Wie wir den Staat zurückgewinnen
Souveränität in einer Welt nach dem Neoliberalismus
Gemeinhin gilt die Annahme, souveräne Staaten seien gegenüber einer globalisierten Welt der Finanzmärkte machtlos und damit obsolet geworden. Diese Sichtweise ist weit verbreitet, aber falsch, meinen Thomas Fazi und William Mitchell. Denn der vermeintliche Bedeutungsverlust der Staaten resultiert nicht aus der naturgegebenen Logik des kapitalistischen Globalisierungsprozesses, sondern aus politischen Entscheidungen, die von den Staaten selbst getroffen wurden.
Der erste Teil des Buches analysiert die komplexen Faktoren, die zur Aufgabe einer keynesianisch geprägten Nachkriegsordnung und dem Übergang zum Neoliberalismus führten. Am neoliberalen Umbau und seiner ideologischen Legitimierung waren sozialdemokratische Regierungen maßgeblich beteiligt, sodass sich ihre Kernklientel vorwiegend rechtspopulistischen Parteien zuwandte.
Um die Kontrolle über ihre Lebensumstände wiederzuerlangen, müssen die Bürger den Staat zurückfordern. So entwerfen die Autoren eine radikale Alternative zu rechtspopulistischen Vorstellungen: Nicht weniger Staat, sondern mehr Staat unter demokratischer Kontrolle ist die Lösung. Es geht nicht um einen ethnisch oder national definierten Staat, sondern um einen Staat, der im Dienst seiner BürgerInnen steht – der Schutz gewährt und gleichzeitig weltoffen ist, der demokratische Teilhabe, kollektive Güter und egalitäre Traditionen fördert. Dies wäre zugleich die Voraussetzung für den Aufbau einer neuen internationalen Ordnung, die auf einer Kooperation von voneinander abhängigen, aber souveränen Staaten beruht.
Aus dem Inhalt
TEIL I:
RÜCKBLICK AUF DIE GROSSE TRANSFORMATION: VOM KEYNESIANISMUS ZUM NEOLIBERALISMUS - UND DARÜBER HINAUS
1. Das zerbrochene Paradies: Eine kritische Würdigung der keynesianischen Ära der »Vollbeschäftigung«................. 25
2. Zum Scheitern verurteilt: Die Krise des Keynesianismus und der Aufstieg des Neoliberalismus.............................. 39
3. Diese Option gibt es nicht mehr: Wie Großbritannien und die Labour-Partei in die monetaristische Falle tappten..... 57
4. Der Pariser Konsens: Die französische Linke und die Entstehung des neoliberalen Europas.............................. 69
5. Der Staat war niemals weg: Der Neoliberalismus als staatsgetriebenes Projekt.............................................................83
6. Apres eile, le deluge (Nach uns die Sintflut): Kommt nun das postneoliberale Zeitalter?....................................................................... 127
TEIL II: EINE PROGRESSIVE STRATEGIE FÜR DAS 21. JAHRHUNDERT
7. Auf dem Weg zu einer progressiven Vision von Souveränität.......................................... 137
8. Eine Regierung ist keine schwäbische Hausfrau: Einführung in die moderne Geldtheorie (MMT).......................................................... 145
9. Ich habe einen Job für Sie: Warum eine Jobgarantie besser ist als ein Grundeinkommen.........................................183
10. Wir haben einen (zentralen) Plan: Warum Renationalisierungen nötig sind...........................................................................203
Rezensionen
Fazis und Mitchells „Wie wir den Staat zurückgewinnen“ – das Standardwerk der postkeynesianischen Literatur gibt es nun auch auf Deutsch Der Promedia Verlag des österreichischen Historikers Hannes Hofbauer gibt seit geraumer Zeit Bücher aus den Bereichen Ökonomie, Politik und Gesellschaft mit klar keynesianischer Perspektive heraus. In der Edition Makroskop, wie die Buchreihe heißt, ist zuletzt auch das Werk „Wie wir den Staat zurückgewinnen. Souveränität in einer Welt nach dem Neoliberalismus“ des italienischen Journalisten Thomas Fazi und des australischen Ökonomen William Mitchell erschienen. Das Buch ist die deutsche Übersetzung von „Reclaiming the State: A Progressive Vision of Sovereignty for a Post-Neoliberal World“ aus dem Jahr 2017, einem Grundlagenwerk der postkeynesianischen Ökonomie. Die Autoren widersprechen darin dem selbst unter Linken weit verbreiteten Glauben, dass im Zeitalter der Globalisierung keine nationale Wirtschaftspolitik mehr möglich ist. Als Gegenentwurf zum globalen Neoliberalismus schlagen sie die Modern Monetary Theory (MMT) vor, eine Spielart des Postkeynesianismus, die vor allem in den 2010er-Jahren für Furore sorgte. Eine Rezension von Thomas Trares. Nachdenkseiten 06.09.2026
Mit Schulden und Geldpolitik gegen den Neoliberalismus: Thomas Fazi und William Mitchell argumentieren in ihrem Buch von links für einen souveränen Nationalstaat. Die notwendige Staatskritik bleibt dabei leider außen vor: (...) Die Linke soll wieder groß werden. Dieser Wunsch, dieses Ziel steht gleich zu Beginn des Buches von Thomas Fazi und William Mitchell, das auf Englisch bereits 2017 erschienen ist und nun auch auf Deutsch vorliegt. Das Ziel ist aus Sicht der beiden Autoren nur zu erreichen, indem die Linke den Staat zurückgewinnt. Sie stellen sich damit in die Tradition derer, die auf verschiedenen Wegen versucht haben, die Macht im Staat zu übernehmen. Von HELGE BUTTKEREIT Hintergrund Nachrichtenmagazin 12.03.2026
Wie wollen wir leben: Den neoliberalen Forderungen nach weniger Staat gilt es die nach mehr Staat entgegenzusetzen. Die rückgängigen Auffassungen, dass souveräne Staaten eher den Finanzmärkten ausgesetzt und von ihnen abhängig sind, bedürfen in der globalen Entwicklung einer Korrektur: „Der Bedeutungsverlust der Staaten ist kein Naturgesetz der Globalisierung, sondern Ergebnis politischer Entscheidungen“. (...) Der Analyse, dass die Rechte deshalb Zulauf findet, weil es ihr gelingt, „kraftvolle Erzählungen über kollektive Identität zu entwerfen, in denen nationale Souveränität in ethnozentristischen, nationalistischen oder sogar rassistischen Begriffen definiert wird“, müssen deshalb progressive, freiheitliche und menschenwürdige Alternativen entgegengesetzt werden. Von Jos Schnurer socialnet.de 29.09.2025
Weitere Pressestimmen
Thomas Fazi, Journalist, und William Mitchell, Inhaber des Lehrstuhls für Ökonomie des Forschungszentrums «Centre of Full Employment» der Universität in Newcastle, Australien, versuchen nachzuweisen, dass souveräne und demokratische Territorialstaaten den Finanzmärkten nicht machtlos ausgeliefert sind. Der Bedeutungsverlust der Staaten ist kein Naturgesetz der Globalisierung, sondern das Ergebnis politischer Entscheidungen eben dieser Staaten. Entsprechend können die Staaten die Kontrolle über die Wirtschaft wieder zurückerlangen. Um die Kontrolle über ihre Lebensumstände zurückzuerlangen, müssen die Bürger den Staat zurückfordern. (…) Das Buch ist sehr lesenswert, da es ein paar herkömmliche Mainstream-Sichtweisen argumentativ widerlegt … www.europa-magazin.ch, Juni 2026
Wer auf der Suche nach einer wirtschaftspolitischen Alternative ist, die die Interessen der Mehrheit über die der Finanzmärkte stellt, wird hier fündig. Klipp, 18.11.2025
Quelle der Pressestimmen: Promedia Shop (14.08.2026)