12.01.2025

Wie militärische Planspiele unsere Vernichtung simulieren | Propagandaforscher Dr. Jonas Tögel

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Deutsch

Erstellt: 23.01.2025 - 02:36  |  Geändert: 11.05.2025 - 15:51

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"Der Begriff Informationskrieg, kurz Infokrieg (englisch infowar oder information warfare) beschreibt moderne Konflikte, bei denen Informationen als primäres Mittel zur Erreichung strategischer Ziele eingesetzt werden. Im Kontext aktueller geopolitischer Spannungen hat sich der Informationskrieg als ein zentrales Element entwickelt, das weit über traditionelle militärische Auseinandersetzungen hinausgeht." (Wikipedia)

Mit der Entwicklung von agentenbasierten KI-Systemen und Large Language Models (LLMs) hat sich eine neue Form des Informationskrieges entwickelt: sogenannte böswillige KI-Schwärme.[13] Diese bestehen aus autonomen KI-Agenten, die sich ohne zentrale Steuerung koordinieren und menschliche Sozialdynamiken imitieren.

Im Kontext des Informationskrieges zeichnen sie sich durch folgende Merkmale aus:

  • Kognitive Kriegsführung: KI-Schwärme nutzen ihre „unermüdliche operative Ausdauer“, um sich langfristig in digitale Gemeinschaften einzubetten und dort subtil Sprache, Symbole und Identitäten zu verändern.
  • Synthetischer Konsens: Durch das zeitgleiche Agieren in verschiedenen Nischen-Communities erzeugen sie eine „Mirage“ von breitem, parteiübergreifendem Konsens (Astroturfing), um die öffentliche Meinung über wahrgenommene soziale Normen zu steuern.
  • LLM-Grooming (Datenvergiftung): Durch das massenhafte Fluten des Internets mit fabrizierten Inhalten manipulieren Schwärme gezielt die Trainingsdaten zukünftiger KI-Modelle, um bösartige Narrative fest in deren Modellgewichten zu verankern.
  • Echtzeit-Anpassung: Die Agenten reagieren autonom auf Reaktionen der Nutzer und Plattform-Algorithmen, was sie schwerer detektierbar macht als klassische, skriptbasierte Botnetze.

Dr. Jonas Tögel ist Amerikanist, Propagandaforscher und Bestsellerautor. Er hat zum Thema Soft Power und Motivation promoviert und arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Psychologie der Universität Regensburg. Seine Forschungsschwerpunkte sind unter anderem Motivation, der Einsatz von Soft-Power-Techniken, Nudging, Propaganda sowie epochale Herausforderungen des 20. und 21. Jahrhunderts.

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Der Krieg in der Ukraine spitzt sich weiter zu - damit nimmt nicht nur die Gefahr einer militärischen Eskalation zu. Auch die Propagandaschlacht wird von allen Konfliktparteien erbittert und mit den modernsten Manipulationswaffen geführt. Von russischer Seite wird immer wieder die Karte einer möglichen atomaren Konfrontation ausgespielt. Die Falken im Westen versuchen dagegen, die Gefahr eines Nuklearkrieges als gering und paradoxerweise den russischen Invasionshunger auf Europa gleichzeitig groß darzustellen. Dabei gerät ein Aspekt ins Hintertreffen: Bereits während des Kalten Krieges simulierten sowohl die NATO-Staaten als auch die Sowjetunion immer wieder einen möglichen atomaren Konflikt.