Stiftung Demokratie Saarland SDS (Medienpräsenz)

1:35:48

Was ist bloß mit den USA los? Woher kommt das Gift im politischen Betrieb? Wie konnte die Weißglut zur politischen Betriebstemperatur werden? In seinem Vortrag wird Bernd Greiner die Geschichte einer Gesellschaft beleuchten, die sich innere Kriege leistet, befeuert von einem Extremismus der Mitte, der sich als das politische Metronom des Landes erweist. Im Mittelpunkt stehen dabei weder Präsidenten noch Parteien, sondern selbsternannte Hüter des Gemeinwohls, Bürgerinnen und Bürger, die im Namen der Demokratie anderen die demokratische Teilhabe streitig machen – mit minimaler Toleranz für politisch Unangepasstes, mit kompromisslosem Beharren auf eigenen Zielen, mit missionarischem Sendungsbewusstsein. Sie haben der Arbeiterbewegung das Rückgrat gebrochen, Linke aus dem politischen Leben verbannt, Rüstungs- und Kriegskritiker marginalisiert und die Dominanz der Weißen zementiert. Über allem thront die Maxime, dass wahre Macht auf der Angst der anderen beruht. Anders gesagt: Wenn Donald Trump Amerikas einziges Problem wäre, hätte das Land nur ein geringes Problem.


Prof. em. Dr. Bernd Greiner ist Gründungsdirektor des Berliner Kollegs Kalter Krieg/Berlin Center for Cold War Studies – ein Projekt des Instituts für Zeitgeschichte München-Berlin, der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und der Humboldt-Universität zu Berlin. Er lehrte Außereuropäische Geschichte an der Universität Hamburg und leitete bis 2014 den Arbeitsbereich „Theorie und Geschichte der Gewalt“ am Hamburger Institut für Sozialforschung. Seine Arbeitsschwerpunkte bilden der Kalte Krieg, die Geschichte der USA sowie zivil-militärische Beziehungen im 20. Jahrhundert. Er ist Autor zahlreicher Publikationen, jüngst erschienen „Die Kuba-Krise“ (2023), „Henry Kissinger“ (2020), „Made in Washington“ (2023) sowie „Weißglut. Die inneren Kriege der USA. Eine Geschichte von 1900 bis heute“ (2025), das „grundlegende Einblicke in die Mentalität von ‘Make America Great again’” liefere und ebenso „detailreich wie spannend” geschrieben sei.

1:54:08

In einer schweren Krise wurde die NSDAP 1932 zur mit Abstand stärksten Partei gewählt. Bald konnte sie die Macht übernehmen und auf wachsende gesellschaftliche Zustimmung bauen. Hitler brauchte den Krieg – das Volk fürchtete sich davor. Dennoch terrorisierten schließlich 18 Millionen deutsche Soldaten Europa. Wie kam es dazu? Warum beteiligten sich Hunderttausende an beispiellosen Massenmorden? Die Antwort ist vielschichtig. Die NSDAP versprach den Deutschen Aufstieg und Wohlstand, zugleich hielt man die Menschen in Bewegung, keine Atempause, keine Zeit zum Nachdenken, so ging es Richtung Krieg. Als der Glaube an einen Sieg nachließ, wurde aus der Volksgemeinschaft eine Verbrechensgemeinschaft. Jeder konnte wissen, welche Schuld die Deutschen auf sich luden, die Angst vor dem, was nach einer Niederlage geschehen würde, wurde bewusst geschürt. Götz Aly schildert in einer fesselnden Erzählung die Herrschaftsmethoden, mit denen die NS-Machthaber Millionen Deutsche in gefügige Vollstrecker oder in vom Krieg abgestumpfte Mitmacher verwandelten – und von denen nicht wenige beängstigend aktuell sind.

PD Dr. Götz Aly, geb. 1947, studierte Politische Wissenschaft und Geschichte und gehörte bis 2010 zu den Begründern und Herausgebern der Quellenedition „Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933–1945“. Aly arbeitete für die taz, die Berliner Zeitung und als Gastprofessor. Seine Bücher werden in viele Sprachen übersetzt. 2002 erhielt er den Heinrich-Mann-Preis, 2003 den Marion-Samuel-Preis, 2012 den Ludwig-Börne-Preis. Im Februar 2017 erschien seine große Studie über die europäische Geschichte von Antisemitismus und Holocaust “Europa gegen die Juden 1880–1945”. Für dieses Buch erhielt er 2018 den Geschwister-Scholl-Preis. 2025 erschien “Deutschland 1933-1945. Wie konnte das Geschehen?”

1:46:30

Dunkel liegt die Zukunft vor uns - Das geheime Kriegstagebuch 1939 – 1945 des Siemens-Managers Hans Henning von Pentz

„Meine klare Erkenntnis über die tiefe Unmoral von Hitler und seinen Mitarbeitern setzte von vornherein ein. Zunächst hatte ich die Hoffnung, dass dieses Regime sich nur ein bis zwei Jahre halten würde. Diese Hoffnung gründete sich im Wesentlichen darauf, dass die Leitung der Wehrmacht, die oberen Beamten, die Wissenschaft und die Industrie diesen Weg nicht lange mitgehen, in Opposition treten und das System abschütteln würden. Hierin habe ich mich getäuscht.“

Diese eindrucksvollen Sätze schreibt ein Zeitzeuge in sein Tagebuch, dem man es von seinem Stand und seiner Herkunft nicht unbedingt zugetraut hätte. Hanns Henning von Pentz (1890 – 1982) entstammte einem alten mecklenburgischen Adelsgeschlecht, kämpfte als preußischer Offizier im 1. Weltkrieg in Frankreich und war ab 1933 Vorstandsmitglied der Siemens-Plania Werke AG, einem Unternehmen für Kohlefabrikate wie Graphitelektroden in Berlin-Lichtenberg, Ratibor (Schlesien) und Meitingen (Bayern). In seinen Aufzeichnungen hält er seine persönlichen Gedanken, Beobachtungen und Reflexionen über die Ereignisse in den Jahren 1939 bis 1945 fest.

Seine Nachfahren haben die Tagebuchaufzeichnungen dem Journalisten Volker Hildisch zur Auswertung überlassen. Der Seume-Verlag hat die von ihm bearbeitete Fassung als Buch veröffentlicht, das neben der Kommentierung von Kriegsereignissen auch Beobachtungen des täglichen Lebens, Sorgen und Ängste um die Familie und Begegnungen mit Freunden und Bekannten enthält.  Zuerst wird Herr Hildisch einige Passagen aus dem Buch vorlesen und im Anschluss folgt ein Gespräch mit Prof. Dr. Peter Winterhoff-Spurk vom Seume-Verlag und dem Herausgeber zu Aspekten seines Buches.

Volker Hildisch

Volker Hildisch, Journalist, Film- und Buchautor, wanderte von der Geburtsheimat Westfalen über das ehemalige Fürstentum Schaumburg-Lippe zum Studium der Germanistik und Politik an der Leibniz-Universität nach Hannover. Nach dem Examen dann Volontariat und Redakteur bei der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. Damit waren die Wanderjahre allerdings nicht vorbei. Nächstes Ziel war Ende der 80er Jahre Saarbrücken. Beim Saarländischen Rundfunk und an der Grenze zu Frankreich blieb er dann allerdings hängen. Hier setzte er seine journalistische Tätigkeit in Radio und Fernsehen fort.
 

24:01

Vor dem Vortrag "Mordshunger. Wer profitiert vom Elend der armen Länder?" hatten wir die Möglichkeit mit dem Referenten Dr. Jean Feyder ein Interview zum Hunger auf der Welt & was wir dagegen tun können aufzuzeichnen. 

1:40:55

Seit vielen Jahren ist in der Gesellschaft die Frage virulent, ob das Verhalten in privaten, öffentlichen und institutionellen Räumen zunehmend verroht. Verschiedene Formen der Gewalt treten im Privaten in nahen sozialen Räumen von Ehen und Familien auf. In öffentlichen Räumen richten sie sich etwa gegen Polizei, Feuerwehr und Rettungskräfte. Sie sind aber auch in öffentlichen Verkehrsmitteln, im Straßenverkehr, bei Sportveranstaltungen oder gegen Obdachlose zu beobachten. Und wenn wir an institutionelle Räume denken, dann betreffen diese Formen der Gewalt Schulen, Kirchen, Sportvereine ebenso wie Krankenhäuser oder Altenheime. Gewalt gegen Amtsträgerinnen und das Personal öffentlicher Einrichtungen ist keine Seltenheit mehr. Dabei wurde von Bedrohungen und Hass gegen Andersdenkende in den virtuellen Räumen des Internets noch gar nicht gesprochen. Wilhelm Heitmeyer hat sich in einer Vielzahl vielbeachteter Studien mit Menschenfeindlichkeit und Gewalt befasst – und analysiert diese nun im Zusammenhang mit der Ökonomisierung des Sozialen, mit Kontrollverlusten und einem zunehmenden Gefühl der Orientierungslosigkeit. In Verbindung mit einer abnehmenden Ambivalenz und Ambiguitätstoleranz, mit dem Verlust von Empathie und mit der schwindenden Verbindlichkeit von Rechtsnormen führe dies – so seine These – zur Durchrohung der Gesellschaft.

55:27

Auch ein halbes Jahrhundert und viele Kontroversen später ist das Kapitel „68“ einer historischen Gesamtdarstellung zwar um einiges nähergekommen, jedoch bleiben viele Fragen weiterhin unbeantwortet. Mit dem Anspruch, die führenden Akteure in einer angemesseneren Form zu würdigen, wird unser Referent Antworten suchen, die über die vorherrschenden Deutungsmuster der 68er Revolte hinausgehen.

So werden unter anderem die hohe Gewaltaffinität des Wortführers der Bewegung, Rudi Dutschke, und die von den Kerngruppen des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes an den Tag gelegte Faszination von Ausnahmezustand und Militanz im Fokus stehen.

Zudem wird sich Kraushaar unbequemen Ansichten stellen, wie dem Vorwurf, dass die damaligen Akteure ihren vom Nationalsozialismus geprägten Eltern ähnlicher gewesen seien, als üblicherweise vermutet. Und schließlich wird er versuchen, zumindest einige der blinden Flecken dieser Bewegung aufzuarbeiten.

2:00:05

Macht im Umbruch - Deutschlands Rolle in Europa und die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts

Wir alle spüren, dass Deutschland eine Macht im Umbruch ist, ein Land, das tiefgreifende Veränderungen erfährt. Was bedeutet der Wandel der Welt für das Selbstverständnis Deutschlands, vor welchen Herausforderungen stehen wir, und was müssen die Deutschen jetzt tun, um nicht abgehängt zu werden, sondern aktiv gestalten zu können, innen- wie außenpolitisch? In seinem Vortrag wird Herfried Münkler die neuralgischen Punkte der deutschen Politik einkreisen und eine Strategie für das künftige Agieren entwerfen. Die Frage nach der neuen Rolle Deutschlands wird wesentlich davon abhängen, ob es dem größten Land in der Mitte Europas gelingt, seine ökonomische, politische und kulturelle Macht so einzusetzen, dass ein Auseinanderfallen Europas verhindert werden kann. Hierfür sind nicht nur grundlegende Reformen dringend nötig, Deutschland und die EU müssen sich auch als widerstandsfähig gegen Russland, selbstbewusst im Umgang mit China und, falls es nötig werden sollte, als unabhängig von den USA erweisen.

55:58

In der heutigen Folge sprechen wir mit Dr. Anne Otto über ihr Buch „Woher kommt der Hass?“. Die psychologischen Ursachen von Rechtsruck und Rassismus“, welches 2019 erstmals von dem Gütersloher Verlagshaus herausgebracht wurde. Das Buch wurde als „das Wissenschaftsbuch des Jahres 2020 in Österreich“ nominiert. 

57:05

Auf ihrer Flucht in die ersehnte Freiheit stranden afrikanische Flüchtlinge in der modernen Arbeitssklaverei süditalienischer Orangen-Plantagen. Dabei haben sie Glück, denn viele finden ihr Grab im Mittelmeer. Der Ethnologe Gilles Reckinger (geb. 1978, Luxemburg) geht der Frage nach, was aus den Menschen geworden ist, die wir zu Tausenden in Lampedusa haben an Land gehen sehen, gezeichnet vom Horror der Flucht und doch voller Hoffnung auf ein freies Leben in Europa.

Die nahen Plantagen sind oft ihre einzige Chance auf eine Arbeit, die ihr nacktes Überleben sichert. Er hat sie auf Orangenplantagen in Kalabrien getroffen, wo sie jahrelang als Erntehelfer in extremer Armut ohne Papiere und ohne medizinische Versorgung am Rande der Gesellschaft vegetieren. Rechtlos auf dem Arbeitsstrich. Schockiert von den Arbeits- und Lebensverhältnissen und berührt von ihren Schicksalen dokumentiert er dies in dem Buch „Bittere Orangen – Ein neues Gesicht der Sklaverei in Europa“. Diese Sklaven produzieren „unsere“ gesunden Früchte, wahlweise auch Bio, so wie es der Markt verlangt.

Die Schlussfolgerung ist klar: Gerechtigkeit muss global gedacht werden und nicht partiell nur im Norden oder via Fairen Handel im Süden. Erst wenn diese inneren Schranken überwunden werden, gibt es eine Perspektive sich zu organisieren und die Ausbeutung zu überwinden. Dafür setzt sich die Aktion 3.Welt Saar e.V. ein mit ihrem bundesweiten Agrarprojekt „ERNA goes fair – Für eine Faire Landwirtschaft weltweit“. Oder wie Woody Guthrie es formulierte „This land is your land“.

1:07:39

Skandale, Affären, Debatten: Fundierte historische Analyse der wichtigsten Korruptionsfälle & ihrer Auswirkung auf die politische Kultur

Der Kampf gegen Korruption gilt als ‚gute Sache‘. Seit der Flick-Spendenaffäre gibt es in der Bundesrepublik einen Konsens, dass Korruption hierzulande ein ernstes Problem ist. Nach der Wiedervereinigung wurde Korruptionsbekämpfung auch international ein hochrangiges Anliegen. Nichtregierungsorganisationen, aber auch internationale Organisationen wie Weltbank und UNO schrieben sich diesen Kampf jetzt auf die Fahnen. In Deutschland nahm die Zahl der Affären und Skandale zu, bis 2012 sogar Bundespräsident Wulff zurücktreten musste. Jährlich schaut die Öffentlichkeit gebannt auf die neue Position von Deutschland im Korruptionsranking von Transparency International. Doch was sind die Kosten dieser Korruptionssensibilität? Einiges spricht dafür, dass die politische Bedeutung der Vergehen und die Schärfe ihrer Skandalisierung in einem Missverhältnis stehen. Die Folgen sind eine schleichende Diskreditierung der Politikerinnen und Politiker und des demokratischen Systems. Auch dies bereitet dem Populismus einen Boden. 

Der Historiker Jens Ivo Engels beleuchtet die historische Entwicklung der Korruptionsdebatten seit der Frühzeit der Bundesrepublik im internationalen Kontext und diskutiert ihre Auswirkungen auf die politische Kultur.