Jung & Naiv (Medienpräsenz)

3:03:40

Diskutiert im Jung & Naiv Forum ► http://forum.jungundnaiv.de/

Zu Gast im Studio: Historiker Sven Beckert. Er beschäftigt sich vor allem mit der Geschichte der Vereinigten Staaten im 19. Jahrhundert, der Geschichte des Kapitalismus und Globalgeschichte. Beckert ist Laird Bell Professor of History an der Harvard University. Zuletzt erschien sein Buch "Kapitalismus - Geschichte einer Weltrevolution" im Rowohlt-Verlag.

Ein Gespräch über den amerikanischen Regime Change in Venezuela, Kontrolle über Öl, die neoliberale Ära seit den 1970ern, die Definitionen von Neoliberalismus und Kapitalismus, Verschleierung der kapitalischen Ordnung anhand von Sprache wie "soziale Marktwirtschaft", "Arbeitgeber" und "Arbeitnehmer", die Rolle des Zwangs, Svens Weg zur Harvard-Uni, Harvard als Reproduktionsort von Eliten und Ordnung, Kapitalismus als Weiterentwicklung bzw Transformation von Sklaverei, die Rolle der Zeitmessung in Fabriken, die Rolle von Kaufleuten und Adam Smiths Kritik an der Anhäufung von Geld (Gold und Silber) sowie (technologischer) Fortschritt als andauernde Perfektionierung der Versklavung unseres Denkens, die Kontrolle unserer Aufmerksamkeit und die Verhinderung des Zugangs zur wahren Realität (Noumenon) nach Immanuel Kant + eure Fragen via Hans


 

1:46:50

Wir sind zu Gast bei der Deutsch-Arabischen Gesellschaft in Berlin und treffen ihren Vorsitzenden: Michael Lüders. Michael ist Politik- und Islamwissenschaftler, war schon in Folge 312 zu Gast und hat vor kurzem sein neues Buch "Armageddon im Orient" herausgebracht.

Zu Beginn geht's um Michaels letzten Trip in den Nahen Osten: Was hat er im Libanon gemacht? Was für eine Rolle spielt die Hisbollah dort? Obwohl der Iran und die Hisbollah Verbündete sind, haben sie auch unterschiedliche Interessen: Michael versucht sie zu erklären.

Es geht um das Kidnapping und den erzwungenen Rücktritt des libanesischen Premierministers Saad Hariri durch den saudischen Kronprinzen Mohammed Bin Salman. Was hat sich MBS dabei gedacht? Wie ist Hariri am Ende wieder frei gekommen?

Warum hat Michael sein Buch "Armageddon im Orient" genannt? Warum liest man angeblich nichts in der Zeitung, worüber Michael schreibt? Was hat ihn bei seinen Recherchen überrascht?

Warum führen die Saudis Krieg im Jemen? Kennt Michael die "unmittelbar Beteiligten" dieses Krieges? Ist Deutschland mittelbar beteiligt? Warum tut sich deutsche Außenpolitik so schwer mit diesem Königreich? Ist Saudi-Arabien eine US-Kolonie, wie Trump letztens suggerierte? Braucht es einen "regime change" in Riad?

Dann geht's um die Auswirkungen der US-Sanktionen gegen den Iran: Warum treten sie ausgerechnet am 4. November 2018 in Kraft? Was haben sie zur Folge? Gibt es Ausnahmen?

Außerdem geht's um die Rolle der Türkei, den Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern sowie das vermeintliche Ende des Syrienkriegs: Hat Assad gewonnen? Wie kann die Welt Assad irgendwann für seine Verbrechen bestrafen? 

3:59:45

Zu Gast im Studio: Judith Scheytt. Seit ihrem elften Lebensjahr engagiert sie sich selbst politisch für Klimaschutz und Menschenrechte, darunter für Kinder und queere Menschen. Von 2021 bis spätestens 2024 gehörte sie dem Stuttgarter Organisationsteam von Fridays for Future an, 2022 war sie Sprecherin der Bewegung. 2021 verklagte Scheytt das Bundesland Baden-Württemberg auf Nachschärfung des Landesklimagesetzes. 2022 erhielt Scheytt für ihr ehrenamtliches Engagement eine Einladung von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ins Schloss Bellevue. 2024 gewann sie mit einem Podcast über die Klimaschutzbewegung "Die letzte Generation" den ersten Platz des Schülerwettbewerb des Landtages Baden-Württemberg.

Im Januar 2025 wurde die damals 17-jährige vom Verein der Freunde des Adolf-Grimme-Preises für ihre medienkritische Thematisierung der deutschen Medienberichterstattung über den Krieg mit einer besonderen Ehrung des Donnepp-Media-Preises ausgezeichnet. Wenige Monate später wurde ihr der Preis aberkannt nach Druck auf den Verein durch die "Kölnische Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit".

Im September/Oktober 2025 reiste Judith Scheytt an Bord eines Schiffes der Gaza Flotilla in Richtung des Gazastreifens, um Lebensmittel und humanitäre Güter in das von Israel abgeriegelte Gebiet zu bringen. Nachdem die israelische Marine die Schiffe in internationalen Gewässern aufgebracht und nach Israel gebracht hatte, wurde Scheytt mit anderen Aktivisten von den Israelis inhaftiert und einige Tage später abgeschoben.

Ein Gespräch über Judiths Politisierung und Aktivismus, Fridays For Future Deutschland, die Verleihung sowie spätere Aberkennung des Donnepp-Media-Preises durch den "Verein der Freunde des Adolf-Grimme-Preises" und ihr Mitwirken an der "Globalen Sumud-Flottille" + eure Fragen via Raya

2:11:57

Wir sprechen mit Philipp Staab, Professor für Soziologie der Zukunft der Arbeit an der Humboldt-Universität Berlin, über seine Forschung und den digitalen Kapitalismus von Amazon, Facebook, Google & Co  + Hans mit euren naiven Fragen zum Thema

3:12:55

Diskussion mit Kommunikationswissenschaftlerin Nadia Zaboura, Stephan Detjen (Chefkorrespondent Deutschlandradio), Hans Jessen (ehemals ARD) und Tilo (Chefredakteur J&N) über den deutschen Journalismus zum Komplex Israel & Palästina.

5:21:50

Zu Gast im Studio: Politologe Sebastian Huhnholz, Privatdozent der LMU München und derzeit Gastwissenschaftler in der Forschungsgruppe „Monetäre Souveränität“ am Hamburger Institut für Sozialforschung. Dieses Jahr erschien sein Buch "Der andere Ökonom - Max Webers Spätwerk und die fiskalische Verfassung einer neuen deutschen Demokratie" (Duncker & Humblot Verlag) Ein Gespräch über Sebastians Arbeit als Politischer Theoretiker und seine Forschungsthemen, Herrschaft, Gehorsam und Freiheit, Steuern als Raub und die Geschichte von "no taxation without representation", "Christus und Fiskus", vermeintliche Selbstverständlichkeiten in unseren heutigen Gesellschaften, Revolution und fiskalische Transformationsphasen, Technokratie und Plutokratie, Schulden und Schuld, Privatschulden, Staatsverschuldung und die "schwäbische Hausfrau", die Geschichte von Begriffen wie Fiskus und Steuern, die Verfassung der BRD und die staatsfinanziellen Handschellen, Besteuerung von Vermögen vs. Einkommen sowie den historischen Weg zur Schuldenbremse und zu Sondervermögen von heute uvm.

2:09:04

Wir sind zurück im "Ocelot" und treffen den deutsch-israelischen Philosophen Omri Boehm, dessen Buch "Israel - Eine Utopie" gerade erschienen ist. Omri wurde 1979 in Haifa geboren, hat in Heidelberg sowie München studiert und arbeitet als Philosophieprofessor in New York.

Mit Omri geht's zunächst um seinen Werdegang: Wie ist er als Jude in Israel aufgewachsen? Was hat ihn an Philosophie gereizt? Warum war er beim Geheimdienst statt beim Militär? Was hat er in der Zeit erlebt? Hat er Dinge getan für die er sich heute schämt? Wann war er zum ersten Mal in den besetzten palästinensischen Gebieten? Was hat er als Jugendlicher von der Besatzung mitbekommen?

Wir sprechen über Zionismus: Was bedeutet Zionismus für Omri? Sollten Deutsche Zionisten sein? Kann er nachvollziehen, warum sich Palästinenser als Antizionisten sehen? Welche Rolle spielt die seit 1967 andauernde Besatzung im heutigen Zionismus? Warum hat man in Deutschland von der Nakba noch nie gehört?

Wieso tritt Omri ein für jüdische Selbstbestimmung statt für einen jüdischen Staat? Warum beißt sich ein jüdischer Staat mit einem demokratischen? Ist Israel eine Demokratie? Wir sprechen über Apartheid, jüdische Siedler und die Realität in den besetzten Gebieten.

Es geht um Israels Ministerpräsidenten Benjamin "Bibi" Netanjahu: Wieso fällt es uns so schwer von einem Rechtsradikalen zu sprechen? Weshalb ist die größte Regierungspartei rechtsradikal? Ist der Likud vergleichbar mit der AfD in Deutschland? Wieso ist der aktuelle Ausnahmezustand aufgrund von Corona gefährlich?

Zum Schluss geht's um Omris Einstaatenlösung: Warum ist die präferierte Zweistaatenlösung eine Illusion? Warum wird dennoch daran festgehalten? Was hat das mit dem Klimawandel zu tun? Wie kann ein bi-nationaler Staat für Juden und Palästinenser aussehen und funktionieren? Wieso nimmt Omri hier Haifa statt Tel Aviv als Vorbild? Wie könnte der gemeinsame Staat heißen? Und wieso sollten Deutsche sich mit dem Nahostkonflikt auseinandersetzen?

3:54:50

Zu Gast im Studio: Anne Brorhilker. Sie war Oberstaatsanwältin bei der Staatsanwaltschaft Köln und erlangte durch ihre Ermittlungen zum Cum-Ex-Steuerbetrug internationale Bekanntheit. Im April 2024 beantragte sie wegen ihrer Zweifel am politischen Willen zur Aufklärung des Steuerskandals die Entlassung aus dem Beamtenverhältnis. Seither ist sie Co-Geschäftsführerin der Bürgerbewegung Finanzwende. Im November 2025 erschien ihr Buch: "Cum/Ex, Milliarden und Moral - Warum sich der Kampf gegen Wirtschaftskriminalität lohnt" (Penguin, 2025)

Ein Gespräch über Annes neuen Job als Lobbyistin für die gute Sache und ihre Co-Geschäftsführung von Finanzwende, Gemeinnützigkeit, die politische Macht der Finanzmarktlobby, Saul Goodmann & Mafiamethoden, Wirtschaftsstrafrecht, massive strukturelle Probleme in Deutschlands Verwaltung und der selbstgemachte schwache Staat zum Nutzen der Reichen, Annes Eltern und beruflichen Werdegang, ihre ersten Jahre als Staatsanwältin in der Gnadenstelle, die Funktion von Cum-Ex-Geschäften und ihre Geschichte, Annes Einarbeiten in den Skandal, Razzien bei Banken vs. Razzien bei Drogenhändlern, die Rolle bei Cum-Ex von Olaf Scholz und Peter Tschentscher, politischen Aufklärungswillen sowie den Staat als Selbstbedienungsladen der Reichen uvm

3:36:35

Zu Gast im Studio: Soziologe Klaus Dörre. Dörre studierte von 1976 bis 1982 Politikwissenschaft, Soziologie, Wirtschafts- und Sozialgeschichte und Volkswirtschaftslehre an der Philipps-Universität Marburg, wo er 1992 promoviert wurde. Er war von 2001 bis 2006 geschäftsführender Direktor des Forschungsinstituts Arbeit, Bildung, Partizipation an der Ruhr-Universität Bochum. Dörre habilitierte sich 2002 an der Universität Göttingen, und anschließend war er dort als Privatdozent tätig. 2004 erhielt Dörre einen Ruf an die Friedrich-Schiller-Universität Jena. Seit 2005 war er dort Professor für Arbeits-, Industrie- und Wirtschaftssoziologie. 2025 ging er in den Ruhestand.

Ein Gespräch über autoritären Liberalismus, Friedrich Merz und Donald Trump, die Schwäche der Gewerkschaften, die Klassen- und die Klimafrage, die Boomer-Generation und Gerontokratie, "Outlaw-Stolz", Transformationswiderstand des deutschen Kapitals, Reform oder Revolution, keine Demokratie ohne Wirtschaftsdemokratie, Kapitalismus und Faschismus sowie Klaus' Jugend, Eltern, Werdegang und seine soziologische Denkschule uvm. + eure Fragen via Hans

4:12:15

Zum vierten Mal zu Gast im Studio: Aladin El-Mafaalani, Soziologe und Hochschullehrer sowie Träger des Bundesverdienstkreuzes. Seit 2024 ist er Professor für Migrations- und Bildungssoziologie an der Technischen Universität Dortmund. Von 2013 bis 2018 war er Professor für Politikwissenschaft und Politische Soziologie an der FH Münster. Von 2019 bis 2024 war er Ordinarius für Erziehungswissenschaft mit Schwerpunkt Erziehung und Bildung in der Migrationsgesellschaft an der Universität Osnabrück.

Ein Gespräch über die Migrationsforschung vs. heutige Migrationspolitik, die Zukunft des Rentensystems und alternative Modelle, den "Prinzipienrassismus" von Friedrich Merz, Systemkrisen, Vertrauen vs. Misstrauen, die Abgrenzung zu Glaube und Hoffnung, konstruktives vs. destruktives Misstrauen, gerechtfertigtes vs. ungerechtfertigtes Vertrauen in die Wissenschaft sowie das gerechtfertigte Vertrauen der Reichen und Konzerne in deutschen Staat.