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Die Polizei - dein Freund und Helfer? Sven aus Köln hat das Gegenteil erlebt. Bei einem Polizeieinsatz wurde er grundlos geschlagen und verlor das Bewusstsein. Sein Fall landete vor Gericht. Doch angeklagt wurden nicht die Polizisten, sondern er selbst, wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt. Aus einem Opfer machte die Polizei einen Täter. “Ich zweifle sehr stark an unserem Rechtsstaat“, sagt Sven. „Da habe ich kein Vertrauen mehr.”

Nicht nur in den USA macht die Polizei derzeit Schlagzeilen, sondern auch bei uns in Deutschland. Immer wieder wird Gewalt gegen Bürger publik. Und nicht erst seit dem Polizeiskandal von Hessen steht der Vorwurf im Raum, bei der deutschen Polizei gäbe es  Rassismus und Hinweise auf rechtsextremistische Netzwerke. In Hessen wurden persönliche Daten aus Polizeicomputern abgerufen. Unter anderem eine Politikerin und eine Anwältin erhielten daraufhin rechtsextreme Drohschreiben.

WDR und Handelsblatt haben gemeinsam recherchiert: Wer kontrolliert die Polizei in Deutschland? Wo können sich BürgerInnen und Bürger beschweren – und finden sie Gehör? Das Ergebnis: eine flächendeckende unabhängigen Kontrolle der Polizei in Deutschland gibt es nicht.

Die Story geht zahlreichen aktuellen Fällen nach – mit erschreckenden Details. Unsere Recherchen zeigen, dass sich betroffene Bürgerinnen und Bürger oft nicht gegen Gewalt und Rassismus wehren können. Denn die zuständigen internen Stellen in der Polizei und auch die Staatsanwaltschaften gehen in vielen Fällen nicht entschlossen genug gegen Missstände vor.

Gleichzeitig erleben Polizistinnen und Polizisten in Deutschland oft selbst Gewalt bei Einsätzen – wie jüngst in Stuttgart, wo eine Drogenkontrolle gegen einen 17-Jährigen eskaliert und 19 Beamte verletzt werden. „Die Kollegen werden manchmal behandelt wie ein Fußabtreter“, so beschreibt der stellvertretende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei Dietmar Schilff die Situation vieler Polizistinnen und Polizisten.

Doch während Polizei und Staatsanwaltschaft mit der Härte des Gesetzes gegen solche Übergriffe vorgehen können, sieht es mit den Rechten von Bürgerinnen und Bürger, die von Polizeigewalt betroffen sind, anders aus. Denn sie müssen bei der Polizei selbst Anzeige erstatten. Menschenrechtler fordern deshalb seit Jahren, sich ein Beispiel an Nachbarländern zu nehmen, etwa an Dänemark, wo es die sogenannte „Unabhängige Beschwerdestelle“ gibt. Eine Einrichtung, bei der sich Bürgerinnen und Bürger wegen Polizeigewalt melden können. Die Story zeigt: Die Stelle ist nicht nur personell und finanziell gut ausgestattet. Sie ermittelt auch völlig eigenständig mit Befugnissen wie eine Staatsanwaltschaft. Und in Deutschland? Da stößt ein solches Modell auf den vehementen Widerstand der Polizeigewerkschaften. Und die deutsche Politik ist bislang nicht gewillt, das bisherige System der weitgehenden Selbstkontrolle zu verändern. 

Die Schokoladenindustrie hat sich vor über 20 Jahren vertraglich dazu verpflichtet, bis 2007 keine Kinderarbeit mehr auf den Kakaoplantagen zuzulassen. Wir wollen wissen: halten sich die Konzerne daran?

Auf einer Reise durch Westafrika wird klar: 23 Jahre nach Unterzeichnung des Vertrages gibt es mehr Kinder auf den Kakaoplantagen als je zuvor, was auch aktuelle Zahlen der NORC, dem Forschungsinstitut an der University of Chicago, bestätigen. Die Elfenbeinküste ist der größte Kakaoproduzenten der Welt, hier zeigt sich dem Reporterteam ein erschütterndes Bild. Auf nahezu allen Plantagen arbeiten Kinder. Oft sind es jedoch nicht die Kinder der Farmer, sondern sogenannte ,,Sklavenkinder‘‘. Aus purer Verzweiflung sind Eltern in Mali oder Burkina Faso offenbar gezwungen, ihre eigenen Kinder in die Elfenbeinküste als Arbeitskräfte zu schicken, da sie sie nicht mehr ernähren können. In dem afrikanischen Land müssen bereits 12jährige Kinder von morgens bis abends auf den Plantagen schuften. Sie haben keine Chance, in die Schule zu gehen.

Die Arbeit ist körperlich extrem hart, für ihre Nahrung müssen die Kinder selbst sorgen, wenn sie Glück haben dürfen sich schon mal ein paar Rüben zum Essen anbauen. „Wenn wir mal Fleisch essen wollen, müssen wir Ratten jagen,“ erzählt der 13jährige Marcelin, der mit seinen gleichaltrigen Leidensgenossen auf einer Plantage nahe der Liberianischen Grenze arbeitet. Experten schätzen, dass rund 12.000 Kinder unter solchen Umständen in der Elfenbeinküste arbeiten.

Nicht nur für die Kinder, auch für die Natur ist der weltweit steigende Konsum nach Schokolade eine Katastrophe. Um immer mehr Kakao anzupflanzen, muss der Urwald weichen. Jedes Jahr werden enorme Flächen des Waldes gerodet, um Platz zu schaffen für das süße, braune Gold.

Viele, die in der Elfenbeinküste mit Kakao zu tun haben, werden ausgebeutet: vom Kind bis hin zur Natur. Auch die Hafenarbeiter, die den Kakao nach Europa verladen, verdienen fast nichts. Aus diesem Grund gibt es für sie nur ein Thema: Die Flucht nach Europa.

Ein kleiner Lichtblick: In der Karibik beispielsweise setzt die Dominikanische Republik auf fairen Bioanbau. In dem Inselstaat gibt es kaum Kinderarbeit und eine einigermaßen vernünftige Bezahlung für die Kakaofarmer. Der Kakao aus der Karibik macht zwar nicht einmal zwei Prozent des weltweiten Kakaovolumens aus, aber hier zeigt sich, wie es gehen könnte. Auch in Deutschland kann man Schokoladenhasen aus der Karibik kaufen. Doch hierzulande gibt es nur einige Firmen, die bestimmte, fairere Standards einhalten.

Die Story „Die Wahrheit hinter dem Schokohasen“ ist eine packende Recherchereise über Schokolade – mit erschütternden Ergebnissen.

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Über Jahrhunderte erzählten und deuteten Männer Geschichte, schrieben HISTORY, waren Maß und Norm für Wissenschaft, Rechtsprechung und Ingenieurskunst.

"HERstory" findet: Es ist Zeit, endlich das ganze Bild zu malen. Nicht allein aus Prinzip, aus dem Wunsch nach Gleichbehandlung, sondern weil es im Extremfall sogar tödlich sein kann, wenn die Hälfte der Menschheit im toten Winkel bleibt.