Hüseyin Doğru (Jahrgang 1983) ist ein in Berlin geborener deutsch-türkischer Journalist sowie Gründer und früherer Chefredakteur der englischsprachigen Medienplattform Red beziehungsweise Red Media. Nach eigener Darstellung arbeitet er seit etwa 2010 journalistisch. Zunächst beschäftigte er sich vor allem mit gesellschaftspolitischen Fragen in Deutschland und der Türkei sowie mit kurdischen Themen; später verlagerte er seinen Schwerpunkt auf internationale Politik, antikoloniale Bewegungen und Konflikte im Nahen Osten. Vor der Gründung von Red arbeitete er für das Videoportal Redfish, das zur Nachrichtenagentur Ruptly und damit zum Umfeld des russischen Auslandssenders RT gehörte. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022 endete diese Tätigkeit.

Anfang 2023 gründete Doğru Red Media, das von der in Istanbul registrierten AFA Medya A.Ş. betrieben wurde. Das Medium verstand sich als sozialistisch, antifaschistisch und antiimperialistisch und veröffentlichte vor allem Videoreportagen, Interviews und Kommentare zu internationalen Konflikten. Besondere Reichweite erzielte Red mit seiner Berichterstattung über den Gazakrieg, propalästinensische Proteste und staatliche Maßnahmen gegen die Palästina-Solidaritätsbewegung in Deutschland. Doğru erklärte, Red habe sich aus Spenden und privaten Mitteln finanziert und keine Zahlungen von Staaten erhalten. Kritiker verwiesen dagegen auf personelle und organisatorische Überschneidungen mit Redfish und russischen Staatsmedien. 

Im Mai 2025 setzte der Rat der Europäischen Union Doğru und AFA Medya auf eine Sanktionsliste wegen mutmaßlicher Unterstützung russischer destabilisierender Aktivitäten. Die EU wirft ihm vor, Red habe enge finanzielle und organisatorische Verbindungen zu Akteuren russischer Staatspropaganda unterhalten, gezielt falsche Informationen verbreitet und durch seine Berichterstattung über die Besetzung der Berliner Humboldt-Universität gewaltsame Proteste sowie Narrative der Hamas gefördert. Die Sanktionen umfassen das Einfrieren seiner Vermögenswerte, ein Verbot, ihm Geld oder wirtschaftliche Ressourcen zur Verfügung zu stellen, sowie Reisebeschränkungen. Red stellte im Mai 2025 seinen Betrieb ein. 

Doğru bestreitet die Vorwürfe vollständig. Er bezeichnet seine Sanktionierung als außergerichtliche Bestrafung kritischer Berichterstattung über Gaza und die deutsche Israelpolitik. Er betont, den russischen Angriff auf die Ukraine abzulehnen, zugleich aber auch die Politik der NATO und der Europäischen Union zu kritisieren. Ein Strafurteil gegen ihn liegt nicht vor; die Sanktionen wurden als außenpolitische Verwaltungsmaßnahme vom Rat der EU beschlossen. Doğru und seine Unterstützer sehen darin einen Präzedenzfall für die Einschränkung von Presse-, Meinungs- und Berufsfreiheit ohne vorheriges Gerichtsverfahren. 

Wikipedia (DE): Hüseyin Doğruhttps://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%BCseyin_Do%C4%9Fru | Wikipedia (EN): Hüseyin Doğruhttps://en.wikipedia.org/wiki/H%C3%BCseyin_Do%C4%9Fru  |  X (Twitter): https://x.com/hussedogru  |  Selbstdarstellung/Interview: “It’s Not About Us”. red. media is facing criminal charges but wants you to see the bigger picture. Interview with Hüseyin Dogru, founder of red. media The Left Berlin 17.05.2025

Meinungsfreiheit unter der Brücke. Der EU-sanktionierte Journalist Hüseyin Doğru ist samt seiner Familie dem bürgerlichen Tod geweiht und von akuter Armut bedroht, weil er nicht genehme Meinungen publizierte — Europa ist in voraufklärerische Zeiten zurückgefallen. Von Nicolas Riedl Manova 04.04.2026

Sippenhaft? Sanktionen treffen auch Familie des Journalisten Doğru

Vernichtung durch EU-Sanktionen: Seit zehn Monaten ist der Berliner Journalist Hüseyin Doğru vom Zahlungsverkehr abgeschnitten. Der deutschen Zollbehörde reicht das nicht. Auf ihre Anweisung sperrte die Commerzbank nun auch die Konten seiner Ehefrau. Mitbetroffen sind ihre drei Kinder. Seit fast einem Jahr überlebt der Journalist Hüseyin Doğru nur dank fremder Hilfe. Zum Verhängnis war dem deutschen Staatsbürger seine "propalästinensische" Berichterstattung geworden. Im Mai 2025 landete er auf der EU-Sanktionsliste. Er darf kein Konto mehr nutzen, keine Miete zahlen, nicht arbeiten, nicht einkaufen. Doch die deutsche Gründlichkeit kennt keine Grenzen: Weil seine Frau ihn nicht verhungern lassen wollte, ließ die Zollbehörde nun auch ihre Konten sperren. Mitbetroffen sind ihre drei Kinder, darunter Zwillinge im Säuglingsalter. Nun droht der Familie wohl sogar die zwangsweise Kindesentziehung.Von Alexandra Nollok  RT DE 31 03.2026

Wie ein linker Journalist auf der EU-Sanktionsliste landete

Auf einer Veranstaltung wurde über mögliche Folgen der Maßnahmen gegen Hüseyin Doğru und das Portal »Red Media« diskutiert. Welche Folgen hat der Vorwurf, russische Propaganda zu verbreiten? Und macht man sich jetzt strafbar, wenn man etwa dem Journalisten Hüseyin Doğru einen Tee oder einen Kaffee spendiere? Diese Frage wurde auf einer gut besuchten Veranstaltung in der »Maigalerie« der Tageszeitung »Junge Welt« am Donnerstagabend nicht nur scherzhaft diskutiert. Die Zusammenkunft stand unter dem polemischen Titel »EU-Wahrheitsregime kontra Pressefreiheit«.  Thematisiert wurde, dass von den Russland-Sanktionen der EU seit dem 20. Mai auch drei Journalist*innen mit deutscher Staatsbürgerschaft betroffen sind: die in Russland lebenden Blogger*innen Alina Lipp und Thomas Röpker sowie der in Deutschland lebende Doğru, der türkisch-kurdische Wurzeln hat. Konkret hat das 17. Sanktionspaket des EU-Rates Reiseverbote, das Einfrieren von Vermögenswerten und das Verbot der Bereitstellung von Finanzmitteln oder anderen wirtschaftlichen Ressourcen zur Folge.  Von Peter Nowak    Neues Deutschland 04.07.2025,