Die Wiederentdeckung des Marxismus durch die Neue Linke: eine spannungsvolle Geschichte.Schon vor 1968, in den 1950er Jahren, entstand eine Neue Linke. Junge akademische Intellektuelle begannen jenseits der polarisierten traditionellen Arbeiterbewegung nach neuen Anknüpfungspunkten für ein linkes Denken zu suchen. Neu gegründete Theoriezeitschriften wurden dabei zu ihren Organisationskernen. In der Theorie fand die Neue Linke gemeinsame Überzeugungen und verschmolz auch hierdurch zu einer vorgestellten Gemeinschaft. Insbesondere marxistische Theorien wurden wiederentdeckt und neu interpretiert.
Neue Linke (Thema)
Die Arbeitskämpfe in Italien in den 1960er und 1970er Jahren sorgten international für großes Aufsehen. Sie zogen linke Intellektuelle, die Studentenbewegung und ihre Nachfolgeorganisationen sowie kritische Gewerkschafter aus ganz Europa in ihren Bann. Im Fokus stand dabei die größte Automobilfabrik Italiens, FIAT-Mirafiori in Turin. Nach dem "heißen Herbst" von 1969 stand sie exemplarisch für den Aufstand des "Massenarbeiters" am Fließband. Dietmar Lange untersucht die Arbeitskämpfe bei Mirafiori von den ersten größeren Streiks 1962 bis zur Fabrikbesetzung im Frühjahr 1973 im Zusammenhang mit der Einführung und Transformation der fordistisch-tayloristischen Arbeitsorganisation.
Ausgehend von Trotzkis historischer Rolle während und nach der Oktoberrevolution entwickelt Manuel Kellner jene Positionen, die Trotzkisten aller Fraktionen und Splittergruppen zu allen Zeiten und in allen Ländern verbinden. Er erklärt die wichtigsten Dokumente der revolutionären Überlieferung, die Diskussionen über strategische Grundsätze und hebt die internationalistische, globale Position als herausragenden Teil trotzkistischer Grundpositionen hervor. Kellner erklärt die zentralen Begriffe «permanente Revolution» und «Entrismus» und macht deutlich, was unter «Einheitsfrontpolitik» zu verstehen ist. Kellner stellt aber auch die Frage, weshalb die Hoffnungen der IV. Internationale, als Speerspitze von Massenbewegungen weltweite revolutionäre Revolutionen voranzutreiben, immer wieder enttäuscht wurden. Warum es sogar nirgendwo auf der Welt gelungen ist, eine revolutionäre Massenpartei aufzubauen? Warum die Bewegung dazu neigt, in immer kleiner werdende Fraktionen zu zersplittern.
Die Veränderungen in der Globalökonomie, der anstehende Umbau in Industrie und Dienstleistungen (u.a. Care-Ökonomie) sowie die Anforderungen des Klima- und Umweltschutzes verlangen nach konzeptioneller Kraft und kompetentem Handeln seitens der gesellschaftlichen Linken. Will eine sich auf soziale Bewegungen und Gewerkschaften stützende rot-rot-grüne Linke politisches Gewicht zurückgewinnen, kommt sie an der Konturierung eines Sozialstaats des 21. Jahrhunderts und der Gestaltung eines grundlegenden Umbaus nicht vorbei. Dabei sollte sie, aufbauend auf solidarische Teile der Zivilgesellschaft, Industrie-, Arbeitsmarkt- und Bildungspolitik zusammendenken mit erweiterter demokratischer Partizipation, Leistungsgerechtigkeit und der Öffnung sozialer Chancen sowie der Sicherung des Existenzminimums auf der Grundlage eines breiten Sektors öffentlicher Dienstleistungen.
Wir brauchen eine Linke, die bereit ist, für eine andere Weltgesellschaft zu kämpfen. Nicht in vermeintlich großen Schlachten, sondern über konkrete Veränderungen und mit den Menschen im Blick. Neue Finanzblasen, Wirtschaftskriege, echte Kriege, das freie Denken gefangen zwischen Populismus und Political Correctness, die Boshaftigkeit eines Donald Trump, die Heimsuchung durch Corona: Unsere Welt leidet an Stapelproblemen. Können wir von der kapitalistischen Weltherrschaft wirklich Lösungen hierfür erwarten? Bestimmt nicht, sagt Slavoj Žižek.
Unsere Welt, in der wir nun leben, ist nicht zufällig so geworden wie sie ist. Auf welche Weise konnte eine im Ansatz solidarische und keynesianische Nachkriegsgesellschaft binnen weniger Jahrzehnte zu einem neoliberalen Inferno mutieren? Eines, in dem Einsamkeit, Verlorenheit und der Kampf aller gegen alle herrschen? Nachgezeichnet wird in diesem Band die Geschichte der neoliberalen Machtübernahme, die in eine scheinbar alternativlose Hegemonie mündete. Thema sind ebenso die sprach- und wehrlos gemachten Unterschichten wie ein offensichtlich dazu "notwendiger" Verrat der Linken und Intellektuellen. Als Ausgangspunkte dieser Erzählung vom neoliberalen Sieg firmieren die "Wiener Wurzeln" samt den neoliberalen Stammvätern Ludwig von Mises, Friedrich August von Hayek und Karl Popper.
"Milanese und Marsili haben ihren Finger am Puls Europas. Pflichtlektüre für alle, die von einem anderen, demokratischen und sozialen Europa träumen." Ulrike Guérot
Europa gleicht einem Kontinent, der sich selbst zerreißt. Nach zehn Jahren der Krise durchziehen vielfältige Brüche und Konflikte die EU: Norden gegen Süden, Osten gegen Westen, Bürger gegen Institutionen. Zugleich hat diese Dekade jedoch gezeigt, was Europäerinnen und soziale Bewegungen erreichen können, wenn sie über Grenzen hinweg zusammenarbeiten.
Lorenzo Marsili und Niccolò Milanese stellen Aktivistinnen und Aktivisten vor, in deren Handeln Alternativen zum Status quo aufscheinen.
Das Untote scheint sich unserer Gesellschaft zu bemächtigen - "seelenlose Städte", ein Wirtschaftsmodell, das gutes Leben mehr zerstört als ermöglicht, die Rückkehr der faschistischen Monster. Raul Zelik fragt, wie diese Entwicklungen zusammenhängen und wie sie sich stoppen lassen. Bei dieser Suche wendet er sich einer weiteren Untoten zu, die einfach nicht sterben will: der sozialistischen Idee.
Zunächst schien die von Syriza in Griechenland geführte "Regierung der Hoffnung" die radikalste europäische Regierung der jüngsten Geschichte zu sein. Ihr Wahlsieg im Januar 2015 galt vielen als Beweis dafür, dass radikale Veränderungen durch institutionelle Politik erreicht werden können. Doch dann kam eine extreme Kehrtwende der Regierung, die gegen das Votum der Bevölkerung die von der Europäischen Union auferlegte Sparpolitik akzeptierte und sich ihr unterwarf.
Dieser dramatische Zerfall des radikalen Anspruchs der Syriza-Regierung zerstörte Hoffnungen in der ganzen Welt, und die Grenzen institutionalisierter linker Politik traten deutlich zutage.
In der neuen Debattenreihe Impulse wird ein Impulstext in mehreren Repliken diskutiert. Im vorliegenden ersten Band geht es um die Frage, warum gerade heute Gruppenidentitäten so vehement vorangetrieben werden.
Sandra Kostners Impulstext verortet die Ursachen in der Etablierung einer identitätslinken Läuterungsagenda. Damit ist eine von politisch links stehenden Personen vertretene Form der Identitätspolitik gemeint, die Menschen nicht zuvorderst als Individuen betrachtet, sondern als Träger einer kollektiven Opfer- oder Schuldidentität. Identitätslinke ordnen diejenigen, deren Gruppe in der Vergangenheit unter Ausgrenzungen litt, einem Opferkollektiv zu, das berechtigt ist, von den Trägern der Schuldidentität Läuterungsdemonstrationen einzufordern, die diese zu erbringen haben.