Glenn Diesen Deutsch (Medienpräsenz)

48:06

Botschafter M. K. Bhadrakumar war drei Jahrzehnte lang Karrierediplomat für Indien. Botschafter Bhadrakumar erörtert den BRICS-Gipfel in Indien und die Entwicklung der Beziehungen zwischen Indien und Russland.

2:14:06

Übersicht/Analyse

1. Einleitung & Vorstellung der Podiumsgäste

Sprecher: Elizabeth (Moderatorin), Dmitry Polyanskiy, Prof. Glenn Diesen, Ethan Levins  |  Anklickbarer Zeitstempel: 

  • Kontext der Diskussionsrunde: Elizabeth begrüßt die Zuschauer und stellt die Gäste vor. Ziel der Runde ist die Analyse aktueller diplomatischer Kontakte, der Lage an der Front in der Ukraine sowie der Hintergründe von Geheimdienstreisen (CIA-Direktor, Witkoff, Jared Kushner).
  • Dmitry Polyanskiy: Russischer Vertreter bei der OSZE in Wien, zuvor 8 Jahre Vize-Botschafter bei den Vereinten Nationen (UN) in New York. Er betont die Aufgabe, der westlichen Medien-Narrativbildung direkte russische diplomatische Positionen entgegenzusetzen.
  • Prof. Glenn Diesen: Professor für politische Ökonomie in Norwegen. Er erforscht das Scheitern der europäisch-russischen Sicherheitsarchitektur nach dem Kalten Krieg und den Aufbau eurasischer Wirtschaftsnetzwerke (BRICS, Russland, China, Indien, Iran).
  • Ethan Levins: Geopolitischer Analyst und unabhängiger Journalist mit über 1,5 Millionen Followern auf Social Media (X, Instagram, Telegram).

2. Geheimdiplomatie & Reisen von CIA-Direktor, Witkoff und Kushner

Sprecher: Elizabeth, Dmitry Polyanskiy, Prof. Glenn Diesen |  Anklickbarer Zeitstempel: 

  • Bewertung der CIA-Reise nach Moskau: Westliche Medienberichte (wie in der New York Times), wonach der CIA-Direktor Putin über dessen eigene Frontlinien „aufklären“ wollte, werden als Propagandabehauptung eingeordnet.
  • Stille Diplomatie: Polyanskiy erklärt, dass Kommunikationskanäle zwischen Geheimdiensten auch in Hochphasen von Krisen aufrechtgehalten werden, was für die Stabilität zwischen Supermächten essenziell sei.
  • Rolle der CIA seit 2014: Diesen verweist auf Recherchen der New York Times, wonach die CIA unmittelbar nach dem Sturz Janukowitschs im Februar 2014 engste Verbindungen zu den ukrainischen Geheimdiensten aufbaute und Stützpunkte an der russischen Grenze errichtete.

3. Russische Bedingungen für ein Friedensabkommen & Vertrauensverlust

Sprecher: Dmitry Polyanskiy, Elizabeth  |  Anklickbarer Zeitstempel: 

  • Zentrale Forderungen Russlands: Rückkehr zu einem normalen, nicht-feindseligen Nachbarstaat; vollumfänglicher Schutz der Rechte, der Sprache und des Glaubens der russischsprachigen Bevölkerung; Verbot der Diskriminierung und der staatlichen Verherrlichung von NS-Kollaborateuren; Neutralität der Ukraine (keine NATO-Zugehörigkeit).
  • Die Verhandlungen von Istanbul (2022): Im Frühjahr 2022 lag ein von der ukrainischen Delegation paraffierter Vertragsentwurf vor. Boris Johnson intervenierte im Auftrag westlicher Mächte, woraufhin die Ukraine den Kurs auf einen Abnutzungskrieg umstellte.
  • Die Verträge von Minsk: Die Minsker Abkommen hätten die Reintegration des Donbass in die Ukraine unter Schutz von Sonderrechten vorgesehen, wurden von Kiew und dem Westen jedoch nie in gutem Glauben umgesetzt.

4. Aktuelle Lage an den Frontlinien & Vergleich zwischen Kiew und Gaza

Sprecher: Elizabeth, Dmitry Polyanskiy  |  Anklickbarer Zeitstempel: 

  • Militärische Dynamik im Donbass: Russland stehe kurz vor der Übernahme der letzten stark befestigten Verteidigungslinien, die seit 2014 errichtet wurden.
  • Vergleich der Kriegführung (Kiew vs. Gaza): Polyanskiy weist Vorwürfe wahlloser Bombardierungen zurück und vergleicht das funktionsfähige Kiew (geöffnete Geschäfte, Nahverkehr, Nachtclubs) mit den vollständigen Trümmern in Gaza, wo Israel mit westlicher Unterstützung Zivilisten massiv bombardiert.

5. US-Russland-Beziehungen unter Trump vs. Biden & das Verhandlungskalkül

Sprecher: Ethan Levins, Prof. Glenn Diesen, Dmitry Polyanskiy |  Anklickbarer Zeitstempel: 

  • Geopolitische Anreize für USA und Russland: Beide Großmächte haben theoretische Anreize zur Normalisierung. Die USA wollen eine zu starke Abhängigkeit Russlands von China verhindern; Russland sucht Diversifizierung seiner Partner.
  • Gefährliche Illusionen des Westens: Strategen wie Keith Kellogg oder Mitt Romney vertraten die These, man könne die Ukraine nutzen, um Russland militärisch zu brechen, um sich danach auf China zu konzentrieren – was Diesen als gescheiterte Illusion bezeichnet.
  • Pragmatismus der Trump-Regierung: Im Gegensatz zur Biden-Regierung zeigt das Trump-Umfeld Verhandlungsbereitschaft bezüglich der Ursachen des Konflikts (NATO-Erweiterung, Minderheitenrechte), verhängt jedoch zeitgleich Drohungen und Sanktionen.

6. US-Hegemonialpolitik vs. Multipolarität & Aktionen im Nahen Osten und Lateinamerika

Sprecher: Ethan Levins, Prof. Glenn Diesen, Elizabeth  |  Anklickbarer Zeitstempel: 

  • Kritik an der US-Machtprojektion: Ethan Levins verurteilt den US-Interventionismus (Syrien, Irak, Libyen, Serbien, Venezuela). Die USA versuchten mit allen Mitteln das Entstehen einer multipolaren Weltordnung zu verhindern.
  • Israel als Instrument US-amerikanischer Politik: Levins lehnt die These ab, dass Israel die USA kontrolliere; vielmehr nutzen die USA Israel als Stellvertreter, um Macht im Nahen Osten auszuüben und den Iran zu schwächen.
  • Hegemonialer Frieden vs. Multilaterale Ordnung: Diesen erklärt den Wandel von der Wolfowitz-Doktrin (USA als einziger Hegemon) hin zu einer Welt, in der neue Machtzentren den Sicherheitswettbewerb austragen müssen.

7. Kulturelle und historische Verbundenheit zwischen Russland und der Ukraine

Sprecher: Dmitry Polyanskiy, Elizabeth  |  Anklickbarer Zeitstempel: 

  • Gemeinsame Wurzeln: Historisch bilden Russen, Ukrainer und Belarussen Teile eines einzigen Volkes (Groß-, Klein- und Weißrussland).
  • Russisch als Muttersprache: Trotz Verboten spricht ein Großteil der ukrainischen Bevölkerung weiterhin Russisch im Alltag.
  • Projekt „Anti-Russland“: Polyanskiy stellt klar, dass Russland die ukrainische Identität nicht auslöschen will, sondern das seit 2014 installierte feindselige Projekt „Anti-Russland“ an seinen Grenzen beenden muss.

8. Der Vorfall von Butscha als Wendepunkt der westlichen Medienkampagne

Sprecher: Dmitry Polyanskiy, Elizabeth  |  Anklickbarer Zeitstempel: 

  • Hintergründe des Rückzugs: Der russische Truppenabzug aus dem Raum Kiew im Frühjahr 2022 erfolgte als Geste des guten Willens nach diplomatischen Gesprächen (u. a. Telefonat Macrons mit Putin).
  • Widersprüche der Narration: Der Bürgermeister von Butscha feierte unmittelbar nach dem Abzug in einem Video die Befreiung, ohne Leichen zu erwähnen. Erst zwei Tage später tauchten Medienberichte über angebliche Massaker auf.
  • Blockade einer UN-Untersuchung: Großbritannien blockierte eine Dringlichkeitssitzung im UN-Sicherheitsrat. Zudem verweigert Kiew bis heute die Vorlage einer namentlichen Opferliste. Der französische Journalist Bouquet bestätigte die Inszenierung durch britische und ukrainische Stellen.

9. Verhältnis zwischen Russland und Israel & Online-Verschwörungstheorien

Sprecher: Elizabeth, Prof. Glenn Diesen, Dmitry Polyanskiy, Ethan Levins |  Anklickbarer Zeitstempel: 

  • Historische & Demografische Verbindungen: Über eine Million russischsprachige Bürger leben in Israel.
  • Geopolitische Interessengegensätze: Russland arbeitet in Syrien und im Iran eng mit regionalen Kräften zusammen, was im direkten Konflikt zu israelischen Militäraktionen steht.
  • Widerlegung von Verschwörungsmythen: Levins und Polyanskiy weisen Internet-Theorien zurück, wonach Putin geheim von Israel gesteuert werde; Russland verurteile Israels Vorgehen in Gaza und im Libanon regelmäßig aufs Schärfste.

10. Die Epstein-Akten, Ehud Barak & demografische Überlegungen

Sprecher: Elizabeth, Dmitry Polyanskiy, Ethan Levins  |  Anklickbarer Zeitstempel: 

  • Das durchgesickerte Gespräch: Elizabeth zitiert Tonaufnahmen des ehemaligen israelischen Premierministers Ehud Barak mit Jeffrey Epstein. Barak sprach darin über Pläne, gezielt eine Million Russen nach Israel zu holen, um die demografische Zusammensetzung zu verändern.
  • Reaktion der Diskussionsteilnehmer: Polyanskiy nennt diese Äußerungen skurril und betont, dass Russland Religionsfreiheit garantiert und seine eigenen Staatsinteressen verfolgt.

11. Drohnenkrieg, militärische Eskalation & der bevorstehende Winter in der Ukraine

Sprecher: Ethan Levins, Prof. Glenn Diesen  |  Anklickbarer Zeitstempel: 

  • Aufklärung durch Geran-Drohnen: Russische Drohnen überfliegen Kiew zur Aufklärung von Logistik- und Energieinfrastruktur.
  • Verschärfung der Abnutzung: Nach 40 Tagen ukrainischer Angriffe auf russisches Territorium schlägt Russland nun unaufhaltsam gegen ukrainische Häfen, Treibstofflager und Energieanlagen zurück.
  • Ausblick: Ohne Bereitschaft zur Neutralität droht der Ukraine die militärische Einnahme strategischer Schlüsselregionen und das Entstehen eines dysfunktionalen Rumpfstaates.

12. Die künftige Weltordnung: Wer führt eine multipolare Welt? & Schlusswort

Sprecher: Elizabeth, Prof. Glenn Diesen, Dmitry Polyanskiy  |  Anklickbarer Zeitstempel: 

  • Dezentrale Führung statt Einzelhegemon: Diesen betont, dass in einer multipolaren Welt keine einzelne Macht dominieren kann. Staaten müssen wieder lernen, Verantwortung für ihre eigene Sicherheit zu übernehmen.
  • Rolle der Vereinten Nationen (UN): Polyanskiy plädiert für die Stärkung multilateraler Institutionen wie der UN und des UN-Sicherheitsrats (unter Einbeziehung Afrikas), um Kommunikationskanäle offenzuhalten und Konflikte friedlich beizulegen.
  • Persönliche Motive Selenskis (ab 2:10:37): Polyanskiy erklärt, dass Selenski den Krieg künstlich verlängert, da er im Falle eines Friedensschlusses für Veruntreuung, politische Unterdrückung und das Schicksal Kiews zur Rechenschaft gezogen würde.

1:09:10

Kommodore Steve Jermy von der Royal Navy kommandierte Kriegsschiffe im 5. Zerstörergeschwader und im Fleet Air Arm Großbritanniens. Er diente im Falklandkrieg sowie in der Adria während der Bosnien- und Kosovo-Kampagnen. Anschließend trat er 2007 nach einer operativen Verwendung als Strategiedirektor an der Britischen Botschaft in Afghanistan in den Ruhestand. Er ist Autor des Buches: „Strategy for Action: Using Force Wisely in the 21st Century“.

58:51

Trita Parsi ist Mitbegründer und Executive Vice President des Quincy Institute for Responsible Statecraft.

Inhalt

1. Die neue strategische Bedeutung des Jemen

Parsi hält die jüngsten Geländegewinne von Ansar Allah (Huthi) an der Küste des Roten Meeres und insbesondere in der Nähe der Meerenge Bab al-Mandab für strategisch außerordentlich bedeutsam. Während westliche Medien die teilweise Wiederöffnung der Straße von Hormus als strategischen Erfolg der USA interpretiert hätten, sei dies lediglich ein taktischer Erfolg gewesen. Iran verfüge weiterhin über Möglichkeiten zur Gegeneskalation – und Bab al-Mandab sei nun eine davon.

2. Hormus und Bab al-Mandab: Gefahr für den weltweiten Ölhandel

Durch die Kombination beider Meerengen verändert sich nach Parsis Einschätzung die Lage grundlegend. Vor dem Krieg liefen etwa 21 % des weltweiten Öltransports durch Hormus und weitere rund 12 % durch das Rote Meer. Damit könnte bis zu einem Drittel des globalen Öltransports beeinträchtigt werden. Besonders Saudi-Arabiens Möglichkeit, Hormus durch Pipelines zum Roten Meer zu umgehen, gerät dadurch unter Druck.

Eine Sperrung beider Verkehrswege würde außerdem enorme Umwege erzwingen und die Transportkosten und damit die Ölpreise stark erhöhen. China spielt hierbei eine Schlüsselrolle: Durch das Hoch- oder Herunterfahren seiner Ölkäufe könne es erheblichen Einfluss auf die Weltmarktpreise nehmen.

3. Saudi-Arabien gerät in ein strategisches Dilemma

Saudi-Arabien hatte sich bislang relativ erfolgreich aus dem direkten amerikanisch-iranischen Krieg herausgehalten. Mit dem erneuten Konflikt mit den Huthi ändert sich das. Nach Darstellung im Interview hat Riad die USA um stärkere militärische Unterstützung gebeten; Washington liefert zwar Waffen und Berater, will aber offenbar nicht selbst unmittelbar in den Jemenkrieg eingreifen.

Für Saudi-Arabien entsteht ein kaum lösbares Dilemma: Setzt es den Krieg gegen die Huthi fort, können diese die saudische Energieinfrastruktur massiv angreifen. Schließt Riad dagegen Frieden und hebt die Blockade auf, könnten die Huthi politisch und militärisch erheblich stärker werden.

4. Die Blockade des Jemen als Kernproblem

Aus saudischer Sicht soll die Blockade verhindern, dass die Huthi den gesamten Jemen kontrollieren und zusätzliche iranische Militärtechnologie erhalten. Ansar Allah dürfte nach Parsis Einschätzung bei künftigen Friedensverhandlungen jedoch gerade auf der Aufhebung dieser Blockade bestehen. Damit ähneln sich die Konflikte: Auch Iran werde einer umfassenden Vereinbarung kaum zustimmen, solange die gegen ihn gerichtete Blockade beziehungsweise wirtschaftliche Abschnürung bestehen bleibt.

5. Ohne regionalen Waffenstillstand kein dauerhafter Frieden

Eine der zentralen Thesen Parsis lautet, dass eine isolierte Vereinbarung zwischen Washington und Teheran nicht ausreichen kann. Ein Abkommen müsse die verschiedenen Konfliktherde – Iran, Jemen, Libanon und Israel – in einen regionalen Waffenstillstand einbinden.

Genau dies sei bereits Bestandteil früherer Verhandlungen gewesen. Das Scheitern dieser Bemühungen zeige nun seine Folgen: Die Konflikte greifen ineinander und können sich gegenseitig immer wieder neu entzünden.

6. Iran besitzt nach Parsis Einschätzung die „Eskalationsdominanz“

Parsi widerspricht entschieden der Vorstellung, die USA hätten die strategische Kontrolle über den Krieg gewonnen. Washington habe ursprünglich offenbar mit einem sehr kurzen Krieg und einem raschen Zusammenbruch der iranischen Führung gerechnet. Iran habe jedoch schon früh die geografische Ausweitung und zunehmend auch das Tempo der Eskalation bestimmt.

Daraus entwickelt sich eine neue iranische Strategie: Teheran könnte sich nicht länger darauf beschränken, auf amerikanische oder israelische Angriffe zu reagieren, sondern selbst bestimmen, wann die nächste Eskalationsstufe beginnt.

7. Iran hält militärische Fähigkeiten bewusst zurück

Im Interview wird die Auffassung vertreten, Iran sei inzwischen grundsätzlich in der Lage, amerikanische Kriegsschiffe im Persischen Golf schwer zu treffen oder möglicherweise zu versenken, habe sich aber bislang bewusst dagegen entschieden. Solche Fähigkeiten würden als weitere Stufen auf der „Eskalationsleiter“ zurückgehalten.

Gerade darin sieht Parsi ein Problem amerikanischer Fehleinschätzungen: Dass Iran bestimmte Mittel bislang nicht eingesetzt habe, bedeute nicht notwendigerweise, dass es sie nicht einsetzen könne. Die USA könnten iranische Zurückhaltung mit iranischer Schwäche verwechseln.

8. Die Gefahr einer unkontrollierbaren Eskalation

Trotz der momentan günstigeren strategischen Lage herrsche auf iranischer Seite keineswegs nur Zuversicht. Parsi berichtet aus seinen Gesprächen mit iranischen Quellen von wachsender Sorge, dass aus einer bislang einigermaßen kontrollierten Eskalation ein unkontrollierbarer regionaler Krieg werden könnte.

Gleichzeitig werde in Teheran weiterhin nach einem diplomatischen Ausweg gesucht. Das Problem sei jedoch das schwindende Vertrauen in Trumps Fähigkeit und Bereitschaft, überhaupt eine Vereinbarung auszuhandeln und anschließend einzuhalten.

9. Eine mögliche „dritte Runde“ des Krieges

Parsi hält eine weitere, wesentlich größere Kriegsrunde für wahrscheinlich. Iran könnte sogar versuchen, deren Zeitpunkt selbst zu bestimmen – etwa indem es vor einem erwarteten amerikanisch-israelischen Angriff zuerst zuschlägt. Dabei gehe es weniger um einen klassischen „Präventivkrieg“ als darum, den USA das bisher beanspruchte Recht zu nehmen, allein über Zeitpunkt und Intensität der Eskalation zu entscheiden.

Besonders gefährlich wäre eine solche dritte Runde, weil dann vermutlich Israel unmittelbar beteiligt wäre und Angriffe auf iranische Energieversorgung, Entsalzungsanlagen und andere kritische Infrastruktur drohten.

10. Die Golfstaaten wollen aus dem Krieg heraus

Mehrere Golfstaaten versuchen nach Darstellung Parsis, ihre Beteiligung zu begrenzen. Saudi-Arabien und Katar hätten sich bereits weitgehend herausgehalten, Oman von Anfang an. Schwieriger sei dies für Bahrain und Kuwait, die viel stärker von den USA abhängig seien.

Gleichzeitig seien gerade die Staaten der Region besonders aktiv bei diplomatischen Vermittlungsversuchen. Ihr Problem: Sie besitzen weder gegenüber Washington noch gegenüber Teheran genügend Einfluss, um eine Vereinbarung erzwingen zu können.

11. China könnte zum entscheidenden Vermittler werden

Hier sieht Parsi China in einer einzigartigen Position. Peking besitzt sowohl gegenüber Iran als auch gegenüber den USA wirtschaftlichen und politischen Einfluss. Zudem hat China ein elementares Interesse daran, eine massive Störung der Energiemärkte zu verhindern.

Als Vorbild nennt Parsi die von China unterstützte iranisch-saudische Annäherung: Chinas Bedeutung für beide Staaten habe dazu beigetragen, dass beide Seiten ein Interesse daran hatten, die Vereinbarung einzuhalten. Eine chinesische Beteiligung könnte daher nicht nur helfen, ein neues Abkommen zustande zu bringen, sondern auch dessen Bestand sichern.

12. Israel und die Logik der „letzten Gelegenheit“

Besonders gefährlich erscheint Parsi die israelische Perspektive. Israel könnte die gegenwärtige Situation als historische Gelegenheit betrachten, Iran mit voller amerikanischer Unterstützung entscheidend zu schwächen. Trump könnte aus israelischer Sicht möglicherweise der letzte amerikanische Präsident sein, der bereit ist, die militärische Macht der USA für ein solches Ziel umfassend einzusetzen.

Parsi verbindet dies mit einem langfristigen Wandel in den USA: Die öffentliche Unterstützung Israels habe stark abgenommen und dieser Wandel beginne sich bereits in der amerikanischen Politik niederzuschlagen. Gerade deshalb könnte in Israel die Haltung entstehen, möglichst viel durchzusetzen, bevor sich die amerikanische Israelpolitik dauerhaft verändert.

13. Eine amerikanische Bodeninvasion im Jemen gilt als unwahrscheinlich

Zum Schluss wird gefragt, ob Washington angesichts der Probleme am Roten Meer Bodentruppen gegen die Huthi einsetzen könnte. Parsi hat dafür keine Hinweise und hält dies für sehr unwahrscheinlich. Frühere amerikanische und saudische Erfahrungen hätten gezeigt, wie schwierig der Jemen militärisch zu kontrollieren sei. Ein Bodenkrieg wäre mit hohen Risiken verbunden, würde aber das amerikanische Hauptproblem – den Konflikt mit Iran – kaum lösen.

Kernthese des gesamten Interviews: Der Krieg entwickelt sich nach Parsis Analyse nicht zugunsten einer Seite zu einem klaren Sieg, sondern von einem begrenzteren amerikanisch-iranischen Konflikt zu einem miteinander verzahnten Regionalkrieg. Die Huthi und Bab al-Mandab, Saudi-Arabien, Israel, die Golfstaaten und die weltweiten Energiemärkte werden zunehmend Teil desselben Konfliktsystems. Je weiter diese Verknüpfung fortschreitet, desto schwieriger wird kontrollierte Eskalation – und desto notwendiger wird nach seiner Auffassung eine umfassende regionale Vereinbarung statt einzelner Waffenstillstände.

43:40

Paul Craig Roberts ist Ökonom und ehemaliger Assistant Secretary of the Treasury for Economic Policy der Vereinigten Staaten. Roberts argumentiert, dass sich die USA wirtschaftlich in einem raschen Niedergang befinden und im Iran besiegt sind. Roberts äußert Bedenken darüber, dass eine Großmacht wie Russland dem Westen erlaubt hat, sich mit Angriffen auf Russland wohlzufühlen, was darauf hindeutet, dass große Instabilität bevorsteht.

51:48

Scott Ritter ist ein ehemaliger Major, Nachrichtendienstoffizier, US-Marine und UN-Waffeninspektor.

59:14

Der vorherige Upload dieses Videos enthielt einen Fehler in der Tonspur, hier ist die neue Version. Entschuldigung für die Unannehmlichkeiten. Stanislav Krapivnik ist ein ehemaliger Offizier der US-Armee aus dem Donbas, der vor 15 Jahren aus den USA nach Russland zog. Krapivnik spricht über die erneute diplomatische Initiative von Witkoff und Kushner.

45:16

Max Otte ist Unternehmer, politischer Ökonom, Investmentmanager, Philanthrop und politischer Aktivist. Mit 141 Stimmen war er bei der Wahl des Bundespräsidenten am 13. Februar 2022 der Zweitplatzierte. Otte erörtert das politische Erdbeben in Deutschland.

42:40

Nicolai N. Petro ist Professor für Politikwissenschaft an der University of Rhode Island und war zuvor Sonderassistent des US-Außenministeriums für Politik zur Sowjetunion.

55:37

Anthony Aguilar ist ein pensionierter Lieutenant Colonel der U.S. Army, ein Special-Forces-Green-Beret, der 25 Jahre lang als Kampfinfanterieoffizier in Afghanistan, Irak, Syrien, Jordanien, den Philippinen, Thailand, Malaysia, Kambodscha, Vietnam, Kasachstan und Tadschikistan diente. Aguilar arbeitete als Hilfsauftragnehmer für die Gaza Humanitarian Foundation (GHF) und wurde wegen der Gräueltaten zum Whistleblower.