Westend Verlag (Medienpräsenz)

47:39

Zweiter Teil: Diskussion mit Markus J. Karsten, Gunther Schoß, Ulrike Guérot, Carlos A. Gebauer und Angela Richter.

Aufzeichnung der Veranstaltung vom 07.07.2026 – Der NachDenkSeiten-Gesprächskreis Frankfurt veranstaltet gemeinsam mit dem Westend Verlag und dem Freidenker-Verband Hessen e.V. einen besonderen Abend mit Prof. Dr. Ulrike Guérot.

Die "Akte Guérot" ist weit mehr als ein arbeitsrechtlicher Einzelfall. Die vorliegende Dokumentation zeichnet anhand von Schriftsätzen und Urteilen den vollständigen Verlauf einer Kündigungsschutzklage nach - vom Arbeitsgericht Bonn über das LAG Köln und das Bundesarbeitsgericht bis hin zur anhängigen Verfassungsbeschwerde in Karlsruhe. Der Fall wirft grundsätzliche Fragen auf: Wie verändern sich Rechtsstaatlichkeit, Verfahrensfairness und richterliche Praxis in Deutschland seit der "Zeitenwende" ab 2020? Welche Folgen hat es, wenn aus Sachfragen Rechtsfragen werden und Gerichte zunehmend ohne Sachverständige entscheiden? Damit wird die "Akte Guérot" zu einer Fallstudie von allgemeiner Bedeutung - für Juristen, Studierende und alle, die sich für die Zukunft des Rechtsstaats und die Entwicklung des Arbeitsrechts interessieren.

26:49

Im Rahmen einer Pressekonferenz stellen Ulrike Guérot, Carlos A. Gebauer und Markus J. Karsten das Buch „Die Akte Guérot – Eine juristische Fallstudie zur Wissenschaftsfreiheit“ vor und erläutern, welche grundsätzlichen Fragen der Fall für Wissenschaftsfreiheit, Arbeitsrecht und rechtsstaatliche Verfahren aufwirft. Die „Akte Guérot“ dokumentiert den vollständigen Verlauf eines vielbeachteten Kündigungsschutzverfahrens. Von den ersten Instanzen bis zur anhängigen Verfassungsbeschwerde.

Carlos A. Gebauer ist Fachanwalt für Medizinrecht, Publizist und Buchautor, Justitiar der deutschen Hayek-Gesellschaft und Vorsitzender des Disziplinarsenats am Anwaltsgerichtshof NRW. Neben seiner anwaltlichen Tätigkeit befasst er sich insbesondere mit gesellschaftspolitischen, wissenschaftstheoretischen und kulturwissenschaftlichen Themen. Seine Weltanschauung ist die eines puristischen Liberalen. Er ist Ulrike Guérot freundschaftlich verbunden.

Ulrike Guérot studierte Politikwissenschaft, Geschichte und Philosophie in Bonn, Münster und Paris. Sie ist Politikwissenschaftlerin, Professorin und Publizistin in den Themenbereichen Europa und Demokratie, mit Stationen in Think Tanks und an Universitäten in Paris, Brüssel, London, Washington, Berlin, Wien und Bonn. 2014 gründete sie das European Democracy Lab e. V., eine Denkfabrik zum Neudenken von Europa. 2016 wurde ihr Buch Warum Europa eine Republik werden muss. Eine politische Utopie europaweit ein Bestseller genauso wie 2022 Wer schweigt, stimmt zu und Endspiel Europa. Sie forscht zur Entwicklung von Konzepten für die Zukunft des europäischen Integrationsprozesses.

1:10:05

Immer mehr Waffen, immer schärfere Rhetorik – aber führt das wirklich zu mehr Sicherheit? Klaus von Dohnanyi und Erich Vad widersprechen im Gespräch mit Renata Schmidtkunz dem Zeitgeist. Sie erklären, warum Frieden nur entstehen kann, wenn politische Vernunft ideologische Reflexe ersetzt, warum jeder Krieg den Frieden bereits mitdenken muss und weshalb der Gegner von heute der Verhandlungspartner von morgen sein kann. Ein Gespräch über Machtpolitik, Diplomatie und den schwierigen Weg zurück zum Frieden.

50:23

Wer entscheidet heute eigentlich, was als Wahrheit gilt – und was als „Desinformation“ aussortiert wird?

Norbert Häring zeichnet das Bild eines digitalen Netzwerks aus NGOs, Faktencheckern und staatlich geförderten Akteuren, das immer stärker Einfluss auf öffentliche Debatten nimmt. Kritische Stimmen werden markiert, Reichweiten eingeschränkt und gesellschaftliche Ausgrenzung zunehmend zum politischen Instrument.

Handelt es sich um legitimen Schutz vor Manipulation – oder um eine neue Form der Meinungskontrolle?

Zeitmarken

1. Einstieg: Persönlicher Hintergrund und ökonomischer Perspektivwechsel

  • 00:05 – Vorstellung des eigenen Werdegangs und Rolle in der BSW‑Grundwertekommission
  • 00:27 – Abkehr von neoklassischer Volkswirtschaftslehre
  • 00:51 – Entstehung der Bücher „Markt und Macht“ und „Endspiel des Kapitalismus“

2. Die Grundthese des „Wahrheitskomplexes“

  • 01:36 – Definition eines staatlich‑privaten Wahrheitskomplexes
  • 02:15 – Rolle von NGOs, Stiftungen und Universitäten
  • 02:52 – These: Auslagerung von Einschränkungen der Meinungsfreiheit
  • 03:22 – Beginn seit 2014 im Kontext geopolitischer Konflikte

3. Propagandakrieg und hybride Kriegsführung

  • 03:41 – Krieg um öffentliche Meinung
  • 04:14 – Militär, Geheimdienste und Politik
  • 04:48 – Übergang zum Kapitel über Faktenchecker

4. Faktenchecker und digitale Plattformen

  • 04:56 – Facebook, TikTok und Plattformmoderation
  • 05:37 – Meldestellen, Wissenschaftszentren und Werbeboykotte
  • 06:34 – Faktenchecker als Grundlage des Systems
  • 06:53 – Rolle des Atlantic Council

5. Wahrheit, Narrative und Mediensteuerung

  • 08:11 – Atlantic Council über Wahrheit und Macht
  • 09:03 – Narrative statt objektiver Wahrheiten
  • 09:46 – Wie Faktenchecks Reichweite beeinflussen
  • 10:42 – Einfluss auf DPA und Nachrichtenagenturen

6. Deutschland: Entstehung des Wahrheitskomplexes

  • 11:27 – Heiko Maas, Amadeu Antonio Stiftung und Facebook
  • 12:14 – Definition von Hass, Hetze und Antisemitismus
  • 13:27 – NetzDG, Korrektiv und ARD‑Faktenfinder

7. EU‑Ebene: Netzwerke gegen Desinformation

  • 14:21 – SOMA und europäische Faktencheck‑Netzwerke
  • 15:30 – Kooperation von NGOs und Behörden
  • 17:09 – EU‑Verhaltenskodex gegen Desinformation
  • 18:00 – ETMO und Fragen der Unabhängigkeit
  • 19:01 – Lizenzierung von Faktencheckern

8. Der Digital Services Act (DSA)

  • 20:10 – DSA als Kerninstrument der Regulierung
  • 20:51 – Trusted Flagger und Risikoberichte
  • 21:21 – Konflikte mit Plattformen wie X
  • 22:06 – Echtzeitzugriff für Forscher und NGOs
  • 22:35 – „Schädliche Inhalte“ und Risikominimierung
  • 24:26 – Shadow Banning und Vorwurf versteckter Zensur

9. NATO, Geheimdienste und der Ursprung 2014

  • 26:03 – Militärische Dimension des Wahrheitskomplexes
  • 26:26 – Ukrainekrise 2014 als Ausgangspunkt
  • 28:04 – NATO Stratcom Centre in Riga
  • 29:42 – Zusammenarbeit von Militär, Polizei und NGOs

10. Internationale Faktenchecker‑Netzwerke

  • 30:23 – Faktenchecker‑Gipfel 2014
  • 31:27 – International Fact‑Checking Network
  • 31:45 – EU East Stratcom Task Force
  • 32:01 – Hybridzentrum Helsinki

11. Geheimdienste, Plattformen und Atlantic Council

  • 32:37 – Informationsweitergabe durch Geheimdienste
  • 34:31 – NGOs als Frühwarnsystem
  • 36:00 – Kooperation Facebook–Atlantic Council
  • 36:42 – US‑Geheimdienste und Big‑Tech‑Plattformen

12. Transatlantische Netzwerke und politische Steuerung

  • 38:10 – Vernetzung von Journalisten, Politik und NGOs
  • 40:21 – Empfehlungen an Plattformen und Regierungen
  • 41:40 – Militärkonferenz 2018 und „schädliche Inhalte“
  • 42:45 – Warum Plattformregulierung politisch attraktiver sei

13. Vertrauen, Desinformation und Sicherheitslogik

  • 44:07 – Warum Militärs Desinformation als Sicherheitsfrage sehen
  • 45:09 – Vertrauensverlust und staatliche Handlungsfähigkeit
  • 46:11 – Legitime Kritik versus ausländische Einflussnahme

14. Schluss: Gegenmaßnahmen und politische Folgen

  • 46:50 – DISARM‑Framework von USA und EU
  • 47:44 – EU‑Strategie 2024–2029
  • 48:26 – Kritik an Polarisierung zwischen links und rechts
  • 49:09 – Plädoyer für offene Debatten

2:19

Wenn politische Rhetorik immer stärker von Konfrontation geprägt ist, sind Stimmen unverzichtbar, die Verständigung ins Zentrum rücken. Klaus von Dohnanyi und Erich Vad betrachten die aktuelle Lage mit analytischer Schärfe und strategischer Tiefe. Sie erinnern an etwas, das allzu oft übersehen wird: Diplomatie ist nicht Schwäche, sondern Pflicht und Ausdruck von Stärke. Ihr Denken ist auf Lösungen ausgerichtet – denn Frieden entsteht nicht durch Eskalation, sondern durch Dialog, Verhandlungen und den Mut zu politischer Klugheit. Ihr Gespräch lädt dazu ein, sich auf das Wesentliche zu besinnen: Gesprächsbereitschaft, Augenmaß und Verantwortung. Die Gefahr einer weiteren Eskalation ist real – und wächst. Darum ihr klarer Appell: Mehr Diplomatie!

29:33

Die Dokumentation:

„Gorbatschow und Gödelitz – Frieden"

Mitten im Kalten Krieg gelang es Michail Gorbatschow, Verträge zur atomaren Abrüstung und Rüstungskontrolle zu schließen. In der Sowjetunion leitete er mit Glasnost (Offenheit) und Perestroika (Umgestaltung) einen noch nie dagewesenen Reformprozess ein. Ohne ihn wäre es 1989 nicht zur Wiedervereinigung Deutschlands gekommen. Michail Gorbatschow hat der Welt gezeigt, dass Frieden möglich ist – nicht durch massive Aufrüstung und der Schaffung immer neuer Feindbilder, sondern durch Diplomatie, Annäherung, Verständnis und Vertrauen.

Zum Filminhalt: Die Dokumentation porträtiert die Familie Schmidt-Gödelitz, die nach der Wiedervereinigung ihr Gut zurückgekauft und daraus eine Begegnungsstätte aufgebaut hat und begleitet einen Gorbatschow-Abend, den die Journalistin Bettina Schaefer, Herausgeberin des preisgekrönten Buchs: MICHAIL GORBATSCHOW – WIE ER UNSER LEBEN VERÄNDERTE, zusammen mit der Journalistin und Bestsellerautorin Gabriele Krone-Schmalz auf Gut Gödelitz gestaltete. Originalaufnahmen aus den 80er Jahren geben einen Eindruck der damaligen Aufbruchstimmung.

5:56

Im letzten Jahrhundert galt der Mensch als Herr seiner selbst: Er konnte bestehende Herrschaftsformen abstreifen und neue politische Ordnungen aus eigener Kraft schaffen. Dieses Menschenbild befindet sich heute zunehmend auf dem Rückzug. An seine Stelle tritt immer stärker ein transhumanistisches Verständnis des Menschen, das ihn vor allem über seine Mängel definiert – und eine politische Ordnung anstrebt, die diese Mängel technisch, biologisch oder gesellschaftlich überwinden soll.

1:09:36

Wie offen ist unsere Debattenkultur wirklich – wenn bestimmte Positionen gar nicht mehr ausgesprochen werden können, ohne sofort ausgegrenzt zu werden?

Der Begriff „Russlandversteher“ steht heute nicht mehr für Differenzierung, sondern für Stigmatisierung. Wer versucht, komplexe Zusammenhänge zu erklären oder diplomatische Lösungen ins Spiel bringt, gerät schnell unter Verdacht.

Doch kann man über Krieg, Frieden und internationale Politik ernsthaft sprechen, ohne zu verstehen, wie es überhaupt zu Konflikten kommt?

Dieses Video stellt unbequeme Fragen: über den Zustand unserer politischen Kultur, über mediale Narrative – und über die Grenzen des Sagbaren in einer Zeit, in der es eigentlich mehr denn je um Verständigung gehen müsste.

Zeitmarken

  • Warnung vor Fake-Videos: Zu Beginn stellt Krone-Schmalz klar, dass aktuell KI-generierte Fake-Videos von ihr kursieren, und verweist auf ihre offizielle Webseite als authentische Quelle 00:00:23.
  • Kritik an der NATO-Osterweiterung: Sie bezeichnet die Erweiterung der NATO nach Osten als einen der größten Fehler seit dem Zweiten Weltkrieg, da Russland dadurch sicherheitspolitisch nicht einbezogen, sondern isoliert wurde 00:03:54.
  • Vorgeschichte des Ukraine-Konflikts: Krone-Schmalz thematisiert die Rolle westlicher Geheimdienste und Waffenlieferungen bereits vor Februar 2022. Sie betont, dass Russland Sicherheitsgarantien angemahnt hatte, die vom Westen nicht ernst genommen wurden 00:07:58.
  • Realitätscheck der Sanktionen: Sie führt aus, dass Russland international keineswegs isoliert sei (Hinweis auf BRICS) und dass die Sanktionen Deutschland wirtschaftlich stärker schaden würden als Russland 00:18:21.
  • Analyse von Feindbildern: Die Referentin kritisiert eine zunehmende "Moralisierung" der Politik und die mediale Stimmungsmache, die eine faktenbasierte Debatte verhindere 00:24:25.
  • Chancen für Diplomatie: Krone-Schmalz erinnert an die abgebrochenen Friedensverhandlungen in Istanbul kurz nach Kriegsbeginn und plädiert leidenschaftlich für das Prinzip "Wandel durch Annäherung" nach dem Vorbild von Egon Bahr 00:43:00.
  • Verantwortung des Einzelnen: Zum Abschluss zitiert sie Schopenhauer und ruft dazu auf, als mündige Bürger nicht widerspruchslos alles hinzunehmen 01:08:17.