Lässt sich der koloniale Genozid in Amazonien messen? Forscherstreit über Pollen in Seen und die CO 2 -Konzentration der Atmosphäre als Maß der vorkolonialen Bevölkerung im Regenwald. Von Norbert Suchanek, Rio de Janeiro Neues Deutschland 09.07.2021
Neokolonialismus (Thema)
Globale Transformationsprozesse wie steigende Rohstoff- und Nahrungsmittelpreise, die Finanzkrise und der Klimawandel haben seit Beginn des 21. Jahrhunderts zu tiefgreifenden Veränderungen in der Landnutzung und bei den Landbesitzverhältnissen beigetragen. Konflikte um Land und Rohstoffe stehen seit einigen Jahren im Fokus einer lebhaften wissenschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Debatte und führen vielerorts - insbesondere im Globalen Süden - zu Protesten.
Globalisierung wird häufig überwiegend wirtschaftlich verstanden. Rüdiger Vossen setzt sich als Kulturwissenschaftler und Ethnologe jedoch in einem viel umfassenderen Sinn mit ihr auseinander. Er betrachtet sie als gleichermaßen kulturelles, soziologisches, psychologisches, ökologisches und natürlich auch wirtschaftliches Phänomen.
So ist ein einzigartiges Buch entstanden, das nicht nur die Geschichte der Globalisierung darstellt - von der ersten "Globalisierung zu Fuß" in der Frühphase der menschlichen Entwicklung über die Erfindung der Buchdruckerkunst, das Zeitalter der Entdeckungen, den Kolonialismus bis hin zur Entwicklung der gegenwärtigen Machtverhältnisse und den Folgen der Digitalisierung heute-, sondern auch ihre vielfältigen Folgen in den Blick nimmt.
Gewalt ist nicht nur Ereignis, sondern auch Prozess und Verhältnis. Sie zerstört Ordnung nicht nur, sondern begründet sie auch und hält sie aufrecht. Der Dimension des Wissens wird in den meisten Gewaltdebatten nur wenig Bedeutung beigemessen, gilt sie doch als Gegenteil von oder als Gegenmittel zu Gewalt. Mit dem Begriff der "epistemischen Gewalt" rückt Claudia Brunner den konstitutiven Zusammenhang von Wissen, Herrschaft und Gewalt in der kolonialen Moderne, unserer Gegenwart, in den Fokus.
Eine politikwissenschaftliche Einführung
Das Lehrbuch versteht sich als eine Einführung in die Politikwissenschaft, die sich dem Gegenstand aus einer globalen und kritischen Perspektive nähert und den eurozentrischen Blickwinkel zurückweist. Ziel ist dabei, eine solide Basis für das Verständnis aktueller politischer Phänomene in den Ländern des Südens sowie deren Einbettung in globale Dynamiken zu geben.
Ausführliche Kapitel widmen sich grundlegenden Aspekten politikwissenschaftlicher Beschäftigung mit den Ländern der Peripherie, Charakteristika peripherer Staatlichkeit und Politik im nationalstaatlichen Rahmen, Fragen der Global Governance und Internationalisierung sowie ausgewählten Politikfeldern. Daneben behandeln eine Reihe von Exkursen spezifische Themen, die die genannten Kapitel ergänzen.
Die in Europa entstandene Moderne, die Vernunft und Emanzipation verband und auf säkularen Grundlagen den Weg zur Demokratie erschloss, befindet sich in einer tödlichen Krise. Die Widersprüche der kapitalistischen Globalisierung, aus der sie hervorging - mit der in diesem Rahmen unaufhebbaren Polarisierung der Welt in Zentren und Peripherien - führen zu einer Abkehr von ihren universalistischen Prinzipien und zur Flucht in einen Kulturalismus, der das jeweils "Besondere" betont. Samir Amin entwickelt ein neues Verständnis der Moderne, das auf wirklich universellen Prinzipen beruht, indem er die historischen Grundlagen ihres auf Europa zentrierten, ideologisch verzerrten Denkens freilegt.
Über ein Jahr reisten die Autor/innen als Karawane durch Mesoamerika und tauschten sich mit 17 zumeist indigenen Gemeinden aus, die ihre natürlichen Gemeingüter gegen Monokultur, Wasserkraft-, Windkraft- oder Bergbauprojekte verteidigen. Dabei haben sie die Konflikte sowie die Widerstands- und Lebensformen der Gemeinden dokumentiert und praktische Erfahrungen in den Bereichen kommunitäre Medien, sachgerechte Technologien, kritische Kartografie, Naturmedizin und biologische Landwirtschaft geteilt.
Pierre Bourdieus Praxeologie ist eine Theorie der politischen Praxis. Sie lässt sich vielseitig für umfassende Untersuchungen der Implementation, des Erhalts und des Umsturzes politischer und sozialer Ordnungen einsetzen. Gemeinhin als der wichtigste Soziologe der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts akzeptiert, blieb eine breite Rezeption Bourdieus in der Politikwissenschaft dennoch bislang aus. Dies mithilfe einer systematisierten und auf die politischen Aspekte hin zugespitzten Gesamtschau des umfangreichen Werks Bourdieus zu ändern, hat sich das vorliegende Buch zur Aufgabe gemacht.
Nach Stationen bei der UN in New York und Burundi arbeitet Mira für das Büro der Vereinten Nationen in Genf. Während sie tagsüber Berichte über Krisenregionen und Friedensmaßnahmen schreibt, eilt sie abends durch die Gänge der Luxushotels, um zwischen verfeindeten Staatsvertretern zu vermitteln. Bei einem Empfang begegnet sie Milan wieder, in dessen Familie sie nach der Trennung ihrer Eltern im Frühjahr 94 einige Monate gelebt hat. Die Erinnerungen an diese Zeit, aber auch Milans unentschiedene Haltung zwischen gesuchter Nähe und schroffer Zurückweisung überrumpeln und faszinieren sie zugleich. Als ihre Rolle bei der Aufarbeitung des Völkermords in Burundi hinterfragt wird, gerät auch Miras Souveränität ins Wanken, ihr Glaube, sie könne von außen eingreifen, ohne selbst schuldig zu werden.
Das Territorium der USA ist viel größer als die offzielle Landkarte zeigt. Der amerikanische Historiker Daniel Immerwahr entlarvt, wie es gelang, ein ganzes Weltreich zu errichten, ohne dass die Welt es merkte. Zu den Vereinigten Staaten gehörten (und gehören zum Teil bis heute) unter anderem: die Philippinen und Puerto Rico, verschiedene Inseln im Pazifik sowie Teile Samoas. Einst Kolonien oder zur Ausbeutung von Rohstoffen annektiert, wurden sie nach 1945 als Außengebiete der USA bezeichnet.
Postcolonial Ecocriticism ist ein in der Literatur- und Kulturwissenschaft relativ junger, aber im Hinblick auf das steigende gesamt-gesellschaftliche Interesse an Fragen zur Ökologie und Nachhaltigkeit intensiv diskutierter und hochaktueller Ansatz. Die Artikel dieses Sammelbandes basieren auf Vorträgen und Seminararbeiten der Summer School "Just Politics? Postcolonial Ecocriticism between Imagination and Occupation". Es geht um eine interdisziplinäre Auseinandersetzung mit Fragen zu aktuellen ökonomischen und ökologischen Entwicklungen.