The Great Transformation. Politische und ökonomische Ursprünge von Gesellschaften und Wirtschaftssystemen. Von Karl Polanyi

The Great Transformation. Politische und ökonomische Ursprünge von Gesellschaften und Wirtschaftssystemen. Von Karl PolanyiThe Great Transformation, 1944 erschienen, geht von der These aus, daß erst die Herausbildung einer liberalen Marktwirtschaft mit ihrem "freien Spiel der Kräfte" zu jener charakteristischen "Herauslösung" und Verselbständigung der Ökonomie gegenüber der Gesellschaft geführt hat, die historisch ein Novum darstellt und die bürgerliche Gesellschaft von allen anderen Gesellschaftsformationen unterscheidet. The Great Transformation - das bezeichnet den Übergang von "integrierten" Gesellschaften, in denen die wirtschaftlichen Aktivitäten der Individuen in einen übergreifenden kulturellen Zusammenhang eingebettet waren, zur nicht integrierten Gesellschaft vom Typ der freien Marktwirtschaft.

ISBN 978-3-518-27860-4     18,00 €  Portofrei     Bestellen

 

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Großer Denker, großes Werk. Karl Polanyi hat das Buch des Jahres 2019 geschrieben – vor 75 Jahren. Die Herausforderung China, der Aufstieg des Populismus, die Digitalisierung der Wirtschaft – keine Frage: Wir haben es erneut mit einer „Great Transformation“ zu tun. Von Dieter Schnaas Wirtschaftswoche 21.12.2019

Karl Polanyi - Der entfesselte Kapitalismus → FAZ 26.12.2014

Zur Relevanz von Polanyis Konzept der Einbettung der Wirtschaft in die Gesellschaft. Von Heike Schrader → Universität Bielefeld 1995, Forschungsschwerpunkt Entwicklungssoziologie

Chronik der großen Transformation: Artikel und Aufsätze (1920–1945). hrsg. von Michele Cangiani. 3 Bände. Metropolis, Marburg 2002–2005:

Band 1: Wirtschaftliche Transformation, Gegenbewegungen und der Kampf um die Demokratie. ISBN 3-89518-390-3.
Ausführliche Beschreibung des Werkes

Band 2: Die internationale Politik zwischen den Weltkriegen. ISBN 3-89518-426-8.
Ausführliche Beschreibung des Werkes

Band 3: Menschliche Freiheit, politische Demokratie und die Auseinandersetzung zwischen Sozialismus und Faschismus. ISBN 3-89518-476-4.
Ausführliche Beschreibung des Werkes

PRESSESTIMMEN:

Süddeutsche Zeitung, 17.6.2018 (Claus Leggewie)
"Wie ungezügelte Marktideologen in Krisenzeiten Demokratien beschädigen und ruinieren können, war die zentrale Erfahrung seines Lebens. Polanyi emigrierte 1935 nach London, wurde zu Vortragsreisen in die USA eingeladen und lehrte am Bennington College und an der Columbia University. Am Ende des Zweiten Weltkriegs, als sozialistische Ideen und der egalitäre Wohlfahrtsstaat rehabilitiert waren, verfasst er in fortgesetzter Fehde mit Hayek, Ludwig von Mises und anderen Ultraliberalen die "Große Transformation", die sich zunächst kaum verkaufte und erst spät zum Klassiker wurde. Eine Suhrkamp-Übersetzung von 1973 war jüngst der wirtschaftswissenschaftliche Bestseller eines Online-Händlers, Michele Cangiani und Claus Thomasberger haben 2002-2005 im Metropolis-Verlag eine vorzügliche Quellenedition vorgelegt. Konzepte wie embeddedness oder decommodification haben die Reise durch die Sozial- und Kulturwissenschaften angetreten."

FAZ, 4.7.2009, S. Z1-Z2 (Rainer Hank)
"Lasst die Finger von der Profitgier! Hört auf, die Arbeit zu vermarkten! Bettet die Wirtschaft im Leben ein! Ist es an der Zeit, wieder Karl Polanyi zu lesen? Er war der Denker des eingefangenen Kapitalismus" "Karl Polanyi ist einer der rätselhaftesten Denker des zwanzigsten Jahrhunderts. Er ist Essayist, Phamphletist, glänzender Stilist und immens gebildeter Wirtschaftshistoriker in einem. Polanyi war nie richtig modern und klingt doch in Krisenzeiten wie diesen so aktuell wie kaum ein Zweiter. Weil er eine rückwärtsgewandte Utopie des guten Lebens träumte, in dem der Austausch der Menschen untereinander nicht nur von der Profitgier getrieben sein soll, ist er schon lange der Geheimtipp der Soziologen und Anthropologen, während die meisten Ökonomen ihn hartnäckig ignorieren. Er wurde stets viel und gerne zitiert, aber wenig gelesen. Und doch hat die 'Great Transformation' immer schon, sozusagen als Strom des Unbewussten, einen kaum zu überschätzenden Einfluss: Polanyi artikuliert die Erfahrung vieler - einerlei, ob sie sich als Konservative oder Linke verstehen -, die den Eindruck haben, wir hätten uns in den vergangenen Jahrzehnten zu sehr dem Ökonomischen unterworfen, und daran habe das gute Leben "jenseits von Angebot und Nachfrage" (Wilhelm Röpke) Schaden genommen. Das schuf allenthalben ein diffuses Unbehagen in der Zivilisation. Weil heute aber kaum mehr einer dem Heilsversprechen des Sozialismus glaubt und weil zugleich viele vom Wohlstandsversprechen liberaler Märkte enttäuscht und vom ökonomischen Imperialismus angewidert wurden, könnte Polanyi zum Helden jener werden, die darauf hoffen, die entfesselte Ökonomie zu demostizieren und sie in die Lebenswelten der Menschen zu integrieren, damit künftig ähnlich erschütternde Instabilitäten des Kapitalismus, wie wir sie gerade erleben, vermeiden werden."

Berliner Debatte Initial 17 (2006) 3, S. 105-108 (Matthias Bohlender)
"Ein weiterer, nicht minder bedeutender Versuch über die Ursachen von Krieg und Faschismus ist das von Karl Polanyi erstmals 1944 in den USA veröffentlichte Buch "The Great Transformation". Political and Economic Origins of Our Time". Schon im Untertitel wird deutlich, daß diese historisch-politiche Analyse einen Einsatz darstellt, worin es um nicht weniger geht als darum, die politische und ökonomische Geschichte der Gegenwart zu schreiben. Diese, "unsere Zeit" - ihr Produktions- und Destruktionspotential -, so Polanyi, reicht zurück auf jene "große Transformation", die im ausgehenden 18. Jahrhundert von England aus den Globus erfaßte. Seit der radikalen Umwälzung, die mit der Kommodifizierung von Arbeit, Boden und Geld bzw. mit der Geburt einer modernen Marktgesellschft vollzogen wurde, stellt sich die Frage: Wie ist eine soziale, freie und demokratische Lebensweise der Menschen mit den industriekapitalistischen Produktions- und Konsumtionsverhältnissen vereinbar? Faschismus und NS lauern nicht schon, wie Horkheimer und Adorno glauben, in den historischen Tiefenschichten einer nur instrumentell entfalteten Vernunft, und sie sind ebensowenig, wie Hayek betont, das Ergebnis einer willentlichen oder unwillentlichen Abweichung vom liberalen Pfad der Freiheit und des Glücks; vielmehr sind sie eine - wenn auch die bislang destruktivste - Reaktion auf die zerstörerischen Folgen der entfesselten Zentrifugalkräfte des Marktes. Es ist ein großes Verdienst der Herausgeber und des Metropolis-Verlags, mit einer fast vollständigen Sammlung von Aufsätzen und Artikeln der Jahre 1920 bis 1947 Einblick in die Entstehung des Klassikers "The Great Transformation" ermöglicht zu haben. ... Die drei Bände enthalten ... neben Manuskripten aus dem Nachlaß im wesentlichen Polayis Artikel, die er für den "Österreichischen Volkswirt" verfaßte. Man kann darin nicht nur die Entwicklung seiner Denkweise und Argumentationsfiguren erkennen, die er in der "Great Transformation" entfalten wird, sondern ebenso die journalistische Sorgfalt und analytische Fähigkeit, mit der er die Konflikte dieser Zeit in einen systematischen Zusammenhang bringt. Man erfährt daher nicht nur die Entstehungsgeschichte eines Buches, sondern erhält eine reflektierte "Chronik" der politischen und ökonomischen Ereignisse insbesondere der Zwischenkriegsphase."

Das Argument 254/2004, S. 153-154 (Yasar Aydin)
"Polanyis Hauptwerk 'The Great Transformation' und die dort entwickelte Kategorie der Entbettung liefern in vielen Fällen den normativen Hintergrund kritischer Globatisierungsanalysen. Der vorliegende Sammelband gestattet einen Blick in den Steinbruch, aus dem dieses Werk hervorgegangen ist. Er ermöglicht es, die theoretische wie auch politische Entwicklung Polanyis nachzuvollziehen. ... Die Idee der 'Verantwortung als Grundlage der inneren Freiheit des Menschen' (S. 14) ist Ausgangspunkt der Kritik des Verf. am kapitalistischen Marktsystem. Sowohl Bürokratisierung als auch die Dynamik des Preismechanismus entwickeln mit der Zeit ein Eigenleben und entziehen sich der 'Übersicht' des einzelnen Individuums. Die Marktgesellschaft bietet nur Raum für eine 'entfremdete' Form der Freiheit, die Individuen als voneinander isoliert und atomisiert denkt. Verf. Antwort ist der Ruf nach umfassender Demokratisierung. ... Den wirtschaftlichen und politischen Eliten seiner Zeit wirft er vor, die 'Demokratie', statt sie 'zur wirtschaftlichen Verantwortung zu erziehen' (153), preisgegeben zu haben. Er verdeutlicht an Beispielen, dass Marktintervention nicht notwendigerweise eine 'Funktionsstörung' wirtschaftlicher Entwicklung zur Folge habe. Umgekehrt: Gerade die 'Einbettung' des Marktes in die Gesellschaft fördere die menschliche Entwicklung. Die Transformationen der kapitalistischen Produktionsweise analysiert er aber gerade als Prozess der fortschreitenden 'Entbettung' des Marktes aus seinem gesellschaftlichen Rahmen. Damit bietet er einen nützlichen Ansatz zum Verständnis der neoliberalen Periode kapitalistischer Globalisierung, der allerdings die Rolle von Staat und Politik in diesen Prozessen vernachlässigt."

 

 

Erstellt: 06.11.2016 - 03:31  |  Geändert: 26.12.2019 - 13:34

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