21.08.2026

Michael Hudson: Das Finanzsystem des Westens am Rande des Zusammenbruchs

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Medienpräsenz

Prof. Michael Hudson, ein weltweit renommierter klassischer Ökonom, erörtert die Geschichte des Finanzwesens und warum das Finanzsystem des Westens kurz vor dem Zusammenbruch steht.

Überblick

0:04 Einführung: Die Bedeutung der Finanzgeschichte Professor Hudson erläutert, dass man die Geschichte des Finanzwesens verstehen muss, um die Gegenwart als vorübergehenden Zustand und nicht als dauerhaften Status quo zu begreifen. Er weist darauf hin, dass die aktuelle Finanzkrise auf einem unhaltbaren System basiert, in dem Schulden in jedem Zyklus immer weiter ansteigen.

2:55 Demokratie, Autokratie und industrieller Kapitalismus Hudson kritisiert die heutige Definition von „Autokratie“ als eine gemischte Wirtschaft mit staatlichen Investitionen, was im 19. Jahrhundert noch als erstrebenswerter Sozialismus oder industrieller Kapitalismus galt. Das ursprüngliche Ziel war es, Monopolrenten zu verhindern und Kredite als öffentliche Dienstleistung bereitzustellen, um die Kosten der Wirtschaft zu senken.

4:34 Die Einzigartigkeit des Westens und räuberische Oligarchien Im Gegensatz zu antiken asiatischen Gesellschaften (Mesopotamien, Ägypten, China), in denen ein zentraler Herrscher den allgemeinen Wohlstand schützte, konzentrierte sich die Macht im frühen Griechenland und Rom bei einer räuberischen Oligarchie. Diese Dynamik, die die Bevölkerung in die Verschuldung trieb, zerstörte letztlich das Römische Reich und prägt den Westen bis heute.

7:13 Das mathematische Problem: Schulden vs. Wirtschaft Ein Kernproblem der Zivilisation ist, dass Schulden mathematisch schneller wachsen als die reale Wirtschaft. Während China den Aufstieg einer Finanzoligarchie verhindert, führt die westliche Politik zur Polarisierung und zur Abhängigkeit der Schuldner von den Gläubigern.

9:59 Schuldenerlasse als Mittel zum Gleichgewicht In der Antike sicherten Herrscher durch regelmäßige Schuldenerlasse (Jubeljahre) das wirtschaftliche Gleichgewicht. Dies verhinderte, dass Bürger durch Schulden ihre Existenzgrundlage verloren und als Soldaten oder Arbeitskräfte für den Staat ausfielen.

13:24 Finanzialisierung und Deindustrialisierung In westlichen Volkswirtschaften dient das Finanzwesen primär der Schuldenhebelung für Immobilien und Aktien, was Preise treibt, aber kaum in Sachkapital investiert. Dies führt zu Reichtumskonzentration beim obersten 1 % und zur Deindustrialisierung, da Einkommen für den Schuldendienst statt für Konsum genutzt werden.

16:04 Die Wende nach dem Ersten Weltkrieg Nach dem Ersten Weltkrieg etablierte sich ein System, das einseitig die Gläubiger begünstigte, was zur Verarmung Deutschlands und Englands führte. Während Keynes für den Erlass unbezahlbarer Auslandsschulden plädierte, setzten die USA Regeln durch, die Schuldnerländer systematisch in die Enge trieben.

18:17 IWF und die globale Sparpolitik Der IWF setzt gläubigerfreundliche Sparprogramme durch, die die Wirtschaft von Schuldnerländern lähmen, indem sie Investitionen in die Infrastruktur verhindern. Diese Dynamik, die früher nur den globalen Süden traf, verarmt heute zunehmend auch die USA und Europa.

21:17 Kreditkartenschulden und sinkender Lebensstandard In den USA leben 40 % der Menschen von Gehaltsscheck zu Gehaltsscheck und verschulden sich über Kreditkarten mit Zinsen von bis zu 30 %. Dies entzieht dem Binnenmarkt Kaufkraft, da das Geld an Banken statt in Produkte fließt.

24:46 Die Kirche und die Wurzeln des Bankwesens Das internationale Bankwesen wurde paradoxerweise von der römischen Kirche im 11. Jahrhundert gefördert, um Kriege und Kreuzzüge gegen politische Gegner zu finanzieren. Dabei wurden Wucherverbote umgangen, um Könige finanziell an Rom zu binden.

32:55 Entwicklung des modernen Fiskalstaates Da Könige oft zahlungsunfähig wurden, entwickelten Stadtstaaten wie Florenz den Fiskalstaat, der die gesamte Bevölkerung besteuerte, um als „Inkassoagent“ für Bankiers zu fungieren. So übernahmen Finanzinteressen die supranationale Kontrolle über die Regierungen.

38:33 Privatisierung der Politik und Finanzkapitalismus Durch die Finanzierung von Wahlkämpfen wurde der politische Prozess in den USA weitgehend privatisiert. Der heutige Finanzkapitalismus schafft Reichtum durch Verschuldung der Gesellschaft, was im Gegensatz zum produktiven industriellen Kapitalismus des 19. Jahrhunderts steht.

42:06 Notwendigkeit einer zentralen Finanzkontrolle Hudson argumentiert, dass eine Gesellschaft eine zentrale Autorität benötigt, die sicherstellt, dass Kredite für produktive Investitionen und Infrastruktur genutzt werden, anstatt die Wirtschaft in ein „Ponzi-System“ aus Schulden und Zinsen zu verwandeln.

45:52 Die Zukunft des Dollars und geopolitische Krisen Abschließend erörtert Hudson den drohenden Verlust der Dollar-Dominanz, da Länder vermehrt auf Gold und alternative Währungen umsteigen. Er warnt davor, dass Trumps Zoll- und Energiepolitik den globalen Ölhandel gefährdet und zu einer internationalen Depression führen könnte

Sprache (Ton)
Deutsch
Laufzeit
52min 30s

Erstellt: 23.08.2026 - 12:01  |  Geändert: 23.08.2026 - 12:45

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