Unnachahmlich treffsicher nimmt der Historiker Götz Aly den keineswegs immer »vorbildlichen« Umgang der Deutschen mit ihrer nationalsozialistischen Vergangenheit in den Blick: Oft ist von »den Tätern« die Rede, wenn es um die NS-Verbrechen geht, von »der SS« oder »den Nationalsozialisten«. Doch es waren Hunderttausende Deutsche, die aktiv Menschheitsverbrechen ungeheuren Ausmaßes begingen, und viele Millionen, die diese billigten, zumindest aber geschehen ließen.
Götz Aly: Deutschlands Raubkrieg im Osten. Wie einfache deutsche Soldaten zu Herrenmenschen wurden
auf YouTube (08.05.2024) 1:01:30
Insgesamt kämpften acht Millionen Wehrmachtsoldaten in der Sowjetunion für Führer, Volk und (deutsches) Vaterland. Was dachten sich die einfachen Schützen, die Panzergrenadiere und Gebirgsjäger? Wie betrachteten sie die Opfer ihres Angriffskrieges? Eine Antwort gab Walter Ulbricht 1942. Vom Moskauer Exil aus hielt er Reden in sowjetischen Gefangenenlagern und führte Gespräche mit jungen deutschen Kriegsgefangen, insbesondere solchen aus proletarischen Familien. Er gelangte zu dem Schluss: "90 Prozent phantasierten über den 'deutschen Sozialismus'" Hitlers. Was war los mit "der Arbeiterklasse im Land von Marx und Engels", fragte sich Ulbricht resigniert: "Ich fand keine überzeugenden Argumente", um Sowjetoffizieren zu erklären, warum es in Deutschland keine proletarische Widerstandsbewegung gegen Hitler gebe. Götz Aly diskutiert mehrere – nicht nur einfache – Antworten.
Mitschnitt vom 7. Mai 2024 aus der Veranstaltungsreihe "Seniorenklub im Karl-Liebknecht-Haus"
Referent: Dr. Götz Aly