Einsätze der US-Streitkräfte im Ausland (1798–2023)
Instances of Use of United States Armed Forces Abroad, 1798-2023

Dieser Bericht listet Hunderte von Fällen auf, in denen die Vereinigten Staaten ihre Streitkräfte im Ausland in militärischen Konflikten oder potenziellen Konflikten oder für andere als normale Friedenszwecke eingesetzt haben. Er wurde teilweise aus früheren CRS-Produkten zusammengestellt und soll in erster Linie einen allgemeinen Überblick über vergangene militärische Einsätze der USA im Ausland geben, ohne auf das Ausmaß der jeweiligen Fälle einzugehen. 

Die Auflistung enthält häufig Verweise, insbesondere ab 1980, auf andauernde Militäreinsätze, insbesondere die Beteiligung des US-Militärs an multinationalen Operationen im Zusammenhang mit der NATO oder den Vereinten Nationen. Bei den meisten dieser Fälle nach 1980 handelt es sich um Zusammenfassungen, die auf Berichten des Präsidenten an den Kongress im Zusammenhang mit der War Powers Resolution basieren. Eine umfassende Kommentierung der aufgeführten Fälle wird hier nicht vorgenommen.

Infografik: US-Militäreinsätze im Ausland 1978 -2022

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Zusammenfassung

Dieser Bericht synthetisiert die Daten des Congressional Research Service (CRS) über den Einsatz von US-Streitkräften im Ausland von 1798 bis April 2023. Die Dokumentation umfasst Hunderte von Fällen, in denen die Vereinigten Staaten Militärkräfte in Situationen von bewaffneten Konflikten, potenziellen Konflikten oder für andere Zwecke als den normalen Friedensdienst eingesetzt haben.

Zentrale Erkenntnisse:

  • Vielfalt der Einsätze: Die Einsätze variieren drastisch in Bezug auf die Truppenstärke (von wenigen Seeleuten bis zu Millionen Soldaten), die Dauer (von wenigen Stunden bis zu Jahrzehnten) und den Zweck.
  • Rechtliche Autorisierung: In der gesamten US-Geschichte gab es lediglich elf formale Kriegserklärungen, die sich auf fünf Kriege verteilen. Die Mehrheit der militärischen Aktivitäten erfolgte durch gesetzliche Autorisierungen, die Befugnisse des Präsidenten als Oberbefehlshaber oder im Rahmen von UN- und NATO-Mandaten.
  • Historischer Wandel: Vor dem Zweiten Weltkrieg bestanden die meisten Einsätze aus kurzen Aktionen der Marine oder des Marine Corps zum Schutz von Bürgern oder zur Pirateriebekämpfung. In der Moderne (insbesondere ab 1980) dominieren multilaterale Operationen, Terrorismusbekämpfung und humanitäre Hilfseinsätze.
  • Geografische Breite: Die US-Streitkräfte waren weltweit präsent, mit Schwerpunkten in der Karibik, Ostasien, dem Nahen Osten und Europa.

Präsentation: Analyse der US-Militäreinsätze 1798 - 2022

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1. Klassifizierung und Umfang militärischer Aktivitäten

Der Bericht definiert den Einsatz von Streitkräften breit, schließt jedoch bestimmte Kategorien explizit aus, um den Fokus auf Auslandseinsätze zu wahren:

  • Inbegriffen: Militärische Konflikte, Schutz von US-Bürgern und Interessen im Ausland, Pirateriebekämpfung, Interventionen zur Durchsetzung politischer Stabilität und (in jüngerer Zeit) humanitäre Hilfe sowie Katastrophenschutz.
  • Ausgeschlossen: Verdeckte Operationen (Covert Actions), Routine-Stationierungen und Übungen im Rahmen von Allianzen, der US-Bürgerkrieg sowie die Besiedlung und Pazifizierung des amerikanischen Westens.

Varianz der Einsatzgrößen

Die Skalierung der Einsätze reicht von minimalen Kontingenten bis hin zur totalen Mobilmachung:

  • Kleinformatig: Landungen von Marineinfanteristen zum Schutz von Konsulaten (z. B. Seoul 1888, Ägypten 1882).
  • Großformatig: Millionen im Zweiten Weltkrieg, über 300.000 im Koreakrieg und Spitzenwerte von über 540.000 im Vietnamkrieg.

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2. Formale Kriegserklärungen vs. Autorisierte Konflikte

Ein zentrales Thema des Berichts ist die Unterscheidung zwischen formal erklärten Kriegen und anderen militärischen Engagements.

Die 11 formalen Kriegserklärungen der USA

JahrKonfliktgegnerKontext
1812GroßbritannienBritische Blockaden und Schiffskaperungen
1846MexikoGrenzstreitigkeiten nach der Annexion von Texas
1898SpanienAufstand in Kuba und Versenkung der USS Maine
1917Deutschland / Österreich-UngarnErster Weltkrieg
1941Japan / Deutschland / ItalienZweiter Weltkrieg (nach Pearl Harbor)
1942Bulgarien / Ungarn / RumänienZweiter Weltkrieg

Bedeutende nicht erklärte Kriege

Trotz fehlender formaler Kriegserklärungen handelte es sich bei vielen Einsätzen um weitreichende militärische Auseinandersetzungen, die oft durch den Kongress anderweitig autorisiert wurden:

  • Nicht erklärter Seekrieg mit Frankreich (1798–1800): Autorisierung durch Statuten.
  • Erster und Zweiter Berberkrieg (1801–1815): Kampf gegen Piraterie im Mittelmeer.
  • Koreakrieg (1950–1953): Basierend auf UN-Sicherheitsratsresolutionen.
  • Vietnamkrieg (1964–1973): Autorisierung durch die Tonkin-Golf-Resolution.
  • Persischer Golfkrieg (1991) & Irakkrieg (2003): Spezifische Kongress-Autorisierungen.

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3. Historische Entwicklungslinien

19. Jahrhundert: Kanonenbootpolitik und Schutz von Interessen

In dieser Ära waren Einsätze meist kurzzeitig und dienten dem Schutz von US-Eigentum oder der Vergeltung von Übergriffen auf US-Bürger.

  • Lateinamerika & Karibik: Wiederholte Landungen in Kuba, Mexiko, Nicaragua und Panama zur Sicherung von Transitwegen und Handelsinteressen.
  • Asien: Die „Öffnung Japans“ durch Commodore Perry (1853–1854) und Interventionen in China zum Schutz von Missionaren und Händlern während Unruhen (z. B. Boxeraufstand 1900).

Frühes 20. Jahrhundert: Expansion und Weltkriege

  • Panama-Kanal: Langjährige Präsenz zur Sicherung des Kanalbaus und der Unabhängigkeit Panamas von Kolumbien.
  • Mexikanische Expeditionen: Einsätze gegen revolutionäre Kräfte wie Pancho Villa.
  • Weltkriege: Massive Ausweitung der globalen militärischen Präsenz und Übergang zur globalen Supermacht.

Kalter Krieg und Regionale Eindämmung

Die US-Strategie konzentrierte sich auf die Eindämmung des Kommunismus:

  • Europa: Berliner Luftbrücke (1948–1949) als Reaktion auf die sowjetische Blockade.
  • Asien: Langjährige Engagements in Korea, Vietnam und Laos.
  • Karibik: Kubakrise (1962) und Intervention in der Dominikanischen Republik (1965).

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4. Die Moderne Ära (1980 bis heute)

Seit 1980 basieren die meisten Berichte auf der War Powers Resolution (1973), die den Präsidenten verpflichtet, den Kongress über Truppenentsendungen zu informieren.

Terrorismusbekämpfung und Globale Sicherheit

Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 weiteten sich die Operationen massiv aus:

  • Afghanistan (2001–2021): Langfristiger Kampf gegen Al-Qaida und die Taliban.
  • Kampf gegen den Islamischen Staat (ISIL): Einsätze im Irak und in Syrien (Operation Inherent Resolve) ab 2014.
  • Afrika: Drohneneinsätze und Beratermissionen in Somalia, Jemen, Niger und Kamerun zur Bekämpfung von Extremisten wie Boko Haram.

Humanitäre Missionen und Katastrophenhilfe

Ein signifikantes Merkmal moderner Einsätze ist die Nutzung militärischer Logistik für zivile Zwecke:

  • Ebola-Bekämpfung (2014): Einsatz von ca. 3.000 Soldaten in Westafrika (Liberia und Senegal) zum Aufbau von Behandlungszentren.
  • Katastrophenhilfe: Unterstützung nach Hurrikanen (Haiti 2016, Karibik 2017) und Taifunen (Philippinen 2012/2013).
  • Rettungsmissionen: Evakuierung von US-Bürgern aus Krisengebieten (z. B. Südsudan 2013/2016, Albanien 1997).

NATO und europäische Sicherheit

In Reaktion auf die russische Intervention in der Ukraine (ab 2014) verstärkten die USA ihre Präsenz in Europa durch die Operation Atlantic Resolve:

  • Kontinuierliche Rotation von Panzerbrigaden und Lufteinheiten nach Polen, Rumänien und in die baltischen Staaten zur Abschreckung und zur Beruhigung der NATO-Partner.

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5. Rechtlicher Rahmen und Kontroversen

Der Bericht betont, dass die Aufnahme eines Ereignisses in die Liste keine Aussage über dessen Legalität nach nationalem oder internationalem Recht trifft.

  • Präsidiale Befugnisse: Viele Einsätze erfolgten allein unter der Autorität des Präsidenten als Oberbefehlshaber.
  • Kongress-Kontrolle: Während der Kongress die Macht hat, den Krieg zu erklären, hat sich die Praxis hin zu „Autorisierungen zur Anwendung militärischer Gewalt“ (AUMF) verschoben.
  • War Powers Resolution: Dieses Gesetz ist das primäre Instrument für die Berichterstattung des Präsidenten an den Kongress über laufende Feindseligkeiten oder Truppenstationierungen in gefährlichen Regionen.

Fazit

Die Chronologie zeigt einen stetigen Wandel der US-Militärdoktrin von punktuellen Interventionen im 19. Jahrhundert hin zu einer permanenten globalen Sicherheitsarchitektur im 21. Jahrhundert. Die US-Streitkräfte agieren heute als multifunktionales Instrument, das sowohl für hochintensive Kriege als auch für komplexe humanitäre Krisen und die Stabilisierung internationaler Bündnisse eingesetzt wird.

Rezension zum CRS-Report 2022

Forschungsdienst des Kongresses: USA haben seit 1991 weltweit 251 militärische Interventionen durchgeführt – seit 1798 waren es 469. Laut offiziellen Daten des „Congressional Research Service“ (CRS – vergleichbar mit dem Wissenschaftlichen Dienst des Bundestages), veröffentlicht unter dem Titel „Instances of Use of United States Armed Forces Abroad, 1798-2022“, haben die Vereinigten Staaten allein in den Jahren zwischen 1991 und 2022 mindestens 251 militärische Interventionen durchgeführt. Das entspricht durchschnittlich acht Militärinterventionen pro Jahr. Bei den Zahlen sind CIA-Operationen und Putschversuche nicht erfasst. Der wissenschaftliche Bericht dokumentiert zudem weitere 218 US-Militärinterventionen zwischen 1798 und 1990. Insgesamt sind damit 469 US-Militärinterventionen seit 1798 vom US-Kongress anerkannt worden. Von Florian Warweg. zum CRS-Report 2022  Nachdenkseiten 13.10.2022 Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

Erstellt: 06.02.2026 - 18:14  |  Geändert: 06.02.2026 - 23:17