"Hell no, we won’t go!"
50 Jahre nach dem Ende des Vietnamkriegs: Der antimilitaristische Widerstand in der US-Armee und der US-Zivilgesellschaft
Am 30. April 1975, vor genau 50 Jahren, endete der Vietnamkrieg, den die US-Interventionsarmee seit 1959 geführt hatte. Die These dieses -Buches ist, dass der US-Krieg in Vietnam zu einem großen Teil durch massenhaften antimilitaristischen Widerstand im Innern der USA selbst sowie im Innern der US-Armee beendet worden ist. Berichtet wird über das Ausmaß von Desertion, Kriegsdienstverweigerung, Sabotage- und direkten Aktionen.
Erinnert wird an die Brutalität der US-Kriegsführung. Beschrieben werden gewaltfreie direkte Aktionen, mit denen zum Beispiel das Auslaufen von US-Kriegsschiffen behindert wurde. Außerdem wird der Widerstand innerhalb der US-Armee in Vietnam dargestellt und die zivilgesellschaftliche Massenbewegung gegen die Rekrutierungen geschildert, die Präsident Nixon zu einer Reduzierung der US-amerikanischen Truppen und schließlich zur Aufgabe der finanziellen und materiellen Unterstützung des südvietnamesischen Marionettenregimes durch die USA zwang.
Leseprobe aus der Einleitung beim Verlag
Aus dem Inhalt
- Direkte gewaltfreie Aktionen gegen den Nachschub an Kriegswaffen für den Vietnamkrieg
- Die Friedenspiraten von Philadelphia & Volksblockaden
- Vietnam: Protokoll eines Völkermords
- Personenverletzende Projektile; Brandbomben; Personenverletzende Minen
- Widerstand der Buddhisten in Vietnam
- „Wenn sie unschuldig sind, dann schlagt sie, bis sie schuldig werden …“
- „Hell no, we won’t go!“
- Widerstand in der US-Armee während des Vietnamkrieges
- „And it’s one, two, three, what are we fighting for?“
- Die Massenbewegung gegen den Vietnamkrieg in den USA
- Anhang I: Der Vietnamkrieg – eine Chronologie
- Anhang II: Positionen von Wehrdienstverweigerern in der ehemaligen DDR zum Vietnamkrieg
Interview
»Zivile Verteidigung wäre realistische Alternative zu Waffenlieferungen« - In seinem neuen Buch erinnert Lou Marin an den Widerstand gegen den Vietnamkrieg: Wo gibt es zurzeit Beispiele für erfolgreichen gewaltfreien Widerstand? Mut machen sollte uns der erfolgreiche spontane Widerstand fast der gesamten Bevölkerung Südkoreas gegen das vom neofaschistischen Diktator und Trump-Freund Yoon Suk-yeol eingeführte Kriegsrecht in dem Land im Dezember 2024, der in der Folge immerhin zur Wahl eines demokratischen Präsidentschaftskandidaten geführt hat. Und das trotz der südkoreanischen Geschichte mehrerer Diktaturen und des Massakers von Gwangju im Jahr 1980, was vor allem zeigt, dass der gewaltfreie Widerstand selbst nach einem historischen Blutbad durch Militärs mittelfristig erneut greifen und die Armee spalten und dadurch auch wieder von dessen mörderischen Einsatz abhalten kann. [Interview hinter der Bezahlschranke] Mit Peter Nowak Neues Deutschland 14.07.2025
Rezension
Am 30. April 1975 endete der Vietnamkrieg. Der 50. Jahrestag fand in vielen Medien Beachtung. Doch selten wurde der Beitrag des antimilitaristischen Widerstands in den USA und auch im Innern der US-Armee zum Kriegsende erwähnt. Jetzt hat Lou Marin im Verlag Graswurzelrevolution einen Band mit Dokumenten dieses zivilgesellschaftlichen Widerstands veröffentlicht. Sie stammen größtenteils aus der gewaltfrei-anarchistischen Zeitung Graswurzelrevolution, die noch immer existiert. Erinnert wird an Blockaden von Antimilitarist*innen aus Philadelphia, die 1972 das Auslaufen von Munitionsschiffen in Richtung Vietnam behinderten und Unterstützung von Matrosen des Kriegsschiffs bekamen. Ausführlich wird über die Organisierung von US-Veteranen berichtet, die nicht mehr in Vietnam kämpfen wollten. Eine wichtige Rolle bei der Herausbildung einer Massenbewegung gegen den Vietnamkrieg spielte die Folk- und Rockszene. Als US-Präsident Nixon 1970 den Befehl zum Angriff auf das neutrale Kambodscha gab, war die Bewegung auf dem Höhepunkt. Sie strahlte in die ganze Welt aus, auch in die pazifistische Szene der DDR, wie die Briefe von christlichen Wehrdienstverweigern zeigen, die im Anhang abgedruckt sind. Das Buch muss nicht zwingend historisch gelesen werden. Die dokumentierten antimilitaristischen Interventionen sind hochaktuell in einer Zeit, in der wieder so laut von Kriegsfähigkeit gesprochen wird. Von Peter Nowak analyse & kritik 19.08.2025
Quelle von Inhalt, Interview und Rezension: Graswurzel Revolution (07.08.2026)