Georg Schramm über deutsche Soldaten in Afghanistan | Georg Schramm: Meister Yodas Ende
auf YouTube (05.01.2025) 13:56
Dieses Video zeigt einen satirischen Auftritt von Georg Schramm, in dem er durch seine Figuren Lothar Dombrowski und Oberstleutnant Sanftleben die deutsche Außenpolitik und deren sprachliche Verschleierung kritisiert.
Durch seine jahrelange Erfahrung kann Oberstleutnat Sanftleben erklären, weshalb in Afghanistan lange nicht von Krieg gesprochen wurde. Denn der Prozess der Kriegserklärung ist in Deutschland etwas umständlicher. Laut Definition gilt der Einsatz in Afghanistan als Verteidigungskrieg, doch dafür muss er auch als solcher in Deutschland erklärt werden. Oberstleutnant Sanftleben bezeichnet die Situation vor allem als eins, nämlich als Blutvergießen. Er ist jedoch auf der Suche nach dem Sinn dahinter und dem Einsatz sowie Abzug deutscher Soldaten.
Nach über einjähriger Bühnenpause kehrt Georg Schramm 2011 mit seinem Kabarettsolo „Meister Yodas Ende“ auf die Bühne zurück. Lothar Dombrowski ist aus der Anstalt ausgebrochen. Es gilt eine Botschaft unter die Menschen zu bringen. Für tatenloses Grübeln ist der globale Niedergang schon zu weit fortgeschritten. Er geht auf Werbetour und sucht Mitstreiter unter Gleichgesinnten und Altersgenossen, die nicht mehr viel zu erwarten haben und die wie er lieber im Blitzlicht der Öffentlichkeit scheitern, als gehorsam bis zum kläglichen Ende im Pflegeheim dahin dämmern. Möge die Macht mit ihm sein!
Zeitmarken
1. Rahmenhandlung: Die Selbsthilfegruppe (Lothar Dombrowski)
- Politisierung des Alters: Dombrowski leitet die Sitzung der Gruppe „Altern heißt nicht Trauern“ ein. Er fordert, die Gruppe in einen politisch aggressiven Verein umzuwandeln, um über „Apothekenumschau-Niveau“ hinauszuwachsen [01:48].
- Themenwahl: Das Abendthema lautet „Blutvergießen – wozu? Deutsche Orientierungslosigkeit von Kundus bis Bengasi“. Er kritisiert die Weigerung Deutschlands, in Libyen ein „zweites Srebrenica“ zu verhindern, während gleichzeitig Truppen nach Afghanistan geschickt werden [02:42].
2. Analyse der „Herrschaftssprache“
- Finanzbegriffe für den Krieg: Schramm dekonstruiert Regierungserklärungen, die Begriffe wie „Übergabedividende“ und „Reinvestierung“ in Bezug auf Soldaten nutzen. Er legt dar, dass diese Finanzterminologie dazu dient, das Volk durch Unverständnis von der politischen Debatte auszuschließen [03:31].
- Ausschluss der Bürger: Durch diese Sprache soll der Bürger das Gefühl bekommen, „zu blöd“ zum Mitreden zu sein, obwohl es im Kern um den Verbleib von Soldaten in Krisengebieten geht [03:51].
3. Auftritt Oberstleutnant Sanftleben (ab Minute 04:55)
- Der Soldat als „Sozialarbeiter“: Sanftleben verspottet die Darstellung von Soldaten als harmlose Brunnenbauer. Er betont, dass Soldaten zum Kämpfen und Töten ausgebildet sind und kritisiert die politische Verlogenheit, die dies hinter zivilen Projekten versteckt [06:30].
- Bürokratisierung des Todes: Er beklagt, dass die Politik zwar Soldaten in Einsätze schickt, aber die moralische Verantwortung für die Konsequenzen des Krieges scheut. Das Schicksal der Soldaten werde wie eine betriebswirtschaftliche Dienstleistung behandelt [08:15].
4. Die „marktkonforme“ Gesellschaft und Gewalt
- Ökonomisierung des Militärs: Sanftleben sieht eine Verbindung zwischen der Gier im Finanzsektor und der Kälte in der Militärplanung. Auslandseinsätze dienten oft der Sicherung von Wirtschaftsinteressen unter dem Deckmantel moralischer Ziele [10:45].
- Soziale Spannungen: Er warnt davor, dass die Härte und soziale Kälte, die in der Außenpolitik und Wirtschaft herrscht, unweigerlich zu Spannungen und „Straßenschlachten“ im Inland führen wird [12:15].
5. Fazit: „Meister Yodas Ende“
- Scheitern der Vernunft: Der Titel symbolisiert das Ende weiser Diplomatie. An ihre Stelle trete eine technokratische Elite, die Menschenleben wie Bilanzen verrechnet [13:10].
- Appell zum Zorn: Der Auftritt endet mit der Aufforderung, die eigene Wut über diese Zustände als politische Kraft zu nutzen, statt sie in Selbsthilfegruppen zu ersticken [13:40].