Glenn Diesen Deutsch (Medienpräsenz)

54:17

Michael von der Schulenburg ist ein deutsches Mitglied des EU-Parlaments, der zuvor 34 Jahre lang als UN-Diplomat tätig war, unter anderem als Beigeordneter Generalsekretär des UN‑Departements für Politische und Friedenssichernde Angelegenheiten. Schulenburg lebte und arbeitete außerdem neun Jahre lang im Auftrag der UN im Iran und erklärt, warum dieser Krieg ein weiteres Desaster für Europa darstellt.  

Zeitmarken

Geopolitik & Internationales System

  • Zusammenbruch des Völkerrechts: Der Westen zerstört durch die Unterstützung gesetzloser Kriege die auf Regeln basierende internationale Ordnung. Das Prinzip der "Herrschaft des Stärkeren" ersetzt zunehmend das Völkerrecht [05:02]
  • Reputationsverlust der USA: Die rücksichtslose Art, andere Länder ohne legitimen Kriegsgrund anzugreifen, signalisiert der Welt, dass nur Atomwaffen Schutz vor US-Aggressionen bieten [18:53]
  • Geopolitische Verschiebung: Die Golfstaaten erkennen, dass die USA sie nicht mehr effektiv verteidigen können. Die Illusion einer US-gestützten Stabilitätszone ist hinfällig [34:13]
  • Nukleare Proliferation: Der Atomwaffensperrvertrag steht vor dem Ende, da Länder wie die Türkei, Ägypten oder Saudi-Arabien aufgrund der aktuellen Instabilität eigene Nuklearwaffen anstreben könnten [19:26]

Kriegführung & Strategie

  • Fehleinschätzung der "Enthauptung": Die Strategie, durch die Tötung der Führung (wie Ali Khamenei) einen Volksaufstand zu provozieren, ist gescheitert. Khamenei war paradoxerweise die einzige Person in der Führung, die den Einsatz von Atomwaffen per Fatwa ablehnte [17:38]
  • Unmöglichkeit einer Bodeninvasion: Eine Invasion des Irans ist aufgrund der Geografie (Gebirge), der Bevölkerungsgröße (90 Millionen) und der fehlenden Unterstützung der Nachbarstaaten logistisch nicht umsetzbar [13:50]
  • Täuschung als Methode: Die gezielte Täuschung des Gegners durch vorgetäuschte Friedensangebote unmittelbar vor Angriffen markiert einen Rückfall in mittelalterliche Kriegsmethoden [11:09]
  • Zerstörungskampagne: Da ein schneller Sieg ausbleibt, wandelt sich der Krieg in eine reine Zerstörungskampagne gegen zivile Infrastruktur wie Schulen und Krankenhäuser [16:04]

Europäische Union & Innenpolitik

  • Selbstzerstörerische Loyalität: Europa übernimmt ein System der Gewalt, das ihm selbst schadet. Die Kosten für die Kriege in der Ukraine und im Iran (Flüchtlinge, Unsicherheit, wirtschaftlicher Niedergang) werden primär von der EU getragen [10:15]
  • Mangel an diplomatischer Kompetenz: Im EU-Parlament herrscht eine Atmosphäre der Ideologie statt des Wissens. Erfahrene Diplomaten werden ignoriert, während moralische Schlagworte reale politische Analysen ersetzen [28:22]
  • Interne Palastintrigen: Innerhalb der EU-Kommission gibt es massive Spannungen und Kompetenzüberschreitungen, insbesondere durch Ursula von der Leyen, die Entscheidungen ohne Mandat der 27 Mitgliedstaaten trifft [44:18]
  • Forderung nach Realpolitik: Die EU muss ihre Priorität auf die Wiederherstellung des Friedens auf dem eigenen Kontinent legen und dafür zwingend den Dialog mit Russland suchen [52:08]

47:32

In diesem Video spricht Glenn Diesen mit Seyed M. Marandi, Professor an der Universität Teheran, über die aktuelle Eskalation des Konflikts zwischen dem Iran, den USA und Israel.

Zeitmarken

Strategische Ziele und Verhandlungen

  • Kein Waffenstillstand: Marandi betont, dass der Iran derzeit keinen Waffenstillstand akzeptieren wird [02:25]. Der Krieg werde so lange andauern, bis die iranischen Forderungen erfüllt sind und eine neue Realität in der Region geschaffen wurde, in der die USA den Iran nicht mehr bedrohen können.
  • Forderungen: Der Iran fordert Entschädigungen für die Zerstörungen und das Blutvergießen [02:50]. Zudem wird nicht länger geduldet, dass Nachbarstaaten im Persischen Golf als Basis für US-Angriffe dienen.
  • Kontrolle der Handelswege: Der Iran beabsichtigt, die Straße von Hormus geschlossen zu halten und künftig Gebühren für die Durchfahrt zu erheben [12:52].

Militärische und infrastrukturelle Lage

  • Versagen der US-Verteidigung: Laut Marandi ist es den USA nicht gelungen, iranische Raketen- und Drohnenangriffe zu stoppen oder die unterirdischen Produktionsanlagen zu zerstören [06:41].
  • Angriffe auf Zivilinfrastruktur: Er berichtet von massiven Angriffen auf die iranische Infrastruktur, darunter Entsalzungsanlagen und Treibstofflager [05:45]. Letztere haben eine ökologische Katastrophe und gesundheitliche Probleme durch öligen Niederschlag in Teheran verursacht [07:31].
  • Eskalationspotenzial: Der Iran habe seine fortschrittlichste Technologie noch nicht eingesetzt [27:16]. Sollte die Infrastruktur des Iran weiter zerstört werden, droht Marandi mit der totalen Zerstörung der Öl- und Gasanlagen in der gesamten Golfregion [19:32].

Wirtschaftliche Auswirkungen

  • Ölmarkt: Durch den Ausfall von täglich etwa 20 Millionen Barrel Öl steuert die Welt auf eine schwere Wirtschaftskrise zu [10:57]. Marandi schätzt, dass die Reserven der G7-Staaten nur etwa zwei Monate reichen, um diesen Mangel auszugleichen [10:30].
  • Petrodollar: Die Krise schwäche den US-Dollar als globale Leitwährung, da weniger Ölgeschäfte in Dollar abgewickelt werden und Investitionen in die Region (z. B. Emirate oder Israel) massiv zurückgehen [22:43].

Internationale Beziehungen

  • Russland und China: Die Zusammenarbeit zwischen dem Iran, Russland und China hat sich durch den Konflikt gefestigt [41:15]. Beide Mächte hätten kein Interesse an einem US-Erfolg in Westasien. Insbesondere für China wäre eine US-Kontrolle über das iranische Öl eine existenzielle Bedrohung [43:05].
  • Regionalstaaten: Marandi kritisiert die arabischen Monarchien am Golf als "US-Vermögenswerte" und warnt, dass diese ihre Neutralität verloren haben und den Preis für die Unterstützung der USA zahlen werden [13:19].
  • Aserbaidschan und Türkei: Er äußert sich kritisch über die Unterstützung Israels durch die Türkei (Radarstationen) und Aserbaidschan [33:09]. Er warnt das aserbaidschanische Regime vor einem Sturz, sollte es weiterhin gegen den Iran agieren [34:34].

Innenpolitische Lage im Iran

  • Nationale Einheit: Entgegen westlicher Erwartungen habe der äußere Druck die iranische Bevölkerung geeint [45:22]. Selbst ehemalige Teilnehmer von Unruhen würden sich nun melden, um das Land zu verteidigen [44:23].

1:04:44

In dem Video analysiert der Politikwissenschaftler John Mearsheimer die aktuelle militärische Lage im Konflikt zwischen den USA/Israel und dem Iran. Er vertritt die zentrale These, dass die USA den Krieg strategisch bereits verloren haben, da es keinen realistischen Ausweg gibt.

Zeitmarken

Militärische Sackgasse und Eskalation

  • Scheitern der Luftkrieg-Theorie: Mearsheimer betont, dass Kriege historisch gesehen nicht allein durch Luftmacht oder strategische Bombardierungen gewonnen werden können [17:41]. Ohne Bodentruppen, die Präsident Trump ablehnt, ist ein entscheidender Sieg oder ein Regimewechsel im Iran unmöglich [19:42].
  • Keine Eskalationsdominanz: Die Annahme der USA, das Tempo und die Bedingungen des Krieges diktieren zu können, ist laut Mearsheimer ein Trugschluss [10:41]. Sobald die USA die Eskalationsleiter hinaufsteigen, wird der Iran dasselbe tun [04:00].
  • Verwundbarkeit der Golfstaaten: Der Iran verfügt über hochpräzise Drohnen und Raketen, mit denen er die kritische Infrastruktur der Golfstaaten – insbesondere Entsalzungsanlagen und Öl-Einrichtungen – leicht zerstören kann [08:31]. Dies würde die Existenz dieser Staaten de facto beenden [15:03].

Wirtschaftliche und Geopolitische Folgen

  • Weltwirtschaft: Ein langwieriger Krieg am Golf hätte katastrophale Auswirkungen auf die Energieversorgung (20 % der weltweiten Öl- und Gasvorkommen) und die globale Wirtschaft [13:40].
  • Vorteile für Russland und China: Der Konflikt bindet amerikanische Ressourcen (z. B. Patriot-Systeme), die in der Ukraine oder zur Eindämmung Chinas fehlen [46:12]. Russland profitiert zudem wirtschaftlich von steigenden Ölpreisen [47:11].
  • Rolle Europas: Mearsheimer kritisiert die europäische Haltung als unterwürfig. Die europäischen Eliten würden ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen opfern, um die USA an Europa zu binden, anstatt eine eigenständige, strategische Politik zu verfolgen [51:49].

Fehleinschätzungen der Führung

  • Ignorierte Warnungen: Die US-Regierung ignorierte laut Mearsheimer Warnungen von Experten und Geheimdiensten, die bereits vor dem Krieg auf die Unwahrscheinlichkeit eines schnellen Sieges hinwiesen [26:10].
  • Fehlende Realitätsnähe: Mearsheimer wirft Präsident Trump vor, strategische Entscheidungen auf der Grundlage falscher Annahmen zu treffen (z. B. über die Präzision iranischer Waffen) und sich von Premierminister Netanjahu in eine Falle locken gelassen zu haben [30:25, 34:12].

Das Fazit lautet: Da der Iran keinen Anreiz hat, sich den Bedingungen der USA zu unterwerfen, und die USA nicht bereit sind, die notwendigen Bodentruppen für einen Sieg einzusetzen, bleibt die Lage ohne plausiblen Ausweg [05:18].

1:01:40

Prof. Xueqin Jiang erörtert die weitreichenden Folgen des Krieges gegen den Iran: Das US-Imperium begeht Selbstmord, Israel entwickelt sich zunehmend zu einer Theokratie, Iran baut sich als regionale Macht wieder auf, die Instabilität breitet sich nach Ostasien aus, Europas Bedeutung bricht weiter zusammen, da es sich nicht an die neue Welt anpasst, Russland wird in großem Umfang eskalieren, und China wird es nicht schaffen, die Regeln der alten Weltordnung zu bewahren, die es so wohlhabend gemacht haben.

Zeitmarken

 

1. Strategisches Versagen und Kriegsgründe

  • Fehlende Strategie: Professor Jiang argumentiert, dass die US-Administration unter Trump kein klares Ziel für den Krieg formuliert hat. Die Verhinderung eines nuklearen Programms wird als Vorwand bezeichnet, da der Iran bereits einer vollständigen Einstellung der Anreicherung zugestimmt habe [01:24].
  • Israelische Interessen: Ein wesentlicher Treiber sei der Schutz Israels bzw. das Zuvorkommen eines israelischen Alleingangs [02:01].

2. Wirtschaftliche und regionale Auswirkungen

  • Energiekrise: Die Schließung der Straße von Hormus hat den Ölpreis massiv ansteigen lassen (auf bis zu 120 $). Dies trifft besonders asiatische Industriemächte wie Japan, dessen Ölvorräte in wenigen Monaten erschöpft sein könnten [03:13].
  • Zerstörung der Golfstaaten (GCC): Die Region wird als „Fata Morgana“ beschrieben, deren Wohlstand auf US-Schutz und funktionierenden Lieferketten basiert. Durch Angriffe auf Entsalzungsanlagen und den Stopp von Lebensmittelimporten droht den Golfstaaten der totale Zusammenbruch [12:44].
  • Ende des Petrodollars: Ein Rückzug der USA aus der Region oder ein Zusammenbruch der Investitionen aus den Golfstaaten würde das Petrodollar-System zerstören und die US-Wirtschaft aufgrund ihrer massiven Verschuldung in eine schwere Depression stürzen [15:31].

3. Kriegsführung: Abnutzung vs. Vernichtung

  • Iranische Strategie: Der Iran führt einen Abnutzungskrieg durch Druck auf die Weltwirtschaft, um einen schnellen Abbruch des Konflikts zu erzwingen [06:25].
  • US-Strategie: Den USA wird vorgeworfen, einen Vernichtungskrieg gegen die zivile Infrastruktur (Wasser, Ölversorgung für Zivilisten) zu führen, um die staatliche Handlungsfähigkeit des Irans dauerhaft zu zerstören [07:10].

4. Die „Pax Judaica“ und die neue Ordnung

  • Aufstieg Israels: Jiang prognostiziert, dass Israel als dominierende Macht („Pax Judaica“) hervorgehen könnte, während der GCC an Bedeutung verliert. Jerusalem könnte zum neuen technologischen und finanziellen Zentrum werden, gestützt durch die globale Diaspora und Kooperationen mit Indien [38:00].
  • Russland und China: Putin wird als strategischer Akteur beschrieben, der auf eine US-Bodeninvasion im Iran wartet, um im Schatten dieses „Sumpfes“ seine Ziele in der Ukraine (insbesondere Odessa) zu erreichen [57:29]. China versuche zwar, die alte Ordnung zu retten, werde aber langfristig gegenüber einem sich remilitarisierenden Japan an Boden verlieren [52:37].

5. Europa in der Krise

  • Hoffnungslose Lage: Europa wird als „Desaster“ beschrieben. Der Verlust billiger russischer Energie, die Abhängigkeit von instabilen Quellen in Nahost (Katar) und der mangelnde soziale Zusammenhalt durch die Flüchtlingskrise hätten den Kontinent wirtschaftlich und politisch extrem geschwächt [44:37].

Fazit: Das Gespräch zeichnet das Bild eines Imperiums (USA) im Niedergang, das durch irrationale Kriegshandlungen seinen eigenen Zusammenbruch und eine fundamentale Neuordnung der Welt provoziert [18:21].

55:18

In diesem Video analysiert Pentagon-Berater Theodore Postol, Professor am MIT und Experte für Raketentechnologie, die technologischen Aspekte des aktuellen Konflikts zwischen dem Iran und Israel. Er legt dar, dass die Wirksamkeit westlicher Raketenabwehrsysteme massiv überschätzt wird und der Iran über fortschrittliche Mittel verfügt, diese zu umgehen.

Zeitmarken

  • Versagen der Raketenabwehr: Postol bezeichnet Raketenabwehrsysteme wie Patriot, Arrow oder THAAD als technologisch unzureichend gegenüber modernen Gegenmaßnahmen [33:06]. Er argumentiert, dass die gemeldeten Abfangraten oft ein „Betrug“ seien; viele angebliche Treffer seien lediglich Selbstzerstörungen der Abfangraketen im leeren Raum [47:46].
  • Iranische Drohnentechnologie: Der Iran nutzt einfache, aber effektive Drohnen (ähnlich der Shahed-Serie), die über kommerzielle Satellitensysteme wie Iridium weltweit in Echtzeit gesteuert werden können [11:05]. Diese Drohnen erhalten hochauflösende Zieldaten von China und Russland und können die Luftabwehr durch schiere Masse erschöpfen [07:15], [21:12].
  • Fortschrittliche Raketenmanöver: Iranische ballistische Raketen nutzen Techniken wie den „Basiswiderstand-Ausgleich“ (Gasausstoß am Heck), um in niedrigen Höhen extrem hohe Geschwindigkeiten (über Mach 10) beizubehalten [24:55]. Zudem setzen sie Täuschkörper und manövrierfähige Wiedereintrittskörper ein, die es Abfangsystemen unmöglich machen, die Flugbahn rechtzeitig zu berechnen [26:56], [38:29].
  • Atomares Potenzial: Postol warnt, dass der Iran faktisch ein „Schwellenstaat“ ist, der innerhalb kürzester Zeit Atomwaffen bauen könnte. Er schätzt, dass der Iran genug Material für etwa zehn Bomben besitzt – mehr als genug, um Israel als Staat existentiell zu bedrohen [04:34].
  • Eskalationsgefahr: Er äußert große Besorgnis über die psychologische Verfassung der politischen Führung (insbesondere Netanjahus) und warnt vor einem möglichen Einsatz von Atomwaffen, der in einen regionalen oder gar globalen Atomkrieg münden könnte [03:44], [54:19].

37:02

Zeitmarken

In dem Video analysiert der Ökonom Peter Schiff die wirtschaftlichen und geopolitischen Folgen eines US-geführten Krieges gegen den Iran. Er prognostiziert gravierende Auswirkungen auf die Weltwirtschaft, den US-Dollar und die geopolitische Stabilität.

Wirtschaftliche Auswirkungen & Inflation

  • Schwächender Arbeitsmarkt: Schiff weist darauf hin, dass die US-Wirtschaft bereits vor dem Krieg schwächelte, mit Nettoverlusten bei Arbeitsplätzen in drei der letzten fünf Monate [01:35].
  • Ölpreis und Inflation: Der Ölpreis ist im Jahr 2026 bereits um über 60 % auf fast 90 $ pro Barrel gestiegen [02:05]. Dies führt zu massiv steigenden Lebenshaltungskosten für Verbraucher [02:14].
  • Staatsverschuldung: Kriege werden laut Schiff durch Schulden und das Drucken von Geld finanziert, was den Inflationsdruck weiter verstärkt [03:32]. Die Defizite werden infolge der kriegsbedingten Rezession "astronomisch" sein [25:37].
  • Energiebedarf: Der Krieg trifft die Weltwirtschaft in einer Phase, in der durch KI-Rechenzentren ein massiv erhöhter Strombedarf besteht [20:04].

Geopolitik & Militärische Strategie

  • Sicherheitsrisiko Straße von Hormos: Etwa 20–25 % des weltweiten Öls werden durch diese Wasserstraße transportiert, deren Verkehr durch den Konflikt unterbrochen ist [12:42].
  • Eskalationspotenzial: Es besteht die Gefahr, dass andere Länder (z. B. Russland oder China) in den Konflikt hineingezogen werden, was zu einem Weltbrand führen könnte [14:33].
  • Verlust moralischer Autorität: Durch den Erstschlag der USA werde der Iran international als Opfer wahrgenommen, was die US-Position schwäche [08:38].
  • Kollateralschäden: Schiff erwähnt den versehentlichen Beschuss einer Schule mit über 100 toten Mädchen als Beispiel für die unvermeidlichen Folgen solcher Angriffe [18:04].

Innenpolitik & US-Regierung

  • Wahlversprechen: Trump habe sein zentrales Versprechen, Kriege im Nahen Osten zu beenden und zu verhindern, gebrochen [11:21]. Schiff sieht darin den größten politischen Fehltritt seit George H.W. Bush [10:35].
  • Ablenkungsmanöver: Es wird spekuliert, ob der Krieg als Ablenkung von inländischen Problemen wie der verfassungswidrigen Zollpolitik oder den "Epstein-Akten" dient [05:16].
  • Verfassungsfrage: Schiff kritisiert, dass der Präsident den Krieg ohne Zustimmung des Kongresses begonnen hat, was er als verfassungswidrig einstuft [15:01].

Finanzmärkte & Edelmetalle

  • Enddollarisierung: Der Krieg beschleunigt den Trend zur Abkehr vom US-Dollar als Reservewährung [25:18].
  • Gold und Silber: Trotz einer verzögerten Reaktion erwartet Schiff einen massiven Preisanstieg. Er prognostiziert für Gold kurzfristig die Marke von 6.000 $ [34:35].
  • Gewinner des Krieges: Einziger Profiteur sei der militärisch-industrielle Komplex, da die Gewinne der Rüstungsunternehmen durch neue Pentagon-Aufträge explodieren [28:17]

58:09

In diesem Video spricht Glenn Diesen mit Kai-Achim Schönbach, dem ehemaligen Inspekteur der Deutschen Marine. Schönbach reflektiert über seinen erzwungenen Rücktritt im Januar 2022 und analysiert die aktuelle sicherheitspolitische Lage in Europa.

Zeitmarken

 

1. Die Hintergründe des Rücktritts

  • Schönbach wurde 2022 zum Rücktritt gedrängt, nachdem er bei einem Besuch in Indien geäußert hatte, dass die Krim für die Ukraine verloren sei und Wladimir Putin Respekt verdiene [03:54].
  • Er stellt klar, dass seine Aussage zur Krim eine rein militärische Einschätzung der Realität war und keine Billigung des russischen Vorgehens [04:18].
  • Mit „Respekt“ meinte er die Anerkennung der russischen Sicherheitsinteressen an dessen Westgrenze, nicht eine persönliche Bewunderung für Putin [06:01].

2. Kritik an der deutschen Politik

  • Schönbach sieht seinen Sturz als politisches Opfer, um die damals frisch gebildete Ampel-Koalition zu beruhigen. Insbesondere die Grünen (Annalena Baerbock) hätten auf seine Entlassung gedrängt [10:02].
  • Er kritisiert, dass Deutschland seine traditionelle Rolle als „Brückennation“ und diplomatische Macht verloren habe [17:54]. Die aktuelle Außenpolitik sei zu stark von Moralismus statt von strategischer Weitsicht geprägt [13:44].

3. Ursachen des Konflikts und strategische Fehler

  • Er stimmt mit Analysten wie John Mearsheimer überein, dass die Missachtung russischer Sicherheitsbedenken (insbesondere die NATO-Erweiterung in Richtung Ukraine und Georgien seit 2008) ein fataler Fehler des Westens war [18:39].
  • Der Westen habe den Gegner unterschätzt und sei nach dem Ende des Kalten Krieges einer Hybris verfallen, die Diplomatie durch Ultimaten ersetzt habe [43:41].

4. Einschätzung der russischen Ziele

  • Schönbach glaubt nicht, dass Putin die Sowjetunion wiederherstellen will [38:37].
  • Das Hauptziel Russlands sei es, einen Puffer zwischen sich und der NATO zu schaffen. Eine neutrale Ukraine wäre für Moskau akzeptabel gewesen, ein NATO-Aufmarschgebiet an der Grenze hingegen niemals [39:45].

5. Wege zum Frieden

  • Er sieht keine Alternative zu Verhandlungen, warnt aber davor, dass die Ukraine wahrscheinlich Gebietsabtretungen akzeptieren muss [46:16].
  • Einen NATO-Beitritt der Ukraine hält er für völlig ausgeschlossen und für das Haupthindernis eines Waffenstillstands [47:33].
  • Langfristig müsse Russland wieder in die europäische Handels- und Sicherheitsarchitektur integriert werden, was auch eine schrittweise Aufhebung der Sanktionen beinhalten müsse [50:36].

6. Die Zukunft der europäischen Sicherheit

  • Schönbach fordert, dass Deutschland und Frankreich wieder die Führung in der Diplomatie übernehmen und Kommunikationskanäle nach Moskau öffnen [54:52].
  • Er betont die Notwendigkeit, die eigene Verteidigungsfähigkeit zu stärken (z. B. durch die Wiedereinführung der Wehrpflicht), anstatt sich blind auf die USA zu verlassen [45:28].

48:15

Prof. Jeffrey Sachs argumentiert, dass die Welt sich möglicherweise bereits in den frühen Phasen des Dritten Weltkriegs befindet, da der sich rasch zuspitzende Konflikt mit Iran beginnt, weitere Länder und regionale Akteure hineinzuziehen. Die ersten Angriffe und Vergeltungsschläge bergen das Risiko, eine breitere Kettenreaktion im gesamten Nahen Osten und darüber hinaus auszulösen, insbesondere da verbündete Milizen, Regionalmächte und Weltmächte zunehmend involviert werden. Die traditionellen Mechanismen zur Kontrolle von Eskalationen – diplomatische Zurückhaltung, klare rote Linien und internationale Vermittlung – scheinen zu zerfallen, was die Gefahr erhöht, dass eine ursprünglich regionale Konfrontation sich zu einem weit umfassenderen globalen Konflikt entwickeln könnte.

Zeitmarken

 

1. Der Weg in einen globalen Krieg

  • Sachs vertritt die Ansicht, dass wir uns bereits in den Anfangstagen des Dritten Weltkriegs befinden könnten [03:26]. Er sieht weltweit lose miteinander verbundene Konflikte (Ukraine, Nahost, Iran, Spannungen mit China), die außer Kontrolle geraten [04:07].
  • Die Strategie der USA unter Trump beschreibt er als planlos und von einem „Nebel des Krieges“ sowie von „wirren Äußerungen“ geprägt [01:01].

2. Kritik an der US-Hegemonie und dem „Deep State“

  • Sachs argumentiert, dass die US-Außenpolitik seit Jahrzehnten von der CIA und dem militärisch-industriellen Komplex gesteuert wird [23:10].
  • Er zieht Parallelen zwischen dem Ende der römischen Republik und dem Zustand der USA: Die Institutionen seien nur noch eine Fassade, während das Land faktisch ein Militärstaat sei [28:44].
  • Er behauptet zudem, es gebe überwältigende Beweise dafür, dass die CIA hinter der Ermordung von John F. Kennedy im Jahr 1963 steckte, weil dieser sich dem Sicherheitsapparat entgegenstellte [26:43].

3. Zerstörung des Völkerrechts und der UN

  • Trump und der „tiefe Staat“ streben laut Sachs nach globaler Vorherrschaft und betrachten die Vereinten Nationen als Hindernis [08:15].
  • Die USA würden das Völkerrecht (insbesondere das Gewaltverbot in Artikel 2 Absatz 4 der UN-Charta) systematisch ignorieren oder demontieren [11:34].

4. Die Rolle Europas und Deutschlands

  • Sachs kritisiert die europäische Führung scharf als „unterwürfig“ gegenüber den USA [15:36].
  • Besonders die deutsche Führung wird negativ bewertet: Er bezeichnet Olaf Scholz als den schwächsten Kanzler der Geschichte [16:40] und wirft Friedrich Merz Unkenntnis der Geschichte sowie Kriegstreiberei vor [17:11]. Sachs meint, Merz hätte sofort den Dialog mit Putin suchen müssen, um eine Katastrophe abzuwenden [17:42].

5. Wirtschaftliche Folgen

  • Er warnt vor einer massiven weltweiten Energiekrise, da die USA und Israel versuchen würden, die Energiemärkte (insbesondere iranisches und russisches Öl) zu kontrollieren [04:40]. Dies werde vor allem Europa und Asien schwer treffen [05:07].

6. Multipolarität vs. Dominanz

  • Sachs plädiert für eine multipolare Welt, in der Nationen nach den Vorstellungen von Franklin D. Roosevelt zusammenarbeiten [33:12].
  • Dem stellt er die „Hobbes’sche“ Denkweise der aktuellen US-Führung gegenüber, die glaubt, die Welt brauche einen „Leviatan“ (einen Herrscher), um Ordnung zu halten – und diese Rolle beanspruchen die USA für sich selbst [45:17].

48:21

Dr. Gilbert Doctorow erörtert, warum der Angriff auf den Iran Russlands Haltung verhärten wird. Putins Ansatz eines langsamen Abnutzungskrieges und diplomatischer Annäherung an Trump stößt auf zunehmenden Widerstand, da die Argumente für aggressivere Alternativen zunehmen, um den Krieg schnell zu beenden. Der versuchte Enthauptungsschlag gegen den Iran hat in Moskau Schockwellen ausgelöst, da es keine Regeln mehr gibt und die Überzeugung wächst, dass die Schwächung der russischen Abschreckung zu einer existenziellen Bedrohung geworden ist.  

Zeitmarken

1. Psychologischer Schock in der russischen Elite

  • Die russische Führung und Kommentatorenschaft reagierten schockiert auf die Intensität und Geschwindigkeit der US-Angriffe gegen den Iran [01:39].
  • Der Angriff wird als „Katastrophenszenario“ für Russland selbst wahrgenommen, da er die Verwundbarkeit gegenüber einem möglichen US-„Enthauptungsschlag“ gegen den Kreml oder die Führung in Waldai verdeutlicht hat [04:16], [05:11].

2. Kritik an Putins Zurückhaltung

  • Innerhalb Russlands wächst der Druck auf Präsident Putin. Kritiker werfen ihm vor, dass seine Politik der „roten Linien“ und der Zurückhaltung die westliche Aggression eher ermutigt als abgeschreckt habe [06:01], [14:36].
  • Es gibt eine zunehmende Debatte darüber, ob Russland seine Abschreckung durch massivere militärische Schläge (z. B. auf Entscheidungszentren in Kiew oder das Abschießen von US-Spionageflugzeugen) wiederherstellen muss [05:44], [07:16].

3. Scheitern der Diplomatie und Abschreckung

  • Doctorow argumentiert, dass die Diplomatie mit den USA aus russischer Sicht „vergiftet“ sei, da Washington als unzuverlässig und „doppelzüngig“ wahrgenommen werde [24:33], [24:41].
  • Die Grenze zwischen einem Stellvertreterkrieg und einem direkten Krieg in der Ukraine sei längst überschritten, da US-Personal und -Technik aktiv an Angriffen auf russisches Territorium beteiligt seien [13:21].

4. Rolle Chinas und des Irans

  • Die militärische Unterstützung Chinas für den Iran wird als enttäuschend bewertet, da die USA innerhalb kürzester Zeit die Lufthoheit über den Iran erlangten [26:06].
  • Russland sieht sich dem Iran gegenüber nicht zur Hilfe verpflichtet, da Teheran ein formelles Verteidigungsbündnis im Vorfeld abgelehnt hatte [39:30], [41:57].

5. Wirtschaftliche Gegenwehr des Iran

  • Trotz militärischer Unterlegenheit setzt der Iran auf wirtschaftliche Kriegsführung, insbesondere durch die mögliche Schließung der Straße von Hormus [31:37].
  • Steigende Energiepreise könnten Donald Trump politisch massiv schaden, da die US-Wähler sehr empfindlich auf Benzinpreise reagieren [32:27], [33:07].

Fazit

Die Analysten kommen zu dem Schluss, dass sich alle beteiligten Mächte (USA, Russland, Iran) in einer gefährlichen „Alles-oder-Nichts“-Situation befinden [47:39]. Der Druck auf Putin, von einem Abnutzungskrieg zu einer großflächigen Eskalation überzugehen, um die nationale Sicherheit zu gewährleisten, nimmt deutlich zu [44:23].

54:08

Larry Johnson ist ein ehemaliger Geheimdienstanalyst der CIA, der auch im Büro für Terrorismusbekämpfung des US-Außenministeriums tätig war. Johnson erörtert, wie die USA nicht auf einen langen Krieg vorbereitet waren und wie ihnen nun entscheidende Waffen ausgehen. Die Lösung scheint darin zu bestehen, andere Staaten einzubeziehen und Stellvertreter als Bodentruppen einzusetzen. Alles deutet darauf hin, dass dieser Krieg sehr schlecht geplant war. 

Zeitmarken

 

1. Militärische Lage und Waffenknappheit

  • Bestände der Luftverteidigung: Johnson prognostiziert, dass die US-Vorräte an Patriot- (PAC-3) und THAAD-Raketen bis Ende nächster Woche erschöpft sein könnten [08:01]. Er rechnet vor, dass die Gesamtproduktion der letzten Jahre (ca. 4.000 Stück) durch den Verbrauch in der Ukraine und die aktuelle Eskalation schnell aufgezehrt wird [06:20].
  • Wirksamkeit der Systeme: Laut Johnson erweisen sich westliche Systeme wie der Iron Dome als weitgehend wirkungslos gegen ballistische Raketen, die mit Mach 6 oder schneller fliegen [26:59].
  • Strategische Blindheit: Der Iran habe gezielt US-Radarsysteme (u. a. in Katar und Bahrain) ausgeschaltet, wodurch die USA und Israel bei anfliegenden Raketen "praktisch blind" seien [25:47].

2. Geopolitische Eskalation und "False Flags"

  • NATO-Einbindung: Johnson behauptet, Israel versuche durch Operationen unter falscher Flagge (False Flags) – etwa Angriffe in der Türkei, Aserbaidschan oder auf saudische Ölfelder – ein NATO-Mitglied so zu treffen, dass der Artikel 5 ausgelöst wird [03:11].
  • Regime-Stabilität: Entgegen westlicher Erwartungen habe der Angriff auf die iranische Führung (einschließlich Ayatollah Khamenei) das Land geeint statt gespalten [18:30]. Johnson zieht Parallelen zur Mobilisierung in den USA nach 9/11 [18:37].

3. Wirtschaftliche und Logistische Folgen

  • Straße von Hormus: Die iranische Kontrolle über diese Meerenge könne die Weltwirtschaft "ersticken" [28:50]. In Katar sei die Produktion von Flüssigerdgas (LNG) und Aluminium bereits zum Erliegen gekommen [30:06].
  • Bodentruppen: Berichte über den Einsatz kurdischer Stellvertreter als Bodentruppen hält Johnson für strategisch katastrophal, da das Gelände im Westiran extrem schwierig sei und die logistische Versorgung (Munition) kaum aufrechterhalten werden könne [11:20].

4. Politische Auswirkungen in den USA

  • Trumps Präsidentschaft: Johnson vermutet, dass dieser Krieg Trumps politische Karriere beenden könnte. Er prognostiziert einen Verlust der Mehrheiten im Kongress bei den Wahlen im November, da Trump sein Versprechen, keine neuen Auslandskriege zu führen, gebrochen habe [49:28].
  • Ansehensverlust: Er vergleicht den aktuellen Moment mit dem "Zauberer von Oz": Der Vorhang werde weggezogen und entlarve die USA als weitaus weniger mächtig, als bisher angenommen [52:21].

5. Regionale Dynamiken

  • Golfstaaten: Länder wie Saudi-Arabien und die VAE realisierten laut Johnson, dass der US-Schutzschirm nicht mehr zuverlässig funktioniere [36:14]. Zudem gebe es in Ländern wie Bahrain (mit schiitischer Mehrheit) eine pro-iranische Stimmung in der Bevölkerung [40:38].