Glenn Diesen Deutsch (Medienpräsenz)

1:01:46

In diesem Video analysiert der pensionierte Commodor der Royal Navy, Stephen Jermy, gemeinsam mit Glenn Diesen die militärische und geostrategische Lage im Krieg gegen den Iran. Jermy beleuchtet dabei kritisch die Erfolgsaussichten eines Regimewechsels aus der Luft und die weitreichenden Folgen für die Weltwirtschaft und die globale Ordnung.

Timestamps

  • [01:40] Zwei Ebenen der Analyse: Jermy unterscheidet zwischen der kurzfristigen politisch-militärischen Kampagne und der langfristigen großstrategischen Ebene.
  • [02:40] Denkfehler vor dem Krieg: Bezugnahme auf General Andrej Bofre und die Warnung, dass mangelndes Verständnis der Kriegsnatur zu einer Niederlage führen kann.
  • [03:51] Strategie des Regimewechsels: Die Problematik, einen Regimewechsel allein durch Luftmacht ohne Bodentruppen erreichen zu wollen.
  • [06:50] Patriotismus statt Aufstand: Warum die Tötung von Führungspersönlichkeiten die iranische Bevölkerung eher zusammenschweißt, als sie gegen das Regime aufzubringen.
  • [10:24] Einsatz von Tomahawks und Jets: Analyse der bisherigen Kampfhandlungen und der (noch nicht erreichten) Luftüberlegenheit über dem Iran.
  • [13:00] Angriffe auf Israel: Die entscheidende Rolle des iranischen Raketenbeschusses auf die israelische Infrastruktur und Wirtschaft.
  • [20:37] Lektionen aus Afghanistan: Jermy berichtet von seinen Erfahrungen in Kabul und dem mangelnden Verständnis lokaler Stammesstrukturen.
  • [27:41] Munitionsmangel im Westen: Diskussion über begrenzte Vorräte und die Schwierigkeit, die Produktion für einen längeren Konflikt hochzufahren.
  • [33:54] Geopolitischer Kontext: Der Krieg als Teil einer Strategie gegen China und die Bedeutung des Iran innerhalb der BRICS-Staaten.
  • [43:14] Fundamentalismus vs. Reform: Wie westliche Interventionen den religiösen Hardlinern in die Hände spielen und Reformkräfte schwächen.
  • [51:27] Strategie für Handeln: Jermy erläutert, warum westliche Nationen die Fähigkeit zu gründlicher strategischer Analyse verloren haben.
  • [55:02] Prognose zum Kriegsausgang: Warum Jermy die Erfolgschance für die USA und Israel auf nur etwa 30 % schätzt.

44:20

Lord Robert Skidelsky spricht über das strategische Vakuum, die Verzweiflung und die Kriegspropaganda in Europa. Ein zentrales Problem Europas besteht darin, dass es in der multipolaren Welt kein Pol, sondern lediglich ein „Loch“ ist. Skidelsky ist Mitglied des britischen House of Lords, emeritierter Professor für Politische Ökonomie und Autor einer preisgekrönten dreibändigen Biografie über John Maynard Keynes. Er begann seine politische Laufbahn in der Labour Party, war Gründungsmitglied der Social Democratic Party und diente im House of Lords als Sprecher der Conservative Party für Finanzangelegenheiten, bis er wegen seiner Opposition gegen die NATO-Bombardierung des Kosovo im Jahr 1999 entlassen wurde. Seit 2001 sitzt er als Unabhängiger im House of Lords.  

49:08

Douglas Macgregor ist ein pensionierter Oberst, Kriegsveteran und ehemaliger leitender Berater des US-Verteidigungsministers. Oberst Macgregor erläutert, warum wahrscheinlich bereits eine Entscheidung getroffen wurde, den Iran anzugreifen, und warum der Iran mit allen Mitteln kämpfen wird, da dies ein Krieg ums Überleben ist.  

32:24

In diesem Video präsentiert Professor Glenn Diesen seine Rede vor dem UN-Sicherheitsrat sowie eine anschließende Vertiefung seiner Thesen zur Medienmanipulation und Geopolitik im Ukraine-Konflikt.

Zeitmarken

  • [00:02] Einleitung & Kontext: Glenn Diesen erklärt die Hintergründe seiner Rede vor dem UN-Sicherheitsrat.
  • [01:14] Beginn der UN-Rede: Analyse der Mediennarrative und der Dämonisierung des Gegners basierend auf den Thesen von Walter Lippmann.
  • [02:35] Sicherheitsdilemma: Warum die Unfähigkeit, die Sicherheitsbedenken der Gegenseite zu verstehen, eine Friedenslösung blockiert.
  • [05:17] Das Narrativ der "unprovozierten Invasion": Kritik an der medialen Darstellung Russlands als rein expansionistische Macht.
  • [06:55] NATO-Osterweiterung: Historische Warnungen von Diplomaten (z.B. George Kennan) und deren Ignorierung durch westliche Medien.
  • [09:24] Ereignisse von 2014: Die Rolle des Westens beim Regierungswechsel in Kiew und die Berichterstattung über den Donbass.
  • [13:39] Sabotage von Friedensverhandlungen: Kritik an der Rolle der NATO-Staaten bei den Gesprächen in Istanbul 2022.
  • [16:30] Psychologie der Massen: Ergänzende Anmerkungen zur menschlichen Natur (In-Group/Out-Group-Dynamik) und Propaganda.
  • [23:06] Propaganda in Demokratien: Warum liberale Demokratien laut Diesen besonders stark auf "Öffentlichkeitsarbeit" angewiesen sind.
  • [26:08] Persönliches Fazit: Diesen reflektiert über 20 Jahre ignorierter Warnungen und die Folgen für die europäische Sicherheitsarchitektur.

31:30

Prof. Jeffrey Sachs spricht über den vierten Jahrestag der russischen Invasion in der Ukraine, warum Deutschland der Schlüssel zur Lösung des Konflikts ist, warum die USA eine gemeinsame europäische Ordnung mit Russland ablehnten und wie sich die Weltordnung infolge des Krieges verändert hat. 

51:39

Zeitmarken

1. Frustration und strategische Fehleinschätzung

Mercouris analysiert den Übergang des Konflikts von einem geplanten schnellen Regimewechsel zu einem Abnutzungskrieg um Energie [00:47].

  • Fehlkalkulation der USA/Israel: Sie gingen davon aus, dass die iranische Regierung schwach sei und nach der gezielten Tötung der Führung schnell zusammenbrechen würde [01:19].
  • Ausbleiben von Zugeständnissen: Die Angriffe (z. B. auf das South-Pars-Gasfeld oder das Kernkraftwerk Buschehr) sollten den Iran und dessen Partner (Russland) an den Verhandlungstisch zwingen. Stattdessen reagierte der Iran mit massiver symmetrischer Vergeltung [02:14].

2. Die Hybris der Hegemonie

Beide Gesprächspartner sehen Parallelen zwischen dem Ukraine-Krieg und dem Iran-Konflikt [05:44]:

  • Fähigkeiten vs. Wille: Der Westen konzentriere sich zu sehr auf den eigenen politischen Willen und unterschätze systematisch die realen materiellen Fähigkeiten und industriellen Basen seiner Gegner (Russland und Iran) [07:05].
  • Eingeschränkter Diskurs: Wer im Westen über die wirtschaftliche Diversifizierung Russlands oder die stabilen Institutionen des Iran spricht, werde sofort als „pro-Regime“ oder Propagandist abgestempelt, was eine ehrliche Sicherheitsanalyse verhindere [09:57].

3. Wechselwirkungen zwischen dem Iran- und Ukraine-Krieg

Mercouris erklärt, wie der Konflikt im Nahen Osten den Stellvertreterkrieg gegen Russland in der Ukraine direkt untergräbt:

  • Lockerung der Russland-Sanktionen: Aufgrund der Energiekrise am Golf mussten die USA bereits Sanktionen gegen russisches Öl lockern [12:01].
  • Abhängigkeit von Rohstoffen: Es geht nicht nur um Öl. Russland liefert Nafta, Düngemittel und Helium. Helium aus dem Persischen Golf und Russland wird dringend in Taiwan für die Halbleiterproduktion benötigt. Je länger die Krise dauert, desto mehr bricht das westliche Sanktionsregime zusammen [13:05].

4. Spaltung in Europa und Diplomatie

  • Belgien und Italien: Mercouris sieht erste Risse in der europäischen Solidarität. Der belgische Premier plädiert dafür, wieder mit Russland zu sprechen [17:06].
  • Verhandlungsunfähigkeit: Sowohl Russland als auch der Iran haben laut Mercouris die Erfahrung gemacht, dass der Westen in Verhandlungen (Minsker Abkommen, JCPOA) nur fordert, aber keine Kompromisse einhält [26:47]. Daher fordern beide Seiten nun eine Lösung der tieferen strukturellen Ursachen (Anerkennung als gleichberechtigte Mächte), statt bloßer Waffenstillstände [28:22].

5. Die Rolle Chinas

China agiert laut Mercouris sehr vorsichtig, aber bestimmt („Koloss Eurasiens“) [31:42]:

  • 40 % des Öls aus der Straße von Hormus gehen nach China. Da dies aber nur 5 % des chinesischen Gesamtbedarfs ausmacht, ist eine Blockade für Peking nicht existenziell [47:50].
  • China wickelt den Handel zunehmend in Yuan (Renminbi) ab und umgeht den Dollar. Sie unterstützen Russland und den Iran knapp unter der Oberfläche (Ersatzteile, diplomatische Rückendeckung), um eine direkte Konfrontation mit den USA zu vermeiden [33:43, 48:17].

6. Der Zeitfaktor: Wer gibt zuerst nach?

  • Iran: Für den Iran ist dies ein aufgezwungener, existenzieller Überlebenskampf. Die Bevölkerung und die Institutionen sind bereit, viel Schmerz (Rationierung) zu ertragen [42:11, 44:37].
  • Westen: Für die USA ist es ein „Krieg der Wahl“. In Europa und Großbritannien wird die Toleranz der Bevölkerung für Rationierungen und steigende Energiepreise weitaus geringer sein. Mercouris prognostiziert, dass der Westen wirtschaftlich schneller an seine Grenzen stoßen wird als der Iran institutionell [43:31, 44:55].

Zusammenfassend argumentiert Mercouris, dass der Versuch des Westens, seine Hegemonie im Nahen Osten mit Gewalt durchzusetzen, das globale Gefüge so stark erschüttert, dass das System der Russland-Sanktionen erodiert und der Westen wirtschaftlich in eine Sackgasse gerät.

44:25

Botschafter Chas Freeman spricht über die Bemühungen der USA, das Imperium wiederherzustellen, und darüber, wie der Nahe Osten neu organisiert wird.  

Botschafter Freeman war ehemaliger stellvertretender Verteidigungsminister und erhielt die höchsten öffentlichen Auszeichnungen des Verteidigungsministeriums für seine Rolle bei der Gestaltung eines NATO-zentrierten europäischen Sicherheitssystems nach dem Kalten Krieg sowie bei der Wiederaufnahme der Verteidigungs- und Militärbeziehungen zu China. Er diente als US-Botschafter in Saudi-Arabien (während der Operationen Desert Shield und Desert Storm). Außerdem war er stellvertretender Staatssekretär für afrikanische Angelegenheiten während der historischen US-Vermittlung der namibischen Unabhängigkeit von Südafrika und des Abzugs der kubanischen Truppen aus Angola. 

Inhaltsangabe

  • Das Ende der westlichen Dominanz und die Münchner Sicherheitskonferenz
    • Freeman analysiert die Rhetorik auf der Münchner Sicherheitskonferenz, insbesondere die Aussagen von Marco Rubio über 500 Jahre westliche Expansion. Er stellt fest, dass die Ära der Unipolarität beendet ist [03:07].
    • Es wird diskutiert, wie die USA unter der Trump-Administration Werte der Aufklärung und demokratische Prinzipien zugunsten einer neuen imperialen Machtpolitik aufgeben [05:07].
  • Die Situation im Nahen Osten und die Rolle Israels
    • Freeman sieht die USA als „politische Gefangene“ Israels. Er argumentiert, dass Premierminister Netanjahu die USA zu einem Krieg gegen den Iran drängt, um diesen als strategischen Konkurrenten auszuschalten [10:34].
    • Obwohl Geheimdienste bestätigen, dass der Iran keine Atombombe baut, nutzen Israel und Teile der US-Politik das Atomprogramm als Vorwand für eine angestrebte „Balkanisierung“ des Iran [11:32].
  • Drohender Regionalkrieg und internationale Reaktionen
    • Ein Angriff auf den Iran würde laut Freeman zu einem umfassenden regionalen Krieg führen, bei dem US-Stützpunkte (z.B. im Irak oder in Bahrain) zum Ziel würden [16:41].
    • China und Russland stärken die iranischen Verteidigungsfähigkeiten (z.B. durch Radarsysteme), um die staatliche Souveränität im Sinne der westfälischen Ordnung gegen US-Interventionen zu schützen [28:41].
  • Saudi-Arabien und die nukleare Frage
    • Freeman äußert Skepsis gegenüber Berichten, wonach Saudi-Arabien bereits über Atomwaffen verfügt. Er erläutert jedoch die engen militärischen Beziehungen zu Pakistan und China [20:39].
    • Die Golfstaaten versuchen derzeit, sich neutral zu verhalten und verweigern den USA die Nutzung ihres Luftraums für Angriffe auf den Iran [24:58].
  • Innerer Verfall der USA und Ausblick
    • Der Fokus auf ein globales Imperium führt laut Freeman zu einem Verfall der demokratischen Strukturen im Inneren der USA [40:25].
    • Er sieht einen grundlegenden Widerspruch zwischen der US-Verfassung (begrenzte Regierungsmacht) und der Verwaltung eines weltweiten Imperiums, was die USA an einen kritischen Wendepunkt bringt [42:21].

55:19

Seyed Mohammad Marandi ist Professor an der Universität Teheran und ehemaliger Berater des iranischen Atomverhandlungsteams. Prof. Marandi argumentiert, dass selbst ein kleiner symbolischer Angriff auf den Iran einen totalen Krieg auslösen würde.  

49:34

Prof. Michael Hudson, ein weltweit renommierter klassischer Ökonom, spricht über sein Buch darüber, wie Volkswirtschaften sich finanzialisieren und zugrunde gehen. 

40:55

Alastair Crooke ist ein ehemaliger britischer Diplomat und Gründer des in Beirut ansässigen „Conflicts Forum“. Zuvor war er Berater für Nahostfragen von Javier Solana, dem EU-Außenpolitikchef. Crooke erklärt, wer den Aufstand leitete, wie er besiegt wurde und warum die entschlossene Wiederherstellung der iranischen Abschreckung Trump vor einen Krieg stellt, den er sich weder leisten kann zu führen noch sich leisten kann, zu vermeiden.