Lilli Thal: Die Puppenspieler von Flore. Buchempfehlungen und Rezensionen

Die Puppenspieler von Flore. Von Lilli ThalLilli Thal: Die Puppenspieler von Flore     Gerstenberg     19,95 €     ISBN 978-3-8369-5801-1

Buchempfehlung von Britta Kiersch
20 Jugendliche werden vom coronischen Geheimdienst aus ihrem Heimatland Parman entführt und in ein Camp mitten in der Wüste gebracht [...]

Rezension von Maura, Jugendleseclub
An dem Tag seiner Schulabschlussfeier wird der 16 jährige Tamaso der in einem Land namens Parman lebt [...]

 


 

Buchempfehlung von Britta Kiersch
20 Jugendliche werden vom coronischen Geheimdienst aus ihrem Heimatland Parman entführt und in ein Camp mitten in der Wüste gebracht, wo sie durch körperlichen Drill und geistige Infiltration auf eine gefährliche Spionage-Mission in Flore vorbereitet werden. 

Im übermächtigen Flore herrscht eine brutale Militärdiktatur und Coronas Führung sieht sich durch Flore bedroht. Den jungen Leuten wird erzählt, dass sie alle als Babys von ihren leiblichen Eltern in Corona für dieses spezielle und streng geheime Spionageprojekt freiwillig in die parmanischen Familien gegeben wurden, um die Tarnung durch die dort übliche Erziehung perfekt zu machen. Denn es ist üblich, dass junge mittellose Parmaner sich in Flore Arbeit suchen.

Einer von diesen jungen Leuten ist Tamaso, der in Camp Mi unter große Heimweh leidet. Er hatte liebevolle Eltern in Parman, nach denen er sich sehnt und die Informationen über seine „neuen“ Eltern (die er auch kennenlernt) verunsichern ihn sehr. Tamaso wird in Flore in das Haus eines Marschalls eingeschleust, der der 2. Mann im Staate ist und somit ein Zentrum der Macht darstellt. Er ist ein skrupelloser und grausamer Machtmensch, dem durch eine fingierte Revolte das Handwerk gelegt werden soll. Im Keller des Hauses befindet sich ein riesiges grauenhaftes Gefängnis, in dem gefoltert und gemordet wird, während im zweiten Stock in florischer Tradition Puppentheater gespielt wird. Krasser könnten die Gegensätze nicht sein. Tamaso und die anderen Agenten geraten in einen unvorhersehbaren Strudel von Verrat und Lüge, von unverhoffter Hilfe und Liebe aber leider auch Hass und Neid.

Lilli Thal ist nach ihrem großartigen Mittelalterroman „Mimus“ und dem unglaublich spannenden und fantasievollen „Joran Nordwind“ wieder ein sehr gutes Buch gelungen, dass jeden Cent wert ist. Es ist spannend und steckt voller überraschender Wendungen. Mir gefällt, dass sie sich viel Zeit lässt, um die Geschichte ins Rollen zu bringen: Erst auf Seite 130 betritt Tamaso florischen Boden. Intensiv lernen wir zuvor die Methoden im Camp kennen und auch die verschiedenen Charaktere, wir können mitverfolgen, wie Tamaso sich in Mailin verliebt und wie sie zueinander finden. Und so steigert die Autorin sukzessive das Tempo.

Besonders gelungen scheinen mir die Passagen in denen Tamaso das Spiel der Puppen im Hause des Marschalls verfolgt. Er vertieft sich so intensiv in das Theater, dass er um sich herum alles vergisst und da diese Passagen so lebhaft dargestellt sind, nimmt er den Leser mit auf seine Reisen in die Welt der Marionetten, so dass man fast meint, das Klappern der hölzernen Schuhe zu hören.

Von Britta Kiersch

 


Rezension von Maura

An dem Tag seiner Schulabschlussfeier wird der 16 jährige Tamaso der in einem Land namens Parman lebt, plötzlich von drei Männern mitten aus dem Unterricht geholt und in ein Auto geladen. Parman gehört zu Corona, das mit dem Land Flore sehr befeindet ist. Tamaso merkt schnell, dass die Männer ihn auf dieser langen Autofahrt nach Corona bringen. Dort angekommen erwartet ihn ein Bus, in dem lauter gleichaltrige Kinder sitzen und in den auch er gebracht wird. Das Ganze sieht für Tamaso jedoch nicht wie eine Entführung aus, da die Männer sie gut behandeln. Durch die Nacht und mit abgedunkelten Scheiben fährt der Bus, bis sie endlich ankommen. Die Kinder erblicken ein Gelände fern ab von der Zivilisation (genannt Camp Mi), auf dem sie von einem General Elias empfangen werden. Er erklärt ihnen den Grund für ihre Entführung: Sie sind ausgewählte Mimikry Soldaten. Das heißt, sie sind eigentlich Kinder coronischer Eltern, die sie aber schon als Babys dem Projekt „gespendet“ haben. Sie wuchsen bei parmanischen Eltern auf, die für ihre Arbeit bezahlt wurden. Und das alles unter strengster Geheimhaltung. Der Zweck des Ganzen ist, dass sie den Coronern helfen sollen, die Florer (ihre Feinde) ausspionieren sollen, was als Coroner schlecht geht. Da die Jugendlichen aber in Parman aufgewachsen sind, verhalten sie sich auch wie Parmer, was nicht weiter auffällig ist, da alle Parmer mit zu schlechtem Notendurchschnitt nach Flore gehen um dort zu arbeiten. In dem Camp sollen die Jugendlichen nun auf den Kampf vorbereitet werden. Unter den anderen Auserwählten befindet sich auch Mailin. Tamaso lernt sie kennen und die beiden verlieben sich ineinander. Nur die Gedanken an den versprochenen Lohn, eine Villa am See für jeden, und ihren Zusammenhalt durchstehen sie das harte Training von Camp Mi. Als sie mit den Übungen fertig sind werden sie nach Flore geschickt. Doch damit haben sich die ganzen Anstrengungen nicht erledigt.

Das Buch ist sehr spannend und wunderbar geschrieben. Ich würde es als eine Art Science Fiction einstufen. Die Situation in der sich die Jugendlichen befinden, und was ihnen zu Beginn so unerwartet widerfährt, ist erschreckend, vor allem wann man sich mal überlegt, dass sie nicht viel älter sind als man selbst. Aber es gibt eigentlich immer so etwas wie einen Funken Hoffnung, der einen auch dazu antreibt weiter zu lesen. Das Buch hat irgendetwas an sich, das es unmöglich macht es mal zur Seite zu legen; vielleicht etwas Magisches? Ich habe das Buch als Fahne gelesen und jetzt wo es erschienen ist, werde ich es auf jeden Fall noch einmal lesen. Besonders interessant ist die Idee den Einsatz in Flore mit einem Puppenspiel zu vergleichen, von dem immer wieder die Rede ist. Eine wirklich tolle Idee!!! Empfehlen würde ich das Buch jedoch eher für Jugendliche zwischen 13 und 14 Jahren da das ein nicht so einfaches Thema ist. Zum Teil ist es auch etwas blutig und grausam, jedoch nie im Übermaß, also angemessen.

Rezension von Maura /Leseclub Lesezeichen

Lilli Thal: Die Puppenspieler von Flore

 

Erstellt: 30.06.2015 - 13:46  |  Geändert: 19.08.2015 - 11:08

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