99 ZU EINS (Medienpräsenz)

1:29:01

Deutsche Erinnerungspolitik: Kufiyas sind in der Gedenkstätte Buchenwald nicht erwünscht. Doch angesichts des Genozids in Gaza möchte die Kampagne „Kufiyas in Buchenwald“ diese und andere palästinensische Symbole sichtbar machen. 
Wir sprechen mit Tair und Anna über die Instrumentalisierung des Holocaust in der BRD für Staatsräson und zionistische Ideen und die Rolle der Gedenkstätten dabei.

35:58

Dieses Video von 99 ZU EINS mit Renate Dillmann bietet eine detaillierte historische und geopolitische Analyse der Islamischen Republik Iran sowie der Gründe für die anhaltende Feindschaft mit den USA und Israel.

Hier ist die Erschließung der gesamten Videostrecke:

1. Einleitung und aktuelle Einordnung

  • Kritik an der Legitimation: Dillmann hinterfragt die Begründungen für militärische Drohungen gegen den Iran (Terrorstaat, Atombombe) und vergleicht die mediale Darstellung mit anderen Konflikten [00:45].
  • Doppelmoral: Sie weist darauf hin, dass Vorwürfe wie Inhaftierungen oder Gewalt von Staaten kommen, die selbst weltweit die höchsten Inhaftierungsraten haben oder Nachbarstaaten militärisch angreifen [01:46], [02:29].

2. Historische Vorgeschichte (19. Jh. bis 1979)

  • Imperialistische Interessen: Persien war seit dem 19. Jahrhundert Objekt imperialer Machtansprüche, erst durch die Briten (Ölgeschäft), dann durch die USA [05:10].
  • Der CIA-Putsch 1953: Die demokratisch gewählte Regierung unter Mossadegh wurde gestürzt, nachdem er die Verstaatlichung der Ölressourcen plante. Dies sicherte den USA Jahrzehnte der Kontrolle unter dem Schah [05:42], [06:19].
  • Die Ära des Schah: Der Iran wurde zum wichtigsten US-Verbündeten in der Region und rüstete massiv auf, während große Teile der Bevölkerung verarmten [06:48], [07:35].

3. Die Islamische Revolution 1979

  • Bündnis der Opposition: Verschiedene Kräfte (nationale Liberale, Marxisten, Klerus) einte der Widerstand gegen den Schah und die US-Abhängigkeit [10:13].
  • Machtübernahme Khomeinis: Nach dem Sturz des Schahs schaltete Khomeini seine ehemaligen Bündnispartner (Linke und Volksmudschahedin) blutig aus [11:10], [11:36].
  • Bruch mit dem Westen: Der Iran verlor seine Rolle als US-Markt und geostrategischer Partner. Die neue Führung setzte auf eine religiös motivierte, antiwestliche Ausrichtung [13:33], [14:08].

4. Wirtschaft und Sanktionen

  • Wirtschaftsmodell: Trotz religiöser Führung blieb der Kapitalismus bestehen, jedoch stark staatlich kontrolliert oder durch religiöse Stiftungen gelenkt [14:36], [15:53].
  • Aufbau trotz Isolation: Der Iran entwickelte eine eigene Industrie (z. B. Automobilsektor, Rüstung) und verzeichnete bis 2010 stabiles Wachstum, bevor verschärfte Sanktionen die Wirtschaft trafen [17:34], [18:22].

5. Geopolitische Konfliktfelder

  • Iran-Irak-Krieg: In den 1980er Jahren unterstützten die USA (und Deutschland mit Giftgaslieferungen) den Irak gegen den Iran [20:53], [21:12].
  • Das Atomprogramm: Dillmann erläutert das Recht auf zivile Nutzung gemäß Atomwaffensperrvertrag und kritisiert die einseitige Aufkündigung des Atomabkommens durch Donald Trump 2019 [22:14], [25:08].
  • Regionale Einflusssphäre: Der Iran unterhält die „Achse des Widerstandes“ (Hisbollah, Hamas, Huthi), um seine Sicherheitslage durch einen vorgelagerten Korridor zu verbessern [27:27], [27:52].

6. Sprachanalyse und Fazit

  • Fehlübersetzungen: Sie weist darauf hin, dass das berühmte Zitat „Israel von der Landkarte tilgen“ eine Fehlübersetzung ist; korrekt bedeute es, das „Besatzerregime“ müsse Geschichte werden [29:06], [30:49].
  • Kriegsziele der USA: Laut Dillmann geht es weniger um Demokratie, sondern um die Schwächung Chinas (Öllieferant) und die Bestrafung eines Staates, der sich der US-Weltordnung entzieht [33:15], [33:52].

1:16:08

In diesem Video vom 10. März 2026 analysiert der Historiker Tarik Cyril Amar im Gespräch mit Julius von "99 ZU EINS" die aktuelle Lage im Krieg gegen den Iran. Das Gespräch konzentriert sich auf die strategischen Fehlkalkulationen der USA und Israels sowie die globalen ökonomischen Folgen.

Zeitmarken

Strategische Fehlkalkulationen der USA und Israels

  • Fehleinschätzung des Iran: Donald Trump habe den Krieg unter massiven Fehlinformationen und falschen Vorstellungen begonnen [01:43]. Er habe geglaubt, der iranische Staat würde nach einem "Enthauptungsschlag" – der Ermordung der politischen Führung – sofort kollabieren oder die Bevölkerung würde die Regierung stürzen. Dies habe sich als Illusion erwiesen; der Iran zeige sich militärisch und politisch äußerst widerstandsfähig [03:08].
  • Kriegsverbrechen als Methode: Amar bezeichnet die gezielten Morde an der iranischen Führung als eindeutige Kriegsverbrechen und stellt fest, dass Trump und Netanjahu offen zur Bombardierung und zum Umsturz aufgerufen haben [02:47].
  • Mythos der militärischen Überlegenheit: Die intellektuelle Kapazität des Pentagons und der israelischen Führung werde überschätzt. Historische Vergleiche (Vietnam, Afghanistan) zeigten, dass diese Akteure oft gravierende Planungsfehler begehen, die sie früher durch schiere Ressourcenmacht kaschieren konnten [08:18].

Materielle und technologische Aspekte

  • Erschöpfung der Ressourcen: Es gebe Anzeichen, dass die US-Bestände an Abfangraketen (Patriot, THAAD, SM-Modelle) stark beansprucht seien. Die industrielle Basis der USA sei im Vergleich zu früher geschwächt [18:28].
  • Iranische Effektivität: Der Iran agiere bisher mit "gebremstem Schaum" und setze größtenteils ältere Waffensysteme ein, erziele damit aber bereits signifikante Treffer gegen strategische Ziele wie Radarstationen [24:41]. Zudem halte sich der Iran im Gegensatz zu den USA und Israel weitgehend an militärische Ziele gemäß dem Völkerrecht [26:44].

Ökonomische Auswirkungen

  • Energiepreise: Die Straße von Hormus ist faktisch für den Welthandel geschlossen, was massive Auswirkungen auf die Öl- und Gaspreise hat [29:11].
  • Profiteure: Während die Weltwirtschaft unter den steigenden Energiekosten leidet, profitieren US-Ölkonzerne sowie Rüstungsunternehmen massiv von der Krise. Auch Russland profitiere ökonomisch durch stark gestiegene Einnahmen aus Öl- und Gasverkäufen im März 2026 [35:16].

Geopolitische Einordnung

  • Imperialer Abstieg: Amar sieht den Krieg als verzweifelten Versuch der USA, ihren Status als absolute Weltmacht ("Primacy") gegen den unvermeidlichen globalen Abstieg zu verteidigen [12:31].
  • Rolle Russlands und Chinas: Es wird spekuliert, ob Russland in Verhandlungen mit Trump (z. B. bezüglich der Ukraine) Zugeständnisse beim Iran machen könnte. Amar hält dies jedoch für unwahrscheinlich, da ein Fall des Iran den russischen und chinesischen Eigeninteressen massiv schaden würde [01:07:05].
  • Kontinuität der Gewalt: Der Krieg gegen den Iran wird als direkte Fortsetzung der israelischen Aggressionen in Gaza und im Libanon eingeordnet [01:12:35].

57:07

Wir sprechen mit Fabian Goldmann über sein neues Buch "Staats(räson)funk": "Israels Krieg im Nahen Osten gilt in vielerlei Hinsicht als der verheerendste des 21. Jahrhunderts: ermöglicht durch Bomben, Blockaden und eine beispiellose mediale Unterstützung. Wie in kaum einem anderen Land haben Medien in Deutschland nach dem 7. Oktober 2023 die tödliche Realität in der Region verharmlost, gerechtfertigt oder gleich ganz verschwiegen. Welche Methoden Tagesschau, BILD, Spiegel, taz und Co. dabei angewandt haben und wie aus gut ausgebildeten Journalisten Propagandisten eines Genozids werden konnten, zeigt diese Untersuchung. Anhand eigens erhobener Daten und sorgsamer Recherchen liefert das Buch die Anatomie eines Systemversagens irgendwo zwischen Stereotypen, Selbstzensur und Staatsräson."

1:18:53

In dieser Episode des Podcasts 99 ZU EINS diskutiert Nel Bonilla die aktuellen geopolitischen Strategien der USA sowie die Rolle des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos.

Inhaltsangabe mit Timestamps

  • 00:00:10 – Einleitung Vorstellung von Nel Bonilla und dem Kernkonzept der Sendung: Die geopolitische Neuausrichtung der USA.
  • 00:12:45 – Was ist der "Bunkerstaat"? Analyse der US-Strategie, sich durch Protektionismus und Re-Industrialisierung ("Made in America") gegen äußere Krisen abzuschotten, während die globale Hegemonie militärisch gewahrt werden soll.
  • 00:38:20 – Die Rolle von Davos (WEF) Kritik am Weltwirtschaftsforum. Bonilla erklärt, wie sich die globale Elite in Davos organisiert, während das System des Neoliberalismus zunehmend unter Druck gerät.
  • 01:05:15 – Geopolitische Fragmentierung Diskussion über die Spaltung der Welt in verschiedene Machtblöcke und die Auswirkungen auf Handelsbeziehungen und internationale Institutionen.
  • 01:42:30 – Wirtschaftskrieg und Dollar-Dominanz Wie die USA ihre Währung als Waffe einsetzen und welche Konsequenzen dies für den globalen Süden hat.
  • 02:15:00 – Widerstand und Perspektiven Abschließende Gedanken darüber, welche sozialen Bewegungen und politischen Ansätze notwendig sind, um dieser "Bunker-Logik" entgegenzuwirken.

Das Konzept des "Bunkerstaats"

beschreibt eine fundamentale Neuausrichtung der US-Geopolitik und -Wirtschaft. Hier sind die zentralen Punkte der Erläuterung aus dem Gespräch:

1. Kernbedeutung: Abschottung und Sicherung

Der Begriff beschreibt den Versuch der USA, sich gegen die Instabilitäten des von ihnen selbst geschaffenen globalisierten Marktes abzusichern. Anstatt auf grenzenlose Globalisierung zu setzen, ziehen sich die USA in einen wirtschaftlichen und politischen „Bunker“ zurück, um ihre eigene Basis zu schützen, während sie gleichzeitig versuchen, die globale Kontrolle zu behalten.

2. Wirtschaftlicher Protektionismus

  • Re-Industrialisierung: Die USA versuchen, kritische Industrien (wie die Halbleiterproduktion oder grüne Technologien) zurück ins Land zu holen (Reshoring), um nicht mehr von globalen Lieferketten abhängig zu sein, die durch Rivalen wie China gestört werden könnten.
  • Subventionen: Programme wie der Inflation Reduction Act werden als Werkzeuge genutzt, um Kapital im „Bunker“ zu konzentrieren und andere Volkswirtschaften (auch Verbündete in Europa) unter Druck zu setzen.

3. Militärische und technologische Überlegenheit

  • Der „Bunker“ ist nicht rein defensiv. Er dient als gesicherte Basis, von der aus die USA weiterhin militärisch intervenieren und technologische Standards diktieren können.
  • Es geht darum, einen technologischen Vorsprung zu „ummauern“ (z. B. durch Exportverbote für High-End-Chips), um den Aufstieg von Konkurrenten zu verhindern.

4. Zerfall der regelbasierten Weltordnung

Bonilla argumentiert, dass der Bunkerstaat das Ende der liberalen Weltordnung markiert. Die USA halten sich selbst nicht mehr an die Regeln des Freihandels, die sie jahrzehntelang anderen Ländern auferlegt haben. Das Ziel ist nicht mehr „Wohlstand für alle durch Handel“, sondern der Erhalt der US-Hegemonie in einer zerfallenden Welt.

5. Auswirkungen auf den Rest der Welt

  • Für Europa: Die Verbündeten werden gezwungen, sich der Logik des Bunkers anzuschließen, was oft zu einer De-Industrialisierung in Ländern wie Deutschland führt, da Energie und Kapital in die USA abwandern.
  • Für den globalen Süden: Diese Länder sind zunehmend gezwungen, sich zwischen dem US-Bunker und anderen Blöcken (wie den BRICS) zu entscheiden, da der neutrale globale Markt verschwindet.

Zusammenfassend ist der „Bunkerstaat“ eine Strategie des aggressiven Überlebens, bei der die USA versuchen, ihre Machtposition durch eine Mischung aus nationaler Abschottung und globaler militärischer Drohkulisse zu konservieren.

1:46:00

Wir präsentieren die neue Dezemberausgabe der Z. Zeitschrift Marxistische Erneuerung zum Thema „Jugend in Bewegung“. Mit dabei sind zwei Autoren der Ausgabe: Michael Klundt („Kritik bürgerlicher Beforschung politischer Einstellungen und sozialer Lagen Jugendlicher“) und Luca Groß vom SDS („Kampf um die Hochschulen“), die ihre Beiträge vorstellen werden.

1:07:58

Über Jahrzehnte hat Russland über seinen Agenten Jeffrey Epstein (aka Dzheffriyevich Epshteyn) die amerikanischen Eliten verführt, verdorben und erpresst. Wir sprechen mit Tarik Cyril Amar über die neuesten Enthüllungen der Epshteyn-Files.

1:27:35

Wir sprechen mit Ole Nymoen und Simon David Dressler über die kürzlich aufgeflammten Schülerstreiks gegen die Wehrpflicht und setzen uns kritisch und solidarisch mit den Forderungen der Schüler auseinander.

1:09:04

Kidnapping in Caracas: Ein erzwungener Regierungswechsel der anderen Art. Für welchen Kurs steht die geschäftsführende venezolanische Präsidentin Delcy Rodríguez und hat Maduro das Erbe Chávez verraten? Wir sprechen mit André Scheer über die Situation in Venezuela vor und nach der Entführung des Präsidenten Nicolás Maduro.

1:18:12

Der Präsident Venezuelas wird in einer Nacht-und-Nebel-Aktion entführt. Trump kündigt an, Grönland zu annektieren, wenn nötig mit militärischer Gewalt. Israel führt langsam, aber sicher seinen Krieg in Gaza fort. Die USA erwägen einen Angriff auf den Iran. Die EU findet das alles "komplex". Ist das Völkerrecht tot? Darüber sprechen wir mit Tarik Cyril Amar.