Keiner zwischen uns. Von Carolin Hristev. Rezension von Britta Kiersch

REZENSION
Keiner zwischen uns. Von Carolin Hristev   Ueberreuter Verlag   ISBN 978-3-7641-7120-9

In ihrem Jugendbuchdebüt versucht die Autorin, aus der Perspektive ihrer wechselnden Ich-Erzähler Marie und Nelson das Portrait einer Schulklasse zu zeichnen – und es gelingt ihr gut.

Man lernt zum einen Marie, die neu in die Klasse gekommen ist, und Nelson gut kennen, zum anderen vervollständigen sich nach und nach die Bilder einiger zentraler Figuren der Klasse durch die Erlebnisse, Gedanken und Gespräche der beiden. Mir hat besonders gut gefallen, wie sie Nelson charakterisiert. Er hat früher stark unter dem Mobbing des Klassenalphas Ibo gelitten und setzt jetzt alles daran, auf keinen Fall wieder in irgendeine Schusslinie zu geraten. Das wirkt sehr überzeugend und authentisch.

Zusätzlich zu der Tatsache, dass Nelson Halbwaise ist, muss seine Mutter immer wieder wegen einer Krankheit in eine Einrichtung, was das Leben des Jungen ebenfalls erschwert. Deshalb ist er froh, dass er in Hamza, der eine starke Position in der Klasse hat, einen sehr engen Freund gefunden hat, an dessen Seite auch sein Ansehen gestiegen ist. Als Marie in die Klasse kommt, ist Nelson hin und weg, aber er traut sich nicht, auf sie zuzugehen. Er hofft, dass sich bei der Klassenfahrt eine Gelegenheit ergibt. Bei dieser Klassenfahrt erfährt Nelson dann allerdings Hamzas größtes Geheimnis, das ihn zum absoluten Gespött machen würde, und er zieht sich, aus Angst, möglicherweise mit in die Tiefe gerissen zu werden, von seinem Freund zurück. Marie, mit der Nelson tatsächlich zusammen kommt, gelingt es, ihm nach und nach die Augen zu öffnen bzw. ihm klar zu machen, dass er Verantwortung für seinen Freund hat und eine Wende in seinem Verhalten zu erwirken.

Carolin Hristev entwirft das Bild einer Hamburger Schulklasse, wie es sie in jeder deutschen Großstadt geben könnte, mit ausgeprägten hierarchischen Strukturen und teilweise sehr konservativen Ansichten. Es tut auch immer ein bisschen weh, wenn man liest, mit welchen Begründungen Mitschüler beleidigt, gequält und ausgegrenzt werden, man aber im selben Moment weiß, dass das genau so wirklich geschieht.

So sehe ich in dem Buch eine gelungene facettenreiche Sozialstudie, die ein Milieu beschreibt, dass außerhalb des typischen Bildungsbürgertums angesiedelt ist. Ich bin gespannt, was die Jugendlichen in unserem Jugendleseclub dazu sagen werden.

Keiner zwischen uns. Von Carolin Hristev

 

Erstellt: 27.04.2021 - 06:45  |  Geändert: 27.04.2021 - 06:49