Wilde und zarte Träume
Anna Seghers Jahre im Pariser Exil
Mit tänzerischer Anmut zeichnet Monika Melchert ein überraschendes Porträt der großen Schriftstellerin, die 1933 mit Mann und Kindern vor den Nazis nach Frankreich fliehen musste. Sie erzählt, wie Anna Seghers unter wachsender Bedrohung ein Schreiben entfaltet, in dem sie Politik und Poesie auf einzigartige Weise verbindet. Wie sie für die Familie sorgt, sich gegen den wachsenden Faschismus zur Wehr setzt und schließlich in Marseille ihren berühmten Roman „Transit“ beginnt. Mit Zeichnungen der jungen Künstlerin Luna Al-Mousli, die selbst Erfahrungen mit dem Exil hat.
Die Jahre Anna Seghers in Frankreich sind nicht so bekannt wie die Zeit, die sie im Exil in Mexiko verbracht hat. Monika Melchert, die nicht nur einige Bücher über Anna Seghers verfasst hat, wie "Rückkehr in ein kaltes Land" über ihre Heimkehr nach Deutschland 1953, sondern auch zwanzig Jahre Führungen durch die Wohnung Anna Seghers in Adlershof gemacht hat, ist eine intime Kennerin von Leben und Werk. Sie reiste mit Anna Seghers Sohn, Pierre Radvány, durch Frankreich, um die Aufenthaltsorte der Familie zu sehen. Vor allem aber ist sie eine leidenschaftliche Leserin und selbst wunderbar schreibende Autorin.
Geradezu spannend berichtet sie von der Entstehung der geheimnisvollen Erzählungen vom "Räuber Woynok" und den "Sagen um Artemis", in denen Anna Seghers mit märchenhaften Mittel subtil die politischen Fragen der Zeit verarbeitet. Sie begleitet Anna Seghers an die Caféhaustische am Boulevard Saint-Germain, wo sie im eleganten Kleid schreibt. Sie berichtet von Anna Seghers Begegnungen mit anderen KünstlerInnen im Exil wie der Schauspielerin Helene Weigel oder dem Dichter Pablo Neruda bei Schriftstellerkongressen für den Frieden und gegen den wachsenden Nationalsozialismus. Als die Familie sich immer mehr in Gefahr sieht, weil sie jüdischer Herkunft ist, muss Anna Seghers um das Überleben kämpfen, zugleich schreibt sie ihren großen Roman "Das siebte Kreuz" und schließlich "Transit".
Die atmosphärischen Zeichnungen von Luna Al-Mousli, die die Arbeit auf dem Papier wie die Leerstellen, die die Schriftstellerin exemplarisch für viele andere ExilantInnen hinterlässt, laden zum Verweilen und Nachdenken ein und verleihen dem Buch eine besondere Wertigkeit.
Pressestimmen
"Monika Melchert erzählt in ihrem neuen Buch spannende Literaturgeschichte (...) sie erzählt mit einer schönen, emotionalen Nähe zu den Geschehnissen" Klaus Walther, in : Lesart 3 / 18
"Melchert weiß gut Bescheid. Jetzt ist ihr ein erstaunlich schönes Buch gelungen, weil sie zu erzählen weiß" - Christel Berger, Neues Deutschland, 1.12.2018
"Monika Melchert beschreibt argumentativ überzeugend, menschlich einfühlsam und sprachlich elegant, wie es Anna Seghers gelang, in einer für die Familie immer bedrohlicher werdende Situation eine immense literarische Kraft zu entfalten." Hans- Willi Ohl, in Argonautenschiff, Jahrbuch der Anna-Seghers-Gesellschaft, Nov. 2018
Autoreninfos
Illustratorin
Luna Al-Mousli, 1990 in Melk (Österreich) geboren, aufgewachsen in Damaskus, lebt heute in Wien. Sie absolvierte ihr Grafik Design Studium an der Universität für Angewandte Kunst. Seit 2013 ist sie selbstständige Grafik Designerin und Illustratorin. Als Schriftstellerin veröffentlichte sie ihr erstes Debüt „Eine Träne. Ein Lächeln. Meine Kindheit in Damaskus“ im weissbooks Verlag 2016. Sie wurde unter anderem mit dem Österreichischen Kinder und Jugendbuchpreis ausgezeichnet.
Wikipedia (DE): Luna Al-Mousli | Wesbite: Luna Al-Mousli
Erstellt: 29.11.2025 - 09:45 | Geändert: 29.11.2025 - 10:24
