The Chris Hedges YouTube Channel (Medienpräsenz)

39:20

Westliche Staaten loten in Fällen wie der Sanktionierung des deutschen Journalisten Hüseyin Dogru die Grenzen ihrer weitreichenden Einschränkung der Meinungsfreiheit aus.

Zeitmarken

(0:00) Einleitung

(3:10) Was in Deutschland zu Problemen führen kann

(6:13) Wann gab es die ersten Anzeichen für Schwierigkeiten?

(13:33) Warum Deutschland Israel unterstützt

(18:37) Wie Huseyin von den Sanktionen erfuhr

(26:52) Rechtliche Schritte

(30:40) Alltag

(34:13) Auswirkungen auf andere Medienorganisationen

(38:46) Ausklang


Western states test the limits of their expansive repression of free speech in cases such as the sanctioning of German journalist, Hüseyin Dogru.

Timestamps

(0:00) Intro (3:10) What gets you in trouble in Germany 
(6:13) When was the first indication of trouble? 
(13:33) Why Germany supports Israel 
(18:37) How Huseyin found out about sanctions 
(26:52) Legal recourse 
(30:40) Daily life 
(34:13) Effect on other media orgs 
(38:46) Outro

28:29

Zeitmarken

Einordnung des Konflikts

00:03 – Vorstellung des Gastes und Einstieg in die Diskussion über den Ukrainekrieg. Thematisiert werden die Eskalation zwischen NATO und Russland, die Verbindung zum Konflikt mit dem Iran sowie die zunehmende Bedeutung wirtschaftlicher und energiepolitischer Ziele.

Mögliche Kriegsentwicklung

01:52 – Der Gesprächspartner skizziert seine Erwartung, dass sich der Krieg seinem Ende nähern könnte. Als mögliches Endjahr nennt er 2027 und begründet dies mit militärischen, wirtschaftlichen und energiepolitischen Entwicklungen.

Kritik an westlicher Strategie

04:20 – Ausführliche Kritik an der westlichen Kriegsführung: wechselnde Zielsetzungen, Waffenlieferungen, Einschätzung russischer Kriegsziele sowie Zweifel an diplomatischen Initiativen.

Szenario einer Eskalation

06:33 – Hypothetisches Szenario eines direkten Konflikts zwischen Russland und Europa. Diskutiert werden Artikel 5, mögliche russische Angriffe auf europäische Rüstungsproduktion und die Verwundbarkeit Europas.

Luftverteidigung und Energie

10:30 – Darstellung der Grenzen westlicher Luftverteidigung, Bewertung von Patriot-Systemen und Hyperschallwaffen sowie Übergang zur Bedeutung von Energieversorgung und Diplomatie.

Diplomatie und Vertrauensverlust

10:37 – Diskussion über Friedensverhandlungen, Minsk, Istanbul und den Vorwurf, Diplomatie werde vor allem taktisch eingesetzt. Daraus leiten die Gesprächspartner einen Vertrauensverlust Russlands und Irans gegenüber westlichen Staaten ab.

Energie als strategischer Faktor

14:37 – Der ehemalige Marineoffizier beschreibt Energie als Fundament moderner Industriegesellschaften. Er kritisiert Sanktionen, Angriffe auf Energieinfrastruktur und die Folgen für Öl-, Gas- und Dieselmärkte.

Auswirkungen auf Wirtschaft und Versorgung

19:01 – Erläutert werden die Bedeutung von Diesel für Landwirtschaft, Logistik, Industrie und Militär sowie mögliche wirtschaftliche Folgen steigender Energiepreise, insbesondere für Europa.

Wirtschaft als Friedensfaktor

25:20 – Die These lautet, dass wirtschaftlicher Druck letztlich eher zur Beendigung der Kriege führen könne als militärische Entwicklungen. Gleichzeitig werde sich das Energiesystem nur langsam erholen.

Europäische Verwundbarkeit

26:20 – Zum Abschluss beginnt die Diskussion über die besondere Verwundbarkeit Europas aufgrund mangelnder Diversifizierung der Energieversorgung und der Risiken weiterer Eskalation.

Risiko einer Eskalation

34:48 – Ausgehend von der Verwundbarkeit kritischer Energieinfrastruktur wird ein mögliches direktes militärisches Szenario zwischen Russland und europäischen NATO-Staaten diskutiert. Der Gesprächspartner betont die langfristigen wirtschaftlichen Folgen eines Angriffs auf Energieanlagen.

Risikomanagement und öffentliche Debatte

36:00 – Die Wahrscheinlichkeit eines russischen Gegenschlags wird als möglicherweise gering, die Folgen jedoch als außerordentlich schwerwiegend beschrieben. Gefordert wird eine offene gesellschaftliche Debatte über diese Risiken.

Ukraine als Warnbeispiel

37:40 – Die Zerstörung der ukrainischen Energieversorgung wird als Beispiel für mögliche Folgen eines großen europäischen Krieges herangezogen. Als Alternative wird eine Rückkehr zur Diplomatie genannt.

Historische Entwicklung seit 1990

39:55 – Es folgt eine ausführliche Kritik an der europäischen Sicherheitsordnung nach dem Kalten Krieg. Thematisiert werden NATO-Erweiterung, unterlassene Kooperation mit Russland sowie frühere Warnungen vor einer Eskalation.

Ziele des politischen Establishments

43:44 – Abschließend wird die These vertreten, westliche Regierungen wollten Russland aus einer Position der Stärke an den Verhandlungstisch bringen, unterschätzten dabei jedoch die militärische Lage und die damit verbundenen Risiken.

47:14

Professorin Marie Gottschalk erklärt, wie Trumps Aufstieg eine Folge des US-Imperiums, der Militarisierung der Polizei und des Würgegriffs des Kapitals auf die Politik ist.


Professor Marie Gottschalk explains how Trump's rise is a consequence of US empire, the militarization of the police and capital's stranglehold on politics.

58:48

Foto im Vorschaubild: WASHINGTON, DC – 20. JANUAR: Präsident Barack Obama (rechts) und der designierte Präsident Donald Trump lächeln im Weißen Haus vor der Amtseinführung am 20. Januar 2017 in Washington, D.C. Trump wird der 45. Präsident der Vereinigten Staaten. (Foto: Kevin Dietsch-Pool/Getty Images)

57:29

Die Sonderberichterstatterin der Vereinten Nationen, Francesca Albanese, schildert in ihrem Buch „When the World Sleeps“ das immense Leid in Palästina und beklagt die Aushöhlung des Völkerrechts.

Zeitmarken

(0:00) Einleitung
(2:45) Die Lage von Dr. Hussam Abu Sayif
(9:29) Die Eliminierung von Mitarbeitern des Gesundheitswesens
(14:15) Die Rolle der Medien beim Völkermord
(15:21) Die Mitschuld des Westens

(16:16) Parallelen zwischen Holocaust und Völkermord
(18:35) Die Verbindung zwischen Palästina und dem Rest der Welt
(25:50) Protest durch direkte Aktionen
(26:20) Palästina als Rechtsfrage und rechtliche Dekolonialisierung
(31:39) Trump verhängt erneut Sanktionen
(37:56) Trump als der Caligula unserer Zeit
(41:56) Die „Gaza-Riviera“ ist eine Ablenkung

(43:51) Die Gasfelder in Gaza, die Israel will
(44:57) Wo befinden sich die Gasfelder?
(45:20) Kinder in Gaza
(53:58) Gabor Maté
(56:59) Ausklang


United Nations Special Rapporteur Francesca Albanese shares stories of the immense suffering in Palestine and laments the gutting of international law in her book, “When the World Sleeps."
Timestamps

(0:00) Intro 
(2:45) The state of Dr. Hussam Abu Sayif 
(9:29) Elimination of healthcare workers 
(14:15) The role of media in genocide 
(15:21) The West’s complicity 
(16:16) Parallels between holocaust and genocide 
(18:35) Connection between Palestine and rest of world 
(25:50) Direct action protest 
(26:20) Palestine as a legal issue and legal decolonialization 
(31:39) Trump reimposing sanctions 
(37:56) Trump as the Caligula of our time 
(41:56) Gaza Riviera is a distraction 
(43:51) Gas fields in Gaza that Israel wants 
(44:57) Where are the gas fields? 
(45:20) Children in gaza 
(53:58) Gabor Maté 
(56:59) Outro

23:06

Aktivist Thiago über seine Festnahme durch israelische Streitkräfte während einer Hilfsflottille für den Gazastreifen sowie über die anschließende Haft und Misshandlungen

Hier ist eine ausführliche Zusammenfassung des Interviews zwischen Chris Hedges und dem Aktivisten Thiago über die Festnahme und die anschließende Haft durch israelische Einsatzkräfte.

1. Route und Abfangen der Flottille auf hoher See

  • Der Routenverlauf: Die humanitäre Flottille stach am 15. Mai in Barcelona in See, fuhr über Sizilien (wo weitere Boote und Teams hinzukamen) und sollte über Griechenland und die Türkei in den Gazastreifen gelangen.
  • Zwischenstopp vor Kreta: Wegen eines aufziehenden Sturms im Mittelmeer und der Reparaturbedürftigkeit der älteren Boote steuerte die Flottille die griechische Insel Kreta an.
  • Das Abfangen (Interception): Etwa 600 nautische Meilen vor Gaza erschienen israelische Kriegsschiffe und Militärdrohnen,. Von Schlauchbooten (Ribs) aus enterten rund 20 bewaffnete Kommandos die Schiffe. Von den insgesamt knapp 50 Booten der Flottille wurden 22 Boote abgefangen und insgesamt 181 Aktivisten festgenommen; ca. 30 Boote konnten nach Griechenland ausweichen.
  • Zerstörung der Schiffe: Thiago bezeichnet das Vorgehen als Entführung. Anders als bei früheren Aktionen ging es den Einsatzkräften diesmal nicht primär um die Beschlagnahmung der Hilfsgüter oder Boote: Manche Boote wurden leck geschlagen oder die Motoren wurden zerstört, um sie im Meer versinken zu lassen.

2. Bedingungen auf dem Militärschiff (Schwimmendes Gefängnis)

  • Infrastruktur: Die Festgenommenen wurden auf ein großes, zu einem schwimmenden Gefängnis umgebautes Militärschiff gebracht. Dieses bestand im Kern aus vier Schiffscontainern um einen offenen Hof.
  • Mangelversorgung & Schikane:
    • In den Containern herrschte tagsüber extreme Hitze und nachts große Kälte.
    • Trinkwasser und Nahrung (altes Brot) waren stark limitiert.
    • Es gab nur etwa 50 Jacken für 181 Personen. Um sich aufzuwärmen, drängten sich die Menschen eng aneinander oder liefen nachts im Hof auf und ab.
    • Zur Schikane fluteten die Soldaten das Deck mit Wasserpumpen, um den Gefangenen die Kälte noch spürbarer zu machen.
    • Zur Abschreckung wurden Blendgranaten geworfen und Zielfernrohr-Laser auf Gefangene gerichtet,.

3. Kollektiver Hungerstreik und Nicht-Kooperation

Am zweiten Tag auf dem Schiff fällten die Gefangenen in einer Versammlung den Entschluss zur Arbeits- und Kooperationsverweigerung sowie zum Hungerstreik,.

Ihre Forderungen umfassten:

  1. Die Rückkehr von sechs zuvor isolierten Mitstreitern.
  2. Medizinische Versorgung (insbesondere für Herz- und Diabeteskranke).
  3. Grundlegende Hygieneartikel (u. a. Damenbinden), ausreichend Trinkwasser und Decken/Bekleidung.

Als Reaktion auf das Gesangs- und Protestverbot der Soldaten antworteten die Gefangenen mit gewaltfreien nächtlichen Gesängen.

4. Gezielte physische und psychische Gewalt gegen Thiago

Da Thiago bereits zum dritten Mal innerhalb eines Jahres festgenommen worden war, erkannten ihn die Soldaten sofort und behandelten ihn als einen der Hauptorganisatoren.

  • Massive körperliche Übergriffe: Beim gewaltsamen Auflösen des Protests und dem Abtransport wurde Thiago von mehreren Soldaten abgedrängt, schwer am Kopf und Körper getreten sowie gegen Metalltüren geschlagen, woraufhin er das Bewusstsein verlor.
  • Verletzungen: Er erlitt starke Schwellungen im Gesicht (rechtes Auge komplett zugeschwollen), Hörprobleme am rechten Ohr und schwere Prellungen am gesamten Körper,.
  • Systematische Schikane im Flur: Gefesselt und mit verbundenen Augen wurde er über Gänge geschleift; vorbeigehende Soldaten schlugen, traten und bespuckten ihn wiederholt,.
  • Todesdrohungen & Psychofolter:
    • Ein Soldat legte ihm einen Schnürsenkel um den Hals und drohte, ihn zu erhängen („Neues Gesetz in Israel“).
    • Er wurde an eine offene Schiffsluke gestellt und bedroht, ins offene Meer geworfen zu werden.
    • Einsatz eines Tasers gegen sein rechtes Bein.

5. Überführung und Verhöre auf israelischem Staatsgebiet

  • Transport: Per Schlauchboot und weiteren Schiffen wurde Thiago an Land in eine militärische Einrichtung gebracht,.
  • Einlieferung in die Schabak-Einrichtung: Vor Ort wurde ihm mitgeteilt, dass er sich in einer Verhöreinrichtung des israelischen Inlandgeheimdienstes (Schabak / Shin Bet) befindet.
  • Verhörphase: Er musste Gefängniskleidung anziehen und wurde von anderen Gefangenen isoliert. In den darauffolgenden rund zehn Tagen wurde er von Einheiten des Schabak, des Mossad und der Polizei intensiv verhört – teils bis zu 18 Stunden am Tag.

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1:02:11

Patrick Lawrence und Chris Hedges beschreiben den Niedergang der Mainstream-Medien und des journalistischen Handwerks sowie die düstere psychologische Realität, die hinter der Komplizenschaft der Medien bei den Machenschaften der Mächtigen steckt.

Zeitmarken

(0:00) Einleitung
(3:05) Der Kalte Krieg und die Medien
(6:45) Die Machtelite / Professionalisierung
(13:26) Das Ende des amerikanischen Jahrhunderts
(18:51) Der Schutz der Institutionen

(20:45) Die Schatten der Journalisten
(25:51) Wie Tageszeitungen früher Journalisten unterdrückten
(30:09) Die Realität der Verschiedenheit
(33:41) Entfaktualisierung

(36:58) Das Fehlen von Geschichte
(40:11) Die Vernunft als überholt
(43:25) Redaktionelle Zensur
(49:31) Die Rolle alternativer Medien
(1:01:38) Ausklang


Patrick Lawrence and Chris Hedges chronicle the decline of mainstream media and the craft of journalism, and the dark psychological reality behind media complicity in schemes of the powerful. 

Timestamps

(0:00) Intro 
(3:05) The Cold War and media 
(6:45) The power elite / professionalization 
(13:26) The end of the American century 
(18:51) Protecting the institutions 
(20:45) Journalists’ shadows 
(25:51) How dailies used to suppress journalists 
(30:09) The reality of difference 
(33:41) Defactualizing 
(36:58) Absence of history 
(40:11) Reason as obsolete 
(43:25) Editorial censorship 
(49:31) The role of alternative media 
(1:01:38) Outro

1:02:12

Die investigative Journalistin Maureen Tkacik deckt Jeffrey Epsteins Rolle im Zentrum des globalen Informations- und Finanznetzwerks der Milliardärsclique auf, indem sie die verborgenen Vermögenswerte der New York Daily News und das 1991 von Larry Summers initiierte Privatisierungsprogramm sowjetischer Staatsvermögen untersucht.

Zeitstempel

(0:00) Einleitung 
(1:05) Epsteins Netzwerk übernimmt die Sowjetunion
(1:53) Warum erteilte Wexner Epstein eine Generalvollmacht? 
(4:25) Robert Maxwell kauft die NY Daily News 
(5:40) Maxwells verschwundenes Geld 
(10:24) Welche Rolle spielten Harvard-Ökonomen? 
(14:36) Die sowjetisch-israelische Verbindung 
(17:45) Epstein, Shliefer, Mandelson, Summers 
(25:26) Epsteins Verbindung zu den Maxwells 
(34:08) Epsteins „Freundschaftskampagne mit Ehefrauen“ 
(35:38) Hat Epstein Melania an Trump vermittelt? 
(39:46) Epsteins „Freundschaftskampagne mit Ehefrauen“ (Fortsetzung) 
(47:16) Epsteins Finanzkartell 
(54:14) Das Netzwerk der herrschenden Klasse 
(59:16) Die Berichterstattung der New York Times über Epstein 
(1:01:38) Abspann

11:16

Übersetzung des Transkripts

Nun, alle zusammen, lassen Sie mich noch etwas hinzufügen, was manche vielleicht nicht wissen. Seymour Hersh hat das aufgedeckt. Jonathan Pollard, der CIA-Mitarbeiter, der wegen Spionage verhaftet wurde, weil er Informationen an Israel weitergegeben hatte und inzwischen freigelassen wurde und in Israel lebt, hatte Israel das gesamte Netzwerk der amerikanischen Geheimdienste in Russland offengelegt. Israel tauschte diese Informationen gegen die Freilassung sowjetischer Juden ein. Das spielte sich Mitte der 1980er Jahre ab.

Ich habe mich in meiner Arbeit allerdings vor allem mit Personen beschäftigt, die bereits in den 1970er Jahren aktiv waren. Dennoch ist das ein Thema, über das ich an vielen Stellen gelesen habe – ein roter Faden, der sich durch diese Geschichte zieht. Die Akteure der 1980er Jahre waren natürlich noch bedeutender, denn 1991 war keineswegs der Beginn dieser Entwicklungen. Schon vorher gab es umfangreichen Diebstahl und praktisch mafiöse Übernahmen zahlreicher Unternehmen. Genau mit diesen Zuständen mussten sie sich auseinandersetzen. Es gab Gruppen, die man „Roofs“ nannte. Sie kontrollierten Schutzgelderpressungen rund um staatliche Betriebe. Wer ein Unternehmen privatisieren wollte, musste diese Leute und ihre gesamten Netzwerke bezahlen. Es handelte sich also um eine äußerst komplexe und ungewöhnliche Operation, die auf Menschen angewiesen war, welche die kriminellen Milieus der ehemaligen Sowjetunion gut kannten. Gleichzeitig sollte alles so schnell wie möglich unter dem Schlagwort des freien Marktes und der Schocktherapie nach Milton Friedman umgesetzt werden. Larry Summers war möglicherweise nicht unmittelbar an Andrei Schleifers persönlicher Bereicherung beteiligt, aber er tat alles, was er konnte, um die Angelegenheit zu vertuschen.

Frage: Wo ist Schleifer heute?

Antwort: Schleifer ist immer noch Professor an Harvard.

Seine Frau hatte bereits durch Investitionen in Gazprom sowie verschiedene Öl- und Aluminiumunternehmen, die Leonard Blavatnik gehörten, erheblich von diesen Vorgängen profitiert. Später tauchte sie erneut auf – diesmal gemeinsam mit Paul Singer während der argentinischen Staatspleite, als Vertreterin der sogenannten Holdout-Anleihegläubiger. Dort konnten Renditen von weit über tausend Prozent erzielt werden.

Larry Summers verließ später die Clinton-Regierung, wechselte vom Weltbank-Umfeld ins Finanzministerium und wurde schließlich Finanzminister. Danach übernahm er 2001 das Amt des Präsidenten der Harvard University. Schon bald machte er sich viele Menschen zum Feind. Wie bereits erwähnt, wollte er die klassischen Altertumswissenschaften zurückdrängen. Er glaubte nicht an den Wert der Geisteswissenschaften, schloss das Sanskrit-Institut und führte einen regelrechten Feldzug gegen die Humanities. Er galt vielen als ausgesprochen kulturfern.

Kommen wir nun zu Jeffrey Epstein, Larry Summers und Andrei Schleifer. Ich hatte ursprünglich den Auftrag erhalten, für The Nation eine Art Nachruf auf Larry Summers anlässlich seines zweiten Rücktritts von Harvard zu schreiben. Dabei stieß ich in den Epstein-Unterlagen auf einen faszinierenden E-Mail-Austausch zwischen Jeffrey Epstein und dessen engem Freund Peter Mandelson, dem ehemaligen Labour-Politiker und engen Vertrauten Tony Blairs.

Mandelson und Epstein diskutierten über die Reformen nach dem Dodd-Frank-Gesetz sowie über vergleichbare Maßnahmen in Großbritannien zur stärkeren Regulierung des Finanzsektors, darunter Bankerboni und andere Beschränkungen. Zu dieser Zeit schrieb Epstein Larry Summers selbst nur noch selten direkt – verständlicherweise, denn Summers leitete den National Economic Council, sodass ein reger E-Mail-Verkehr mit Epstein problematisch gewesen wäre. Persönliche Treffen fanden allerdings weiterhin statt.

Während Mandelson und Epstein darüber sprachen, wie sich einige dieser Reformen abschwächen oder verhindern ließen, fragte Mandelson Epstein, was er Larry Summers in Davos sagen solle und ob Summers überhaupt wisse, dass sie miteinander befreundet seien. Epstein antwortete, Mandelson müsse unbedingt den Namen Andrei Schleifer erwähnen. Als Summers noch in Harvard gewesen sei, habe ihn der Schleifer-Skandal schwer belastet. Wenn Mandelson diesen Namen erwähne, werde Summers sofort Vertrauen fassen.

Mandelson verstand zunächst nicht, warum das wichtig sein sollte. Epstein bestand jedoch darauf, dass genau dieser Name der Schlüssel sei. Monate später erinnerte Epstein ihn erneut daran, Schleifer unbedingt wieder zu erwähnen. Mandelson antwortete, er habe das in Davos bereits getan, Summers sei darüber allerdings sehr verlegen gewesen und er wisse nicht, ob er überhaupt Gelegenheit bekommen werde, ihn allein zu sprechen.

Bemerkenswert war auch Epsteins Aussage, er habe Summers damals durch diese schwierige Zeit geholfen und ihn während des gesamten Schleifer-Skandals uneingeschränkt unterstützt. Über die Einzelheiten sprach Epstein jedoch nie. Dass er Mandelson immer wieder aufforderte, dieses völlig sachfremde Thema anzusprechen, vermittelt den Eindruck, dass hier möglicherweise ein Druckmittel oder zumindest eine heikle gemeinsame Vergangenheit im Spiel gewesen sein könnte. Was Epstein konkret für Summers getan haben könnte, bleibt Spekulation.

Der Schleifer-Skandal war eine gewaltige Untersuchung. Harvard musste allein rund zehn Millionen Dollar Anwaltskosten tragen – wahrscheinlich sogar deutlich mehr. Der Universität wurde vorgeworfen, die US-Regierung betrogen zu haben, was für eine Institution wie Harvard äußerst ungewöhnlich war. Formal betraf der Vorwurf zwar eine Harvard-nahe Denkfabrik und nicht unmittelbar die Universität selbst, doch ein Schuldspruch wegen Betrugs gegenüber der Bundesregierung kann grundsätzlich dazu führen, dass keine weiteren staatlichen Gelder mehr bewilligt werden. In der Praxis finden große Institutionen zwar meist Wege, solche Konsequenzen zu umgehen, dennoch war der Fall außergewöhnlich. Dass ausgerechnet Harvard wegen Betrugs an der Regierung angeklagt wurde, war damals ein enormer Skandal.

Larry Summers gelang es weitgehend, die Geschichte aus den Schlagzeilen herauszuhalten. Dennoch erschien ein rund 22.000 Wörter langer Artikel im Institutional Investor, der den gesamten Vorgang detailliert schilderte und zeigte, wie außer Kontrolle diese Gruppe geraten war.

Anfang 2006 wurde dieser Bericht anonym in braunen Umschlägen an zahlreiche Mitglieder der Harvard-Fakultät verschickt. Die Professorenschaft war empört. Besonders Professoren aus Bereichen wie Mathematik und Rechnungswesen – also keineswegs Vertreter der Geisteswissenschaften, die Summers häufig geringschätzte – waren der Meinung, die Situation sei völlig außer Kontrolle geraten. Nur wenige Wochen später, im Februar 2006, kündigte Summers seinen Rücktritt an.

Wenn heute über Summers' Rücktritt als Harvard-Präsident gesprochen wird, erinnern sich die meisten vor allem an seine umstrittenen Äußerungen über Frauen in Mathematik und Naturwissenschaften oder an seine wiederholten Herabsetzungen von Cornel West, angeblich wegen dessen Rap-Album. Tatsächlich gab es jedoch noch andere belastende Faktoren.

Außerdem spielte auch die Harvard Corporation eine Rolle, denn sie hatte nahezu ein Drittel des Universitätsvermögens verloren.

45:47

Matt Kennard behauptet in seinem neuen Buch, dass der parteiübergreifende Krieg gegen den Terror den Grundstein für die Präsidentschaft Trumps und den Aufstieg des Faschismus legte. Wir tragen nun die Konsequenzen dafür, dass Extremisten in die höchsten Regierungskreise gelangten. 

Zeitmarken

(0:00) Einleitung 
(3:31) Warum Rechtsextremisten dem Militär beitreten 
(9:42) Institutionalisierter Faschismus 
(12:07) Der Krieg gegen den Terror führte zu Trump 
(16:06) Posttraumatische Belastungsstörung in den USA 
(17:58) Warum traumatisierte Veteranen sich Trump zuwenden 
(21:18) Ideologie des Rassenkriegs 
(25:54) Ist Hegseth Teil dieser Bewegung? 
(30:12) Ein Symptom des Niedergangs von Imperien 
(33:10) Wird die Politik extremistischer? 
(38:39) Welche Rolle spielt die Einwanderungsbehörde ICE? 
(42:57) Aufstieg des Faschismus 
(45:18) Abspann