15.03.2026

Yanis Varoufakis: Irankrieg lässt die US-Neoliberale Wirtschaft einstürzen

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Medienpräsenz

In diesem Gespräch mit Glenn Diesen analysiert Yanis Varoufakis, ehemaliger griechischer Finanzminister, die wirtschaftlichen und geopolitischen Folgen des Krieges gegen den Iran. Er warnt vor einem Zusammenbruch des westlichen neoliberalen Modells und kritisiert die Rolle der USA und Israels.

Zeitmarken

1. Asymmetrische Kriegsführung und Fehleinschätzungen

  • Eskalationsdominanz: Die USA sind mit der Erwartung in den Konflikt getreten, die Situation kontrollieren zu können. Der Iran kontert jedoch asymmetrisch, insbesondere durch die Fähigkeit, den Energiehandel über die Straße von Hormus lahmzulegen [01:17].
  • Lerneffekte aus der Geschichte: Varoufakis zieht Parallelen zu Afghanistan und dem Irak, wo die USA trotz technologischer Überlegenheit langfristig scheiterten [02:17]. Er argumentiert, dass der Iran deutlich besser vorbereitet ist [03:12].

2. Der Niedergang des Neoliberalismus

  • Deindustrialisierung des Westens: Varoufakis erklärt, dass die westlichen Eliten im Zuge der Finanzialisierung und des Neoliberalismus ihre industrielle Basis zugunsten des Finanzsektors und Big Tech aufgegeben haben [05:13].
  • Prekarität der Lieferketten: Der Krieg zeigt, dass technologischer Souveränität und industrielle Stärke wichtiger sind als reiner Freihandel. Da die Produktion nach Asien ausgelagert wurde, fehlt dem Westen nun die industrielle Kapazität für lange Konflikte [04:18], [05:58].

3. Geopolitische Dynamiken und Israel

  • Die Rolle Netanjahus: Varoufakis behauptet, dass Benjamin Netanjahu die USA erfolgreich in einen permanenten Krieg hineingezogen hat, um von der Annexion des Westjordanlands abzulenken [07:34], [08:15].
  • Trump in der Falle: Er zeigt sich überrascht, dass Donald Trump seinen früheren Kurs (Widerstand gegen einen Iran-Krieg) aufgegeben hat, und vermutet politischen Druck oder Einflussnahme durch Israel als Grund [11:22], [12:31].

4. Kritik am „liberalen Imperialismus“

  • Instrumentalisierung von Frauenrechten: Er weist das Argument zurück, der Krieg diene der „Befreiung der Frauen“. Wahre Befreiung führt nicht über die Trümmer von Teheran [13:23], [14:07].
  • Vergleich mit Saudi-Arabien: Varoufakis kritisiert die Doppelmoral: Während der Iran wegen Frauenrechten bombardiert wird, bleibt Saudi-Arabien trotz stärkerer Unterdrückung ein enger Geschäftspartner [19:34].

5. Technologische Veränderung der Kriegsführung

  • Drohnenökonomie: Eine 5.000-Dollar-Drohne zwingt den Westen zum Einsatz von 1,6-Millionen-Dollar-Raketen. Diese „politische Ökonomie des Krieges“ arbeitet gegen westliche Interessen [34:53].
  • KI und autonomes Töten: Der Übergang zu KI-gesteuerten Drohnenschwärmen birgt die Gefahr eines permanenten Kriegszustandes, in dem Menschen nicht mehr in die Entscheidungskette eingebunden sind [36:00], [37:04].

6. Wer gewinnt, wer verliert?

  • Die Verlierer: Die Arbeiterklasse im Iran (durch Bomben und Sanktionen) und im Westen (durch steigende Energie- und Lebensmittelpreise) tragen die Last [28:33], [29:13].
  • Die Gewinner: Die Führung des iranischen Regimes profitiert paradoxerweise von der äußeren Aggression, da sie zur inneren Solidarität führt [27:34], [30:24].

Fazit und moralische Position

Varoufakis betont seine Pflicht als Linker, sowohl das theokratische Regime im Iran abzulehnen als auch den völkerrechtswidrigen Imperialismus des Westens zu verurteilen. Er fordert, dass die Bürger im Westen ihre Regierungen stoppen, da ihre Steuern diese Kriege finanzieren [49:52], [50:08].

Sprache (Ton)
Deutsch
Laufzeit
54min 10s
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Erstellt: 17.03.2026 - 06:32  |  Geändert: 17.03.2026 - 06:32

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