Herrhausen, Alfred (Autor)

Alfred Herrhausen (1930–1989) war ein deutscher Bankmanager, Wirtschaftswissenschaftler und von 1988 bis zu seiner Ermordung alleiniger Vorstandssprecher der Deutschen Bank sowie einer der einflussreichsten Wirtschaftsführer der alten Bundesrepublik. Nach einem Studium der Betriebswirtschaftslehre in Köln und der Promotion zum Dr. rer. pol. begann er seine Karriere bei Ruhrgas und den Vereinigten Elektrizitätswerken Westfalen (VEW), bevor er 1970 zur Deutschen Bank wechselte und bereits 1971 ordentliches Vorstandsmitglied wurde. Herrhausen wollte die traditionsreiche deutsche Geschäftsbank zu einer international konkurrenzfähigen Universalbank mit starkem Investmentbanking entwickeln und geriet mit seinen weitreichenden Umbauplänen auch innerhalb des eigenen Hauses in Konflikte.

Ungewöhnlich für einen Spitzenbanker seiner Zeit mischte er sich intensiv in gesellschaftliche und internationale Grundsatzfragen ein. Er beriet Bundeskanzler Helmut Kohl, unterstützte wirtschaftliche Reformen in Ungarn und anderen Staaten des Warschauer Pakts und war an der Finanzierung wirtschaftlicher Zusammenarbeit mit der Sowjetunion beteiligt. Besonders bekannt wurde sein 1987 öffentlich vorgetragener Vorschlag, hochverschuldeten Entwicklungsländern einen Teil ihrer Bankschulden zu erlassen – ein Vorstoß, mit dem er in der internationalen Bankenwelt und auch innerhalb der Deutschen Bank auf erheblichen Widerstand stieß. Herrhausen argumentierte, dass die Schuldenkrise nicht allein ein finanzielles Problem sei, sondern wirtschaftliche Entwicklung und politischen Frieden gefährde.

Am Morgen des 30. November 1989 wurde der 59-Jährige wenige hundert Meter von seinem Haus in Bad Homburg durch eine außergewöhnlich aufwendig konstruierte Sprengfalle getötet. Die Täter hatten am Straßenrand eine Sprengladung mit einer Kupferplatte angebracht und sie im richtigen Augenblick ausgelöst, als Herrhausens gepanzerter Mercedes vorbeifuhr. Die dabei erzeugte projektilartige Wirkung durchschlug den Wagen; Herrhausen verblutete, sein Fahrer überlebte. Die RAF bekannte sich zu dem Mord. Wer die Bombe baute, wer sie platzierte und wer den Anschlag ausführte, ist jedoch bis heute nicht geklärt.

Gerade die technischen und ermittlungsgeschichtlichen Besonderheiten machen den Fall bemerkenswert. Die Konstruktion und Präzision des Sprengsatzes warfen schon bei damaligen Ermittlern die Frage auf, ob die RAF technische Unterstützung erhalten hatte. Der frühere Leiter der BKA-Terrorismusbekämpfung Rainer Hofmeyer erklärte rückblickend, die technische Qualität habe die Ermittler zwangsläufig zu dieser Frage geführt; belastbare materielle Spuren zu möglichen Helfern wurden jedoch nicht gefunden. Auffällig ist außerdem, dass acht Tage zuvor beim Attentat auf den libanesischen Präsidenten René Moawad in Beirut eine ähnliche Sprengtechnik eingesetzt worden sein soll. Daraus entstanden Vermutungen über eine mögliche technische Unterstützung durch die palästinensische PFLP; bewiesen wurde eine solche Verbindung nicht.

Zusätzliche Zweifel entstanden durch schwere Fehler der deutschen Ermittlungen. Der frühere V-Mann des hessischen Verfassungsschutzes Siegfried Nonne behauptete 1991, an den Vorbereitungen beteiligt gewesen zu sein, und belastete mehrere mutmaßliche RAF-Mitglieder. Seine Angaben führten zu Haftbefehlen, erwiesen sich jedoch als nicht tragfähig; Nonne widerrief, änderte seine Aussagen erneut, und die auf seinen Angaben beruhenden Haftbefehle wurden schließlich aufgehoben. Seit 2004 wurde deshalb wieder gegen Unbekannt ermittelt.

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