Evo Morales (Jahrgang 1959) ist ein bolivianischer Politiker, Gewerkschafter und ehemaliger Präsident Boliviens. Er stammt aus einer Aymara-Familie im Departamento Oruro und wurde als Führungsfigur der Kokabauernbewegung im Chapare politisch bekannt. Seit den 1990er Jahren war er am Aufbau des Movimiento al Socialismo (MAS) beteiligt und wurde 1997 erstmals ins bolivianische Parlament gewählt. Von 2006 bis 2019 war Morales Präsident Boliviens; er gilt weithin als erster Präsident des Landes mit indigener Herkunft. Seine Regierung verband die Verstaatlichung wichtiger Rohstoffsektoren, Sozialprogramme, eine neue Verfassung und eine stärkere symbolische Rolle indigener Mehrheiten mit einem staatszentrierten Entwicklungsmodell. International wurde seine Amtszeit häufig mit der linken „Pink Tide“ in Lateinamerika, engeren Beziehungen zu Venezuela und Kuba sowie einer kritischen Haltung gegenüber US-Einfluss in der Region verbunden. 2019 trat Morales nach einer umstrittenen Präsidentschaftswahl, Protesten und Druck des Militärs zurück und ging zunächst ins Exil; 2020 kehrte er nach dem Wahlsieg des MAS-Kandidaten Luis Arce nach Bolivien zurück. 

In den folgenden Jahren zerbrach das Verhältnis zwischen Morales und Arce, der MAS spaltete sich in rivalisierende Lager, und Morales wurde durch gerichtliche und wahlrechtliche Entscheidungen an einer erneuten Präsidentschaftskandidatur gehindert. 2025 verließ er den MAS und gründete das Projekt „Evo Pueblo“, konnte aber für die Präsidentschaftswahl 2025 nicht antreten. Gegen Morales laufen weiterhin juristische Verfahren, unter anderem wegen des Vorwurfs einer Beziehung zu einer Minderjährigen; Morales weist diese Vorwürfe zurück und bezeichnet sie als politisch motiviert. Bis heute (2026) bleibt er eine zentrale, aber stark polarisierende Figur der bolivianischen Politik, mit Rückhalt vor allem in Teilen der Kokabauernbewegung und zugleich erheblicher Kritik wegen Machtkonzentration, Wiederwahlkonflikten und der politischen Krise seit 2019. 

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