Séverine Vidal und Kris Di Giacomo: Mirabelle – Schulgeflüster. Buchempfehlung von Britta Kiersch

Mirabelle - Schulgeflüster. Von Séverine Vidal und Kris Di GiacomoRezension
Séverine Vidal und Kris Di Giacomo: Mirabelle – Schulgeflüster    Carlsen     978-3-551-55655-4     8,99 €

„Ein Gerücht ist eine Nachricht, die sich von Mund zu Mund verbreitet, ohne dass man weiß, ob sie auch wirklich stimmt.“ So lautet die Quintessenz dieses feinen Büchleins, die ich hier gleich vorwegnehme. Die Ich-Erzählerin Mirabelle erlebt in ihrer Klasse mit, wie Josh Marie, die ihn sehr mag, in „schönster“ Chauvi-Manier unglücklich macht.

Die Mädchen trösten sie, aber als Marie am nächsten Tag in der Schule fehlt, verbreiten sich schnell die verrücktesten Gerüchte und alle glauben sie: Marie sei nach Amerika gegangen und ein Filmstar geworden! Als Marie allerdings nach zwei Tagen wieder da ist, fällt die Klasse verständlicherweise aus allen Wolken – und Marie amüsiert sich königlich über die absurde Geschichte, die über sie kursierte. Dabei war sie einfach nur mit einer Halsentzündung bei der Großmutter, die sie gepflegt hat.

Dieses Büchlein aus dem Französischen erzählt auf äußerst charmante Art und Weise eine Geschichte über die Dynamik in einer Grundschulklasse. Es geht um Liebe und Freundschaft, um Akzeptanz und Fairness und darum mit einem „Nein“ zurechtzukommen. Ganz wunderbar wird der Verlauf eines Gerüchts dargestellt und wie sich so ein Gerücht verselbstständigt und hochschaukelt.

Mirabelle ist eine originelle Titelheldin: Sie liebt Adverbien, die auf –weise enden und logischerweise tauchen davon auch einige im Text auf: „Beim Abendessen schmollte ich. Cosmo hatte meine Lieblingspuppe geklaut… und ihr die Haare abgeschnitten. Dummerweise ist er kein besonders guter Friseur, deshalb sah Cynthia jetzt ein bisschen wie eine Klobürste aus. Eine blonde Klobürste. Mama hat mit Cosmo geschimpft. Zur Strafe sollte er mir eins von seinen Lieblingsspielzeugen geben, damit ich es kaputt machen kann. Cosmo hat ‚Honigkuchen’ geholt, den Teddybären, den er seit seiner Geburt hat. Mein kleiner Bruder ist ein schlaues Kerlchen. Er weiß ganz genau, dass ich seinen Teddy nicht in seine Einzelteile zerlegen werde, nur um mich zu rächen. Obwohl ich echt sauer auf ihn bin. Schließlich schlägt unter meinem Hanna Montana-T-Shirt ein weiches Herz. Danach habe ich von Joshs und Maries Liebesdrama erzählt, um die Stimmung etwas aufzulockern. Mama war auf Maries Seite, verständlicherweise. ‚Jungs sind einsame Spitzenklasse darin, Mädchen das Herz zu brechen’ sagte sie.“ Mirabelles Mutter denkt wahrscheinlich an ihre eigene Situation, denn der Vater der Geschwister hat sich von der Mutter getrennt und nicht nur Mirabelle hat sich an die neue Situation noch nicht richtig gewöhnt.

Séverine Vidal ist ein temporeicher und kluger Text für Kinder ab der zweiten Klasse gelungen, der mit den dynamischen und mutigen Illustrationen von Kris Di Giacomo eine absolut gelungene Kombination eingeht.

Von Britta Kiersch

Séverine Vidal und Kris Di Giacomo: Mirabelle – Schulgeflüster 

 

Erstellt: 08.09.2015 - 10:41  |  Geändert: 10.09.2015 - 14:18

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