Dienstag, 10.01.2017, 20:30 Uhr Lesung mit Nevfel Cumart

Er schreibt in einer eigenen literarischen Sprache zwischen türkischer Tradition und deutscher Moderne. Er liest aus seinem weitem literarisches Spektrum: biographische Texte, Liebes- und Reise-Gedichte, humorvolle Momentaufnahmen aus einem Leben in verschiedenen Kulturen u.a. Nevfel Cumart ist u.a.

Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande der Bundesrepublik Deutschland 2014, Künstler des Monats der Metropolregion Nürnberg 2016 und Träger des Kulturpreises Literatur der IHK Mittelfranken 2016 

Termin: Dienstag, 10.01.2017, 20:30 Uhr

Ort: Buchladen Neuer Weg Sanderstr. 23-25, 97070 Würzburg

Eintritt ist frei                                                                                                                            © www.nevfel-cumart.de

Veranstalter: Eine Kooperationsveranstaltung des Zentrums für Lehrerbildung und Bildungsforschung (ZfL) an der JMU Würzburg mit dem Lehrstuhl für Didaktik der deutschen Sprache und Literatur der Universität Würzburg. Nähere Informationen unter: www.zfl.uni-wuerzburg.de

s.a. → Wikipedia

Gedichte

worte
ich hinke hinter worten her
unermüdlich auch auf knien
fahre sanft durch das alphabet
streichle das a verbrenne
meine finger noch vor dem c
aus: Das Lachen bewahren

was bleibt
die inflation galoppiert
das militär putscht
die regierung verschwindet
die berge aber bleiben
journalisten werden ermordet
zeitungen werden verboten
bücher verschwinden
die berge aber bleiben
häuser stehen in flammen
gefängnisse quellen über
menschen verschwinden
die berge aber bleiben
aus: Auf den Märchendächern

Gedichtbände (Auswahl)
Feuerzunge. 2015
Wüstenakazie. 2015

Presseartikel:

Heimatstunde im Kontrast. Nevfel Cumart las in der Universität Bamberg
Er scheint der fleischgewordene Widerspruch. Tritt adrett gewandet mit Schlips und Anzug auf, wie ein Banker oder mindestens ein Juniorchef. Und doch ist Nevfel Cumart ein Dichter. Da gehen dann die Widersprüche gleich weiter: Denn seine Gedichte sind oft eher eine singende, klingende Prosa, sind in Apho ris mus form gefugte Gedankensplitter, sind Sprachspiele ohne Reim und gängiges Metrum. Die ganz beiläufig von Dingen erzählen, die aus vielen Lebensgegenden stammen. Liebe, natürlich. Befindlichkeiten des Dichters, und wie man schreibt. Aber auch Reisebilder und Mo ment auf - nahmen davon, wie es ist, wenn sich zwei Heimaten be - geg nen. Und auf diesem Gebiet kennt sich Nevfel Cu mart aus, denn er vereint in seinem Leben gleich drei davon: die türkische, die er durch seine Eltern bekam, die norddeutsche, in die er geboren wurde, und die Bambergische, die er sich seit über zehn Jahren gewählt hat. »Über die Heimat« erzählt davon, daß der Vater des Dichters in die Türkei zurückkehrt, weil er nicht in der Fremde sterben will. Der Dichter selbst bleibt aus diesem Grund an der Regnitz. So hat er seine Heimat also schließlich gefunden? Nicht so ganz. Der fleischgewordene Widerspruch würde enttäuschen, wenn er auf einem Faustischen Faulbett verweilen würde. Denn auch das wurde in der Lesung deutlich: Jede Idylle wird hinterfragt, jede poetische Geschichte erhält ihre über ra - schen de Wendung, jedes Bild wird aufgebrochen. Deutschland ist die Heimat, in die Cumart hineingewachsen ist, rückhaltlos Begeisterung bringt er ihr nicht entgegen. Wohl aber Zuneigung, trotz ausländerfeindlicher Auswüchse, verspäteter Intercitys und unfreundlicher Beamter. In dem Gedicht »München, 6. August 1998« beschreibt er einen bierseligen Abend im Eng li - schen Garten und kommt zu dem versöhnlichen Schluß: »Wenn das der Sommer ist, so will ich Deutsch - land ertragen«. Bier und Sommerluft reißen einen Dich - ter hin? Darf der das? Ist das poetisch? Oh ja. Nevfel Cumart beweist mit seinen Gedichten und seinen Le - sun gen, daß Dichtung Spaß machen kann, auch wenn sie ernste Themen berührt. Daß sie unterhaltsam sein kann und anrührend zugleich. Und vor allem: Daß sie nicht nur zeitgemäß ist, sondern unbedingt in diese Zeit gehört.  (Fränkischer Tag)

 

Erstellt: 08.01.2017 - 14:32  |  Geändert: 11.01.2017 - 11:26