Jung & Naiv (Medienpräsenz)

2:04:27

Wir sind zu Gast bei der Verbraucherschutzorganisation "Foodwatch", die 2002 von Thilo Bode gegründet wurde. Thilo leitete zuvor seit 1989 Greenpeace. Erst in Deutschland, dann international. Nebenbei schreibt er seit Jahren Bücher über politische Auseinandersetzungen. 2015 veröffentlichte er zuletzt "Die Freihandelslüge" über die damals noch andauernden TTIP-Verhandlungen. Vor kurzem ist sein Buch "Die Diktatur der Konzerne" erschienen.

Mit Thilo geht's zunächst um Foodwatch und was seine Organisation seit Anbeginn überhaupt wirklich erreicht hat. Faktisch nicht viel. Wir thematisieren die aktuelle Krise der deutschen Landwirtschaft, warum Milch so billig ist und wieso Deutschland wie "beknackt" Agrarprodukte exportiert. Dann berichtet Thilo von seinem Lebensweg, was ihn z.B. auf den "Hippie Trail" geführt und was er daraus für sein Leben gelernt hat. Dazwischen ist er irgendwie in der SPD gelandet, die er später wieder verließ.

Ausführlich geht es um sein neues Buch "Die Diktatur der Konzerne": Warum sollen uns globale Konzerne schaden? Warum zerstören sie angeblich die Demokratie? Gibt es "gute" Konzerne aus Thilos Sicht? Und was hat diese Konzerndiktatur überhaupt mit jedem von uns selbst zu tun? Warum sollte uns dieses Problem kümmern? Welche Macht üben z.B. deutsche Automobilkonzerne in Deutschland aus? Welche Konzerne in Deutschland kontrollieren den Lebensmittelmarkt? Warum sind die allermeisten Aktivitäten der Konzerne sogar legal? Warum sind unsere regierenden Politiker aber nicht "Marionetten" der Konzerne? Warum gehen Politik und multinationale Unternehmen eine Symbiose ein? Was bringt ihnen das? Gibt es überhaupt noch einen Weg zurück? Und wenn ja: was sind mögliche Lösungen?

3:53:05

Zu Gast im Studio: Jens van Scherpenberg. Er studierte Neuere Geschichte und Zeitgeschichte sowie VWL in München, Heidelberg und Wien. Er promovierte beim Wirtschaftshistoriker Knut Borchardt zur öffentlichen Finanzwirtschaft in Westdeutschland unmittelbar nach Kriegsende 1945. Ab 1977 war er Mitarbeiter der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) und leitete von 1997 bis 2006 die dortige Forschungsgruppe Amerika. Er lehrte Internationale Politische Ökonomie an der LMU München. Im Januar 2026 erschien sein Buch "Großmachtsucht: Deutschland rüstet für die Führung Europas" im Westend-Verlag.

Ein Gespräch über Jens' Familie, Jugend und Lebensweg im Nachkriegsdeutschland, politsche Überzeugungen, sein Staatsverständnis und seine Kritik an der Nation, die aktuelle Lage der großen europäischen Staaten als Mittelmächte, die deutsch-französische Rivalität und die Rolle der USA, der aktuell angemeldete Führungsanspruch in Europa, Parallelen zur NS-Zeit, das Großmachtstreben der USA und Russland, die derzeitige Aufrüstung und die Frage nach Landesverteidigung, den Ukrainekrieg und Europas Abwesenheit am Verhandlungstisch, deutsches Streben nach der Atombombe uvm.

5:46:55

Zu Gast im Studio: Medienjournalist Jörg Wagner. Er war von 1997 bis Dezember 2025 Moderator und Redakteur des radioeins-Medienmagazins.

Ein Gespräch über Jörgs und Tilos Verhältnis, seine Arbeit als Medienjournalist beim rbb, seinen unfreiwilligen Abschied, die aktuelle rbb-Intendantin, "Staatsferne" des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks, kritische Berichterstattung über das eigene Medienhaus, Pressefreiheit und die Presse als "vierte Gewalt", den Mangel an Medienmagazinen im ÖRR, Selbstzensur und vorauseilender Gehorsam im System, politischen Einfluss auf ARD & ZDF, Jörgs Jugend, Eltern sowie seinen Lebensweg in der DDR und der BRD, seine Anfänge im DDR-Radio uvm. + eure Fragen via Hans

3:03:40

Diskutiert im Jung & Naiv Forum ► http://forum.jungundnaiv.de/

Zu Gast im Studio: Historiker Sven Beckert. Er beschäftigt sich vor allem mit der Geschichte der Vereinigten Staaten im 19. Jahrhundert, der Geschichte des Kapitalismus und Globalgeschichte. Beckert ist Laird Bell Professor of History an der Harvard University. Zuletzt erschien sein Buch "Kapitalismus - Geschichte einer Weltrevolution" im Rowohlt-Verlag.

Ein Gespräch über den amerikanischen Regime Change in Venezuela, Kontrolle über Öl, die neoliberale Ära seit den 1970ern, die Definitionen von Neoliberalismus und Kapitalismus, Verschleierung der kapitalischen Ordnung anhand von Sprache wie "soziale Marktwirtschaft", "Arbeitgeber" und "Arbeitnehmer", die Rolle des Zwangs, Svens Weg zur Harvard-Uni, Harvard als Reproduktionsort von Eliten und Ordnung, Kapitalismus als Weiterentwicklung bzw Transformation von Sklaverei, die Rolle der Zeitmessung in Fabriken, die Rolle von Kaufleuten und Adam Smiths Kritik an der Anhäufung von Geld (Gold und Silber) sowie (technologischer) Fortschritt als andauernde Perfektionierung der Versklavung unseres Denkens, die Kontrolle unserer Aufmerksamkeit und die Verhinderung des Zugangs zur wahren Realität (Noumenon) nach Immanuel Kant + eure Fragen via Hans


 

1:46:50

Wir sind zu Gast bei der Deutsch-Arabischen Gesellschaft in Berlin und treffen ihren Vorsitzenden: Michael Lüders. Michael ist Politik- und Islamwissenschaftler, war schon in Folge 312 zu Gast und hat vor kurzem sein neues Buch "Armageddon im Orient" herausgebracht.

Zu Beginn geht's um Michaels letzten Trip in den Nahen Osten: Was hat er im Libanon gemacht? Was für eine Rolle spielt die Hisbollah dort? Obwohl der Iran und die Hisbollah Verbündete sind, haben sie auch unterschiedliche Interessen: Michael versucht sie zu erklären.

Es geht um das Kidnapping und den erzwungenen Rücktritt des libanesischen Premierministers Saad Hariri durch den saudischen Kronprinzen Mohammed Bin Salman. Was hat sich MBS dabei gedacht? Wie ist Hariri am Ende wieder frei gekommen?

Warum hat Michael sein Buch "Armageddon im Orient" genannt? Warum liest man angeblich nichts in der Zeitung, worüber Michael schreibt? Was hat ihn bei seinen Recherchen überrascht?

Warum führen die Saudis Krieg im Jemen? Kennt Michael die "unmittelbar Beteiligten" dieses Krieges? Ist Deutschland mittelbar beteiligt? Warum tut sich deutsche Außenpolitik so schwer mit diesem Königreich? Ist Saudi-Arabien eine US-Kolonie, wie Trump letztens suggerierte? Braucht es einen "regime change" in Riad?

Dann geht's um die Auswirkungen der US-Sanktionen gegen den Iran: Warum treten sie ausgerechnet am 4. November 2018 in Kraft? Was haben sie zur Folge? Gibt es Ausnahmen?

Außerdem geht's um die Rolle der Türkei, den Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern sowie das vermeintliche Ende des Syrienkriegs: Hat Assad gewonnen? Wie kann die Welt Assad irgendwann für seine Verbrechen bestrafen? 

3:59:45

Zu Gast im Studio: Judith Scheytt. Seit ihrem elften Lebensjahr engagiert sie sich selbst politisch für Klimaschutz und Menschenrechte, darunter für Kinder und queere Menschen. Von 2021 bis spätestens 2024 gehörte sie dem Stuttgarter Organisationsteam von Fridays for Future an, 2022 war sie Sprecherin der Bewegung. 2021 verklagte Scheytt das Bundesland Baden-Württemberg auf Nachschärfung des Landesklimagesetzes. 2022 erhielt Scheytt für ihr ehrenamtliches Engagement eine Einladung von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ins Schloss Bellevue. 2024 gewann sie mit einem Podcast über die Klimaschutzbewegung "Die letzte Generation" den ersten Platz des Schülerwettbewerb des Landtages Baden-Württemberg.

Im Januar 2025 wurde die damals 17-jährige vom Verein der Freunde des Adolf-Grimme-Preises für ihre medienkritische Thematisierung der deutschen Medienberichterstattung über den Krieg mit einer besonderen Ehrung des Donnepp-Media-Preises ausgezeichnet. Wenige Monate später wurde ihr der Preis aberkannt nach Druck auf den Verein durch die "Kölnische Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit".

Im September/Oktober 2025 reiste Judith Scheytt an Bord eines Schiffes der Gaza Flotilla in Richtung des Gazastreifens, um Lebensmittel und humanitäre Güter in das von Israel abgeriegelte Gebiet zu bringen. Nachdem die israelische Marine die Schiffe in internationalen Gewässern aufgebracht und nach Israel gebracht hatte, wurde Scheytt mit anderen Aktivisten von den Israelis inhaftiert und einige Tage später abgeschoben.

Ein Gespräch über Judiths Politisierung und Aktivismus, Fridays For Future Deutschland, die Verleihung sowie spätere Aberkennung des Donnepp-Media-Preises durch den "Verein der Freunde des Adolf-Grimme-Preises" und ihr Mitwirken an der "Globalen Sumud-Flottille" + eure Fragen via Raya

2:11:57

Wir sprechen mit Philipp Staab, Professor für Soziologie der Zukunft der Arbeit an der Humboldt-Universität Berlin, über seine Forschung und den digitalen Kapitalismus von Amazon, Facebook, Google & Co  + Hans mit euren naiven Fragen zum Thema

3:12:55

Diskussion mit Kommunikationswissenschaftlerin Nadia Zaboura, Stephan Detjen (Chefkorrespondent Deutschlandradio), Hans Jessen (ehemals ARD) und Tilo (Chefredakteur J&N) über den deutschen Journalismus zum Komplex Israel & Palästina.

5:21:50

Zu Gast im Studio: Politologe Sebastian Huhnholz, Privatdozent der LMU München und derzeit Gastwissenschaftler in der Forschungsgruppe „Monetäre Souveränität“ am Hamburger Institut für Sozialforschung. Dieses Jahr erschien sein Buch "Der andere Ökonom - Max Webers Spätwerk und die fiskalische Verfassung einer neuen deutschen Demokratie" (Duncker & Humblot Verlag) Ein Gespräch über Sebastians Arbeit als Politischer Theoretiker und seine Forschungsthemen, Herrschaft, Gehorsam und Freiheit, Steuern als Raub und die Geschichte von "no taxation without representation", "Christus und Fiskus", vermeintliche Selbstverständlichkeiten in unseren heutigen Gesellschaften, Revolution und fiskalische Transformationsphasen, Technokratie und Plutokratie, Schulden und Schuld, Privatschulden, Staatsverschuldung und die "schwäbische Hausfrau", die Geschichte von Begriffen wie Fiskus und Steuern, die Verfassung der BRD und die staatsfinanziellen Handschellen, Besteuerung von Vermögen vs. Einkommen sowie den historischen Weg zur Schuldenbremse und zu Sondervermögen von heute uvm.

2:09:04

Wir sind zurück im "Ocelot" und treffen den deutsch-israelischen Philosophen Omri Boehm, dessen Buch "Israel - Eine Utopie" gerade erschienen ist. Omri wurde 1979 in Haifa geboren, hat in Heidelberg sowie München studiert und arbeitet als Philosophieprofessor in New York.

Mit Omri geht's zunächst um seinen Werdegang: Wie ist er als Jude in Israel aufgewachsen? Was hat ihn an Philosophie gereizt? Warum war er beim Geheimdienst statt beim Militär? Was hat er in der Zeit erlebt? Hat er Dinge getan für die er sich heute schämt? Wann war er zum ersten Mal in den besetzten palästinensischen Gebieten? Was hat er als Jugendlicher von der Besatzung mitbekommen?

Wir sprechen über Zionismus: Was bedeutet Zionismus für Omri? Sollten Deutsche Zionisten sein? Kann er nachvollziehen, warum sich Palästinenser als Antizionisten sehen? Welche Rolle spielt die seit 1967 andauernde Besatzung im heutigen Zionismus? Warum hat man in Deutschland von der Nakba noch nie gehört?

Wieso tritt Omri ein für jüdische Selbstbestimmung statt für einen jüdischen Staat? Warum beißt sich ein jüdischer Staat mit einem demokratischen? Ist Israel eine Demokratie? Wir sprechen über Apartheid, jüdische Siedler und die Realität in den besetzten Gebieten.

Es geht um Israels Ministerpräsidenten Benjamin "Bibi" Netanjahu: Wieso fällt es uns so schwer von einem Rechtsradikalen zu sprechen? Weshalb ist die größte Regierungspartei rechtsradikal? Ist der Likud vergleichbar mit der AfD in Deutschland? Wieso ist der aktuelle Ausnahmezustand aufgrund von Corona gefährlich?

Zum Schluss geht's um Omris Einstaatenlösung: Warum ist die präferierte Zweistaatenlösung eine Illusion? Warum wird dennoch daran festgehalten? Was hat das mit dem Klimawandel zu tun? Wie kann ein bi-nationaler Staat für Juden und Palästinenser aussehen und funktionieren? Wieso nimmt Omri hier Haifa statt Tel Aviv als Vorbild? Wie könnte der gemeinsame Staat heißen? Und wieso sollten Deutsche sich mit dem Nahostkonflikt auseinandersetzen?