Jan de Leeuw: Eisvogelsommer. Rezension von Maura

Rezension
Jan De Leeuw: Eisvogelsommer     Gerstenberg     978-3-8369-5841-7     16,95€

Thomas ist der Protagonist der Geschichte, obwohl er seit einigen Tagen tot ist. Auf der Bundesstraße wurde er von einem LKW (auf seinem Fahrrad sitzend) erfasst und in den Tod gerissen. Aus dem Jenseits wird das Buch von ihm erzählt. Er beschreibt die Situation, in der sich nun seine Mitmenschen befinden, von seiner Freundin Orphee, die sich aus lauter Trauer selbst die Schuld an seinem Tod gibt und sogar versucht, sich umzubringen, um wieder bei ihm zu sein. Von seiner Mutter, die nach seinem Tod aus seinem Zimmer eine Gedenkstätte macht. Die so krampfhaft versucht an ihren toten Sohn festzuhalten, es nicht akzeptieren will, dass er gestorben ist, dass sie sich schließlich auch noch von Thomas' Vater trennt. Thomas' Mutter kommt nicht mehr klar in ihrem Leben und ohne ihren Mann schon gar nicht, der als einziger akzeptiert zu haben scheint, dass das Leben für seinen Sohn zu Ende gegangen ist.

Bis dahin erzählt das Buch eine Geschichte, die sich nicht davor scheut, das Wort " Tod" in den Mund zu nehmen. Bis dahin. Dann wird es nämlich ein bisschen skurril. Denn Thomas beginnt seine Hinterbliebenen zu verfolgen. Auch wenn er tot ist, kann er, sobald sie an ihn denken, mit ihnen kommunizieren. Bald wird seine Mutter als verrückt abgestempelt. Zum anderen erzählt Thomas zu seiner engen Bindung zu seinem Großvater, den Vater seiner Mutter. Thomas' Mutter hasst ihren Vater schon seit Jahren, wieso weiß er selbst nicht genau. Als Toter redet Thomas mit seinem Großvater über dessen Vergangenheit und bekommt endlich erklärt, wie es geschehen ist, dass seine Mutter einen so tiefen Hass auf ihren Vater hegt.

Ein besonderes Buch. An vielen Stellen kommt es etwas märchenhaft rüber, was aber vor allem an den fantasievollen Erzählungen des Großvaters liegt, bei denen man sich immer fragt, wie viel an ihnen der Wahrheit entspricht. Das Buch befindet sich immer wieder auf einer Gratwanderung zwischen skurril und vollkommen abgedreht und dann wieder emotional und ergreifend. Das Schicksal der ganzen Familie, angefangen bei der Kindheit von Thomas' Großvater bis hin zu Thomas' Tod erzählt von lauter Schicksalsschlägen. Die Geschichte hat so etwas Unwirkliches, und obwohl sie andauernd über Rückschläge berichtet und es sich ständig um das Thema "Tod" dreht, verliert sie selten an Leichtigkeit.

Vor allem sprachlich ist der Roman beeindruckend, einfach toll geschrieben, wenn auch an manchen Stellen etwas sehr lyrisch, sodass man manchen Satz erst noch mal lesen muss, um ihn dann zu verstehen.

Auf jeden Fall kein einfaches Thema, und somit auch kein einfaches Buch, das in mehreren Bereichen extrem anspruchsvoll ist. Man darf nicht erwarten, dass man das Buch freudestrahlend aus der Hand legt, manchmal wird man bedrückt und etwas niedergeschlagen sein, aber dennoch, die Geschichte ist einfach faszinierend.

Empfehlen würde ich das Buch deshalb erst ab 14. Es ist einfach nicht ganz einfach:)

Maura, 15

Eisvogelsommer. Roman von Jan de Leeuw

 

 

Erstellt: 25.05.2017 - 14:40  |  Geändert: 02.06.2017 - 19:09