Annette Pehnt u. Jutta Bauer: Der Bärbeiß - Herrlich miese Tage. Buchempfehlung von Britta Kiersch

Der Bärbeiß - Herrlich miese Tage. Von Annette Pehnt u. Jutta BauerBuchempfehlung
Annette Pehnt und Jutta Bauer: Der Bärbeiß – Herrlich miese Tage    Hanser    ISBN 978-3-446-24750-5    10,- €

Hurra! Der Bärbeiß ist wieder da und mit welch einem wunderbaren Untertitel! Aus Band 1 ist dieser unkonventionelle Grantler ja bereits bestens bekannt. In dem erfährt man, wie der Bärbeiß nach Timbuktu kommt, wo das quirlige, immer fröhliche und wohlwollende Tingeli (ein spilleriges Wesen unbekannter Natur) in bester Nachbarschaft mit dem Königspinguin, einer Reiherfamilie und einer immer weiter wachsenden Schar Hasen lebt.

Der Bärbeiß lässt sich dort häuslich nieder und wir dürfen miterleben, wie er vom Tingeli mit sanfter Dominanz in die Gepflogenheiten Timbuktus eingeführt wird. Denn hier werden soziale Strukturen gelebt, die so einem echten Bärbeiß nicht leicht von der Hand gehen: Lieb zueinander sein, sich umeinander kümmern, für die anderen mitdenken und so weiter.

Mit dem allergrößten Vergnügen und leisem Dauerschmunzeln habe ich mir nun den Band 2 „auf der Zunge zergehen lassen“. Ein ganzes Jahr dürfen wir mit den Bewohnern Timbuktus erleben und die jahreszeitlichen Besonderheiten kennenlernen. Da ist zuallererst einmal der Frühjahrsputz, zu dem das unverschämt gutgelaunte Tingeli den Bärbeiß ermuntert. Die Antwort: „Ich hasse Putzen…vor allem vor dem Frühstück“ sagt der Bärbeiß erschrocken.

Als auch noch die Graureiher und die Hasen zur Hilfe eilen, sucht er lieber schleunigst das Weite.

Kurz darauf befällt ihn eine große Müdigkeit und in der nächsten Geschichte schiebt er den Blues, fühlt sich schrecklich einsam und macht sich auf die Suche nach einem anderen Bärbeiß – den er zwar nicht findet, aber viele völlig logisch Erklärungen dafür weiß und total zufrieden mit seinem Dasein wieder (allein) nach Hause geht.

„’Ich hab es gewusst’, winselte er. ’Keiner will bei mir sein. Sie machen wahrscheinlich gerade ein tolles Sommerfest oder eine Grillparty oder ein Picknick. Warum sollten sie hierherkommen?’ Aber dann viel ihm ein, dass er Sommerfeste, Grillpartys und Picknicke hasste. Die anderen Bärbeiße waren ja genauso wie er, also hassten sie ebenfalls Sommerfeste, Grillpartys und Picknicke. Dann fiel ihm gleich noch ein, dass sie wahrscheinlich, genauso wie er selbst, andere Leute und Bärbeiße hassten. Also wollten sie ihn gar nicht sehen.

‚Ach so’, seufzte er erleichtert. ‚Na ja, das versteht keiner besser als ich.“

Das ist nur der Anfang dieses kleinen Wunderwerks. Eine Geschichte nach der anderen bezaubert: Durch die Leichtigkeit und den Licht durchfluteten Erzählstil die Frühlings- und Sommergeschichten und durch die erdige und schwerere Sprache die Geschichten des Herbstes und Winters. Ich bin restlos begeistert. Und wirklich grandios sind Jutta Bauers feine Zeichnungen. Es ist einfach tolle Arbeit, wenn Text und Illustrationen sich so perfekt ergänzen, wenn das Tingeli textgetreu ein leuchtend gelbes Röckchen trägt, oder man ihm die Sorge und Erschöpfung ansieht, wenn alle krank sind und es als Rotkreuzschwester die Pflege übernimmt. Und genau diese Details machen den Unterschied!

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Der Bärbeiß - Herrlich miese Tage. Von Annette Pehnt u. Jutta Bauer

 

Erstellt: 12.03.2015 - 10:25  |  Geändert: 02.04.2015 - 10:51

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