Im Interview spreche ich mit Tahir Chaudry über sein Buch zu Peter Thiel – und die Frage, ob wir längst auf dem Weg in einen neuen Technofeudalismus sind.
Im Zentrum steht der geheimnisumwobene Datenkonzern Palantir Technologies: ein Unternehmen mit engen Verbindungen zu Geheimdiensten wie der Central Intelligence Agency, das heute militärische und sicherheitspolitische Entscheidungen mitprägt – von KI-gestützter Zielauswahl bis hin zur Nutzung durch die NATO.
Wir sprechen über Thiels radikale Technologievisionen, seine Netzwerke, seine Geschäfte – und darüber, warum Kritiker in zentralisierten Datenplattformen ein potenziell mächtiges Kontrollinstrument sehen.
Zeitmarken
1. Peter Thiel: Der Transhumanist und "Tech-Papst"
Chaudhry beschreibt Thiel als eine Figur, die den Menschen als bloßen Algorithmus betrachtet, der technologisch optimiert und schließlich überwunden werden müsse.
- Angst vor dem Tod: Thiels Antrieb sei die Überwindung der Sterblichkeit durch Biohacking und Technologie (Ziel: mindestens 120 Jahre oder Unsterblichkeit) [07:35].
- Transhumanismus: Er kritisiert, dass Geschlechtsumwandlungen "erbärmlich geringe" Veränderungen seien; er strebe nach einer fundamentalen Transformation des Menschseins [21:01].
- Religiöser Kontext: Thiel nutze christliche Motive (wie die Auferstehung), um technologische "Wunder" zu rechtfertigen, während er gleichzeitig vor einem "Antichristen" warnt [04:10].
2. Palantir: Die "Datenkrake" und der Schattengeheimdienst
Palantir Technologies wird als Thiels mächtigstes Werkzeug zur Überwachung und Datenanalyse dargestellt.
- Geheimdienst-Wurzeln: Das Unternehmen wurde mit Unterstützung des CIA-Investmentarms In-Q-Tel aufgebaut und agiere im Kern wie ein privatisierter Geheimdienst [28:53].
- Einsatz in Deutschland: Seit 2023 wird die Software (unter Namen wie "HessenData" oder "Vera") verstärkt bei deutschen Polizeibehörden eingesetzt, oft vorangetrieben durch CDU und AfD [46:53].
- Ontologie-Konzept: Die Software führt massive Datenmengen (Finanzen, Bewegungsdaten, soziale Medien) zusammen, um Netzwerke und Verhaltensmuster sichtbar zu machen [49:14].
3. Ideologie: Technofeudalismus und "Dark MAGA"
Das Gespräch beleuchtet Thiels politische Visionen, die über klassische Parteigrenzen hinausgehen.
- Ablehnung der Demokratie: Thiel vertrete die Ansicht, dass Freiheit und Demokratie nicht miteinander vereinbar seien [36:45]. Er befürworte technokratische Strukturen, in denen Experten oder KIs statt gewählter Parlamente entscheiden.
- Seasteading: Er investierte in schwimmende Städte auf dem Meer, um außerhalb staatlicher Regulierung neue Gesellschaftsformen zu testen [40:51].
- Politischer Einfluss: Durch die massive Förderung von Figuren wie J.D. Vance versuche Thiel, die US-Politik im Sinne eines "technologischen Imperiums" umzugestalten [42:43].
4. Verbindungen zu Jeffrey Epstein
Chaudhry berichtet über neue Erkenntnisse aus E-Mail-Leaks, die eine engere Verbindung zwischen Thiel und Jeffrey Epstein belegen sollen, als bisher zugegeben wurde.
- Treffen: Entgegen Thiels Aussagen habe es wohl Treffen auf Epsteins Insel gegeben, teils zusammen mit anderen Tech-Größen wie Elon Musk oder Mark Zuckerberg [01:06:09].
- Unterstützung: Thiel soll Epstein nach dessen erster Verurteilung PR-Strategien und Hilfe angeboten haben [01:08:19].
5. Das "Weltgehirn" KI
Die Gesprächspartner warnen vor einer "Ersatzreligion", in der die KI als unfehlbarer Gott akzeptiert wird, um die von der Technologie selbst verursachten Krisen (wie Desinformation) zu lösen [58:17].