02.01.2026

Sündenfall Eva Herman - wie Medien die Tagesschau-Sprecherin zum Nazi stempelten

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Medienpräsenz

Sie war in den 1990er Jahren eines der bekanntesten Gesichter des deutschen Fernsehens – Eva Hermann: Tagesschau-Sprecherin, Moderatorin, Autorin. Eine glanzvolle Karriere, bis sie 2006 ihr Buch „Das Eva-Prinzip. Für eine neue Weiblichkeit“ veröffentlichte, in dem die berufstätige Mutter den Verfall konservativer Werte als Ursache für den starken Geburtenrückgang in der Bundesrepublik konstatierte. Hermann sah in der feministischen Emanzipation einen Irrweg, weil er berufstätigen Müttern einen zu großen Spagat zwischen Selbstbestimmung und Familie abverlange und Ursache für immer mehr bindungsgestörte Kinder sei.

Diese Thesen stießen 15 Jahre auf große Ablehnung. Feministinnen wie Alice
Schwarzer oder die Schriftstellerin Thea Dorn zogen gegen Hermann zu Felde,
stellten sie, die sich u.a. lange für die Initiativen ‚Laut gegen Nazis’ und "Gesicht zeigen" engagiert hatte, in die ‚rechte
Ecke‘ (‚Das Eva-Braun-Prinzip‘) und die gesamte Medienwelt zog mit. Hermann
verlor ihren Job und statt einer sachlichen Auseinandersetzung erlebte sie eine
Hetzjagd, die in der berühmt-berüchtigten ZDF-Sendung von Johannes B. Kerner am 9. Oktober 2007 in einem regelrechten Tribunal gipfelte.

Wir haben Eva Hermann gefragt, wie sie die Geschehnisse damals erlebt und
inzwischen verarbeitet hat und wie Sie die jetzige Entwicklung in der deutschen
Medienwelt einschätzt. Die Demontage und öffentliche Diffamierung von Eva Herman gilt manchen Beobachtern als erster Sündenfall der deutschen Medien und ein Meilenstein bei der Entwicklung in Richtung eines modernen Haltungsjournalismus. Herman spricht offen und ehrlich über das Geschehene. Auch für uns war beim Nachrecherchieren des Falls aus heutiger Sicht einiges überraschend: So verbreitete ausgerechnet die deutsche Nachrichtenagentur dpa ein falsches Zitat zur Autobahn-Aussage.

Korrektur: Bei Minute 45:30 meint Eva Herman den Bundesgerichtshof in Karlsruhe, nicht das Bundesverfassungsgericht."

Sprache (Ton)
Deutsch
Laufzeit
1h 11min 36s

Erstellt: 06.01.2026 - 19:45  |  Geändert: 06.01.2026 - 19:45

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