Die ökonomische Krise ist nur die eine Seite einer kapitalistischen Widerspruchsentwicklung. Unübersehbar geworden sind auch soziale Auflösungs- und zivilisatorische Rückschrittstendenzen. Eine zunehmende Alltagsgewalt und die Renaissance irrationalistischer Weltbilder sind jedoch keine Abweichungen von dem "Tugendpfad" einer kapitalistischen "Moderne", sondern die zwangsläufigen Konsequenzen ihrer sozioökonomischen Organisationsform: Durch die prägende Dynamik des Konkurrenzprinzips und der Verallgemeinerung profitorientierter Zweckrationalität in fast allen Lebensbereichen werden aggressive Durchsetzungstrategien und die feindliche Haltung gegenüber dem Mitmenschen zur Bedingung individueller Existenzsicherung. Formen struktureller Gewalt und Irrationalität, von den imperialistischen Strategien der Ressourcensicherung bis zur sozialen Ausgrenzung der für die Mehrwertproduktion nicht mehr benötigten Arbeitskraftverkäuferinnen und -verkäufer, duplizieren sich in der Bedenkenlosigkeit alltäglicher Verhaltensmuster.
I:BIB (Thema)
"Moravagine" ist ein faszinierend beunruhigendes Werk und führt ins Zentrum der künstlerischen Moderne des 20. Jahrhunderts. Aber "Moravagine" ist auch immer noch, 100 Jahre nach dem Ersten Weltkrieg, ein eher verborgenes Buch. Dieser Krieg ist noch nicht vorbei, als 1917 Cendrars in einem Brief an Jean Cocteau seinen Plan annonciert: "Ich sage Dir, ein Monster..." Und was zeitgemäß "Das Ende der Welt" heißen sollte, erscheint endlich 1926 als "Moravagine": Es ist der Name eines Amokläufers, eines Triebwesens, in dessen Name sich der Tod (la mort) und das Gebärende (le vagin) zwittrig vereinen. Moravagine, mehr Phänomen denn Person, ist ein Nomade seiner Wunschtriebe, eine Figur des Bösen, die die Ausschweifungen des Wahnsinns lebt, ein an der Sinnlosigkeit Verzweifelnder. Moravagine, so heißt der ungarische Adlige, der mit Unterstützung eines Arztes, des Erzählers Raymond, das Sanatorium Waldensee verlässt und mit ihm auf eine zehnjährige Reise geht: über Berlin in den russischen Revolutionsterrorismus, mit dem Schiff nach New York und weiter auf Goldsuche bis zu den Indianern , eine Flucht zum südamerikanischen Orinoko und zurück nach Paris, zu einem Flug um die Welt und in den Morphinismus.
Die gleichnamige Londoner Konferenz war eine Antwort auf Alain Badious 'Die Kommunistische Hypothese Unter der Losung 'Die lange Nacht der Linken geht jetzt zu Ende' versammelte Slavoj Zizek mehr alszwanzig linke und linksradikale Theoretiker, darunter Antonio Negri, Bruno Bosteels, Terry Eagleton undAlberto Toscano, und diskutierte mit ihnen die Möglichkeiten eines kommunistischen Neubeginns ebensowie die Notwendigkeit des Kommunismus als gesellschaftliches Zukunftsprojekt. Die Konferenz verstand sich dabei nicht als akademische Lehrveranstaltung, sondern vielmehr als praktisch-theoretische Anleitung zu politischem Handeln. Die Konferenz-Bände versammeln alle Beiträge dieses richtungsweisenden Austauschs.
Die kapitalistische Produktionsweise setzte die seit Beginn der Zivilisationsgeschichte institutionalisierten Ausbeutungs- und Spaltungsverhältnisse fort, wenn auch in einer durch die Industrie veränderten Form der "Bewegungsgesetze des Kapitals". Die industriekapitalistische Wachstumsdynamik wird inzwischen ausgebremst. Damit zeichnet sich in den hoch entwickelten Volkswirtschaften der Übergang zu einer nachindustriellen Phase ab. Ein Kapitalismus ohne Wachstum wirft die Frage auf, ob sich katastrophenartige Krisen einstellen werden oder vermeiden lassen.
Vergegenwärtigt man sich den gesellschaftspolitischen und ökonomischen Diskurs, so ist es zusehends schwierig, dem Begriff Bourgeoisie eine konkrete und spezifische Realität zuzuordnen. Alle sprechen vom Kapitalismus. Aber sie verwenden den Begriff, als handle es sich um einen Kapitalismus ohne Bourgeoisie. Kurz: Es scheint so, als wären wir heutzutage nicht mehr imstande, uns überhaupt vorzustellen, dass eine "bürgerliche Klasse" existiert. Die Ursachen für dieses Phänomen sind komplex und wurden bis heute kaum untersucht. In seinem Essay Marx und der abnorme Charme der Bourgeoisie konfrontiert uns Stefano Brugnolo, Professor für vergleichende Literaturwissenschaften an der Universität Pisa, mit diesem Problem. Dafür setzt er bei jenem Autor an, bei dem der Bourgeoisie-Begriff bis heute am Besten ausgearbeitet vorliegt: Marx.
Durch medial verbreitete Feindbilder werden Stigmatisierung und Ausgrenzung, Sanktionen und Schikanen, Gewalt und Willkür gefördert - nach innen wie nach außen. Die Rolle, die die Tagesschau dabei spielt, beleuchten Volker Bräutigam und Friedhelm Klinkhammer, beide lange Jahre bei der ARD tätig, in rund 30 fundierten Programmkritiken zu ausgewählten Themen der Innenpolitik sowie zu internationalen Fragen. Mit Ironie und Sarkasmus spießen sie tendenziöse, lückenhafte und kriegstreiberische Berichterstattungen des Nachrichtenflaggschiffes der ARD auf. Damit ermutigen sie die Zuschauerinnen und Zuschauer zu selbstständiger Quellenprüfung sowie eigenen Recherchen. Und sie geben Hinweise, wie dies gehen kann.
"Der Begriff des Volks ist fest mit der Emanzipation verankert. Impliziert das Wort 'Volk' das Verschwinden des existierenden Staats? Ist 'Wir, das Volk' eine performative Aussage, durch die sich Körper, die auf der Straße versammelt sind, als Volk konstituieren? Gibt es nicht ein Volk, sondern miteinander koexistierende Völker innerhalb eines Staates, einer Gesellschaft ? Besteht es aus Kräfteverhältnissen, ist es Resultat einer Geschichte von Kräfteverhältnissen? Und ist der Populismus eine Figur, die auf der Vermischung zwischen einer Fähigkeit - der rohen Gewalt der Masse - und einer Unfähigkeit - der derselben Masse zugeschriebenen Unwissenheit - aufbaut?
In Büchern wie Rückkehr nach Reims, Der Psychoanalyse entkommen oder Gesellschaft als Urteil widmet sich Didier Eribon einer Reihe von wiederkehrenden Themen: der Frage der sozialen Klassen und des Schulsystems, der Formierung des Subjekts und der gesellschaftlichen Identität, der politischen Bewegungen und ihrer Kritik, des Unbewussten und der Selbstanalyse.
Die in den Grundlagen eines kritischen Denkens versammelten Essays entfalten erstmals auf systematische Weise das Projekt, das all diesen Untersuchungen zugrunde liegt: das Projekt einer Neubegründung des kritischen Denkens. Es gilt, eine radikal historische und soziologische Theorie der individuellen und kollektiven Subjektivität, der Herrschaft und des Widerstands zu entwerfen.
Dieser geostrategische Schlüsseltext ist ein absolutes Muss für jeden, der die aktuellen politischen und militärischen Geschehnisse rund um die Welt verstehen will.
Wer das Herzland beherrscht, beherrscht die Welt. So lautet die Kernaussage der Heartland-Theorie, die Sir Halford Mackinder vor über 100 Jahren der britischen Königlichen Geografischen Gesellschaft vortrug und veröffentlichte. Man muss sich wundern, dass heutzutage kaum jemand von dieser Theorie weiß, ist sie doch auf das Hervorragendste geeignet, die aktuellen weltpolitischen Ereignisse zu erklären.
Totalitarismus ist ein ideologischer Begriff, der immer eine präzise strategische Funktion hat: die liberaldemokratische Hegemonie zu garantieren. Die linke Kritik an der liberalen Demokratie wird politisch umgedreht und zum Zwilling der rechtesten faschistischen Diktaturen gemacht. Jeder Versuch der Transformation der bürgerlichen Gesellschaft wird damit im Vorgriff denunziert. Zizek definiert den Totalitarismus nach Wittgenstein als einen Begriff, der sich selbst begründet und damit sinnlos ist. Zizek ruft dazu auf, sich nicht auf den Raum der Liberaldemokratie festnageln zu lassen und ohne Furcht, totalitär oder antidemokratisch genannt zu werden, linke Kritik an der liberaldemokratischen Ideologie auszuführen.