Unstrittig ist, dass sich in den modernen Gegenwartsgesellschaften eine Transformation vollziehen wird. Es fragt sich allerdings, ob sie stärker von den Verhältnissen erzwungen wird oder im Rahmen gewisser zivilisatorischer Standards gestaltbar ist. Kurz, ob diese Transformation "by design or by disaster" erfolgt. Doch ist es möglich, moderne Gesellschaften gezielt zu transformieren? Fest steht: Ein solch umfassender Wandlungsprozess erfordert weit mehr als technologische Veränderungen. Auch ökonomisch, institutionell und kulturell müssen sich Gesellschaften wandeln. Allein: Es gibt für die Wege in eine zukunftsfähige, nachhaltige Gesellschaft keine Masterpläne. Wie Postwachstumsgesellschaften, etwa eine "reduktive Moderne", konkret und auf die unterschiedlichen Lebensbereiche bezogen aussehen könnten, ist ungewiss. Auch Überlegungen dazu, wie genau die Entwicklungen gestaltet werden müssen, die ein "gutes Leben" für alle Menschen in Freiheit und Sicherheit gewährleisten und gleichzeitig substantiell weniger Natur- und Umweltverbrauch zur Folge haben, sind noch vage. Der Sammelband "Transformationsgesellschaften" will genau dies diskutieren.
Bernd Sommer (Jahrgang 1976) ist ein deutscher Soziologe und Kulturwissenschaftler. Er studierte Sozialwissenschaften in Hannover und an der London School of Economics and Political Science und promovierte 2009 an der Leibniz Universität Hannover im Fach Soziologie mit einer Arbeit zu sozialer Unsicherheit und rechtsextremen Einstellungen in Deutschland. Die Promotion wurde durch ein Stipendium der Friedrich-Ebert-Stiftung gefördert. Zuvor war er wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag sowie Referent der SPD-Bundestagsfraktion. Von 2009 bis 2012 war er am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen tätig und zugleich Referent beim Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU). Ab 2012 leitete er den Forschungsbereich Klima, Kultur und Nachhaltigkeit am Norbert Elias Center for Transformation Design and Research (NEC) der Europa-Universität Flensburg, wo er gemeinsam mit Michaela Christ den Masterstudiengang Transformationsstudien aufbaute und leitete. 2018 habilitierte er sich an der Europa-Universität Flensburg. Seit 2022 ist er Professor für Umweltsoziologie mit dem Schwerpunkt Transformationsforschung an der Technischen Universität Dortmund. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen gesellschaftliche Dimensionen des Klimawandels, sozial-ökologische Transformation, Postwachstum, Rechtspopulismus sowie die Prozess- und Figurationssoziologie nach Norbert Elias. Er ist Mitherausgeber mehrerer Buchreihen und Zeitschriften, darunter der Reihe Transformationen im oekom-Verlag und der Zeitschrift Soziologie und Nachhaltigkeit.