Glenn Diesen Clips (Medienpräsenz)

1:15:42

Scott Ritter ist ein ehemaliger Major, Geheimdienstoffizier, US-Marine und UN-Waffeninspektor.

Überblick

Der Zerfall der Rüstungskontrolle und die neue nukleare Haltung der USA (00:03) Zwischen den USA und Russland existieren heute keinerlei Rüstungskontrollverträge mehr, weshalb die vertrauensbildenden Maßnahmen der Vergangenheit weggefallen sind. Die nukleare Planung konzentriert sich nun nicht mehr auf die Eindämmung, sondern auf den tatsächlichen Einsatz dieser Waffen. Angesichts des Erstarkens Chinas wurde die US-Nukleardoktrin unter Biden grundlegend überarbeitet, was zu einer schnellen Modernisierung und Aufrüstung des US-Arsenals führt.

Die Absenkung der nuklearen Hemmschwelle (05:54) Durch die Bereitstellung modifizierter Waffen mit geringer Sprengkraft, wie der B61-Bombe in Europa, verfügen die USA über direkt einsetzbare nukleare Kapazitäten. Die von Elbridge Colby überarbeitete Nuklearstrategie sieht den frühzeitigen Einsatz taktischer Atomwaffen in großen Krisen vor, da die konventionellen Kräfte der USA nicht ausreichen, um den Iran, China oder Russland zu besiegen.

Nuklearpläne gegen den Iran und unzureichende Geheimdienstdaten (07:48) Jeder US-Kriegsplan enthält standardmäßig einen Atomanhang, was auch für den aktuellen Iran-Konflikt gilt. Da der Iran zu einem nuklearen Schwellenstaat mit einer Urananreicherung von 60 % geworden ist und seine Bestände in tiefen, gegen konventionelle Angriffe geschützten unterirdischen Anlagen (wie dem „Pickaxe Mountain“) lagert, laufen aktive US-Planungen für einen nuklearen Schlag [586–588]. Ein solcher Einsatz wird jedoch durch das humanitäre Völkerrecht eingeschränkt und ein entsprechender Befehl würde laut Ritter derzeit verweigert werden.

Nukleare Gefahrenherde in Ostasien und Europa (13:17) Die weitaus größere nukleare Gefahr droht in Ostasien wegen Taiwan sowie in Europa im Hinblick auf Kaliningrad. Da die USA in diesen Regionen über keinerlei konventionelle Überlegenheit verfügen, müssten sie in einem Konfliktfall frühzeitig taktische Kernwaffen einsetzen. Dies würde jedoch unweigerlich zu einem unkontrollierbaren, umfassenden nuklearen Schlagabtausch führen, der alles Leben auf der Erde vernichtet.

Der verdeckte NATO-Kursk-Feldzug im August 2024 (18:44) Ritter erinnert daran, dass die NATO im August 2024 mit einer Streitmacht von 70.000 bis 80.000 von der NATO ausgebildeten und ausgerüsteten Ukrainern in die russische Region Kursk einfiel. Dieser sorgfältig von westlichen Staatschefs geplante Angriff wurde durch ein hochmodernes, KI-gestütztes NATO-Aufklärungskonzept koordiniert, scheiterte jedoch an der Gegenwehr russischer Marine- und Spezialkräfte [606–609].

Der Beinahe-Nuklearschlag im September 2024 (22:02) Als der britische Premier Keir Starmer im September 2024 die Freigabe von Storm-Shadow-Raketen für Angriffe tief im russischen Territorium forderte, drohte Russland mit einer nuklearen Reaktion. Am 13. September erfuhr Ritter in der russischen Botschaft von Botschafter Antonow, dass die Russen nicht bluffen und Washington DC direkt auf der Zielliste steht. Daraufhin verweigerte Präsident Biden die Unterschrift.

Die gefährliche Illusion, einen Atomkrieg gewinnen zu können (26:18) Obwohl die CIA wusste, dass die russischen Drohungen real waren, erklärte der J5-Planungsdirektor des Strategischen Kommandos Thomas Buchanan im November 2024 öffentlich, die USA seien bereit für einen Atomkrieg, den sie gewinnen würden. Ritter betont, dass ein solcher „Sieg“ in der Realität den Tod der USA, das Ende der Verfassungsrepublik und die Entstehung einer totalitären Militärdiktatur für die wenigen Überlebenden bedeuten würde.

Verdeckte Attentatsversuche und die Operation „Spinnennetz“ (30:13) Während Trump anfangs die Spannungen abbauen wollte, trieb der tiefe Staat im Hintergrund verdeckte Eskalationen voran. So hielt Trump Putin am Telefon, während zeitgleich 98 ukrainische Drohnen – gesteuert durch CIA-Geheimdienstinformationen – auf Putins Residenz in Waldi zusteuerten, was einem Attentatsversuch entsprach. Bereits im Juni 2025 attackierten CIA und MI6 im Rahmen der Operation „Spinnennetz“ Russlands strategische Atombomber.

Der geopolitische Wandel in Russland und die Ohnmacht der NATO (34:28) Innerhalb Russlands hat sich die Stimmung grundlegend gedreht, da selbst ehemals liberale, pro-westliche Intellektuelle wie Fjodor Lukjanow nun einen kompromisslosen Sieg Russlands fordern. Russland dominiert den Konflikt und sieht die NATO als militärisch völlig ohnmächtige Institution an, die kurz vor dem Zusammenbruch steht. Trump erwägt zudem intern den vollständigen Abzug aller US-Truppen aus Europa.

Das asiatische Pulverfass und Trumps Unberechenbarkeit (39:02) Während Russland in der Ukraine militärisch dominiert, droht im Pazifik eine unkontrollierte nukleare Eskalation durch die Krisenherde Taiwan und Nordkorea. Nordkoreanische Truppen kämpfen bereits in Russland und sammeln wertvolle Kampferfahrung mit moderner europäischer Kriegsführung. Das größte Risiko liegt in der emotionalen Instabilität Donald Trumps, weshalb der Kreml ihn wie ein unberechenbares Kind behandelt.

Die radikale Transformation des Drohnenkriegs (45:09) Ritter berichtet von seinen Vor-Ort-Beobachtungen an der Front im Jahr 2026, wonach Drohnen die klassische Kriegsführung vollständig abgelöst haben [652–654]. Russland hat den Drohnenkrieg mittlerweile im Griff, da Drohnenoperatoren der Ukraine fast sofort nach dem Start lokalisiert und eliminiert werden. Um dem Vormarsch zu entgehen, nutzt die Ukraine zunehmend zivile Einkaufszentren als getarnte Drohnenfabriken und zivile Lastwagen als mobile Abschussrampen, was diese zu legitimen Zielen russischer Iskander-Angriffe macht [662–664, 673].

Der existenzielle Überlebenskampf Russlands (55:56) Der Donbas sowie Slovyansk und Kramatorsk werden unweigerlich an Russland fallen, da der Ukraine die Reserven ausgehen und ihre Rüstungsindustrie zerstört ist. Der westliche Versuch, das Putin-Regime über einen Maidan in Moskau zu stürzen, scheitert am tiefen Glauben und der Entschlossenheit der russischen Bevölkerung. Selenskyj hat mit Plänen, ein Pantheon für Nazi-Kollaborateure wie Stepan Bandera im heiligsten Kiewer Höhlenkloster zu errichten, die Auslöschung der ukrainischen Identität besiegelt.

Wirtschaftskrieg und die Zerschlagung der ukrainischen Rüstung (56:33) Ritter legt dar, dass Russland den Krieg nicht durch spektakuläre Großoffensiven mit „roten Pfeilen auf der Landkarte“ entscheidet, sondern durch die systematische Zerstörung der ukrainischen Wirtschaft. Da 60 % der ukrainischen Wirtschaft auf der Landwirtschaft basieren und der Export über das Schwarze Meer blockiert ist, sei das wirtschaftliche Fundament des Landes tot. Zudem habe Russland den Code der ukrainischen Rüstungsindustrie geknackt: Weil die Ukraine ihre Drohnenproduktion zunehmend in Keller von Wohnhäusern und in zivile Einkaufszentren verlegt hat, greife Russland diese Lager gezielt an, was im Westen oft fälschlicherweise als Angriff auf reine Zivilisten dargestellt werde.

Die Kiew-Eskalation und die Überlebenshoffnung der NATO (58:36) Ritter warnt die ukrainische Führung eindringlich vor dem Versuch, Moskau mit neu entwickelten ballistischen Raketen (wie dem Typ FP9) anzugreifen. Russland würde darauf zwar nicht nuklear reagieren, aber Kiew als Stadt und dessen verbliebene Infrastruktur vollständig auslöschen. Die einzige und verzweifelte Überlebenshoffnung für die NATO bestehe darin, Russland zu einem direkten Angriff auf ein NATO-Mitgliedsland zu provozieren, um die USA wieder voll einzubinden. Selenskyj spiele dieses gefährliche Spiel mit und versuche bewusst, durch Angriffe tief im russischen Hinterland eine solche Reaktion zu erzwingen.

Die Illusion des „Moskau-Maidans“ und die Rolle des Glaubens (1:01:00) Das westliche Kalkül, durch Drohnennadelstiche auf russische Flughäfen Unruhe in der russischen Bevölkerung zu stiften und einen Regierungssturz (Maidan-Moment) in Moskau herbeizuführen, bezeichnet Ritter als völligen Unsinn. Der Westen verstehe nicht, dass Russland eine Nation des tiefen Glaubens ist (sowohl orthodox-christlich als auch muslimisch). Selenskyjs Entscheidung, im heiligsten Kiewer Höhlenkloster ein Pantheon für Nazi-Kollaborateure wie Stepan Bandera zu errichten, habe die russische Gesellschaft in ihrem Abwehrkampf nur noch tiefer geeint.

Symbolik, Geschichte und die existenzielle Entschlossenheit Russlands (1:04:54) Putins sorgfältig inszenierte öffentliche Auftritte – wie das Betrachten des geöffneten Sarkophags des Nationalhelden Dmitri Donskoi im Kreml – seien bewusste Appelle an das historische Abwehrbewusstsein der russischen Bevölkerung gegen äußere Horden. Während im Westen geglaubt wird, die Sanktionen und Angriffe würden die Russen zermürben, bewirken sie in Wahrheit das Gegenteil. Obwohl Russland im Vergleich zur Ukraine bisher kaum echten Schmerz im Alltag gespürt habe, sei die Bevölkerung unter Putin bereit, jedes existenzielle Opfer zu bringen, um den vollständigen Sieg über den kollektiven Westen zu erringen

Das unausweichliche Endspiel eines Atomkriegs (1:07:56) Ritter warnt eindringlich vor der Illusion eines „begrenzten“ Atomkriegs. Jeder taktische Atomschlag (sei es im Iran oder gegen Kaliningrad) würde unweigerlich zu einer automatischen Eskalation und einem globalen Atomschlagabtausch führen. Sollten die USA den Iran angreifen, müsste Russland mit Atomschlägen auf Europa und China auf Japan antworten, um die nukleare Vormachtstellung der USA zu brechen

Zeitmarken

Ansätze für eine neue Sicherheitsordnung in Westasien

00:09

Die Gesprächspartner vertreten die Auffassung, dass ein umfassendes Abkommen mit den USA derzeit nicht realistisch sei, weil Washington als unzuverlässiger Vertragspartner angesehen werde. Stattdessen rücken regionale Akteure in den Mittelpunkt. Ausführlich beschrieben wird eine mögliche Sicherheitsarchitektur, in der Pakistan als Vermittler zwischen Iran und Saudi-Arabien eine Schlüsselrolle übernimmt. Pakistan verfüge bereits über enge militärische Beziehungen zu Saudi-Arabien und pflege zugleich direkte Kontakte zur iranischen Führung. Auch Katar, Ägypten und später weitere Golfstaaten könnten eingebunden werden. Die Türkei wird als unterstützender Akteur genannt. Als größtes Hindernis gilt weniger die regionale Bereitschaft als die Frage, wie die USA auf eine eigenständige regionale Ordnung reagieren würden.

Saudi-Arabien, Jemen und die Gefahr einer regionalen Eskalation

04:27

Im Anschluss wird der Angriff auf den Flughafen von Sanaa analysiert. Die Gesprächspartner halten einen saudischen Nutzen für kaum erkennbar, da Riad gerade an einer Entspannung mit Iran interessiert gewesen sei. Mehrfach wird darauf hingewiesen, dass Jemen über Fähigkeiten verfüge, den Schiffsverkehr im Roten Meer zu beeinträchtigen, Pipelines anzugreifen und damit die saudische Ölwirtschaft empfindlich zu treffen. Deshalb erscheine eine bewusste Eskalation aus saudischer Sicht widersprüchlich. Anschließend wird die militärische Lage im weiteren Nahen Osten betrachtet. Erwähnt werden Angriffe auf Einrichtungen in Kuwait, Katar, Bahrain und Jordanien sowie die Möglichkeit einer Ausweitung des Konflikts auf den Irak.

Iranische Strategie und innerer Machtaufbau

09:11

Der dritte Themenblock beschäftigt sich mit der iranischen Führung. Die Gesprächspartner widersprechen Berichten über Machtkämpfe innerhalb Irans und beschreiben stattdessen einen weitgehenden Konsens zwischen politischen Entscheidungsträgern und den Revolutionsgarden. Besonders hervorgehoben wird Mojtaba Khamenei, dem eine zentrale Rolle nach dem Tod seines Vaters zugeschrieben wird. Nach Darstellung der Gesprächspartner habe die iranische Führung schon früh bezweifelt, dass mit den USA ein dauerhaftes Abkommen möglich sei. Heute sehe sie sich durch die Entwicklung bestätigt. Gleichzeitig gehe man davon aus, dass Washington letztlich erneut verhandeln müsse – allerdings zu Bedingungen, die künftig von Teheran bestimmt würden.

Hormusstraße als strategischer Hebel

16:11

Die Gesprächspartner argumentieren, Iran verfüge inzwischen über erheblichen Einfluss auf diese Schifffahrtsroute. Diskutiert werden mögliche Folgen einer Einschränkung des Öltransports, steigende Energiepreise sowie Auswirkungen auf Weltwirtschaft und Petrodollar-System. Die Gesprächspartner sehen hierin eine grundlegende Verschiebung der strategischen Lage zulasten der USA und bewerten dies als eine der wichtigsten geopolitischen Folgen des Konflikts.

Politische Attentate und iranisches Verständnis von Vergeltung

21:01

Diskussion über Berichte, wonach iranische Stellen einen Anschlag auf Donald Trump planen könnten. Die Gesprächspartner ordnen dies in den größeren Zusammenhang gezielter Tötungen politischer Führungspersonen ein. Sie argumentieren, dass die USA und Israel politische Attentate in den vergangenen Jahren zunehmend als legitimes außenpolitisches Mittel etabliert hätten. Anschließend wird die schiitisch geprägte Vorstellung von Vergeltung erläutert. Diese werde nicht als unmittelbare Reaktion verstanden, sondern könne sich über Jahre oder sogar Jahrzehnte erstrecken. Nach Darstellung der Gesprächspartner sei innerhalb Irans der Wunsch nach Vergeltung weit verbreitet, Zeitpunkt und Form blieben jedoch offen.

Warum Iran als besonders schwieriger Gegner gilt

25:00

Es folgt eine ausführliche Analyse der militärischen Ausgangslage. Hervorgehoben werden die Größe des Landes, die Gebirgslandschaften, die lange Küstenlinie sowie die seit Jahrzehnten vorbereitete Verteidigungsstrategie. Hinzu komme eine Bevölkerung, die den Konflikt als existenziell wahrnehme. Nach Auffassung der Gesprächspartner unterscheide sich Iran dadurch grundlegend von früheren westlichen Interventionen. Sollte Teheran den Konflikt überstehen, könne das Land seine regionale Stellung erheblich ausbauen, während ein Scheitern den Zerfall des Staates bedeuten würde. Gerade dieser Gegensatz zwischen maximalem Risiko und maximalem möglichen Gewinn erkläre die hohe Widerstandsfähigkeit.

Mediennarrative und historische Schlussfolgerungen

27:07

Zum Abschluss kritisieren die Gesprächspartner westliche Medienberichte, die zu Beginn des Krieges einen schnellen Zusammenbruch der iranischen Führung erwartet hätten. Diese Einschätzungen seien aus ihrer Sicht durch die tatsächliche Entwicklung widerlegt worden. Abschließend ziehen sie historische Parallelen zum Persischen Reich sowie zu Russlands Geschichte. Daraus leiten sie die These ab, dass westliche Regierungen wiederholt historische Erfahrungen ignorierten und deshalb dieselben strategischen Fehler erneut begingen. Das Gespräch endet mit einer pessimistischen Einschätzung der weiteren Entwicklung und der Erwartung, dass die politischen und wirtschaftlichen Folgen noch lange nachwirken werden.