Katrin Zipse: Die Quersumme von Liebe. Rezension von Britta Kiersch

Rezension
Katrin Zipse: Die Quersumme von Liebe       Magellan       978-3-7348-5011-0    16,95 €

Dieses Buch habe ich mit wachsender Begeisterung gelesen, es ist so eindringlich und ging mir extrem unter die Haut. Der Titel lässt ja als erstes an eine Liebesgeschichte denken und es geht auch um Liebe: Um die Liebe eines Kindes zu seinen Eltern, um die Liebe zwischen Geschwistern, die Liebe zu Großeltern - und auch um die Liebe zu einem möglichen Partner.

Die Geschichte beginnt damit, dass Luzie im Papiermüll eine an ihre Mutter gerichtete Todesanzeige findet. Bestürzt realisiert sie, dass es ihre Großmutter ist, die gestorben sein soll, obwohl sie doch schon seit Jahren tot ist. Das dachte Luzie zumindest, weil ihre Mutter es ihr damals gesagt hatte und die Großmutter seitdem auch komplett aus ihrem Leben verschwunden war. Luzie geht dann zu der Beerdigung und weitere Ungereimtheiten im Zusammenhang mit dem tödlichen Kletterunfall ihres Vaters lassen sie total an der Aufrichtigkeit ihrer Mutter zweifeln. Sie beginnt nachzuforschen.

Bei ihren Recherchen kommt heraus, dass ihr Vater nicht allein in den Bergen war, als der Unfall passierte. Aber auch über die Umstände diesbezüglich schweigt sich Luzies Mutter aus und Luzie merkt, dass sie die ganze Zeit mit schrecklichen Lügen gelebt hat.

Das Mädchen beginnt mit der Suche nach dem Freund des Vaters und findet dessen Sohn. Puma jobbt in einer Kletterhalle und Luzie schiebt ihren kleinen (Halb-)Bruder Aaron vor, der gern klettern lernen möchte, um Puma kennenzulernen. Und dann überstürzen sich die Ereignisse.

Zum Glück ist Depression (sie hat große Bedeutung in der Geschichte) als Krankheit mittlerweile „gesellschaftsfähig“ und in gewissem Maß behandelbar. Ganz deutlich wird in dem Roman auf jeden Fall, dass die Lüge immer schädlich ist, auch wenn sie vermeintlich zum Schutz eines Kindes herhalten muss. Zumindest macht Luzie diese Erfahrung und für das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter sind diese Entscheidung der Mutter und die daraus resultierenden Konsequenzen sehr negativ.

Spannung von der ersten bis zur letzten Seite ist eine große Stärke des Buches, das wechselweise aus der Sicht von Luzie und Puma erzählt wird. Der Stil von Katrin Zipse ist beeindruckend. Ich weiß nicht genau, wie sie das macht: Da schwingt eine Sehnsucht zwischen den Zeilen, die sich auf den Leser überträgt. Man will selbst unbedingt wissen, was mit Luzies Vater und der Familie damals passierte. Man fühlt mit Puma als Luzie verschwunden ist und er mit dem fiebernden Aaron im Auto des Freundes nach ihr sucht und ganz verzweifelt ist, als er nicht mehr weiter weiß. Ganz stark. Natürlich gibt es auch was zu Meckern… Die Mutter überzeugt mich in ihrer Darstellung nicht. Sie ist Pädagogin und macht so gravierende Fehler in ihrer Erziehung, das passt meiner Ansicht nach nicht ganz. Und die Umstände des Unfalls sind ein wenig überzogen. Aber das kann man getrost abhaken, denn das Buch ist einfach zu gut.

Von Britta Kiersch

Die Quersumme von Liebe von Katrin Zipse

 

 

Erstellt: 23.04.2016 - 09:33  |  Geändert: 28.04.2016 - 07:48

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