Opening Dinner Keynote: American and the World 2015
auf YouTube (05.12.2014) 1:13:10
In diesem Video aus dem Jahr 2014 diskutiert Vali Nasr, Dekan der Johns Hopkins School of Advanced International Studies, die Rolle der USA in der Welt und die globalen Herausforderungen für das Jahr 2015.
Zeitmarken
1. Die neue Komplexität der Weltpolitik
Nasr betont, dass globale Probleme heute stärker miteinander verknüpft sind als früher. Er nennt konkrete Beispiele für diese Zusammenhänge:
- Klima und Konflikte: Er führt den Aufstand in Syrien unter anderem auf die schlimmste Dürre seit biblischen Zeiten zurück [09:12]. Ähnliche Effekte sieht er beim Aufstand in Ägypten durch steigende Weizenpreise nach Dürren [09:31].
- Ressourcenknappheit: Wasserknappheit und Ernährungssicherheit entwickeln sich zu zentralen Sicherheitsfragen, die oft unterschätzt werden [06:52].
- Wirtschaft als Machtinstrument: Der wichtigste Machtfaktor der USA ist laut Nasr nicht das Militär, sondern der Dollar. Die globale Dominanz der Währung ermöglicht es den USA, anderen Ländern ihren Willen durch Sanktionen aufzuzwingen [18:42].
2. Kritik an der US-Außenpolitik (Ära Obama)
Nasr beschreibt die Strategie der damaligen Regierung nicht als Isolationismus, sondern als Minimalismus.
- Vakuum durch Rückzug: Er warnt davor, dass ein plötzlicher Rückzug der USA aus Regionen wie dem Nahen Osten ein Machtvakuum hinterlässt, da keine regionalen Strukturen existieren, die diese Rolle übernehmen können [08:05].
- Fehlende "Grand Strategy": Nasr kritisiert, dass den USA eine langfristige Vision fehlt. Er vergleicht das aktuelle Vorgehen mit "Whack-a-Mole" (Hau-den-Maulwurf) – ein bloßes Reagieren auf Krisen ohne klares Ziel [20:29].
3. Regionale Schwerpunkte
- China: Das Verhältnis wird als "Coopertition" (Mischung aus Kooperation und Wettbewerb) beschrieben. China fordert zunehmend Mitsprache in internationalen Institutionen wie dem IWF, da es die bestehenden Regeln, die von den USA entworfen wurden, nicht bedingungslos akzeptiert [30:01].
- Iran: Zum Zeitpunkt des Videos sah Nasr beide Seiten an einem Deal interessiert, betonte jedoch, dass das größte Hindernis nicht technischer, sondern politischer Natur sei – beide Regierungen müssten den Deal innenpolitisch als Sieg verkaufen können [27:56].
- Pakistan: Er beschreibt das Land als "gefährlich", da es instabil, atomar bewaffnet und von Armut sowie Terrorismus geprägt ist. Die USA hätten oft den Fehler gemacht, nur mit dem Militär statt mit der Zivilgesellschaft zu kooperieren [59:51].
4. Demografie und Jugend
Nasr warnt davor, eine junge Bevölkerung automatisch mit Hoffnung und Demokratie gleichzusetzen. Ein "Youth Bulge" (Jugendüberschuss) kann ohne entsprechendes Wirtschaftswachstum zu massiver Instabilität führen, da junge Menschen oft die "Fußsoldaten" für extremistische Gruppen wie Boko Haram oder ISIS stellen [46:50].
Fazit für die Zukunft
Nasr plädiert dafür, dass die USA ihre internationale Führungsrolle nicht aufgeben, sondern klug definieren müssen. Er empfiehlt jungen Profis, sich global weiterzubilden (Sprachen, Geschichte), da in einer vernetzten Welt jede Karriere eine internationale Komponente hat [50:13].