Kerstin Lundberg Hahn: Oskar und die Sache mit dem Glück. Rezension von Britta Kiersch

Rezension
Kerstin Lundberg Hahn: Oskar und die Sache mit dem Glück.    Aladin    ISBN 978-3-8489-2064-8        10,95 €

„Ich bin der Einzige in meiner Familie, der einigermaßen normal ist. Ich bin mittelgroß, mittelschnell und mittelschlau und ich habe einen der normalsten Jungennamen, die es gibt: Oskar. Aber dann ist da noch meine Familie…“

Seine Familie findet der Viertklässler Oskar alles andere als normal und oft sind ihm seine Eltern peinlich. Denn sein Vater, der sehr gern Opernsänger geworden wäre, hat keinerlei Skrupel im Treppenhaus von Oskars Schule eine Arie zu schmettern, weil dort die Akustik so hervorragend ist. Aber Oskar würde am liebsten im Boden versinken, weil alle Kinder so komisch kucken und Jeppe aus seiner Klasse bestimmt wieder einen seiner gemeinen Sprüche loslassen wird. Oskars Mutter ist Friseurin und leidenschaftliche Tänzerin. Auch sie scheut die Öffentlichkeit nicht und tanzt mit Oskars Vater an den unmöglichsten Orten, zum Beispiel im neuen Restaurant als sie dort zum ersten Mal Essen gehen.

Oskar wünscht sich, seine Eltern wären so normal wie er selbst und als er in dem Restaurant von Bie (sie ist die Tochter der neuen Pächter) einen Glückkeks bekommt, traut er seinen Augen kaum, als er den Zettel darin liest: Sprich deinen größten Wunsch laut aus und er wird wahr werden. Und Oskar flüstert: „Ich wünsche, dass meine Eltern und ich uns ähnlicher sind.“

Im weiteren Verlauf der Geschichte erleben wir aber, dass Oskar Dinge sagt und tut, die mindestens genauso peinlich sind, wie die Aktionen seiner Eltern und schnell hegt Oskar den Verdacht, dass nicht seine Eltern ihm, sondern er seinen Eltern immer ähnlicher wird. Das war natürlich gar nicht seine Absicht und er ist sicher, dass der ungenau formulierte Wunsch die Ursache ist. Gemeinsam mit Bie, die er immer besser kennenlernt, versucht Oskar alles, um den Wunsch rückgängig zu machen, bzw. durch einen neuen zu ersetzen.

Und dann ist da noch Oskars Freund Hugo, der allerdings gar nicht mehr so viel Zeit für ihn hat, weil er jetzt mit Maja geht. Oskar weiß nicht so recht, was er davon halten soll, denn eigentlich hatte er doch „ein Auge“ auf Maja geworfen. Muss er jetzt eifersüchtig sein? Wird man automatisch in so einer Situation eifersüchtig und weiß  dadurch, dass man in jemanden verliebt ist? Oder woran erkennt man Liebe sonst?

Der schwedischen Autorin (übersetzt von Gesa Kunter) ist ein unterhaltsamer, lustiger aber auch niveauvoller Roman für Kinder ab 8 gelungen und mit Oskar hat sie eine absolut sympathische Hauptfigur geschaffen. Der Junge versucht seinen Gefühlen auf den Grund zu gehen, sich selbst zu verstehen und – das ist wohl das Wichtigste – seinen Gefühlen zu vertrauen und authentisch zu sein. Ich mochte sehr, wie sich die Freundschaft zwischen Oskar und Bie entwickelt und man merkt eigentlich eher als es der Junge selbst ahnt, dass es mehr als reine Freundschaft ist.

Eine feine Geschichte. Ich habe allerdings bedauert, dass Oskar seine Eltern überhaupt peinlich findet. Es hätte mir besser gefallen, wenn er ohne dieses Gefühl weiter gekommen wäre. Seine Eltern sind lediglich ein bisschen exaltiert und nicht so angepasst, wie viele andere. Ihnen ist nicht so wichtig, was die anderen von ihnen denken und sie tun, was ihnen Freude macht. Sie leben ihrem Sohn vor, was er sich eigentlich für sich selbst wünscht: Unabhängig vom Urteil anderer zu sein. Das hätte ruhig noch etwas deutlicher werden dürfen, dass sie eigentlich genau das leben, was er letztendlich erstrebenswert findet

Von Britta Kiersch

Oskar und die Sache mit dem Glück Kerstin Lundberg Hahn

 

 

 

Erstellt: 22.04.2016 - 22:38  |  Geändert: 02.12.2020 - 17:58

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