Sjoerd Kuyper: Erst wird du verrückt und dann ein Schmetterling. Buchempfehlung von Britta Kiersch

Erst wirst du verrückt und dann ein Schmetterling. Von Sjoerd KuyperBuchempfehlung
Sjoerd Kuyper: Erst wird du verrückt und dann ein Schmetterling     Gabriel     978-3-522-30394-1      14,99 €

Der niederländische Autor Sjoerd Kuyper ist 1952 in Amsterdam geboren und in Deutschland ein Unbekannter, obwohl er mehr als 40 Bücher und Drehbücher für Kinder und Jugendliche veröffentlicht hat.

Ihm ist ein Buch gelungen, das man wirklich völlig uneingeschränkt ab 12 Jahren empfehlen kann und es hat sprichwörtlich alles, was ein Bier braucht: Es wird ein schweres Thema (das können die Niederländer immer besonders gut) mit einer beeindruckenden Leichtigkeit und zugleich der notwendigen Ernsthaftigkeit erzählt, die zu 100 Prozent überzeugt und für größtmöglichen Lesegenuss sorgt. Furios und ein bisschen durchgedreht kommt die Geschichte des 13-jährigen Kos und seinen drei nervtötenden Schwestern daher. Kos ist ein talentierter Fußballer und entdeckt gerade, dass die Liebe das Salz in der Suppe namens Leben ist. Die Mutter der 4 Geschwister ist vor 3 Jahren an Krebs gestorben und seither betreibt ihr Vater mehr schlecht als recht allein das Hotel und versucht zugleich seinen Kindern ein glückliches Leben zu ermöglichen. Aus diesem Grund verschweigt er ihnen auch, dass es nicht gut um das Hotel steht und er Schulden hat. Er ist eigentlich fast ein bisschen zu lieb und fürsorglich, raucht und trinkt zu viel und vernachlässigt sich selbst. Deshalb ist es auch kein Wunder, dass er bei einem Fußballspiel, in dem Kos seine Mannschaft zur Meisterschaft schießt, einen Herzinfarkt erleidet und am Spielfeldrand zusammenbricht.

An dieser Stelle möchte ich Eva-Maria Magel aus ihrem Artikel in der FAZ zitieren, denn sie hat das so perfekt formuliert: „Die Angst den Vater zu verlieren, setzt in Kos die Möglichkeit frei, sich zu beweisen. Und, zum allerersten Mal, um seine Mutter zu trauern. Endlich kann er, der Junge, aufhören, tapfer zu sein. Mitten in einer komischen Szene bricht er zusammen, im Arm der großen Schwester. „Die ältesten Tränen kamen ganz zum Schluss“, erzählt Kos. Dass er nicht nur in all seinen Schwestern je einen Teil der patenten, liebevollen und fantasiebegabten Mutter wiederfindet, sondern endlich erfährt, dass auch er ihr ähnlich ist, dass er eine Wunsch-Junge war wie seine Schwestern Wunsch-Mädchen, ist ein Kern des Romans. Als Leser dürfen wir miterleben, wie Kos ihn nach und nach entdeckt, wie er seine Gedanken entwickelt und aus dem, was er über sich als Junge erfährt, Neues lernt. Zum Beispiel, wie man mit Mädchen umgeht.“ Denn da gibt Isabel, in die Kos ziemlich verliebt ist und er will unbedingt mit ihr zusammen kommen. Aber er will auch auf alle Fälle das Hotel retten und sich um seinen Vater kümmern. Das alles sorgt für unglaublich viele absurde Ver-strickungen, wunderbar komische Dialoge, irrwitzige Ereignisse – es ist eine wahre Wonne, sorgt aber nicht nur für Heiterkeit sondern gibt auch viel Anlass nachzudenken.

Genialerweise lässt der Autor Kos ein Tagebuch auf ein altes Tonband sprechen, welches nachträglich von Isabel, die es nach allen Ereignissen abtippt, kommentiert wird. Und weil beide unabhängig und unbeobachtet ihre Gedanken formulieren, tun sie dies sehr frei und offen, räumen Fehler ein, erzählen über peinliche Situationen und lustvolle Gedanken. Dadurch ist der Roman gleichermaßen für Mädchen und Jungen und auf Grund seiner Qualität auch für Erwachsene mit Gewinn lesbar.

Meine einzige Kritik bezieht sich auf die einfallslose Covergestaltung und den unglücklich gewählten deutschen Titel, der mit dem Originaltitel überhaupt nichts zu tun hat.. Da wäre mehr drin gewesen und so wird das Buch auf Empfehlungen angewiesen sein.

Von Britta Kiersch

Sjoerd Kuyper: Erst wird du verrückt und dann ein Schmetterling 

 

Erstellt: 19.08.2015 - 09:42  |  Geändert: 19.08.2015 - 09:45

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