MARXISM CONFERENCE 2026 (DAY 1)
auf YouTube (04.09.2026) 9:14:25
Überblick
Einführung und Eröffnungsrede von Dr. Carlos M. Gero (50:41) Dr. Carlos M. Gero (Carlo Gerrio) eröffnet die erste Marxismus-Konferenz [1133–1134]. Er verweist auf den in den USA spürbar ansteigenden McCarthyismus und erklärt, dass das primäre Ziel dieses mehrtägigen Kongresses darin besteht, eine Plattform für den offenen, sachlichen Dialog zwischen den verschiedenen Strömungen der amerikanischen Linken (wie der ACP, der Green Party, Platypus und Unabhängigen) zu schaffen, um die lähmende Zersplitterung zu überwinden [1135–1137].
Panel-Vorstellung: Marxismus und Social Media (53:46) Der Moderator Comrade Marello stellt die Redner des ersten Panels vor: Eddie Liger Smith (Midwestern Marx/ACP), Guy Christensen (pro-palästinensischer Aktivist), Nickie Cruz (Revolutionary Blackout Network/RBN) und Vy (Real/Red God Media).
Eddie Liger Smith: Die ungenutzte Macht digitaler Reichweite (55:36) Eddie Liger Smith blickt auf die Gründung von Midwestern Marx während der Covid-Pandemie zurück. Er kritisiert das herrschende linke Establishment (wie Bread Tube oder Vaush) und betont die Notwendigkeit, marxistisch-leninistische Bildung dorthin zu bringen, wo sich die Jugend aufhält – in die sozialen Medien [1145–1148]. Da die herrschende Klasse die Algorithmen (etwa über Konzerne wie Palantir) gezielt kontrolliert, muss die Arbeiterklasse diesen digitalen Raum aktiv als Schlachtfeld des Klassenkampfs begreifen.
Guy Christensen: Die „achte Front“ und die Manipulation der Künstlichen Intelligenz (1:02:49) Guy Christensen schildert seine politische Radikalisierung durch den Befreiungskampf in Palästina. Er analysiert, wie die herrschende Klasse (die „Epstein-Klasse“) und Palantir-CEO Alex Karp (Autor von The Technological Republic) versuchen, das Narrativ über den Genozid in Gaza durch LLM-Poisoning (Infiltrieren von KI-Chatbots mit fabrizierten pro-israelischen Blogs) zu steuern [1163–1165, 1169]. Benjamin Netanjahu nenne diesen Kampf um den menschlichen Verstand die „achte Front“. Der Ausweg liege darin, die eklatanten Widersprüche der US-Politik und des Kapitalismus konsequent offenzulegen.
Nick Cruz: Die Verdammnis des schwarzen Neoliberalismus (1:19:54) Nick Cruz erläutert die Gründung von Revolutionary Blackout Network (RBN) nach dem Scheitern der Bernie-Sanders-Kampagne [1189–1190]. Er rechnet scharf mit dem schwarzen Neoliberalismus (etwa von Barack Obama und dem Black Congressional Caucus) ab, der die schwarzen Gemeinschaften ruiniert habe, und erinnert daran, dass die Black Panthers und Fred Hampton explizit Marxisten-Leninisten waren, die kompromisslos Klassenkampf statt demokratischen Parteien-Opportunismus betrieben [1191–1193, 1196, 1200].
Vy: Das Fundament der Solidarität durch die „People's Free Kitchen“ (1:28:09) Vy beschreibt, wie er in Orlando durch praktische, konsequente Arbeit vor Ort zum Marxismus-Leninismus fand. Die wöchentliche Unterstützung der armen und obdachlosen Bevölkerung mit Lebensmitteln, Kleidung, Haarschnitten und Fahrradreparaturen durch die People's Free Kitchen schuf ein tiefes Vertrauensverhältnis in der Community. Er verurteilt linke Karrieristen, die sich vor US-Medien feige von antiimperialistischem Widerstand distanzieren, um dem Establishment zu gefallen.
Ego-Kämpfe und die Heuchelei bürgerlicher Akademiker (1:36:45) Die Redner diskutieren über die Generationen-Bruchlinien auf der Plattform X und vergleichen die heutige linke Führungsriege (wie Abdul El-Sayed) mit Barack Obama [1222–1225]. Sie betonen, dass das kompromisslose Aussprechen der Wahrheit (etwa über die Ausbeutung der Ukraine durch BlackRock) die Menschen viel schneller mobilisiert, als das ständige Taktieren und Verstecken der eigenen Absichten.
Project 2029 und die kommende Welle der Internetzensur (1:49:09) Eddie Liger Smith berichtet, wie er nach dem Sperren von sieben TikTok-Konten durch das Funnelsystem von Discord-Servern und die parteieigene Plattform Red Star die Community stabilisieren konnte. Nick Cruz warnt eindringlich vor Project 2029 der US-Demokraten: Unter dem Vorwand, „Big Tech zu bekämpfen“, soll in Wahrheit eine vollständige staatliche Kontrolle von Inhalten nach europäischem und australischem Vorbild etabliert werden, um antiimperialistische Stimmen mundtot zu machen [1268–1272].
Meme-Kriegsführung und das Platzen von Online-Blasen (1:58:45) Die Redner legen dar, wie das politische Establishment versucht, Popularität durch systematisches Bot-Boosting (etwa bei Kamala Harris' Khive oder Trumps Konten) vorzutäuschen [1290–1292]. Als Gegenmittel erweist sich die gezielte Verbreitung subversiver Memes (wie MAGA-Kommunismus), um die unzufriedene Arbeiterbasis von Trump abzuwerben und für den Sozialismus zu öffnen [1506–1509].
Christopher Castillo: Gangs als Überlebenskampf im verarmten Chicago (2:07:35) Der Chicagoer Veteran und Aktivist Christopher Castillo schildert seine Erfahrungen mit Armut, Obdachlosigkeit und Gangs. Er legt dar, dass viele Gangs (wie die Latin Cobras) ursprünglich gegründet wurden, um ihre Nachbarschaften vor polizeilicher Gewalt zu schützen [1296–1299]. Nick Cruz pflichtet ihm bei und betont, dass diese Menschen die primären systemischen Opfer des Kapitalismus sind und für den echten Klassenkampf gewonnen werden müssen.
Wie man die alt-rechte Radikalisierungsfalle durchbricht (2:17:34) Auf die Frage, wie man Freunde aus der alt-rechten Pipeline befreien kann, erklärt Guy Christensen, dass die rechte Ideologie gezielt das Bedürfnis nach Überlegenheit bei jungen Männern ausnutzt [1316–1317]. Man darf diese Menschen nicht aufgeben, sondern muss sie durch das unermüdliche, persönliche Aufzeigen der realen wirtschaftlichen Widersprüche zum Umdenken bewegen [1318–1319].
Schriftmedien als Waffe gegen das digitale Vergessen (2:20:40) Die Runde diskutiert den Stellenwert gedruckter Bücher. Während Videos Aufmerksamkeit generieren, verändern physische Bücher die Denkstrukturen nachhaltig [1322–1324]. Nick Cruz betont, dass gedruckte Medien unersetzliche historische Dokumente sind, die von der herrschenden Klasse (im Gegensatz zu Webseiten über die Ukraine vor 2022) nicht nachträglich gelöscht oder manipuliert werden können [1327–1328].
Wege aus dem grassierenden Jugend-Nihilismus (2:24:28) Die Redner erörtern den Nihilismus einer Generation, die unter hoher Verschuldung, Sportwetten und Perspektivlosigkeit leidet. Eddie Liger Smith empfiehlt, den Fokus auf körperliche Disziplin (wie Kraft- und Kampfsport) zu legen, da dies das Vertrauen stärkt [1331–1332]. Nick Cruz erinnert an das Opfer historischer Kämpfer wie Fred Hampton und betont, dass die Zerschlagung der US-Oligarchie zu einem weltweiten Zusammenbruch des Faschismus führen würde.
PANEL 2
Das Spannungsfeld zwischen Marxismus und Liberalismus (3:04:41) Die zweite Podiumsdiskussion befasst sich mit der Definition des Liberalismus und dessen aktueller Krise. Es diskutieren Noah Khrachvik (ACP), David Faes (Platypus), Grayson Walker (Infrared) und Aaron Hagood (Platypus).
Noah Khrachvik: Die „kompatible Linke“ und die Entführung der Sprache (3:07:39) Noah Khrachvik lehnt die Fragestellung, ob der Liberalismus obsolet ist, ab, da dieser allgegenwärtig bleibt. Er analysiert, wie die CIA (u. a. über den Congress for Cultural Freedom) gezielt eine „kompatible Linke“ erschaffen hat, die die marxistische Sprache entkernt und mit liberalen Inhalten füllt, um den realen Klassenkampf unschädlich zu machen [1361–1362].
David Faes: Die historische Entwicklung der sexuellen Befreiung (3:13:37) David Faes beleuchtet das sozialistische Versprechen sexueller Freiheit im Kontext der Deklaration von 1776, Michel Foucaults Analysen zu May 68 und den Fortschritten der frühen Sowjetunion in den 1920er Jahren, bevor diese unter stalinistischem Demographie- und Industrialisierungsdruck wieder zurückgefahren wurden [1366–1369, 1371–1372].
Grayson Walker: Der Bruch mit der bürgerlichen Geschichtsordnung (3:29:57) Grayson Walker plädiert dafür, den Liberalismus nicht als logischen Vorläufer des Marxismus zu betrachten [1380–1381]. Er verweist auf die Jakobiner des Wohlfahrtsausschusses als Symptom proletarischer Staatsmacht und betont, dass das Ziel des Sozialismus die vollständige Überwindung der Klassenherrschaft statt des bloßen Schutzes bürgerlicher Eigentumsrechte ist.
Aaron Hagood: Die Dialektik des bürgerlichen Rechtsstaats (3:40:41) Aaron Hagood analysiert die bürgerlichen Revolutionen und die Entstehung des liberalen Staats. Er legt anhand von Jeremy Benthams Kritiken an monarchischen Interessen und William Cobbets Analysen über die Verarmung durch die Finanzeliten der Londoner City dar, wie der liberale Staat das System des Kapitals gegen die Interessen der arbeitenden Bevölkerung absichert [1390, 1393–1396].
Klassengewalt, die Pariser Kommune und das Erbe von 1848 (4:03:25) Grayson Walker und Noah Khrachvik betonen, dass sich der Sozialismus durch eine gesellschaftliche Autorität und die Bereitschaft zur revolutionären Gewalt (wie dem Roten Terror) grundlegend vom klassischen Liberalismus unterscheidet. Unter Verweis auf Karl Marx' Kritik an der Pariser Kommune und die Ereignisse von 1848 (um Louis Blanc und Albert l'Ouvrier) legen sie dar, dass die Errichtung einer Diktatur des Proletariats eine radikale Zerschlagung des bürgerlichen Staatsapparats erfordert.
Reconciliation und anti-koloniale Abgrenzung (4:16:55) Auf eine Frage aus dem Publikum über die anti-koloniale Befreiung im Sahel (z.B. Burkina Faso) und die dortige Ablehnung westlicher LGBTQ-Konzepte erwidert David Faes, dass viele der modernen Kategorien (wie Transsexualismus) im 19. Jahrhundert von sozialistischen Psychologen als kritische Werkzeuge gedacht waren, heute jedoch als Mittel staatlicher Herrschaft und NGO-Verwaltung instrumentalisiert werden. Noah Khrachvik ergänzt unter Berufung auf Lenin, dass man den Sozialismus mit dem real existierenden „menschlichen Material“ aufbauen müsse und nicht mit fiktiven, westlich-liberalen Idealen [1443–1444].
Keynote: Haz Al-Din über den geographisch vergessenen Ursprung des Marxismus (7:31:06) In seiner Abschlussrede analysiert Haz Al-Din den Niedergang des westlichen Marxismus und die Tatsache, dass der reale Widerstand gegen das US-Imperium heute primär aus der islamischen Welt kommt. Er legt dar, dass der Marxismus auf der Zusammenführung deutscher Philosophie, französischer Politik und englischer Ökonomie basiert, diese Synthese jedoch die tiefe geostrategische Verwurzelung Eurasiens (insbesondere Persiens und Mesopotamiens) völlig ausblendet.
Al-Ghazali, Descartes und die Entstehung einer eurasischen Moderne (7:54:33) Haz Al-Din demaskiert das westliche Klischee, wonach Al-Ghazali die Glanzzeit der islamischen Wissenschaft mutwillig zerstört habe. Er zeichnet Ghazali als genialen Denker und Vorreiter der Moderne, der Jahrhunderte vor René Descartes das rationale Denken selbst anzweifelte und zu dem Schluss kam, dass Systeme sich niemals aus sich selbst heraus legitimieren können [1627, 1629–1631]. Am Beispiel des Bienenstaats zeigt Ghazali, dass die Wahrheit und Intelligenz bereits im Realen selbst manifestiert ist und nicht erst durch eine abstrakte philosophische Theorie konstruiert werden muss [1635–1637].
Das Ende der Illusion und die Realität des Kampfes (8:29:30) Haz Al-Din kritisiert, dass westliche Marxisten auf eine ferne, utopische Vollendung des Kommunismus warten, während China pragmatisch im Hier und Jetzt an der Realität arbeitet. Unter Verweis auf Hubert Dreyfus' Konzept des „skillful coping“ (des instinktiven Meisterungsprozesses) plädiert er dafür, die Realität so anzunehmen, wie sie sich offenbart, anstatt sich in fiktiven Systemen zu verlieren. Für die ACP bedeutet dies, sich auf den drohenden Zusammenbruch der westlichen Zivilisationsstrukturen vorzubereiten und rechtzeitig gemeinschaftliche Überlebensräume aufzubauen [1722–1723].

