Mark Lowery: Wie ein springender Delfin. Rezension von Johanna

Rezension
Mark Lowery: Wie ein springender Delfin     Rowohlt     978-3-499-21775-3     14,99 €

 

„Du bist ein springender Delfin.

Ein herrliches Beispiel

Dafür, was es bedeutet,

zu leben.“

 

Martin ist 14, lebt in Preston und ist großer Bruder. Und jetzt gerade ist er mit seinem kleinen Bruder Charlie auf dem Weg nach St. Bernhards. Einem kleinen Küstendorf in dem Martins Familie letztes Jahr Urlaub gemacht hat. 590 Kilometer Luftweg. Mit dem Zug braucht man ungefähr acht Stunden. Das alles weiß Martin und trotzdem hat er nun für sich ein Ticket gelöst, sitzt mit Charlie in einem Wagon und wartet auf die Abfahrt. Er muss diese Fahrt machen. Er weiß das. Mit Charlie. Nur sie zwei. Der Zug fährt los. Martin drückt seinen Rucksack fester an sich und spürt die Kanten der Keksdose, gefüllt mit den Super-Besonderen-Weihnachtsplätzchen, an seiner Brust. Für den Delfin. Für Charlie, das Wunder, das sein Bruder ist.

Schon in den ersten paar Kapiteln baut man als Leser ein inniges Verhältnis zu den Hauptfiguren auf und lernt sie lieben. Sowohl Martin, der seinen Bruder von zu Hause gekidnappt hat, unter Panikattacken leidet und jede freie Minute Gedichte in sein Lyrik Heft schreibt, wie auch Charlie, den hyperaktiven, hibbeligen Jungen, der von Fettnäpfchen zu Fettnäpfchen rennt und auch noch mit Anlauf hinein zu springen scheint. Man kann sich gut in die Lage der beiden Jungen hinein versetzten. Martin spielt die Rolle des großen Bruders zwar nicht perfekt, aber er weiß, dass er auf Charlie Acht geben muss. Den Charlie ist ein Wunder. Er kam 15 Wochen zu früh zur Welt und wurde erstmal im Brutkasten gepeppelt. Deshalb sind sowohl sein Herz als auch seine Lungen Schrott. Was ihn aber nicht daran hindert seinem Alter entsprechend fröhlich und aufgeweckt zu sein. Die Figuren reißen einen mit und es ist fast unmöglich dem Sog der Geschichte zu entkommen. Trotzdem bleibt immer die Frage, warum Martin seinem Bruder unbedingt noch mal zu dem Delfin von damals bringen will und warum sie dazu nicht ihre Eltern mitnehmen konnten. Doch die Gründe dafür werden langsam immer klarer, da abwechselnd ein Kapitel in der Gegenwart spielt und das nächste dann wieder die Ereignisse des letzten Sommerurlaubs nacherzählt. So setzen sich langsam die Puzzleteile zusammen und fordern den Leser mitzudenken und sich der Geschichte der Jungen hinzugeben.

 

Mark Lowerys Schreibstil ist überzeugend und durch die Perspektive von Martin ist man nah am Geschehen dran und fiebert mit. Auch der Aufbau des Buches ist toll arrangiert. Besonders fällt auf, dass vor vielen Kapiteln Gedichte und Seiten aus Martins Lyrik Buch eingefügt sind. Das Buch liest sich schnell und rührt zum Nachdenken an.

Ich würde es ab ca. 12 Jahren empfehlen.

Johanna    

 

Wie ein springender Delfin. Roman von Mark Lowery

 

Erstellt: 25.06.2018 - 20:11  |  Geändert: 25.06.2018 - 20:17

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