Laberfach (Medienpräsenz)

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Wenn Leute von ihrer Schulzeit erzählen, meinen viele, sie hätten im Unterricht 9, 10, 13 Jahre nur über die Nazi-Zeit gesprochen. Was davon zu halten ist, sei mal dahingestellt, aber Romane aus der NS-Zeit sind auch in Deutsch gängig:

Arno Geigers »Unter der Drachenwand« beginnt 1943 an der Ostfront – aber erzählt von den Menschen abseits des Kriegsgeschehens und brauner Uniformen. Im romantisch angehauchten Dorf »Mondsee« suchen sie einen Alltag im Krieg mit Beziehung, Familie, Trauma-Verarbeitung, Sucht, ständiger Sorge und häufig auch: bleierner Langeweile.

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Als umjubelter Revolutionär im Iran ritt Jamshid auf Panzern durch die Stadt. In Berlin fährt er Taxi, um als alleinerziehender Papa seine beiden Söhne durchzubringen.

In seinem Debütroman »Hund, Wolf, Schakal« erzählt Behzad Karim Khani die Geschichte, wie eine Familie im Deutschland der 90er-Jahre versucht fußzufassen – zwischen Straßengangs und pseudo-weltoffenen Bürger-Familien, herzlichen Nachbarinnen und durchgeknallten Kriminellen, der ersten Liebe und dem Alltag im Knast. Und so zwiespältig seine Figuren oft sind: Khani verleiht ihnen Würde und begleitet sie auch dann, wenn das Licht nach der Party angeht und man bloß nicht in den Spiegel sehen will.