1968, und immer noch: Der unterschätzte Mensch - Ein Gespräch mit Oskar Negt
auf YouTube (30.10.2023) 59:29
Nichts sei gefährlicher als kollektiver Erinnerungsverlust, hat der Philosoph und Soziologe Oskar Negt einmal notiert. Und jetzt ereilt dieser Verlust eine Epoche, die Negt mitgeprägt hat. «Phantasie an die Macht!» rief die rebellierende Jugend 1968 in Berkeley, Paris, Berlin, Zürich. Das wird derzeit wortreich gefeiert - und gleichzeitig liquidiert. Die Befreiung des Individuums ist längst zum Werbeargument verkommen, später Geborene rechnen mit «68» als Quelle aller Übel ab. Negt, der bei Adorno promovierte und Habermas assistierte, ist ein feuriger Kopf geblieben. In kritischer Distanz hat er die Substanz von 1968 weitergedacht, etwa die merkwürdige Beziehung zwischen Privatem und Politischem. Wer, wenn nicht Negt, könnte im Jubiläumsgetöse die verzweigten Wirkungen von 1968 erhellen? Oskar Negt ist zu Gast bei Monika Maria Trost und Michael Pfister.SRF,Sternstunde Philosophie,04.05.2008.©