DIE WELTWOCHE (Medienpräsenz)

34:45

«Ich bin in einem Überlebensmodus»: Jacques Baud über sein Leben unter EU-Sanktionen, den Ukraine-Krieg und die Schweizer Neutralität

1:02:42

Zeitmarken

Militärische Lage aus russischer Sicht

3:17Solowjow schildert seine Einschätzung der Frontentwicklung, russischer Kriegsziele und der militärischen Lage.

Warnung an Europa

5:40 Er warnt vor sicherheitspolitischen Folgen des Krieges für Europa und erläutert seine Prognosen.

Eskalation und NATO

13:49 Diskussion über westliche Unterstützung der Ukraine und mögliche russische Reaktionen.

Legitime militärische Ziele

23:47  Er erläutert, welche Ziele Russland im Eskalationsfall angreifen könnte.

Gefahr eines großen Krieges

33:18Gespräch über die Wahrscheinlichkeit eines umfassenden Krieges in Europa.

Auswege und Schlussgedanken

49:29Diskussion über mögliche Wege zur Deeskalation sowie historische und kulturelle Hintergründe.

Ein großer Krieg in Europa als „unvermeidliches“ Szenario

33:18 Auf die Frage nach einem möglichen umfassenden Krieg erklärt Solowjow eine weitere Eskalation für unvermeidlich. Er macht dafür vor allem die westliche Unterstützung der Ukraine verantwortlich und verweist auf die gescheiterten Verhandlungen von Istanbul. Aus seiner Sicht hätten westliche Regierungen einen frühen Kompromiss verhindert und damit den Krieg verlängert. Die europäischen Staaten investierten inzwischen so stark in Aufrüstung und Unterstützung der Ukraine, dass ein Rückzug aus dieser Politik politisch und wirtschaftlich immer schwieriger werde.

Rüstungsausgaben, Schulden und die Logik der Eskalation

37:49Solowjow argumentiert, Europa gerate durch hohe Militärausgaben und langfristige Verpflichtungen gegenüber der Ukraine in eine Schulden- und Aufrüstungsspirale. Sinkende Produktionskapazitäten sollten durch Rüstungsaufträge kompensiert werden. Daraus entstehe nach seiner Darstellung eine sich selbst erfüllende Prophezeiung: Je mehr Geld, politische Karrieren und industrielle Interessen an den Krieg gebunden seien, desto größer werde der Druck, die Konfrontation fortzusetzen.

Warum Russland europäische Ziele angreifen könnte

42:01Köppel fragt nach der militärischen Logik möglicher russischer Angriffe außerhalb der Ukraine. Solowjow antwortet, Russland könne nicht warten, bis Europa seine Rüstungsproduktion vollständig ausgebaut habe. Wenn westliche Staaten Russland strategisch schwächen und zugleich ihre militärischen Fähigkeiten erweitern wollten, müsse Moskau dies als unmittelbare Bedrohung verstehen. In dieser Logik könnten Fabriken und andere militärisch relevante Einrichtungen in Europa zu Zielen werden.

Verhandlungen, Anschuldigungen und doppelte Maßstäbe

45:22Solowjow behauptet, Russland sei weiterhin zu Gesprächen bereit, während europäische Regierungen Kontakte zu Putin ablehnten oder politisch sanktionierten. Zugleich wirft er Europa vor, auf mutmaßliche ukrainische Geheimdienstoperationen und Drohungen gegen europäische Politiker nicht angemessen zu reagieren. Als Beispiel nennt er den Anschlag in Monaco und vergleicht die zurückhaltende Reaktion damit, wie Europa auf einen vergleichbaren russischen Vorgang reagieren würde.

Mögliche Auswege: Abschreckung und neue Bündnisse

49:29Auf Köppels Frage nach einem Ausweg erklärt Solowjow zunächst, Putin handle nicht impulsiv, vergesse jedoch Angriffe nicht. Als strategische Lösung skizziert er ein mögliches Militärbündnis Russlands mit China, Nordkorea, Belarus und eventuell dem Iran. Ein solches Gegengewicht könne die NATO zur Zurückhaltung zwingen. Der Preis wäre allerdings ein neuer „Eiserner Vorhang“, der Europa wirtschaftlich besonders hart treffen würde.

Europas wirtschaftliche Verluste und die Frage nach dem eigenen Interesse

52:44Solowjow beschreibt Europa als Hauptverlierer der Konfrontation: höhere Energiepreise, sinkender Lebensstandard, der Verlust des russischen Marktes und die Abhängigkeit von teureren Produktionsbedingungen. Köppel greift diesen Punkt auf und fordert, europäische Staaten müssten nüchtern prüfen, welchen Nutzen ihnen die Unterstützung der Ukraine bringe und welche Risiken sie dadurch auslösten. Solowjow betont zugleich, Russland habe eine europäische Orientierung der Ukraine nie grundsätzlich abgelehnt, wohl aber deren NATO-Mitgliedschaft.

Iwan Iljin, Russlandhass und historische Deutungen

55:57Zum Abschluss führt Köppel den russischen Philosophen Iwan Iljin ein und fragt nach den Ursachen des westlichen Hasses auf Russland. Solowjow erklärt diesen vor allem historisch und familiär: In Deutschland und anderen Staaten wirke die Niederlage im Zweiten Weltkrieg fort und beeinflusse heutige politische Entscheidungen. Länder ohne eine solche historische Feindschaft zeigten seiner Ansicht nach deutlich weniger Russophobie. Er stellt dem eine orthodoxe Haltung gegenüber: Man solle die Sünde verurteilen, nicht aber den Sünder hassen.

Schluss des Gesprächs

1:02:03Köppel bedankt sich für das Gespräch über die aus seiner Sicht düsteren Themen. Beide vereinbaren, die weitere Entwicklung zu beobachten. Köppel hebt zum Abschluss Solowjows theologische Deutung als einen möglichen versöhnlichen Akzent hervor.

45:36

00:00–02:10 – Ausgangspunkt: Verständnis für die russische Sicht

  • Zu Beginn wird auf Interviews mit russischen Regierungsvertretern verwiesen.
  • Diskutiert wird außerdem ein Beitrag des russischen Unternehmers Andrei Melnitschenko im Economist, wonach ein geschwächtes Russland nicht im Interesse der globalen Stabilität liege.

02:11–07:15 – Vorwurf einer bewussten Eskalation durch den Westen

  • Ein Gesprächspartner vertritt die Auffassung, NATO und europäische Staaten hätten den Konflikt systematisch eskaliert.
  • Angriffe auf russische Infrastruktur würden Russland zu Gegenangriffen auf europäische Ziele zwingen.
  • Europa habe seine politische Eigenständigkeit verloren und handele nicht mehr im eigenen Interesse.

06:00–07:15 – Palantir und private Technologieunternehmen

  • Ausführlich wird behauptet, Unternehmen wie Palantir übernähmen zunehmend Funktionen staatlicher Gewalt.
  • Dadurch verliere der Staat sein Gewaltmonopol; Entscheidungen über militärische Ziele würden algorithmisch und nicht mehr politisch getroffen.

07:16–17:12 – Streit über die Verantwortung für den Krieg

  • Roger Köppel hält Putin vor, die Ukraine und den Westen unterschätzt zu haben.
  • Sein Gegenüber entgegnet, Russland habe wegen der Lage im Donbass und der Ereignisse seit 2014 keine andere Wahl gehabt.
  • Als zentrale Rechtfertigung werden der Schutz der russischsprachigen Bevölkerung und die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg angeführt.

09:13–20:41 – Historische Argumentation

  • Der russische Gesprächspartner zieht zahlreiche Parallelen:
    • NATO-Einsätze in Jugoslawien, Irak, Libyen und Syrien.
    • Ereignisse von 2014 in der Ukraine.
    • Minsk-Abkommen.
    • Istanbul-Verhandlungen.
  • Daraus wird die These abgeleitet, Russland reagiere auf eine langfristige westliche Strategie.

21:14–26:34 – Köppels Gegenposition

  • Er kritisiert sowohl die westliche Russlandpolitik als auch Putins Entscheidungen.
  • Seine Hauptargumente:
    • Putin habe den Krieg falsch eingeschätzt.
    • Er habe den Gegner unterschätzt.
    • Er hätte früher einen politischen Kompromiss suchen müssen.
  • Gleichzeitig lehnt Köppel eine Dämonisierung Russlands ausdrücklich ab.

23:05–31:37 – Trump als möglicher Friedensfaktor

  • Längere Diskussion über Donald Trump.
  • Köppel meint, Trump habe den Krieg grundsätzlich beenden wollen.
  • Der russische Gesprächspartner erwidert, nicht Russland, sondern Selenskyj und europäische Staaten hätten entsprechende Vereinbarungen verhindert.

30:11–31:46 – Territorium versus Bevölkerung

  • Der russische Gesprächspartner betont mehrfach:
    • Es gehe Russland nicht um Landgewinn.
    • Entscheidend seien die Menschen im Donbass, auf der Krim sowie in Saporischschja und Cherson.
  • Daraus wird das Selbstbestimmungsrecht dieser Bevölkerung als Rechtfertigung russischen Handelns abgeleitet.

32:33–40:19 – Unterschiedliche Mentalitäten

  • Ein wiederkehrendes Thema ist die Behauptung, der Westen verstehe die russische Mentalität grundsätzlich nicht.
  • Leidensfähigkeit, historisches Gedächtnis und Patriotismus würden in Russland völlig anders bewertet als in Westeuropa.

39:42–40:29 – Warnung vor weiterer Eskalation

  • Wiederholt wird erklärt, Angriffe auf russische Infrastruktur könnten zu Angriffen auf europäische Industrie- und Energieanlagen führen.
  • Köppel bezeichnet diese Entwicklung als gefährlich und warnt vor einem Weltkrieg.

40:20–45:16 – Ideologischer und religiöser Schlussabschnitt

  • Zum Ende verlagert sich die Diskussion zunehmend auf kulturelle und religiöse Fragen.
  • Der russische Gesprächspartner wirft dem Westen moralischen und christlichen Verfall vor.
  • Es folgt eine Debatte über Christentum, NATO, Calvinismus und westliche Politiker, bevor das Gespräch humorvoll über Schweizer Komiker ausklingt.

1:07:01

Zeitmarken

Videoübersicht: «Stoppt endlich diesen Krieg!»

Geburtstagsgruß an die USA und Friedensgedanken auf dem Roten Platz
Video: 1:07:00 | Grundlage: gekürztes Transkript ohne Begrüßung und Outro

USA-Geburtstag aus Moskau: bewusster Perspektivwechsel

1:34

Köppel eröffnet die Sendung mit der bewusst zugespitzten Pointe, den 250. Geburtstag der USA ausgerechnet vom Roten Platz in Moskau zu kommentieren. Der Ort ist programmatisch gewählt: Er soll gegen den erwartbaren Blick aus Washington oder Europa eine Gegenperspektive setzen und zugleich die Frage aufwerfen, wie der Westen Russland heute wahrnimmt.

Der Anlass seiner Moskau-Reise sind angekündigte Interviews, unter anderem mit Steven Seagal und mit Kremlsprecher Dmitri Peskow. Von Beginn an verbindet Köppel die Reise mit seiner Sorge, dass der Ukrainekrieg weiter eskalieren könnte und dass westliche Medien und Regierungen die russische Perspektive zu stark ausblenden.

Neutralität, Sanktionen und die Pflicht zum Gespräch

4:45

Ein zentrales Motiv ist die Kritik an Sanktionen gegen Publizisten wie Thomas Röper oder Jacques Baud. Köppel deutet solche Maßnahmen als Ausdruck einer westlichen Verengung des Meinungskorridors: Gerade in Kriegszeiten müsse man mit allen Seiten reden, statt Kontakte zu verbieten oder abweichende Sichtweisen moralisch zu delegitimieren.

Aus Schweizer Perspektive knüpft er daran seine Kritik am Bundesrat. Durch die Übernahme der EU-Sanktionen gegen Russland habe die Schweiz ihre Neutralität beschädigt und sei Teil eines Wirtschaftskriegs geworden. Neutralität bedeute nicht, dass Bürger keine Meinung haben dürften, sondern dass die Regierung das Land nicht in fremde Kriege hineinziehen dürfe - auch nicht ökonomisch.

Moskau im Krieg: sichtbare Normalität, unsichtbare Spannung

10:17

Vom Zentrum Moskaus beschreibt Köppel zunächst eine überraschend normale Oberfläche: Touristen, Verkehr, Schulklassen, belebte Plätze und keine sichtbare Panik. Zugleich interessiert ihn, wie sich Drohnenangriffe auf Moskau, die militärische Lage und die allgemeine Unsicherheit unter dieser Oberfläche bemerkbar machen.

Die Sendung arbeitet hier mit einem starken Kontrast: Der Rote Platz erscheint friedlich und alltäglich, während im Hintergrund ein Krieg läuft, der zunehmend auch russisches Territorium erreicht. Köppel will seine eigene Eskalationssorge einem Realitätstest unterziehen und fragt Gesprächspartner vor Ort, ob seine Befürchtungen überzogen oder berechtigt sind.

Kreml, Staatsmacht und russische Geschichtserfahrung

13:15

Ausgehend von der Architektur des Kremls und der symbolischen Macht des Ortes entwickelt Köppel eine Deutung russischer Staatlichkeit. Russland erscheine aus Schweizer Sicht schwer begreifbar, weil Größe, geografische Weite, historische Verwundbarkeit und Machtkonzentration eine ganz andere Staatslogik hervorgebracht hätten als in kleinen westlichen Ländern.

Vor diesem Hintergrund beschreibt er Putin als „Stabilokraten“, der Russland nach den chaotischen 1990er Jahren wieder zusammengeführt habe. Köppel rechtfertigt dabei ausdrücklich nicht alle Methoden, betont aber, dass viele Russen Putin weiterhin als Figur der Stabilisierung wahrnähmen. Der Westen unterschätze die Risiken einer Destabilisierung Russlands, insbesondere wegen der nuklearen Dimension.

Gespräche in Moskau: Realitätstest für die Eskalationsangst

25:49

Köppel berichtet von Gesprächen mit in Moskau lebenden Schweizern und Diplomaten. Deren Einschätzung fällt eher beruhigend aus: Der Krieg sei zwar in der Stadt angekommen, Drohnenangriffe und Einschränkungen würden wahrgenommen, doch eine unmittelbare Eskalation gegen europäische Ziele halte man nicht für wahrscheinlich. Russland habe wenig Interesse daran, durch Angriffe auf westliche Rüstungsstandorte die Lage weiter unkontrollierbar zu machen.

Diese Gesprächspartner verweisen auch auf China als begrenzenden Faktor. Peking wolle weder eine russische Niederlage noch eine nukleare Eskalation. Putin werde daher als pragmatischer Akteur beschrieben, dessen Handlungsspielraum nicht unbegrenzt sei. Für Köppel ist das ein wichtiger Einwand gegen seine eigene Sorge, aber noch keine ausreichende Entwarnung.

Gegenstimme des skandinavischen Managers: Ernüchterung und Kriegsunmut

36:22

Ein skandinavischer Geschäftsmann, der seit längerem in Moskau lebt, zeichnet ein deutlich düstereres Bild. Nach seiner Wahrnehmung sei die frühere Zuversicht in russischen Elitekreisen verflogen. Die Hoffnungen auf einen Durchbruch mit Trump und auf eine internationale Anerkennung russischer Positionen hätten sich nicht erfüllt; stattdessen wachse die Enttäuschung über die Dauer und Durchführung des Krieges.

Der Gesprächspartner berichtet von Reiseeinschränkungen, Problemen im Zahlungsverkehr, Internetbeschränkungen, Belastungen für ausländische Unternehmen und einer möglichen neuen Rekrutierungswelle. In städtischen Eliten steige der Wunsch, den Krieg zu beenden. Zugleich bleibe Putin für viele Russen eine historische Figur, die das Land nach dem Zerfall der Sowjetunion stabilisiert habe.

Putins Machtbasis und das Risiko westlicher Destabilisierungsfantasien

42:04

Köppel greift die Frage auf, ob militärische Schwierigkeiten Putins Machtbasis gefährden könnten. In der russischen Geschichte hätten Kriegsniederlagen oder wahrgenommene Schwäche wiederholt Umbrüche ausgelöst. Sein Gesprächspartner hält auch bei Putin theoretisch einen Machtverlust für denkbar, falls der Krieg als gescheitert wahrgenommen würde.

Gerade deshalb warnt Köppel vor westlichen Strategien, die auf eine Schwächung oder Aufspaltung Russlands setzen. Er deutet solche Planspiele als gefährlich, weil ein geschwächtes Russland nicht automatisch friedlicher oder berechenbarer werde. Möglich sei ebenso eine härtere Regierung oder ein unkontrollierbarer Machtzerfall. Der Wunsch nach russischer Schwäche könne sich daher als sicherheitspolitischer Bumerang erweisen.

Zwei unvereinbare Wahrnehmungen treiben die Eskalation

45:29

Ein Kernpunkt der Sendung ist die Gegenüberstellung zweier Wahrnehmungswelten: Der Westen glaubt, mehr Druck auf Russland erhöhe die Chancen auf Frieden; aus russischer Sicht erhöht derselbe Druck die Notwendigkeit, Stärke zu zeigen. Dadurch geraten beide Seiten in eine Logik, in der Nachgeben als existenzielle Schwäche gilt.

Köppel schildert russische Fassungslosigkeit über die vorbehaltlose Unterstützung Selenskyjs durch die EU, widerspricht aber auch russischen Vereinfachungen: Der Angriff auf ein kleineres Land, die sowjetische Gewaltgeschichte und Putins autoritäre Herrschaft erklärten, warum westliches Misstrauen gegenüber Russland tief sitze. Sein Problem ist nicht, dass der Westen misstrauisch ist, sondern dass er die russische Wahrnehmung kaum noch verstehen wolle.

Sicherheitsinteressen und das Kanada-Mexiko-Argument

53:48

Köppel prüft auch den Einwand, ob sich die russische Führung ihre eigene Bedrohungslage nur einrede. Mehrere Gesprächspartner antworten mit dem Vergleich, wie die USA reagieren würden, wenn Russland oder China Kanada und Mexiko in ein Militärbündnis aufnehmen wollten. Dieses Argument soll nicht den Krieg rechtfertigen, aber erklären, warum Russland die NATO-Ausdehnung als strategische Bedrohung wahrnimmt.

Für Köppel folgt daraus die Forderung, die russische Position nicht als bloße Propaganda abzutun. Gleichzeitig bleibt die Lage ambivalent: In Moskau gebe es Friedenssehnsucht, aber auch die Wahrnehmung, dass weitere ukrainische Angriffe und westliche Unterstützung den Druck auf Putin erhöhen könnten, härter zurückzuschlagen.

Vorläufiges Fazit: keine Entwarnung, sondern Warnung vor Selbsttäuschung

56:37

Köppel kommt zu dem Schluss, dass er aus Moskau keine Entwarnung geben kann. Es gebe gute Gründe, warum Russland eine Eskalation nicht anstreben dürfte, aber ebenso gewichtige Stimmen, die vor einer gefährlichen Dynamik warnen. Jeder weitere Drohnenschlag und jede Verschlechterung der Lage in Russland könne nicht nur die Friedenschancen, sondern auch den Druck zur Eskalation erhöhen.

Besonders kritisch sieht er das westliche Informationsvakuum. Wenn westliche Medien und Regierungen nur noch die ukrainische und europäische Wunschperspektive zuließen, würden politische Entscheidungen auf einer unvollständigen Lageanalyse beruhen. Für ihn ist die journalistische Aufgabe deshalb, auch störende, unangenehme und missliebige Stimmen einzufangen.

Friedensforderung: Brücken bauen statt Kriegshysterie

1:00:24

Im Schlussgedanken verbindet Köppel seine Russlandkritik, seine Sympathie für Amerika und Europa sowie seine Schweizer Neutralitätsidee zu einer Friedensforderung. Russland sei ein europäisches Land mit eigener historischer Verletzungserfahrung, großen Opfern und einem ausgeprägten Bedürfnis nach Anerkennung. Europa müsse legitime russische Sicherheitsinteressen berücksichtigen, ohne illegitime Machtansprüche zu akzeptieren.

Daraus folgt für ihn kein Pazifismus ohne Verteidigungsfähigkeit. Er fordert starke Armeen und Sicherheitsstrukturen, aber zugleich eine Diplomatie, die Frieden auf Augenhöhe sucht. Wer nur über Aufrüstung, Kriegsfähigkeit und russische Schwäche spreche, ohne ernsthaft Frieden zu verhandeln, manövriere Europa in einen Krieg der Verzweiflung und des Zorns hinein. Sein Schlussappell lautet: Der Krieg müsse endlich gestoppt werden, und Gespräche mit Russland seien dafür unverzichtbar.