Jacobin Magazin (Medienpräsenz)

39:46

Mit dem sogenannten »Carbon Border Adjustment Mechanism« will die EU angeblich Anreize zur Dekarbonisierung der Industrie schaffen. Doch in Wirklichkeit dient er vor allem dazu, die Industrialisierung Afrikas auszubremsen, argumentiert Robin Jaspert bei Weekly.

45:39

Georg Lukács ist einer der einflussreichsten Philosophen des 20. Jahrhunderts. Sein Erfahrungshorizont ist das Scheitern der Revolution im Westen zwischen 1916 und 1923. Er beschäftigte sich mit »Überbau«-Phänomenen: von der Literatursoziologie über die Kulturkritik bis zur Ideengeschichte. Zugleich betonte er die Bedeutung der politischen Praxis für die Überwindung des Kapitalismus und wandte sich damit gegen den »revolutionären Attentismus« der Zweiten Internationale. Mit seiner Rehabilitierung der philosophischen Grundlagen des Marxismus unter Rückbezug auf die Hegel'sche Dialektik und seinen Arbeiten zur »Verdinglichung« beeinflusste Lukács wesentlich den »westlichen Marxismus«, einschließlich der Frankfurter Schule.

42:44

Während der Bundeskanzler nach Washington reist, um sich für Trumps Angriff auf den Iran zu verpflichten, führt er im Inneren einen eigenen Feldzug gegen den Wohlfahrtsstaat. Bei Weekly diskutiert Astrid Zimmermann darüber, was Merz' Attacke eigentlich erreichen soll und warum sein Durchmarsch düstere Zeiten für linke Politik bedeuten würde.

Zeitmarken

Das Video mit dem Titel „Merz führt Krieg gegen den Sozialstaat | Weekly mit Astrid Zimmermann“ befasst sich mit den geplanten Reformen der Bundesregierung unter Friedrich Merz und deren Auswirkungen auf den deutschen Sozialstaat.

Hier sind die zentralen Punkte der Analyse:

1. Die neue Grundsicherung und Verschärfungen

  • Die neue Grundsicherung (Nachfolge des Bürgergeldes) sieht drastische Sanktionen vor: Bei versäumten Terminen kann der Regelsatz komplett gestrichen werden; bei wiederholten Verstößen droht sogar der Entzug der Wohnkosten, was zu Obdachlosigkeit führen kann [06:09].
  • Das Schonvermögen wurde abgeschafft, sodass Ersparnisse sofort aufgebraucht werden müssen [05:55].
  • Der „Vermittlungsvorrang“ zwingt Arbeitslose verstärkt in niedrig bezahlte oder befristete Jobs, anstatt nachhaltige Weiterbildungen zu ermöglichen [06:46].

2. Ökonomische Sinnhaftigkeit und Einsparungen

  • Astrid Zimmermann kritisiert, dass die Reformen wirtschaftlich kaum sinnvoll sind. Die Einsparungen seien minimal und bewegen sich im zweistelligen Millionenbereich, während ab 2028 sogar Zusatzkosten durch den hohen Verwaltungsaufwand erwartet werden [08:45], [10:52].
  • Der Sozialstaat werde fälschlicherweise als Problem für die Wirtschaft dargestellt, obwohl er eigentlich als Stabilisator in Krisenzeiten fungieren sollte [03:38].

3. Strategischer „Klassenkrieg“ und Drohkulisse

  • Die Reformen dienen laut den Diskutanten vor allem als Drohkulisse für Erwerbstätige. Durch die Verschlechterung der Bedingungen in der Arbeitslosigkeit sinkt die Verhandlungsmacht der Beschäftigten, die aus Angst vor dem sozialen Abstieg auch schlechtere Arbeitsbedingungen und niedrigere Löhne akzeptieren [09:27].
  • Das Vorgehen wird als Teil einer politischen Kampagne („Flooding the Zone“) beschrieben, um die Erwartungshaltung der Bevölkerung systematisch zu senken und den Sozialstaat diskursiv zu delegitimieren [10:52], [12:35].

4. Finanzialisierung der Altersvorsorge

  • Ein zentrales Ziel der Regierung sei der Paradigmenwechsel in der Rentenpolitik hin zu einer stärkeren Aktienorientierung [16:35].
  • Dies führe zu einer „Finanzialisierung“ des Lebens, bei der Arbeitnehmer zunehmend als „kleine Investoren“ agieren und dadurch ihre politischen Interessen eher mit der Kapitalseite als mit kollektiven Sicherungssystemen assoziieren [24:53], [36:12].

5. Rolle der SPD und der Gewerkschaften

  • Es wird Kritik an der SPD geübt, die diese Verschärfungen mitträgt, obwohl sie damit ihre eigene Basis verrate [26:31].
  • Die Gewerkschaften befänden sich derzeit primär in Abwehrkämpfen gegen Massenentlassungen in Schlüsselindustrien, was eine breite Mobilisierung gegen den Sozialabbau erschwere [30:27], [31:10].

1:28:35

Buchvorstellung: Kapitalismus ohne Demokratie. Wie Marktradikale die Welt in Mikronationen, Privatstädte und Steueroasen zerlegen wollen.

Zeitstempel

  • 00:00 – Einleitung: Tech-Milliardäre und der Krieg gegen die Demokratie.
  • 02:45 – Quinn Slobodian über die Ideologie des "Exits".
  • 05:07 – Was ist eine "Zone"? Sonderrechte unterhalb der nationalen Ebene.
  • 10:29 – Das Modell Hong Kong als historisches Vorbild.
  • 13:17 – Warum Milton Friedman sich in das Zonen-Modell verliebte.
  • 16:27 – Der Aufstieg Chinas durch "Zonifizierung" (Shenzhen).
  • 22:02 – Libertäre Bewunderung für das "Veto-freie" China.
  • 25:54 – Die Wurzeln der modernen Rechten (Hayeks Erbe).
  • 37:18 – "The Sovereign Individual": Das Drehbuch der kognitiven Eliten.
  • 43:41 – Warum Projekte wie "Prospera" bisher oft scheitern.
  • 48:05 – Trumps Pläne für "Freedom Cities" auf Bundesland.
  • 51:47 – Post-humane Zonen: Datenzentren, die keine Bürger brauchen.
  • 53:32 – Octavia Butlers Vision: Die Flucht in die Firmenstadt.

32:00

Carolin Amlinger und Oliver Nachtwey zeigen in ihrem Buch "Zerstörungslust - Elemente des demokratischen Faschismus", wie die liberal-kapitalistischen Gesellschaften destruktive Menschen hervorbringen, die sich nach rechts wenden. Dabei beleuchten sie umfassend die Entstehungsbedingungen des neuen demokratischen Faschismus. Sie fordern einen »postliberalen Antifaschismus«.

38:48

Geschätzt 100 Milliarden Euro entgehen dem deutschen Staat jährlich durch Finanzkriminalität. Die ehemalige CumEx-Chefermittlerin Anne Brorhilker erklärt bei Jacobin Talks, warum die Politik so wenig tut, was sich ändern muss und wieso CumCum und CumEx nicht restlos aufgeklärt werden. 

30:53

Wenn die deutsche Presse über den Gaza-Krieg berichtet, dominiert die israelische Perspektive. Das fand der Journalist Fabian Goldmann in seiner neuen Auswertung für Jacobin heraus, deren Ergebnisse er diese Woche bei Weekly diskutiert.

1:03:19

Gibt es in der Weltgeschichte Fortschritt und wie genau lässt er sich verstehen? Sozialistische und auch liberale Weltbilder sind vom Fortschrittsdenken geprägt, gemeinsam ist ihnen die Vorstellung von einer besseren Zukunft. Doch das Fortschrittsdenken hat seit dem 20. Jahrhundert seine Kraft eingebüßt.

Die Philosophin Rahel Jaeggi entwirft im Anschluss an Karl Marx' materialistisches Geschichtsverständnis einen neuen Begriff des Fortschritts und seines Gegenstücks, der Regression. Fortschritt gibt es nach Jaeggi immer da, wo Gesellschaften Probleme lösen und Bedingung für Emanzipation schaffen. Matthias Ubl spricht mit der Philosophin bei Jacobin Talks. 

1:06:53

Die neoliberale Weltordnung fällt auseinander, aber eine Alternative ist bisher nicht in Sicht. Gibt es Perspektiven auf etwas Besseres, oder stürzen wir lediglich immer weiter ins Chaos? Bei Weekly spricht Wolfgang Streeck über die schwindende Macht der USA, die Hilfslosigkeit Europas und warum große gesellschaftliche Transformationen nicht selten von großen Kriegen begleitet werden.

JACOBIN produziert täglich Artikel, Podcasts und Videos – alles für Dich völlig kostenlos. Abonniere jetzt unser Printmagazin, sodass wir noch mehr Qualität liefern und Themen abdecken können. Hier geht’s lang: https://jacobin.de/abo 📮

Folge Loren auf Twitter: 
https://x.com/fraubalhorn

Folge Wolfgang auf Twitter:
https://x.com/wstreeckblog

Jede Woche diskutieren Jacobin-Chefredakteur Loren Balhorn und Gäste über die politische Lage und wie sie zu verändern ist. Abonniert Weekly auch als Podcast: https://jacobinweekly.podigee.io/

53:44

Nach 20 Monaten hemmungsloser Zerstörung im Gazastreifen hat Benjamin Netanjahu nun Teheran ins Visier genommen. Was könnte da schiefgehen? Ganz schön viel, meint Politikwissenschaftler Leandros Fischer heute bei Weekly.