Gerechtigkeit durch Wiedergutmachung? Zur südafrikanischen Wahrheitskommission und deren Übertragbarkeit auf den Ukraine-Konflikt. Von Clivia von Dewitz

Die Frage nach einem gerechten Umgang mit Menschenrechtsverletzungen stellt sich angesichts des Krieges in der Ukraine mit neuer Drastik: Wie kann es nach all den Verbrechen wieder zu einer Versöhnung kommen, was wäre ein Weg zu Gerechtigkeit? Die südafrikanische Wahrheitskommission Ende der neunziger Jahre hat gezeigt: Man kann auf gewalttätige Konflikte reagieren, ohne nur an möglichst hohe Strafen zu denken, die keinerlei Austausch und Verarbeitung mit sich bringen, nämlich indem einerseits die Opfer einen würdevollen Rahmen erhalten, um ihre Leidensgeschichte zu erzählen und ihre Bedürfnisse zu erläutern, und andererseits Tatverantwortliche gegen Geständnis individuelle Amnestie erhalten können.

ISBN 978-3-86489-441-1     24,00 €  Portofrei     Bestellen

Das könnte als Modell dienen, nach dem Ende des Ukraine-Kriegs einen Umgang mit den begangenen Menschenrechtsverletzungen beider Seiten zu finden.

Clivia von Dewitz skizziert in ihrem Essay, wie eine Friedenskommission etabliert werden könnte, die die Aufklärung des Geschehenen in den Vordergrund stellt, keine der involvierten Nationen benachteiligt und so einen wesentlichen Beitrag für Frieden und Versöhnung leisten könnte. Die Geschichte lehrt: Nur wer sich seiner verbrecherischen Vergangenheit stellt und sich damit auseinandersetzt, hat eine Chance, dass sich dergleichen in Zukunft nicht wiederholt.

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Inhaltsverzeichnis

Leseprobe des Verlags

Mahatma Gandhi hat einst erkannt: „Es gibt keinen Weg zum Frieden, Frieden ist der Weg“. Die derzeit drängendste Frage fast zwei Jahre nach dem völkerrechtswidrigen Einmarsch Russlands in die Ukraine am 24. Februar 2022 muss lauten, wie wieder Frieden in Europa hergestellt werden kann. Auch wenn es im Rahmen von Friedensverhandlungen zunächst um die Frage nach territorialen Ansprüchen gehen wird muss irgendwann auch geklärt werden, wie am Ende des Konflikts mit den während des Krieges begangenen Menschenrechtsverletzungen beider Seiten umzugehen ist." Von Clivia von DewitzOverton Magazin 19.02.24 oder → Netzwerk kritische Richter und Staatsanwälte n.e.V. 03.04.24

Pressestimmen:

„Seit dem Ende der Apartheid und den Parlamentswahlen 1994 überrascht die Republik Südafrika durch die zunehmende Bedeutung, die das Land im weltpolitischen Maßstab in Anspruch nimmt. Südafrika gehört seit 2010 zur Vereinigung der 2006 von Brasilien, Russland, Indien und China gegründeten BRICS-Staaten, die mit Jahresbeginn 2024 um Ägypten, Äthiopien, Iran und die Vereinigten Arabischen Emirate erweitert wurde. Angesichts der Indizien eines Völkermordes durch die israelischen Truppen an den Palästinensern im Gaza-Territorium hat das Land am 29. Dezember 2023 vor dem Internationalen Gerichtshof Anklage erhoben und sofortige Schutzmaßnahmen gefordert. Mit Blick auf denjenigen Krieg, der seit 2014 („Euromaidan“) die Ukraine erschüttert und schließlich das Eingreifen Russlands herausgefordert hat, steht aktuell der Vorschlag zur Diskussion, jene Erfahrungen, die in Südafrika mit den sog. Wahrheitskommissionen gemacht wurden, auf den russisch-ukrainischen Konflikt zu übertragen." Von Rudolph BauerNeue Rheinische Zeitung 31.05.24

„Der Ukraine-Konflikt dauert noch immer an, und es sieht nicht danach aus, als könnte er in absehbarer Zeit beendet werden. Priorität haben nicht Friedensverhandlungen, sondern Waffenlieferungen. In Europa ist allenthalben von „Wehrfähigkeit“ und „Kriegstüchtigkeit“ die Rede. Eigentlich müsste allen klar sein, dass Aufrüstung die Eskalationsspirale nur weiter und schneller drehen lässt. In der gegenwärtig aufgeheizten Stimmung folgt auf Gewalt Gegengewalt, auf Kriegsverbrechen Gegenverbrechen. Die Fronten verhärten sich; ein Ausweg rückt in immer weitere Ferne. Dabei gibt es durchaus Möglichkeiten auf Frieden und Versöhnung. Einen Weg skizziert Clivia von Dewitz in ihrem Essay „Gerechtigkeit durch Wiedergutmachung?“." Von Eugen Zentner → NachDenkSeiten 30.03.24

BuchempfehlungZeitpunkt 20.02.24

Die Autorin:

Dr. Clivia von Dewitz (geboren 1974 in Hamburg) ist Richterin am Amtsgericht Bad Segeberg. Sie verbrachte zwischen 2018-2020 mehrere Monate in Neuseeland, Kanada und den USA (Alaska und Hawaii), um Restorative Justice und Ureinwohnerjustiz zu erforschen. 1997 absolvierte sie für zwei Monate ein Praktikum in der Wahrheits- und Versöhnungskommission in Südafrika (Truth and Reconciliation Commission ). Ihre Doktorarbeit schrieb sie über NS-Gedankengut und Strafrecht (2006). Ein weiteres Buch veröffentlichte sie zum Umgang Südafrikas mit seiner Apartheid Vergangenheit (2005). 2023 erschien von ihr ein Leitfaden für die richterliche Praxis zum Täter-Opfer-Ausgleich und strafrechtliche Mediation.

Mehr Restorative Justice und weniger Strafen?
– aus Richter:innenperspektive (Dr. Clivia von Dewitz)
Täter-Opfer-Ausgleich - TOA-Servicebüro Youtube 25.05.21

 

Erstellt: 31.05.2024 - 08:59  |  Geändert: 31.05.2024 - 09:32

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