich dann heute ein Kanzler hinstellt wie Friedrich März und das Volk verdächtig, dass es faul wäre. Ich kann nur sagen, Leute, wir haben den großen Vorteil in der DDR, die erlebzuhaende, dass wir vergleichen können. Die DDR war zu Ende, als Honniger gesagt hatte im August: "Wir weinen niemandem eine Träne hinterher." Das war für mich das Ende der DDR. So, und wenn Friedrich März mit ähnlichen Sachen kommt um die Ecke, kann man nur sagen: "Schäm dich!" Es ist einfach völlig irre, was hier läuft. Völlig irre. Wir schlittern in den Krieg und das möchte ich nicht und deswegen versuche ich mit den Mitteln der Satire aufzurütteln oder ja oder auch eben ganz wichtig im Denken zu stüren. Darum geht's ja letztenendes. Und das Schönste war, im Saal haben alle mitgesungen. Toll. Und nach der DDR-Hymne wurde dann ja in Dessaur auch noch die heutige deutsche Nationalhymne gesungen. Klang jetzt gesanglich nicht ganz so gut. 

Frage: Wie stehen Sie zu dieser Hymne? Also dem Text von Hoffmann von Fallers Leben und der Melodie von Josef Heiden?

Satire und deutsche Einheit

Steimle: Ja, wie stehe ich dazu? Mir ist die DDRH Hymne, ich bin mit der groß geworden. Also für mich ist es die schönere Hymne, also ganz persönlich gesagt. Und noch schöner wäre vielleicht, wenn wir von Bertold Brecht die Kinderhymne singen würden, aber ich singe natürlich auch die andere Hymne mit, die ist nun mal gesamtdeutsch, aber ich bin ein Kind der DDR und ich werde ein Kind der DDR bleiben. Ich bin nicht angekommen in der BRD, weil 90% der Entscheidungsträger kommen 37 Jahre nach der Kehre aus der BRD und 90% der Immobilien gehören Menschen aus der BRD oder Übersee. Da kann von einer Wiedervereinigung gar nicht die Rede sein. Wir sind ein besetztes Land und das ist eine Schande. Und jetzt zeigen sie mit Fingern auf die, die auf den Dreck hinweisen. Das ist die Unverschämtheit. Denn Herr Frei müsste sich mal überlegen, weil er gesagt hat, es geht um das Einende. Genau in der Hymne wird gesungen Deutschland einig, Vaterland und wir sind nicht einig. Gucken Sie sich an, die DDR ist komplett blau nach 37 Jahren. Zu viel Rotlicht macht braun. Also alles irre, was hier läuft.

Medienreaktionen und spontane Aktion

Nun stürzen sich die Zeitungen in Deutschland natürlich auf diesen Hymnenvorfall von Dessau Rosslau. Manche in der AfD werden darüber vielleicht gar nicht so glücklich sein oder gerade. Für sie war es ein Spaß, den sie sich als Satiriker erlaubt haben. Oder war das vorher abgesprochen mit Tino Kropaller?

Frieden als Leitmotiv

Steimle: Nein, da war gar nichts. Da war ja selber verdattert. Die wollten das ja wieder einfangen und ich habe dann gesagt, nee, weil ich auch wissen wollte, ob die Leute im Saal den Text noch können. Noch mal, der Text war verboten und nach 37 Jahren haben die Leute ein Text, der verboten war, präsent im Kopf. Finde ich enorm. kann nur sagen, danke allen und vielleicht sollten wir öfter uns mal mit den Texten und den Inhalten und der deutschen Sprache beschäftigen, weil Sprache ist auch Heimat und insofern ich habe mir nichts vorzuwerfen. Für mich war das eine hochinteressante Veranstaltung. Ich sag noch mal: Frieden war das, was über allem stand. Und wenn mich jemand ruft, ich bin letztenendlich ein alter Linker und lass mich doch nicht von irgendwelchen Leuten zum neuen Rechten machen. Ich bleibe dabei. Und für mich war das, weil ich gerufen wurde zu einer Friedensveranstaltung zu kommen, in eine Ehrensache. Und wenn ich einen kleinen Beitrag dazu leisten durfte, dass Frieden bleibt möglichst noch lange und wir keine Rüstung bzw. Drohnen und Bomben in Richtung Russland schicken, dann habe ich alles richtig gemacht.

Abschluss

Alles für den Frieden. Die Erhaltung des Weltfriedens in Europa, das war immer oberste Staatsdoktrin. Und ich höre heute noch Eretoniker, der gesagt hat: "Und wenn wir uns mit dem Teufel verbünden würden, Hauptsache es bleibt Frieden." Und denken Sie an Helmut Schmidt, um mal wieder gesamtdeutsch zu sprechen, lieber 100 Stunden reden als eine Minute Krieg. Und darum geht's. 

Über den in der deutschen Presse skandalisierten Hymnenvorfall von Dessaurlau sprach ich mit dem Urheber, dem Kabarettisten Uwe Steimle. Danke fürs Gespräch. No.

Sprache (Ton)
Deutsch
Sprache (Untertitel)
Englisch
Laufzeit
10min 48s
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Erstellt: 24.07.2026 - 07:35  |  Geändert: 24.07.2026 - 08:42

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