Glenn Diesen Deutsch (Medienpräsenz)

49:16

Zeitmarken

1. Ursprung und Dynamik der Eskalation

  • Vergeltung statt Initiative: Der seit mehreren Monaten schwelende Konflikt geht auf US-israelische Aggressionen zurück [02:10]. Jede iranische Aktion ist eine direkte Antwort auf vorangegangene Angriffe des Westens [02:10].
  • Gegenschläge im Nuklearsektor: Der iranische Angriff auf Einrichtungen nahe der israelischen Atomanlage in Dimona erfolgte als direkte Reaktion auf Schläge gegen iranische Nuklearanlagen [02:28].

2. Regionale Stellvertreter und das South-Pars-Gasfeld

  • Zerstörung der Infrastruktur: Nachdem das South-Pars-Gasfeld im Süden des Iran attackiert wurde, schlug Teheran umgehend zurück und zerstörte Teile der Gasinfrastruktur Katars (LNG-Anlagen) sowie Energieanlagen in Saudi-Arabien und den VAE [02:56].
  • Komplizenschaft der Golfstaaten: Der Iran betrachtet diese Regime als Kriegsteilnehmer, da sie den USA ihren Luftraum, Logistik und Stützpunkte für Angriffe zur Verfügung stellen [05:33].

3. Trumps 48-Stunden-Ultimatum und Abschreckung

  • Unerfüllbare Forderungen: Trump droht mit der Zerstörung iranischer Kraftwerke, falls die Straße von Hormus nicht binnen 48 Stunden geöffnet wird [01:01, 04:26]. Der Iran kontert mit der Warnung vor massiver Zerstörung der Energieinfrastruktur auf der gegenüberliegenden Seite des Golfs [04:35].
  • Kein Vertrauen in Zusagen: Da Trump unberechenbar agiere und Versprechen oft kurzfristig widerrufe, bereitet sich der Iran unabhängig von Wortmeldungen stets auf das Worst-Case-Szenario vor [03:45, 04:07].

4. Drohender Zusammenbruch der Weltwirtschaft

  • Kontamination des Golfs: Ein Angriff auf das Kernkraftwerk in Buschir würde das Gewässer radioaktiv kontaminieren und die Öl- und Gasversorgung weltweit lahmlegen [13:00, 13:11].
  • Globale Rezession: Die Folge wäre eine beispiellose Wirtschaftskrise, die weit über das Jahr 1929 hinausgeht und das US-Imperium destabilisieren würde [12:17, 29:31]. Selbst bei einem Ende der Kampfhandlungen würde kein Öl mehr fließen können, da die regionale Infrastruktur dauerhaft vernichtet wäre [07:25]. Ein Übergreifen auf die Förderanlagen in Aserbaidschan gilt im Falle einer Flächenbranderweiterung als sicher [16:50].

5. Die „Achse des Widerstands“ und die Bevölkerung

  • Zusammenhalt im Land: Die iranische Bevölkerung unterstützt den Kurs geschlossen und versammelt sich trotz anhaltender Bedrohungen und Luftangriffe zu Kundgebungen [16:17].
  • Verborgene Kapazitäten: Weder die Hisbollah im Libanon noch Milizen im Irak oder die Huthis im Jemen haben ihre militärischen Karten vollends aufgedeckt [15:24, 23:26]. Marandi betont, dass westliche Geheimdienstschätzungen über das iranische Arsenal an Raketen und Drohnen massiv fehlerhaft waren [15:52].

6. Bedingungen für ein Ende der Feindseligkeiten

  • Ein bloßer, einseitig erklärter Waffenstillstand durch die USA reicht dem Iran nicht aus [19:18]. Die Fakten vor Ort müssen sich nachhaltig ändern [25:40].
  • Teheran fordert Sicherheitsgarantien für die Zukunft und finanzielle Entschädigungen der Golfstaaten für die durch deren Kooperation mit den USA entstandenen Schäden [19:35].

53:25

Zeitmarken

1. Die verfehlte US-Strategie und das „Insider“-Dilemma

  • Fehleinschätzung der Lage: Donald Trump und Israels Premier Benjamin Netanjahu gingen von einem schnellen Zusammenbruch der iranischen Regierung aus. Sie glaubten fälschlicherweise, über den Mossad hochrangige Insider (wie Ismael Qaani von den Revolutionsgarden) rekrutiert zu haben, um das Regime von innen heraus zu stürzen (ähnlich wie es die CIA zuvor in Venezuela mit Insidern um Maduro versucht hatte) [02:13].
  • Gegenreaktion des Iran: Statt zu kapitulieren, schlug der Iran binnen einer Stunde nach dem US-Angriff vom 28. Februar zurück und schaltete systematisch wertvolle US-Radarsysteme aus [05:33, 05:44].

2. Die Blockade der Straße von Hormus und wirtschaftliche Folgen

  • Energie- und Rohstoffkrise: Die Schließung der Straße von Hormus blockiert 20 % der weltweiten Öl- und 25 % der globalen Flüssigerdgas-Lieferungen (LNG, vor allem nach Asien) [03:53].
  • Düngemittelmangel: Die Golfregion ist nach Russland der zweitgrößte Düngemittellieferant. Der Ausfall pünktlich zur Aussaat auf der Nordhalbkugel führt weltweit zu rasant steigenden Lebensmittelpreisen [04:14, 04:22].
  • Inflation in den USA: Entgegen Trumps Versprechen steigen die US-Benzinpreise rasant an [06:46]. Eine globale Rezession hat bereits begonnen [04:30].

3. Trumps Suche nach einem „Sieg“-Ausweg

  • Propaganda vs. Realität: Trump und Netanjahu behaupten öffentlich, die iranische Luftwaffe und das Urananreicherungsprogramm zerstört zu haben, um einen Sieg zu deklarieren [07:35].
  • Iranische Bedingungen: Der Iran lässt sich laut Johnson nicht einfach durch Erklärungen abspeisen. Er fordert völkerrechtliche Garantien, nicht wieder angegriffen zu werden, und verlangt den Abzug der US-Truppen aus der Region [08:34, 09:40].
  • Nationalisierung der Meerenge: Der Iran bietet befreundeten Staaten selektive Durchfahrten an (ggf. gegen Bezahlung in Yuan) und zwingt die Golfstaaten damit, zwischen der US-Präsenz und dem Ölexport zu wählen [10:14, 10:34].

4. Gestörte Lieferketten der US-Rüstungsindustrie

  • Abhängigkeit von China: Für die Produktion moderner US-Radarsysteme (AESA-Radare) und Präzisionsbomben wird das Halbmetall Gallium sowie Seltene Erden benötigt [49:26, 50:45].
  • Chinesischer Lieferstopp: Da China 98–99 % der weltweiten Gallium-Produktion kontrolliert, hat Peking die Exporte in die USA gestoppt [49:33, 50:45]. Die USA können ihre verbrauchte High-Tech-Munition (wie Abfangraketen für Patriot-Systeme) daher kaum noch nachproduzieren [49:51].

5. Politische Zerreißprobe in den USA

  • Rückschlag für Trump: Der Krieg bricht Trumps zentrales Wahlversprechen, keine neuen Kriege im Nahen Osten zu beginnen [45:14].
  • Kritik aus dem eigenen Lager: Prominente alternative Medienvertreter und Republikaner wie Tucker Carlson, Joe Rogan oder Marjorie Taylor Greene wenden sich öffentlich von Trump ab [44:41]. Johnson prognostiziert, dass Trump bei den Zwischenwahlen im November die Mehrheiten im Kongress verlieren wird und ein Amtsenthebungsverfahren droht [12:01].

Zusammenfassend bewertet Larry Johnson das US-Vorgehen im Iran als strategieloses Desaster. Durch die Unterschätzung der iranischen Militärstärke und die Blockade der Straße von Hormus haben die USA eine globale Wirtschaftskrise losgetreten und ihre eigene Rüstungsindustrie durch die Rohstoff-Abhängigkeit von China massiv geschwächt.

28:40

In dem Video diskutiert Professor Jeffrey Sachs mit Glenn Diesen die aktuelle Eskalationsspirale im Nahen Osten und die Gefahr eines atomaren Konflikts. Sachs kritisiert die US-Außenpolitik scharf als "Hegemonie-Wahn" und schlägt einen konkreten Ausweg vor.

Zeitmarken

1. Die Eskalationsgefahr

Sachs warnt davor, dass die israelische "Samson-Option" (der Einsatz von Atomwaffen als letztes Mittel bei existenzieller Bedrohung) real werden könnte, wenn die konventionellen Abwehrsysteme erschöpft sind [00:26]. Er sieht die Weltwirtschaft durch die Schließung der Straße von Hormus und die Zerstörung der Energieinfrastruktur am Rande einer Katastrophe [03:09].

2. Der 5-Punkte-Plan für den Frieden

Um den Krieg zu beenden, schlägt Sachs folgende Schritte vor:

  • Anerkennung der Sicherheitsinteressen des Iran: Die USA und Israel müssen ihre "bewaffnete Aggression" beenden. Der Iran dürfe nicht länger mit Regimesturz bedroht werden [07:56].
  • Rückkehr zum Atomabkommen: Wiederherstellung des JCPOA (Common Comprehensive Plan of Action). Sachs betont, dass der Iran laut religiösem Dekret keine Atomwaffen anstrebe und internationale Inspektionen akzeptiert habe, bis Trump das Abkommen 2018 zerriss [09:30].
  • Regionale Souveränität über Militärbasen: Die Golfstaaten sollten die Souveränität über US-Basen auf ihrem Territorium zurückgewinnen und garantieren, dass diese nicht für Angriffe gegen den Iran genutzt werden. Dies würde die Wiederöffnung der Straße von Hormus ermöglichen [11:33].
  • Zwei-Staaten-Lösung: Israel muss zu den Grenzen von 1967 zurückkehren. Ein souveräner Staat Palästina (Gaza, Westjordanland, Ostjerusalem) muss entstehen. Sachs sieht die israelische Weigerung und den Anspruch auf das gesamte Land als Hauptursache für die jahrzehntelangen Konflikte [13:03].
  • Entwaffnung militanter Gruppen: Mit der Gründung eines palästinensischen Staates als 194. UN-Mitglied müssten Gruppen wie Hamas und Hisbollah unter regionaler und internationaler Aufsicht entwaffnet werden [16:02].

3. Kritik an der US-Hegemonie

Sachs argumentiert, dass die USA und Israel dem Trugschluss erlegen sind, Sicherheit durch absolute Dominanz (Hegemonie) statt durch "unteilbare Sicherheit" erreichen zu können [17:33]. Er zieht Parallelen zum Ukraine-Krieg, in dem russische Sicherheitsinteressen ignoriert wurden, und wirft der aktuellen US-Führung vor, ohne Strategie zu improvisieren [26:45].

4. Fehleinschätzungen und Hybris

Der Professor erklärt das Versagen der Geheimdienste und der Politik mit einer tiefen Arroganz. Man habe geglaubt, die eigene Realität erschaffen zu können [25:13]. Die Annahme, dass der Iran durch Drohungen oder die Tötung von Führungspersonen einfach kapitulieren würde, bezeichnet er als gefährlichen Wahn [21:43].

Das Video endet mit dem Appell, dass wahre Sicherheit nur durch Diplomatie und den Respekt vor den roten Linien anderer Mächte (wie auch China in Bezug auf Taiwan) möglich ist [22:38].

1:01:26

Zeitmarken

 

1. Militärische Lage in der Ukraine

  • Frühjahrsoffensive: Krapiwnik erörtert, ob die russische Offensive bereits begonnen hat. Er weist darauf hin, dass die "Schlammsaison" (Rasputiza) im Süden (Saporischschja) Bewegungen erschwert, während der Boden im Norden fester ist [01:06].
  • Strategische Ziele: Ein russischer Vorstoß auf Sumy wird als entscheidend eingestuft, um Charkiw von Westen her abzuschneiden und Versorgungslinien aus Kiew zu unterbrechen [06:06].
  • Städtekämpfe: In Konstantinowka und Krasny Lyman zeichnen sich heftige Kämpfe ab. Krapiwnik vergleicht die ukrainische Defensivstrategie, Stellungen bis zur Einkesselung zu halten, mit historischen Fehlern, um PR-Niederlagen zu vermeiden [08:30].

2. Die "Iran-Lehre" und globale Abschreckung

  • Amerikanische Verwundbarkeit: Der Konflikt im Nahen Osten habe gezeigt, dass US-Stützpunkte durch iranische Angriffe systematisch zerstört werden können, ohne dass die USA effektiv abschrecken [15:14].
  • Russlands Reaktion: Innerhalb des russischen Militärs wachse der Druck, die "Samthandschuhe auszuziehen". Krapiwnik argumentiert, Russland könnte europäische Rüstungsproduzenten (wie Rheinmetall) direkt ins Visier nehmen, da die USA ihre Luftabwehrsysteme zunehmend für eigene Zwecke abziehen [19:05].
  • Ende der Erstschlagsdoktrin: Die Erosion der gegenseitig gesicherten Zerstörung (MAD) führt laut Krapiwnik dazu, dass Akteure eher zu einem Präventivschlag neigen, wenn sie die Chance dazu sehen [24:53].

3. Diplomatische Isolation und politische Instabilität

  • Vertrauensverlust in Europa: Krapiwnik äußert tiefes Misstrauen gegenüber europäischen Regierungen (insbesondere Frankreich und Deutschland), da frühere Abkommen wie Minsk aus russischer Sicht lediglich zur Aufrüstung der Ukraine genutzt wurden [34:41].
  • US-Innenpolitik: Die Trump-Administration wird als dysfunktional beschrieben, beeinflusst von religiösen Strömungen und ohne klaren Plan für den Nahen Osten, was zu einem Rückzug arabischer Partner wie Saudi-Arabien führe [29:08].
  • Taiwan: Der Fokus der USA auf die Ukraine und den Iran schaffe für China ein strategisches Zeitfenster, um die Wiedervereinigung mit Taiwan voranzutreiben [58:30].

4. Technologische Unterstützung

  • Russisch-Iranische Kooperation: Russland unterstützt den Iran mit S-400 Systemen, Su-35 Kampfjets und Störtechnologie (Electronic Warfare), um US-Signale und Drohnen zu neutralisieren [52:45].

Zusammenfassend beschreibt Krapiwnik eine Verschiebung der Weltordnung, in der die westliche Abschreckung versagt und regionale Mächte zunehmend militärische Fakten schaffen.

52:23

In diesem Video diskutiert Glenn Diesen mit dem Marktanalysten Alex Krainer über die weitreichenden ökonomischen und geopolitischen Folgen des aktuellen Konflikts im Nahen Osten sowie den Zustand der westlichen Weltordnung.

Zeitmarken

1. Wirtschaftliche und energetische Folgen

  • Energiekrise: Der Krieg führt zu massiven Störungen auf den Öl- und Erdgasmärkten. Da Erdgas ein Hauptrohstoff für Stickstoffdünger ist, droht eine Verknappung, die die globale Landwirtschaft trifft [01:43].
  • Preisprognosen: Krainer verweist auf Analysen, die Ölpreise von bis zu 380 odergar500 pro Barrel für möglich halten, sollte sich der Konflikt weiter verselbstständigen [05:12], [06:30].
  • Nahrungsmittelversorgung: Die Kombination aus hohen Energiekosten, Düngermangel und westlicher Agrarpolitik (z. B. Netto-Null-Ziele) führt bereits jetzt zu sichtbaren Engpässen und Qualitätsverlusten in Supermärkten, beispielhaft erläutert am französischen Markt [02:31], [03:32].

2. Geopolitische Instabilität und Lieferketten

  • Abhängigkeit von China: Der Westen ist bei kritischen Mineralien (wie Gallium für Radarsysteme) und Medikamenten extrem abhängig von China. Eine strategische Autonomie würde Jahrzehnte dauern [12:43], [13:28].
  • Modellwechsel: Die USA verlieren ihre Rolle als "Werkbank der Welt" und wandeln sich vom Gläubiger zum Schuldner. Dies macht das bisherige Modell der liberalen Hegemonie unhaltbar [34:09], [34:48].

3. Kritik an den politischen Eliten

  • Entfremdung: Es bestehe ein tiefer Konflikt zwischen den herrschenden Eliten und der Bevölkerung. Krainer sieht in Mechanismen wie CBDCs (digitales Zentralbankgeld), 15-Minuten-Städten und Netto-Null-Agenden Versuche, die Kontrolle über eine zunehmend verarmende Bevölkerung aufrechtzuerhalten [14:03], [19:29].
  • Krieg als Ablenkung: Krainer äußert die Theorie, dass Kriege historisch genutzt wurden, um von internen Problemen abzulenken und wehrfähige Männer "loszuwerden" [15:19].

4. Zukunftsperspektiven und Lösungen

  • Zusammenbruch der alten Ordnung: Wir erleben laut den Diskutanten das Ende der 500-jährigen westlich geprägten Weltordnung und den Übergang zu einer multipolaren Welt (BRICS, neue Seidenstraße) [30:55], [35:02].
  • Selbsthilfe: Da Regierungen keine Lösungen mehr liefern würden, rät Krainer den Menschen zur Eigeninitiative: Anbau von Nahrungsmitteln, Aufbau lokaler Netzwerke und Vorbereitung auf graue Märkte [10:45], [20:08].
  • Ende der NATO: Es wird spekuliert, dass Donald Trump die aktuelle Situation nutzen könnte, um das NATO-Bündnis endgültig infrage zu stellen, da die europäischen Verbündeten aus US-Sicht militärisch kaum Nutzen brächten [50:12].

Das Gespräch endet mit der Einschätzung, dass eine Rückkehr zum Status quo der letzten Jahre ausgeschlossen ist und die nächsten Jahre von schmerzhaften Anpassungsprozessen geprägt sein werden [44:22], [51:39].

54:10

In diesem Gespräch mit Glenn Diesen analysiert Yanis Varoufakis, ehemaliger griechischer Finanzminister, die wirtschaftlichen und geopolitischen Folgen des Krieges gegen den Iran. Er warnt vor einem Zusammenbruch des westlichen neoliberalen Modells und kritisiert die Rolle der USA und Israels.

Zeitmarken

1. Asymmetrische Kriegsführung und Fehleinschätzungen

  • Eskalationsdominanz: Die USA sind mit der Erwartung in den Konflikt getreten, die Situation kontrollieren zu können. Der Iran kontert jedoch asymmetrisch, insbesondere durch die Fähigkeit, den Energiehandel über die Straße von Hormus lahmzulegen [01:17].
  • Lerneffekte aus der Geschichte: Varoufakis zieht Parallelen zu Afghanistan und dem Irak, wo die USA trotz technologischer Überlegenheit langfristig scheiterten [02:17]. Er argumentiert, dass der Iran deutlich besser vorbereitet ist [03:12].

2. Der Niedergang des Neoliberalismus

  • Deindustrialisierung des Westens: Varoufakis erklärt, dass die westlichen Eliten im Zuge der Finanzialisierung und des Neoliberalismus ihre industrielle Basis zugunsten des Finanzsektors und Big Tech aufgegeben haben [05:13].
  • Prekarität der Lieferketten: Der Krieg zeigt, dass technologischer Souveränität und industrielle Stärke wichtiger sind als reiner Freihandel. Da die Produktion nach Asien ausgelagert wurde, fehlt dem Westen nun die industrielle Kapazität für lange Konflikte [04:18], [05:58].

3. Geopolitische Dynamiken und Israel

  • Die Rolle Netanjahus: Varoufakis behauptet, dass Benjamin Netanjahu die USA erfolgreich in einen permanenten Krieg hineingezogen hat, um von der Annexion des Westjordanlands abzulenken [07:34], [08:15].
  • Trump in der Falle: Er zeigt sich überrascht, dass Donald Trump seinen früheren Kurs (Widerstand gegen einen Iran-Krieg) aufgegeben hat, und vermutet politischen Druck oder Einflussnahme durch Israel als Grund [11:22], [12:31].

4. Kritik am „liberalen Imperialismus“

  • Instrumentalisierung von Frauenrechten: Er weist das Argument zurück, der Krieg diene der „Befreiung der Frauen“. Wahre Befreiung führt nicht über die Trümmer von Teheran [13:23], [14:07].
  • Vergleich mit Saudi-Arabien: Varoufakis kritisiert die Doppelmoral: Während der Iran wegen Frauenrechten bombardiert wird, bleibt Saudi-Arabien trotz stärkerer Unterdrückung ein enger Geschäftspartner [19:34].

5. Technologische Veränderung der Kriegsführung

  • Drohnenökonomie: Eine 5.000-Dollar-Drohne zwingt den Westen zum Einsatz von 1,6-Millionen-Dollar-Raketen. Diese „politische Ökonomie des Krieges“ arbeitet gegen westliche Interessen [34:53].
  • KI und autonomes Töten: Der Übergang zu KI-gesteuerten Drohnenschwärmen birgt die Gefahr eines permanenten Kriegszustandes, in dem Menschen nicht mehr in die Entscheidungskette eingebunden sind [36:00], [37:04].

6. Wer gewinnt, wer verliert?

  • Die Verlierer: Die Arbeiterklasse im Iran (durch Bomben und Sanktionen) und im Westen (durch steigende Energie- und Lebensmittelpreise) tragen die Last [28:33], [29:13].
  • Die Gewinner: Die Führung des iranischen Regimes profitiert paradoxerweise von der äußeren Aggression, da sie zur inneren Solidarität führt [27:34], [30:24].

Fazit und moralische Position

Varoufakis betont seine Pflicht als Linker, sowohl das theokratische Regime im Iran abzulehnen als auch den völkerrechtswidrigen Imperialismus des Westens zu verurteilen. Er fordert, dass die Bürger im Westen ihre Regierungen stoppen, da ihre Steuern diese Kriege finanzieren [49:52], [50:08].

54:17

Michael von der Schulenburg ist ein deutsches Mitglied des EU-Parlaments, der zuvor 34 Jahre lang als UN-Diplomat tätig war, unter anderem als Beigeordneter Generalsekretär des UN‑Departements für Politische und Friedenssichernde Angelegenheiten. Schulenburg lebte und arbeitete außerdem neun Jahre lang im Auftrag der UN im Iran und erklärt, warum dieser Krieg ein weiteres Desaster für Europa darstellt.  

Zeitmarken

Geopolitik & Internationales System

  • Zusammenbruch des Völkerrechts: Der Westen zerstört durch die Unterstützung gesetzloser Kriege die auf Regeln basierende internationale Ordnung. Das Prinzip der "Herrschaft des Stärkeren" ersetzt zunehmend das Völkerrecht [05:02]
  • Reputationsverlust der USA: Die rücksichtslose Art, andere Länder ohne legitimen Kriegsgrund anzugreifen, signalisiert der Welt, dass nur Atomwaffen Schutz vor US-Aggressionen bieten [18:53]
  • Geopolitische Verschiebung: Die Golfstaaten erkennen, dass die USA sie nicht mehr effektiv verteidigen können. Die Illusion einer US-gestützten Stabilitätszone ist hinfällig [34:13]
  • Nukleare Proliferation: Der Atomwaffensperrvertrag steht vor dem Ende, da Länder wie die Türkei, Ägypten oder Saudi-Arabien aufgrund der aktuellen Instabilität eigene Nuklearwaffen anstreben könnten [19:26]

Kriegführung & Strategie

  • Fehleinschätzung der "Enthauptung": Die Strategie, durch die Tötung der Führung (wie Ali Khamenei) einen Volksaufstand zu provozieren, ist gescheitert. Khamenei war paradoxerweise die einzige Person in der Führung, die den Einsatz von Atomwaffen per Fatwa ablehnte [17:38]
  • Unmöglichkeit einer Bodeninvasion: Eine Invasion des Irans ist aufgrund der Geografie (Gebirge), der Bevölkerungsgröße (90 Millionen) und der fehlenden Unterstützung der Nachbarstaaten logistisch nicht umsetzbar [13:50]
  • Täuschung als Methode: Die gezielte Täuschung des Gegners durch vorgetäuschte Friedensangebote unmittelbar vor Angriffen markiert einen Rückfall in mittelalterliche Kriegsmethoden [11:09]
  • Zerstörungskampagne: Da ein schneller Sieg ausbleibt, wandelt sich der Krieg in eine reine Zerstörungskampagne gegen zivile Infrastruktur wie Schulen und Krankenhäuser [16:04]

Europäische Union & Innenpolitik

  • Selbstzerstörerische Loyalität: Europa übernimmt ein System der Gewalt, das ihm selbst schadet. Die Kosten für die Kriege in der Ukraine und im Iran (Flüchtlinge, Unsicherheit, wirtschaftlicher Niedergang) werden primär von der EU getragen [10:15]
  • Mangel an diplomatischer Kompetenz: Im EU-Parlament herrscht eine Atmosphäre der Ideologie statt des Wissens. Erfahrene Diplomaten werden ignoriert, während moralische Schlagworte reale politische Analysen ersetzen [28:22]
  • Interne Palastintrigen: Innerhalb der EU-Kommission gibt es massive Spannungen und Kompetenzüberschreitungen, insbesondere durch Ursula von der Leyen, die Entscheidungen ohne Mandat der 27 Mitgliedstaaten trifft [44:18]
  • Forderung nach Realpolitik: Die EU muss ihre Priorität auf die Wiederherstellung des Friedens auf dem eigenen Kontinent legen und dafür zwingend den Dialog mit Russland suchen [52:08]

47:32

In diesem Video spricht Glenn Diesen mit Seyed M. Marandi, Professor an der Universität Teheran, über die aktuelle Eskalation des Konflikts zwischen dem Iran, den USA und Israel.

Zeitmarken

Strategische Ziele und Verhandlungen

  • Kein Waffenstillstand: Marandi betont, dass der Iran derzeit keinen Waffenstillstand akzeptieren wird [02:25]. Der Krieg werde so lange andauern, bis die iranischen Forderungen erfüllt sind und eine neue Realität in der Region geschaffen wurde, in der die USA den Iran nicht mehr bedrohen können.
  • Forderungen: Der Iran fordert Entschädigungen für die Zerstörungen und das Blutvergießen [02:50]. Zudem wird nicht länger geduldet, dass Nachbarstaaten im Persischen Golf als Basis für US-Angriffe dienen.
  • Kontrolle der Handelswege: Der Iran beabsichtigt, die Straße von Hormus geschlossen zu halten und künftig Gebühren für die Durchfahrt zu erheben [12:52].

Militärische und infrastrukturelle Lage

  • Versagen der US-Verteidigung: Laut Marandi ist es den USA nicht gelungen, iranische Raketen- und Drohnenangriffe zu stoppen oder die unterirdischen Produktionsanlagen zu zerstören [06:41].
  • Angriffe auf Zivilinfrastruktur: Er berichtet von massiven Angriffen auf die iranische Infrastruktur, darunter Entsalzungsanlagen und Treibstofflager [05:45]. Letztere haben eine ökologische Katastrophe und gesundheitliche Probleme durch öligen Niederschlag in Teheran verursacht [07:31].
  • Eskalationspotenzial: Der Iran habe seine fortschrittlichste Technologie noch nicht eingesetzt [27:16]. Sollte die Infrastruktur des Iran weiter zerstört werden, droht Marandi mit der totalen Zerstörung der Öl- und Gasanlagen in der gesamten Golfregion [19:32].

Wirtschaftliche Auswirkungen

  • Ölmarkt: Durch den Ausfall von täglich etwa 20 Millionen Barrel Öl steuert die Welt auf eine schwere Wirtschaftskrise zu [10:57]. Marandi schätzt, dass die Reserven der G7-Staaten nur etwa zwei Monate reichen, um diesen Mangel auszugleichen [10:30].
  • Petrodollar: Die Krise schwäche den US-Dollar als globale Leitwährung, da weniger Ölgeschäfte in Dollar abgewickelt werden und Investitionen in die Region (z. B. Emirate oder Israel) massiv zurückgehen [22:43].

Internationale Beziehungen

  • Russland und China: Die Zusammenarbeit zwischen dem Iran, Russland und China hat sich durch den Konflikt gefestigt [41:15]. Beide Mächte hätten kein Interesse an einem US-Erfolg in Westasien. Insbesondere für China wäre eine US-Kontrolle über das iranische Öl eine existenzielle Bedrohung [43:05].
  • Regionalstaaten: Marandi kritisiert die arabischen Monarchien am Golf als "US-Vermögenswerte" und warnt, dass diese ihre Neutralität verloren haben und den Preis für die Unterstützung der USA zahlen werden [13:19].
  • Aserbaidschan und Türkei: Er äußert sich kritisch über die Unterstützung Israels durch die Türkei (Radarstationen) und Aserbaidschan [33:09]. Er warnt das aserbaidschanische Regime vor einem Sturz, sollte es weiterhin gegen den Iran agieren [34:34].

Innenpolitische Lage im Iran

  • Nationale Einheit: Entgegen westlicher Erwartungen habe der äußere Druck die iranische Bevölkerung geeint [45:22]. Selbst ehemalige Teilnehmer von Unruhen würden sich nun melden, um das Land zu verteidigen [44:23].

1:04:44

In dem Video analysiert der Politikwissenschaftler John Mearsheimer die aktuelle militärische Lage im Konflikt zwischen den USA/Israel und dem Iran. Er vertritt die zentrale These, dass die USA den Krieg strategisch bereits verloren haben, da es keinen realistischen Ausweg gibt.

Zeitmarken

Militärische Sackgasse und Eskalation

  • Scheitern der Luftkrieg-Theorie: Mearsheimer betont, dass Kriege historisch gesehen nicht allein durch Luftmacht oder strategische Bombardierungen gewonnen werden können [17:41]. Ohne Bodentruppen, die Präsident Trump ablehnt, ist ein entscheidender Sieg oder ein Regimewechsel im Iran unmöglich [19:42].
  • Keine Eskalationsdominanz: Die Annahme der USA, das Tempo und die Bedingungen des Krieges diktieren zu können, ist laut Mearsheimer ein Trugschluss [10:41]. Sobald die USA die Eskalationsleiter hinaufsteigen, wird der Iran dasselbe tun [04:00].
  • Verwundbarkeit der Golfstaaten: Der Iran verfügt über hochpräzise Drohnen und Raketen, mit denen er die kritische Infrastruktur der Golfstaaten – insbesondere Entsalzungsanlagen und Öl-Einrichtungen – leicht zerstören kann [08:31]. Dies würde die Existenz dieser Staaten de facto beenden [15:03].

Wirtschaftliche und Geopolitische Folgen

  • Weltwirtschaft: Ein langwieriger Krieg am Golf hätte katastrophale Auswirkungen auf die Energieversorgung (20 % der weltweiten Öl- und Gasvorkommen) und die globale Wirtschaft [13:40].
  • Vorteile für Russland und China: Der Konflikt bindet amerikanische Ressourcen (z. B. Patriot-Systeme), die in der Ukraine oder zur Eindämmung Chinas fehlen [46:12]. Russland profitiert zudem wirtschaftlich von steigenden Ölpreisen [47:11].
  • Rolle Europas: Mearsheimer kritisiert die europäische Haltung als unterwürfig. Die europäischen Eliten würden ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen opfern, um die USA an Europa zu binden, anstatt eine eigenständige, strategische Politik zu verfolgen [51:49].

Fehleinschätzungen der Führung

  • Ignorierte Warnungen: Die US-Regierung ignorierte laut Mearsheimer Warnungen von Experten und Geheimdiensten, die bereits vor dem Krieg auf die Unwahrscheinlichkeit eines schnellen Sieges hinwiesen [26:10].
  • Fehlende Realitätsnähe: Mearsheimer wirft Präsident Trump vor, strategische Entscheidungen auf der Grundlage falscher Annahmen zu treffen (z. B. über die Präzision iranischer Waffen) und sich von Premierminister Netanjahu in eine Falle locken gelassen zu haben [30:25, 34:12].

Das Fazit lautet: Da der Iran keinen Anreiz hat, sich den Bedingungen der USA zu unterwerfen, und die USA nicht bereit sind, die notwendigen Bodentruppen für einen Sieg einzusetzen, bleibt die Lage ohne plausiblen Ausweg [05:18].

1:01:40

Prof. Xueqin Jiang erörtert die weitreichenden Folgen des Krieges gegen den Iran: Das US-Imperium begeht Selbstmord, Israel entwickelt sich zunehmend zu einer Theokratie, Iran baut sich als regionale Macht wieder auf, die Instabilität breitet sich nach Ostasien aus, Europas Bedeutung bricht weiter zusammen, da es sich nicht an die neue Welt anpasst, Russland wird in großem Umfang eskalieren, und China wird es nicht schaffen, die Regeln der alten Weltordnung zu bewahren, die es so wohlhabend gemacht haben.

Zeitmarken

 

1. Strategisches Versagen und Kriegsgründe

  • Fehlende Strategie: Professor Jiang argumentiert, dass die US-Administration unter Trump kein klares Ziel für den Krieg formuliert hat. Die Verhinderung eines nuklearen Programms wird als Vorwand bezeichnet, da der Iran bereits einer vollständigen Einstellung der Anreicherung zugestimmt habe [01:24].
  • Israelische Interessen: Ein wesentlicher Treiber sei der Schutz Israels bzw. das Zuvorkommen eines israelischen Alleingangs [02:01].

2. Wirtschaftliche und regionale Auswirkungen

  • Energiekrise: Die Schließung der Straße von Hormus hat den Ölpreis massiv ansteigen lassen (auf bis zu 120 $). Dies trifft besonders asiatische Industriemächte wie Japan, dessen Ölvorräte in wenigen Monaten erschöpft sein könnten [03:13].
  • Zerstörung der Golfstaaten (GCC): Die Region wird als „Fata Morgana“ beschrieben, deren Wohlstand auf US-Schutz und funktionierenden Lieferketten basiert. Durch Angriffe auf Entsalzungsanlagen und den Stopp von Lebensmittelimporten droht den Golfstaaten der totale Zusammenbruch [12:44].
  • Ende des Petrodollars: Ein Rückzug der USA aus der Region oder ein Zusammenbruch der Investitionen aus den Golfstaaten würde das Petrodollar-System zerstören und die US-Wirtschaft aufgrund ihrer massiven Verschuldung in eine schwere Depression stürzen [15:31].

3. Kriegsführung: Abnutzung vs. Vernichtung

  • Iranische Strategie: Der Iran führt einen Abnutzungskrieg durch Druck auf die Weltwirtschaft, um einen schnellen Abbruch des Konflikts zu erzwingen [06:25].
  • US-Strategie: Den USA wird vorgeworfen, einen Vernichtungskrieg gegen die zivile Infrastruktur (Wasser, Ölversorgung für Zivilisten) zu führen, um die staatliche Handlungsfähigkeit des Irans dauerhaft zu zerstören [07:10].

4. Die „Pax Judaica“ und die neue Ordnung

  • Aufstieg Israels: Jiang prognostiziert, dass Israel als dominierende Macht („Pax Judaica“) hervorgehen könnte, während der GCC an Bedeutung verliert. Jerusalem könnte zum neuen technologischen und finanziellen Zentrum werden, gestützt durch die globale Diaspora und Kooperationen mit Indien [38:00].
  • Russland und China: Putin wird als strategischer Akteur beschrieben, der auf eine US-Bodeninvasion im Iran wartet, um im Schatten dieses „Sumpfes“ seine Ziele in der Ukraine (insbesondere Odessa) zu erreichen [57:29]. China versuche zwar, die alte Ordnung zu retten, werde aber langfristig gegenüber einem sich remilitarisierenden Japan an Boden verlieren [52:37].

5. Europa in der Krise

  • Hoffnungslose Lage: Europa wird als „Desaster“ beschrieben. Der Verlust billiger russischer Energie, die Abhängigkeit von instabilen Quellen in Nahost (Katar) und der mangelnde soziale Zusammenhalt durch die Flüchtlingskrise hätten den Kontinent wirtschaftlich und politisch extrem geschwächt [44:37].

Fazit: Das Gespräch zeichnet das Bild eines Imperiums (USA) im Niedergang, das durch irrationale Kriegshandlungen seinen eigenen Zusammenbruch und eine fundamentale Neuordnung der Welt provoziert [18:21].