DIE WELTWOCHE (Medienpräsenz)

1:57:19

Dieses Gespräch erschien erstmals am 19. Juli 2026. Hier sehen Sie es nun in voller Länge.

«Ich bin in einem Überlebensmodus»: Jacques Baud über sein Leben unter EU-Sanktionen, den Ukraine-Krieg und die Schweizer Neutralität

Die Weltwoche im Gespräch mit Jacques Baud, EU-sanktioniertem Schweizer Generalstabsoberst. Baud schildert die konkreten Auswirkungen der EU-Sanktionen auf sein tägliches Leben – von gesperrten Bankkonten bis zum Reiseverbot –, gibt eine militärische Lagebeurteilung zum Ukrainekrieg und plädiert eindringlich für die Schweizer Neutralität als Dienstleistung an Europa.

Timestamps:
0:00 Intro – Vorstellung Jacques Baud
0:40 EU-Sanktionen: Gesperrte Konten, kein Zugriff auf Geld
4:22 UBS, Bâloise, American Express – Schweizer Firmen sanktionieren eigenständig
8:38 Schweiz übernimmt EU-Sanktionen gegen Baud nicht – und warum
11:54 Meinungsfreiheit als Kern des Falls – internationale Solidarität
17:13 Wie Baud überlebt: Nachbarn bringen Lebensmittel
21:33 Sanktionen als Bumerang – EU diskreditiert sich selbst
27:53 Das Sanktionsdossier: Neun Internetartikel, kein Beweis
34:23 Sowjetisierung der EU – „Das hätte ich nie erwartet"
37:45 Rechtliche Schritte: Delisting-Antrag beim Europäischen Gerichtshof
40:21 Lagebeurteilung Ukrainekrieg: Entmilitarisierung statt Quadratkilometer
49:32 Asymmetrische Kriegführung und Kommunikationserfolge Selenskis
55:40 Steht Europa vor einer Eskalation?
1:06:39 Europas strategisches Vakuum – geführt von Teenagern
1:16:08 Trump, Friedensvermittlung und die Rolle Ungarns
1:24:30 Schweizer Neutralität – Dienstleistung für Europa und die Welt
1:43:14 Ausblick: Polarisierung, verlorene Menschlichkeit und Hoffnung

1:24:16

Dieses Gespräch erschien erstmals am 18. Juli 2026. Hier sehen Sie es nun in voller Länge.

General a.D. Harald Kujat, ehemaliger Generalinspekteur der Bundeswehr und Vorsitzender des NATO-Militärausschusses, analysiert im Gespräch mit Roger Köppel die aktuelle Eskalationsdynamik im Ukrainekrieg. Kujat warnt, die Situation sei gefährlicher als die Kubakrise 1962, da heutigen Politikern Kriegserfahrung, strategischer Weitblick und die Bereitschaft zum Dialog fehlten. Er kritisiert, dass Europa aus einer Position der Schwäche eskaliere, ohne Plan B für eine russische Reaktion gegen westeuropäische Ziele zu haben. Als möglichen Ausweg sieht er Chinas stabilisierende Rolle und fordert eine Rückkehr zu Diplomatie und einer europäischen Sicherheitsarchitektur unter Einschluss Russlands.

Timestamps:
0:00 – Begrüßung & Vorstellung General a.D. Harald Kujat
1:56 – Lagebeurteilung: Russische Offensive, Trumps Abwesenheit & europäische Koalition der Willigen
9:00 – Eskalationsgefahr: Drohnenangriffe, gemeinsame Manöver & integrierter Luftschirm
18:43 – Fehlender Plan B: Wann greift Russland europäische Ziele an?
24:36 – Gibt es einen Ausweg? Helmut Schmidts Gleichgewichtsstrategie & fehlende Diplomatie
32:36 – Russlands Selbstverständnis: Existenzielle Dimension & Leidensfähigkeit
44:54 – Gefährlicher als die Kubakrise 1962? Politiker ohne Kriegserfahrung & Russenhass
52:09 – Deutschlands Schlüsselrolle: Fehlende Debatte, nationale Interessen & Friedensverfassung
1:02:15 – Westdeutscher Kalter-Krieg-Triumphalismus & deutsch-russisches Verhältnis
1:15:34 – Lichtblick: China als Stabilitätsanker & Großmächte-Dreieck USA–China–Russland

51:52

Zeitmarken

Einstieg: Lindsey Graham und US-Politik

00:07 – Das Gespräch beginnt mit Spekulationen über den Tod von Lindsey Graham. Einer der Gesprächspartner weist die geäußerte Vermutung ausdrücklich als Verschwörungstheorie zurück. Anschließend folgt eine Diskussion über Grahams Russlandpolitik sowie über innenpolitische Spannungen innerhalb der Republikanischen Partei.

Militärische Strategie statt Mobilisierung

04:03 – Es wird zwischen allgemeiner Mobilmachung und einer Veränderung der militärischen Strategie unterschieden. Der Gesprächspartner spricht sich gegen zusätzliche Truppenmobilisierung aus und plädiert stattdessen für andere militärische Mittel.

Sanktionen, Wirtschaft und Energie

06:07 – Diskutiert werden Sanktionen, diplomatische Beziehungen sowie mögliche wirtschaftliche Folgen einer vollständigen Trennung zwischen Russland und dem Westen. Dabei spielen Energieversorgung, Handel und internationale Finanzbeziehungen eine zentrale Rolle.

Bewertung des Kriegsverlaufs

10:02 – Die Gesprächspartner bewerten den bisherigen Verlauf des Ukrainekriegs unterschiedlich. Thematisiert werden militärische Erfolge, wirtschaftliche Entwicklungen sowie die Folgen für Russland, Europa und die NATO.

Religion, Identität und Weltbild

16:18 – Im letzten Teil entwickelt sich das Gespräch zu einer grundsätzlichen Debatte über Religion, nationale Identität, Werte und das unterschiedliche Selbstverständnis Russlands und Westeuropas.

Selbstkritik und Realismus

26:23 – Ausgangspunkt ist die Forderung, dass sowohl westliche Staaten als auch Russland zu Selbstüberschätzung neigten. Der Gesprächspartner wirbt für weniger Kriegsrhetorik und mehr Realismus bei der Suche nach politischen Lösungen.

Historische und völkerrechtliche Argumente

27:42 – Es folgen ausführliche Ausführungen zu Helsinki-Schlussakte, Budapester Memorandum, Neutralitätsstatus der Ukraine sowie historischen Bezügen zum Molotow-Ribbentrop-Pakt und zur Sowjetunion.

Donbass und internationale Vergleiche

32:45 – Die Anerkennung von Donezk und Luhansk, die russische Begründung des Kriegseintritts sowie Vergleiche mit Afghanistan, Irak, Jugoslawien und anderen westlichen Interventionen bilden den Schwerpunkt.

Gegenwart des Krieges

39:51 – Die Diskussion verlagert sich auf unterschiedliche Bewertungen der russischen Verluste, der Lage in Russland sowie der Istanbuler Verhandlungen und möglicher Friedensoptionen.

Eskalation oder Abschreckung

46:56 – Zum Schluss wird kontrovers über mögliche Angriffe auf europäische Rüstungsindustrie, Abschreckung, Risiken einer Eskalation und die Rolle der USA diskutiert.

34:44

«Ich bin in einem Überlebensmodus»: Jacques Baud über sein Leben unter EU-Sanktionen, den Ukraine-Krieg und die Schweizer Neutralität

1:01:41

Zeitmarken

Militärische Lage aus russischer Sicht

3:17Solowjow schildert seine Einschätzung der Frontentwicklung, russischer Kriegsziele und der militärischen Lage.

Warnung an Europa

5:40 Er warnt vor sicherheitspolitischen Folgen des Krieges für Europa und erläutert seine Prognosen.

Eskalation und NATO

13:49 Diskussion über westliche Unterstützung der Ukraine und mögliche russische Reaktionen.

Legitime militärische Ziele

23:47  Er erläutert, welche Ziele Russland im Eskalationsfall angreifen könnte.

Gefahr eines großen Krieges

33:18Gespräch über die Wahrscheinlichkeit eines umfassenden Krieges in Europa.

Auswege und Schlussgedanken

49:29Diskussion über mögliche Wege zur Deeskalation sowie historische und kulturelle Hintergründe.

Ein großer Krieg in Europa als „unvermeidliches“ Szenario

33:18 Auf die Frage nach einem möglichen umfassenden Krieg erklärt Solowjow eine weitere Eskalation für unvermeidlich. Er macht dafür vor allem die westliche Unterstützung der Ukraine verantwortlich und verweist auf die gescheiterten Verhandlungen von Istanbul. Aus seiner Sicht hätten westliche Regierungen einen frühen Kompromiss verhindert und damit den Krieg verlängert. Die europäischen Staaten investierten inzwischen so stark in Aufrüstung und Unterstützung der Ukraine, dass ein Rückzug aus dieser Politik politisch und wirtschaftlich immer schwieriger werde.

Rüstungsausgaben, Schulden und die Logik der Eskalation

37:49Solowjow argumentiert, Europa gerate durch hohe Militärausgaben und langfristige Verpflichtungen gegenüber der Ukraine in eine Schulden- und Aufrüstungsspirale. Sinkende Produktionskapazitäten sollten durch Rüstungsaufträge kompensiert werden. Daraus entstehe nach seiner Darstellung eine sich selbst erfüllende Prophezeiung: Je mehr Geld, politische Karrieren und industrielle Interessen an den Krieg gebunden seien, desto größer werde der Druck, die Konfrontation fortzusetzen.

Warum Russland europäische Ziele angreifen könnte

42:01Köppel fragt nach der militärischen Logik möglicher russischer Angriffe außerhalb der Ukraine. Solowjow antwortet, Russland könne nicht warten, bis Europa seine Rüstungsproduktion vollständig ausgebaut habe. Wenn westliche Staaten Russland strategisch schwächen und zugleich ihre militärischen Fähigkeiten erweitern wollten, müsse Moskau dies als unmittelbare Bedrohung verstehen. In dieser Logik könnten Fabriken und andere militärisch relevante Einrichtungen in Europa zu Zielen werden.

Verhandlungen, Anschuldigungen und doppelte Maßstäbe

45:22Solowjow behauptet, Russland sei weiterhin zu Gesprächen bereit, während europäische Regierungen Kontakte zu Putin ablehnten oder politisch sanktionierten. Zugleich wirft er Europa vor, auf mutmaßliche ukrainische Geheimdienstoperationen und Drohungen gegen europäische Politiker nicht angemessen zu reagieren. Als Beispiel nennt er den Anschlag in Monaco und vergleicht die zurückhaltende Reaktion damit, wie Europa auf einen vergleichbaren russischen Vorgang reagieren würde.

Mögliche Auswege: Abschreckung und neue Bündnisse

49:29Auf Köppels Frage nach einem Ausweg erklärt Solowjow zunächst, Putin handle nicht impulsiv, vergesse jedoch Angriffe nicht. Als strategische Lösung skizziert er ein mögliches Militärbündnis Russlands mit China, Nordkorea, Belarus und eventuell dem Iran. Ein solches Gegengewicht könne die NATO zur Zurückhaltung zwingen. Der Preis wäre allerdings ein neuer „Eiserner Vorhang“, der Europa wirtschaftlich besonders hart treffen würde.

Europas wirtschaftliche Verluste und die Frage nach dem eigenen Interesse

52:44Solowjow beschreibt Europa als Hauptverlierer der Konfrontation: höhere Energiepreise, sinkender Lebensstandard, der Verlust des russischen Marktes und die Abhängigkeit von teureren Produktionsbedingungen. Köppel greift diesen Punkt auf und fordert, europäische Staaten müssten nüchtern prüfen, welchen Nutzen ihnen die Unterstützung der Ukraine bringe und welche Risiken sie dadurch auslösten. Solowjow betont zugleich, Russland habe eine europäische Orientierung der Ukraine nie grundsätzlich abgelehnt, wohl aber deren NATO-Mitgliedschaft.

Iwan Iljin, Russlandhass und historische Deutungen

55:57Zum Abschluss führt Köppel den russischen Philosophen Iwan Iljin ein und fragt nach den Ursachen des westlichen Hasses auf Russland. Solowjow erklärt diesen vor allem historisch und familiär: In Deutschland und anderen Staaten wirke die Niederlage im Zweiten Weltkrieg fort und beeinflusse heutige politische Entscheidungen. Länder ohne eine solche historische Feindschaft zeigten seiner Ansicht nach deutlich weniger Russophobie. Er stellt dem eine orthodoxe Haltung gegenüber: Man solle die Sünde verurteilen, nicht aber den Sünder hassen.

Schluss des Gesprächs

1:02:03Köppel bedankt sich für das Gespräch über die aus seiner Sicht düsteren Themen. Beide vereinbaren, die weitere Entwicklung zu beobachten. Köppel hebt zum Abschluss Solowjows theologische Deutung als einen möglichen versöhnlichen Akzent hervor.

45:35

00:00–02:10 – Ausgangspunkt: Verständnis für die russische Sicht

  • Zu Beginn wird auf Interviews mit russischen Regierungsvertretern verwiesen.
  • Diskutiert wird außerdem ein Beitrag des russischen Unternehmers Andrei Melnitschenko im Economist, wonach ein geschwächtes Russland nicht im Interesse der globalen Stabilität liege.

02:11–07:15 – Vorwurf einer bewussten Eskalation durch den Westen

  • Ein Gesprächspartner vertritt die Auffassung, NATO und europäische Staaten hätten den Konflikt systematisch eskaliert.
  • Angriffe auf russische Infrastruktur würden Russland zu Gegenangriffen auf europäische Ziele zwingen.
  • Europa habe seine politische Eigenständigkeit verloren und handele nicht mehr im eigenen Interesse.

06:00–07:15 – Palantir und private Technologieunternehmen

  • Ausführlich wird behauptet, Unternehmen wie Palantir übernähmen zunehmend Funktionen staatlicher Gewalt.
  • Dadurch verliere der Staat sein Gewaltmonopol; Entscheidungen über militärische Ziele würden algorithmisch und nicht mehr politisch getroffen.

07:16–17:12 – Streit über die Verantwortung für den Krieg

  • Roger Köppel hält Putin vor, die Ukraine und den Westen unterschätzt zu haben.
  • Sein Gegenüber entgegnet, Russland habe wegen der Lage im Donbass und der Ereignisse seit 2014 keine andere Wahl gehabt.
  • Als zentrale Rechtfertigung werden der Schutz der russischsprachigen Bevölkerung und die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg angeführt.

09:13–20:41 – Historische Argumentation

  • Der russische Gesprächspartner zieht zahlreiche Parallelen:
    • NATO-Einsätze in Jugoslawien, Irak, Libyen und Syrien.
    • Ereignisse von 2014 in der Ukraine.
    • Minsk-Abkommen.
    • Istanbul-Verhandlungen.
  • Daraus wird die These abgeleitet, Russland reagiere auf eine langfristige westliche Strategie.

21:14–26:34 – Köppels Gegenposition

  • Er kritisiert sowohl die westliche Russlandpolitik als auch Putins Entscheidungen.
  • Seine Hauptargumente:
    • Putin habe den Krieg falsch eingeschätzt.
    • Er habe den Gegner unterschätzt.
    • Er hätte früher einen politischen Kompromiss suchen müssen.
  • Gleichzeitig lehnt Köppel eine Dämonisierung Russlands ausdrücklich ab.

23:05–31:37 – Trump als möglicher Friedensfaktor

  • Längere Diskussion über Donald Trump.
  • Köppel meint, Trump habe den Krieg grundsätzlich beenden wollen.
  • Der russische Gesprächspartner erwidert, nicht Russland, sondern Selenskyj und europäische Staaten hätten entsprechende Vereinbarungen verhindert.

30:11–31:46 – Territorium versus Bevölkerung

  • Der russische Gesprächspartner betont mehrfach:
    • Es gehe Russland nicht um Landgewinn.
    • Entscheidend seien die Menschen im Donbass, auf der Krim sowie in Saporischschja und Cherson.
  • Daraus wird das Selbstbestimmungsrecht dieser Bevölkerung als Rechtfertigung russischen Handelns abgeleitet.

32:33–40:19 – Unterschiedliche Mentalitäten

  • Ein wiederkehrendes Thema ist die Behauptung, der Westen verstehe die russische Mentalität grundsätzlich nicht.
  • Leidensfähigkeit, historisches Gedächtnis und Patriotismus würden in Russland völlig anders bewertet als in Westeuropa.

39:42–40:29 – Warnung vor weiterer Eskalation

  • Wiederholt wird erklärt, Angriffe auf russische Infrastruktur könnten zu Angriffen auf europäische Industrie- und Energieanlagen führen.
  • Köppel bezeichnet diese Entwicklung als gefährlich und warnt vor einem Weltkrieg.

40:20–45:16 – Ideologischer und religiöser Schlussabschnitt

  • Zum Ende verlagert sich die Diskussion zunehmend auf kulturelle und religiöse Fragen.
  • Der russische Gesprächspartner wirft dem Westen moralischen und christlichen Verfall vor.
  • Es folgt eine Debatte über Christentum, NATO, Calvinismus und westliche Politiker, bevor das Gespräch humorvoll über Schweizer Komiker ausklingt.