07.04.2026

„Friedliches Treiben“ - Tino Eisbrenner im Konzert

Zusammenfassung

Der großartige Musiker, Liedermacher, Autor, Friedensaktivist und Brückenbauer Tino Eisbrenner hat sich im März 2026 von seinem "Vier-Winde -Hof" zwischen Berlin und der Ostsee für ein einziges Konzert bei IDA auf den langen Weg nach Heidelberg gemacht. Er wurde als Sänger der DDR-Pop/Rock-Band Jessica bekannt, aber er ist soviel mehr als der Popstar aus dem DDR- Fernsehen. Unter dem Titel "Friedliches Treiben" hat Tino Eisbrenner uns einen großartigen Lieder- und Poesieabend bereitet, er hat uns mitgenommen auf seiner Liederreise durch Russland, Georgien, die DDR, auf seinen Vier-Winde-Hof und nach Südamerika. Wir sind unglaublich stolz, daß wir diesen Ausnahmekünstler bei uns begrüßen durften. Am 21. Mai veranstalten Die Basis und IDA gemeinsam einen weiteren Musikabend mit Tino Eisbrenner: zusammen mit Lüül und Jens Fischer-Rodrian kommt er wieder und erhebt "Lyrischen Einspruch". 

Zusammen mit den Gästen, die ihn bis zum Heidelberger Konzertabend noch nicht kannten, aber uns begeistert berichtet haben, daß sie auch zum nächsten Konzert kommen werden, freuen wir uns sehr auf den Mai und ein Wiedersehen mit Tino Eisbrenner. Bis es soweit ist, lässt sich die Zeit mit einem Zusammenschnitt des Solo-Konzerts in Heidelberg überbrücken. 

Zeitmarken

00:01:12 Die letzten heiligen Dinge 
00:04:35 Keine Meile von hier 
00:11:23 Warum Rüdersdorf am Yenisey in den Black Hills zu suchen ist 
00:18:37 Ich beobachte Dich 
00:20:50 Kein Tag mit Dir 
00:25:29 Ach, die erste Liebe 
00:28:01 Lied ohne Wut 
00:35:10 Der Welt ein liebes Lied 
00:39:27 Schön ist die Rose 
00:43:05 Wer 
00:45:50 Ein Freund 
00:51:52 Weintraubenkern 
00:56:11 Gigantisch 
00:59:22 Corona im 56-Seelen-Dorf in Mecklenburg-Vorpommern 
01:06:05 Pegasus 
01:10:37 Eleanor Rigby 
01:13:41 Mit den Träumen will ich fahren (hin zum Nebel und den Düften der Taiga) 
01:17:43 Die sieben Sachen 
01:23:32 Paris (Das ist die Seine, nicht die Spree) 
01:31:22 Und die Nacht verbirgt mich unter Bäumen 
01:36:24 Und die Träume schwimmen fort 
01:41:35 Bring mir die Sonne 
01:47:30 Das Lied vom Frieden 
01:54:12 Tino Eisbrenner kommt zurück nach Heidelberg: mit Lüül und Jens Fischer-Rodrian 
01:56:18 Die Geschichte zum Lied "Kraniche" 
01:59:10 Kraniche / Schuravli 
02:04:20 Heinrich Heine: "Beine hat uns zwei gegeben"

Beine hat uns zwei gegeben … 

eine Ballade von Heinrich Heine

   Beine hat uns zwei gegeben
   Gott der Herr, um fortzustreben,
   Wollte nicht, daß an der Scholle
   Unsre Menschheit kleben solle.
   Um ein Stillstandsknecht zu sein,
   Gnügte uns ein einzges Bein.
   Augen gab uns Gott ein Paar,
   Daß wir schauen rein und klar;
   Um zu glauben was wir lesen,
   Wär ein Auge gnug gewesen.
   Gott gab uns die Augen beide,
   Daß wir schauen und begaffen
   Wie er hübsch die Welt erschaffen
   Zu des Menschen Augenweide;
   Doch beim Gaffen in den Gassen
   Sollen wir die Augen brauchen
   Und uns dort nicht treten lassen
   Auf die armen Hühneraugen,
   Die uns ganz besonders plagen,
   Wenn wir enge Stiefel tragen.

   Gott versah uns mit zwei Händen,
   Daß wir doppelt Gutes spenden;
   Nicht um doppelt zuzugreifen
   Und die Beute aufzuhäufen
   In den großen Eisentruhn,
   Wie gewisse Leute tun –
   (Ihren Namen auszusprechen
   Dürfen wir uns nicht erfrechen –
   Hängen würden wir sie gern.
   Doch sie sind so große Herrn,
   Philanthropen, Ehrenmänner,
   Manche sind auch unsre Gönner,
   Und man macht aus deutschen Eichen
   Keine Galgen für die Reichen.)

   Gott gab uns nur eine Nase,
   Weil wir zwei in einem Glase
   Nicht hineinzubringen wüßten,
   Und den Wein verschlappern müßten.

   Gott gab uns nur einen Mund,
   Weil zwei Mäuler ungesund.
   Mit dem einen Maule schon
   Schwätzt zu viel der Erdensohn.
   Wenn er doppeltmäulig wär,
   Fräß und lög er auch noch mehr.
   Hat er jetzt das Maul voll Brei,
   Muß er schweigen unterdessen,
   Hätt er aber Mäuler zwei,
   Löge er sogar beim Fressen.

   Mit zwei Ohren hat versehn
   Uns der Herr. Vorzüglich schön
   Ist dabei die Symmetrie.
   Sind nicht ganz so lang wie die,
   So er unsern grauen braven
   Kameraden anerschaffen.
   Ohren gab uns Gott die beiden,
   Um von Mozart, Gluck und Hayden
   Meisterstücke anzuhören –
   Gäb es nur Tonkunst-Kolik
   Und Hämorrhoidal-Musik
   Von dem großen Meyerbeer,
   Schon ein Ohr hinlänglich wär! –

   Als zur blonden Teutolinde
   Ich in solcher Weise sprach,
   Seufzte sie und sagte: Ach!
   Grübeln über Gottes Gründe,
   Kritisieren unsern Schöpfer,
   Ach! das ist, als ob der Topf
   Klüger sein wollt als der Töpfer!
   Doch der Mensch fragt stets: Warum?
   Wenn er sieht, daß etwas dumm.
   Freund, ich hab dir zugehört,
   Und du hast mir gut erklärt,
   Wie zum weisesten Behuf
   Gott den Menschen zwiefach schuf
   Augen, Ohren, Arm‘ und Bein‘,
   Wahrend er ihm gab nur ein
   Exemplar von Nas und Mund –
   Doch nun sage mir den Grund:
   Gott, der Schöpfer der Natur,
   Warum schuf er einfach nur
   Das skabröse Requisit,
   Das der Mann gebraucht, damit
   Er fortpflanze seine Rasse
   Und zugleich sein Wasser lasse?
   Teurer Freund, ein Duplikat
   Wäre wahrlich hier vonnöten,
   Um Funktionen zu vertreten,
   Die so wichtig für den Staat
   Wie fürs Individuum,
   Kurz fürs ganze Publikum.
   Zwei Funktionen, die so greulich
   Und so schimpflich und abscheulich
   Miteinander kontrastieren
   Und die Menschheit sehr blamieren.
   Eine Jungfrau von Gemüt
   Muß sich schämen, wenn sie sieht,
   Wie ihr höchstes Ideal
   Wird entweiht so trivial!
   Wie der Hochaltar der Minne
   Wird zur ganz gemeinen Rinne!
   Psyche schaudert, denn der kleine
   Gott Amur der Finsternis,
   Er verwandelt sich beim Scheine
   Ihrer Lamp – in Mankepiß.

   Also Teutolinde sprach,
   Und ich sagte ihr: Gemach!
   Unklug wie die Weiber sind,
   Du verstehst nicht, liebes Kind,
   Gottes Nützlichkeitssystem,
   Sein Ökonomie-Problem
   Ist, daß wechselnd die Maschinen
   Jeglichem Bedürfnis dienen,
   Den profanen wie den heilgen,
   Den pikanten wie langweilgen, –
   Alles wird simplifiziert;
   Klug ist alles kombiniert:
   Was dem Menschen dient zum Seichen,
   Damit schafft er seinesgleichen
   Auf demselben Dudelsack
   Spielt dasselbe Lumpenpack.
   Feine Pfote, derbe Patsche,
   Fiddelt auf derselben Bratsche,
   Durch dieselben Dämpfe, Räder
   Springt und singt und gähnt ein jeder,
   Und derselbe Omnibus
   Fährt uns nach dem Tartarus.
 

Sprache (Ton)
Deutsch
Laufzeit
2h 8min 26s
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Erstellt: 12.04.2026 - 06:19  |  Geändert: 12.04.2026 - 06:19

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