07.05.2025

Dr. Jonas Tögel: Wie mit Soft Power unsere Gedanken und Gefühle gelenkt werden – Vortrag bei KriSta

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Im November 2024 war ich bei dem Symposium des Netzwerks der Kritischen Richter und Staatsanwälte (KriSta) eingeladen und habe über Propaganda im 21. Jahrhundert gesprochen. Die anderen Vorträge hielten Prof. Dr. Rupert Scholz, Prof. Dr. Katrin Gierhake und Prof. Dr. Bernd Stegemann.

Sprache (Ton)
Deutsch
Laufzeit
48min 24s
Ereignisdatum
11.2024
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Erstellt: 11.05.2025 - 11:00  |  Geändert: 16.08.2025 - 07:21

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"Der Begriff Informationskrieg, kurz Infokrieg (englisch infowar oder information warfare) beschreibt moderne Konflikte, bei denen Informationen als primäres Mittel zur Erreichung strategischer Ziele eingesetzt werden. Im Kontext aktueller geopolitischer Spannungen hat sich der Informationskrieg als ein zentrales Element entwickelt, das weit über traditionelle militärische Auseinandersetzungen hinausgeht." (Wikipedia)

Mit der Entwicklung von agentenbasierten KI-Systemen und Large Language Models (LLMs) hat sich eine neue Form des Informationskrieges entwickelt: sogenannte böswillige KI-Schwärme.[13] Diese bestehen aus autonomen KI-Agenten, die sich ohne zentrale Steuerung koordinieren und menschliche Sozialdynamiken imitieren.

Im Kontext des Informationskrieges zeichnen sie sich durch folgende Merkmale aus:

  • Kognitive Kriegsführung: KI-Schwärme nutzen ihre „unermüdliche operative Ausdauer“, um sich langfristig in digitale Gemeinschaften einzubetten und dort subtil Sprache, Symbole und Identitäten zu verändern.
  • Synthetischer Konsens: Durch das zeitgleiche Agieren in verschiedenen Nischen-Communities erzeugen sie eine „Mirage“ von breitem, parteiübergreifendem Konsens (Astroturfing), um die öffentliche Meinung über wahrgenommene soziale Normen zu steuern.
  • LLM-Grooming (Datenvergiftung): Durch das massenhafte Fluten des Internets mit fabrizierten Inhalten manipulieren Schwärme gezielt die Trainingsdaten zukünftiger KI-Modelle, um bösartige Narrative fest in deren Modellgewichten zu verankern.
  • Echtzeit-Anpassung: Die Agenten reagieren autonom auf Reaktionen der Nutzer und Plattform-Algorithmen, was sie schwerer detektierbar macht als klassische, skriptbasierte Botnetze.

Soft Power, im Deutschen auch als weiche Macht oder sanfte Macht bezeichnet, ist ein von Joseph Nye geprägter politikwissenschaftlicher Begriff, der die politische Machtausübung (insbesondere die Einflussnahme in den internationalen Beziehungen) auf Grundlage kultureller Attraktivität, der Ideologie und auch mit Hilfe Internationaler Institutionen beschreibt.[1] Zentrales Merkmal der Soft Power ist die Machtausübung durch die Beeinflussung der Ziele politischer Akteure, ohne dass dazu (wirtschaftliche) Anreize oder (militärische) Bedrohungen eingesetzt werden

Wikipedia (DE): Soft Power

Der Krieg in der Ukraine spitzt sich weiter zu - damit nimmt nicht nur die Gefahr einer militärischen Eskalation zu. Auch die Propagandaschlacht wird von allen Konfliktparteien erbittert und mit den modernsten Manipulationswaffen geführt. Von russischer Seite wird immer wieder die Karte einer möglichen atomaren Konfrontation ausgespielt. Die Falken im Westen versuchen dagegen, die Gefahr eines Nuklearkrieges als gering und paradoxerweise den russischen Invasionshunger auf Europa gleichzeitig groß darzustellen. Dabei gerät ein Aspekt ins Hintertreffen: Bereits während des Kalten Krieges simulierten sowohl die NATO-Staaten als auch die Sowjetunion immer wieder einen möglichen atomaren Konflikt.

"Die Kognitive Kriegsführung könnte das fehlende Element sein, das den Übergang vom militärischen Sieg auf dem Schlachtfeld zum dauerhaften politischen Erfolg ermöglicht." Seit dem Jahr 2020 treibt die NATO eine neue Form der psychologischen Kriegsführung voran: die sogenannte "Kognitive Kriegsführung" ("Cognitive Warfare"), die als die "fortschrittlichste Form der Manipulation" bezeichnet wird. Diese nimmt die Psyche jedes Menschen direkt ins Visier, mit einem ganz bestimmten Ziel: unseren Verstand wie einen Computer zu "hacken".